Verständnis

Nach­dem Sie sich ver­ab­schiedet hat, und sich der Board­ing-Schlange zum Flieger angeschlossen hat, ste­he ich noch mit ihrer Oma ein wenig in der Halle des Düs­sel­dor­fer Flughafens und betreibe etwas Small-Talk. Ihre Oma kommt gebür­tig von der Krim, hat spät noch die deutsche Sprache gel­ernt und spricht daher etwas rade­brechend Deutsch mit jid­dis­chem Ein­schlag. Tagsüber marschiert sie stun­den­lang durch Düs­sel­dorf, abends schal­tet sie die Flim­merk­iste ein:

Chabe ich rus­sis­che Fernse­hen abbestellt. Chabe ich Enkel gesagt, machst du Kabel weg, will ich nicht mehr sehen. Immer das Gle­iche, immer jam­mern sie, immer neg­a­tiv. Russen immer das­selbe. Schaue ich jet­zt Car­men Nebel. Scheen. Und, äh, wie cheisst? Son­ntags, abends, Diri­gent?

André Rieu, helfe ich aus.

Ja

sagt sie und drückt ihre Hände an die Brust

scheeeeeeeen, so scheeeeen. Und schaue ich danach Mann mit Brille…

Gün­ter Jauch.

Ist nicht leicht zu ver­ste­hen. Nicht leicht. Redet mon­tags Palas­berg, auch schw­er, kann ich nicht gut ver­ste­hen. Kom­met dann Mais­chber­ga, kann ich sehr gut ver­ste­hen. Redet gut. Und Anne Will. Redet auch gut. Kann ich auch sehr gut ver­ste­hen. Sehr gutt. Beek­mann, schw­er. Redet schnell, so schnell. Ver­ste­he nicht gutt. Aber Anne Will ver­ste­he ich gutt.

Ja, Anne Will spricht schön deut­lich, stimme ich bei.

Nur ver­ste­he ich nicht: …

Nanu? Wer talkt denn da noch bei der ARD?

Warum reden Deutsche so viel?

Nee, keine Ahnung, das weiß ich auch nicht.

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