Uwe

Sacha Brohm hat mir mal erzählt, er hätte früher unheim­lich gerne in etwas abge­halfterten Biele­felder Kneipen abge­hangen. Irgend­wann wäre man dann dort bekan­nt, “das ist der Sacha da”, und, wenn man aushält, würde man auf Typen tre­f­fen, die einem die merk­würdig­sten Geschicht­en erzählen.
Sowas in der Art war das beim let­zten Biele­felder Inter­net­ge­mein­de­tr­e­ff, kurz Biblo­sta­ti, der Fall: Nach­dem der erste Bulk an Leuten die Heim­reise ange­treten hat­te, und noch der harte Kern im düsteren Hin­ter­stübchen übrig blieb, kam ein erschüt­tert­er Wom­ke vom stillen Örtchen zurück an den Stammtisch:

Also, das glaub­ste ja nicht. Da ste­ht unsere­ins pullernd am Pis­sior, lehnt sich ein­er in meinen Bere­ich rüber und meint: “Ey, ich bin der Uwe. Ich hab, mor­gen Geburt­stag. Kommsse vor­bei, weiße schon mal bescheid. Bring­ste Wod­ka und 2 Cola mit, dann geht das klar. Also tschö dann.” und lehnt sich wieder weg.

Wir schüt­teln alle ver­wun­dert die Köpfe, machen nochmal kurz aus volle Gläs­er leere Gläs­er, da geht ne gute Stunde später die Tür auf: Uwe!

Hey, Jungs! Na, wie schaut’s? Ich bin Uwe. Nur mit das klar ist. Ich mach mor­gen ne Par­ty, seid ihr alle dabei, Ernst-Wie­mann-Straße, gegenüber vom Kranken­haus-Mitte, bringt ihr Wod­ka mit und 2 Cola, ich hab da auch noch ein Fahrrad draußen ste­hen, super Ange­bot, kostet auf­fer Liste 500, ihr kriegt das für 150, braucht noch jemand ein Fahrrad? Hab ich beim Pok­er gewon­nen, lag ein Tausender aufm Tisch. Spitzen­teil, kostet eigentlich 500, ihr kriegt das für 150, ich hab auch noch ein Damen­fahrrad zuhause, Ket­tler, kön­nt ihr anguck­en, kommt ihr mit, ich muss nochmal nach vorne, bis dann.

Ist ja super, denke ich. Eine Stunde später und er hat immer noch densel­ben Getränkewun­sch. Und wieso hat er nicht den Tausender genom­men, wenn er gewon­nen hat? Naja, wir lachen etwas, machen nochmal kurz aus volle Gläs­er leere Gläs­er und tendieren dann ab zur Theke. Am Ende der Theke höre ich schon Uwe, der eine hal­b­volle Becks­flasche schief hal­tend seinem Neben­mann hin­hält:

… is noch frisch. Verkauf ich dir für 1,50.

Ich begle­iche meinen Deck­el und dann sehe ich, dass Uwe tat­säch­lich ein Fahrrad neben sich in der Kneipe ste­hen hat und er haut seinen Neben­mann noch mal kurz an:

… kostet auf der Liste 500, für dich 250!

bis der aus der Kneipe flüchtet. So schnell steigen die Fahrrad­preise in der Tan­gente.

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