Guten Morgen, liebe Folglinge! ☕

Archiv für den 21. April 2011

Guten Morgen

Morgenkaffee

Rome befasst sich mal mit der Fra­ge, wie­so man in Lang­zeit­be­zie­hun­gen irgend­wann das inten­si­ve Rum­knut­schen sein lässt. Hei­ra­ten und Kin­der krie­gen kann man aber trotz­dem. Oder so.

Ich habe ja die vor­gest­ri­ge Mor­gen­be­grü­ßung ange­fan­gen, indem ich Ex-Bielefelder-Blogbeiträge vor­stel­len woll­te, was gna­den­los geschei­tert ist. Denn eigent­lich woll­te ich auch auf Herms Bei­trag über den Musi­kan­ten­stadl zu spre­chen kom­men, der zwar schon drei Wochen her, aber irgend­wie auch zeit­los ist. Herm dol­metscht des öfte­ren also qua­si für Nicht­mit­schunk­ler das Gesche­hen bei Andy Borgs gesun­ge­ner Kaf­fee­fahrt. Beson­ders Krea­ti­ve waren die­ses Mal beim Tex­ten für die jun­gen Zil­ler­ta­ler am Werke:

Fliagt a Flie­ger vor­bei, da wink i zu ihm rauf. Bist du au noch dabei, da bin i super drauf.

Groß­ar­tig.

Für alle Online-Daten-Speicherer erklärt Cas­chy, wie man bei Wua­la zu 14 GB extra gelan­gen kann.

Fried­rich Küp­pers­buschs Wort der Woche ist Energiewende:

[audio:http://httpmedia.radiobremen.de/mediabase/046787/046787_161807.mp3]

Und wäh­rend ich mir die Fra­ge stel­le: War­um sind Mari­an­ne & Micha­el eigent­lich frü­her gegan­gen wor­den als Andy Borg? hole ich mir erst­mal noch einen Kaffee.

[ Foto: Luc van Gent ]

Was ich noch sagen wollte… zu Dina Foxx

Auf der re:publica hat das ZDF neben dem Elek­tri­schen Repor­ter die Internet-Mitmach-Irgendwas-Serie Dina Foxx vor­ge­stellt. Doch nie­mand wuss­te so recht, was das soll. Wäh­rend Mario Six­tus den Elek­tri­schen Repor­ter als sei­nen Schritt in die beruf­li­che Eigen­stän­dig­keit dar­stell­te, hielt sich auch beim danach vor­ge­stell­ten Pro­jekt der Ein­druck, dies sei nicht mehr als eine Arbeitsbeschäftigungsmaßahme.

Ges­tern spiel­ten Real Madrid und der FC Bar­ce­lo­na um den spa­ni­schen Pokal. Das zeig­te das ZDF. Im Anschluss soll­te eine 50 minü­ti­ge Fol­ge von Dia­na Foxx kom­men, einem inter­ak­ti­ven Kri­mi, der einen Anschluss des Fern­se­hens ans Inter­net her­stel­len soll­te. Pro­du­ziert wird das inner­halb des ZDF von der dor­ti­gen Spar­te des klei­nen Fern­seh­spiels, wobei der Name wohl Pro­gramm ist: Klein und Spiel. Es ist halt blo­ße Unter­hal­tung, zu sehen irgend­wann nach dem in die Ver­län­ge­rung gegan­ge­nen spa­ni­schen Fuß­ball­spiels und irgend­wo auf einem unge­guck­ten ZDF-Spartenkanal.

Die Zuhö­r­er­kri­tik des Vor­stel­lungs­run­de des ZDF war auf der re:publica The­ma ver­feh­lend bis höf­lich: Man wünsch­te dem unbe­geis­tern­den Pro­jekt wohl­wol­lend viel Glück, immer­hin hat­te da jemand Arbeit, frag­te nach der Nach­hal­tig­keit die­ser Pro­duk­ti­on, beschwer­te sich über die Abset­zung der 3sat-Sendung neu­es und wünsch­te sich, dass ZDF-Beiträge län­ger in der Media­thek zu sehen sein soll­te. Kri­tik dar­an, dass hier ein über­flüs­si­ges Pro­gramm pro­du­ziert wird, dass selbst im eige­nen Haus nur zur nach­mit­ter­nächt­li­chen Ver­sen­dung taugt: Fehlanzeige.

Nun kann man viel­leicht ein­wen­den, dass es sich bei die­sem Pro­jekt eben um ein Kunst­pro­jekt han­delt, dass eben aus einer klei­nen Nische kommt und nur bestimm­te Per­so­nen in ihrem Kunst­emp­fin­gen anspre­chen soll. Aber gera­de als Kunst­pro­jekt ist es durch­ge­fal­len: Das Test­pu­bli­kum der re:publica zeig­te sich weder am eigent­li­chen Film noch an der gewoll­ten Ver­bin­dung zu Inter­net­tech­ni­ken inter­es­siert. Der Grund ist ein­leuch­tend: Inter­net­tech­ni­ken sind Kom­mu­ni­ka­ti­ons­ka­nä­le von Emp­fän­gern, die auch jeder­zeit Sen­der sind. Das ZDF-Projekt posi­tio­niert sich aber eben nur als Sen­der und ist als Emp­fän­ger nicht rezi­pier­bar vor­han­den. Qua­si das Fernseh-Leserpost-Prinzip. 

Aber viel­leicht soll­te man so die Öffentlich-Rechtlichen ver­ste­hen: Bestehen­des wird ledig­lich adap­tiert und wie­der­ge­käut. So kann man den Begriff re:publica schließ­lich auch ver­ste­hen. Bloß nichts neues.

Hessel, Stéphane — Empört euch!

buchleser

Empö­rung führt zur Ver­bes­se­rung miss­li­cher Lagen, das hat die Ver­gan­gen­heit gezeigt. Daher soll sich die Jugend ruhig empö­ren, wenn sich eine Gele­gen­heit bie­tet. Es kann nur bes­ser wer­den. Die Bot­schaft des Buches ist kurz, aber das ist das Buch sel­ber eben auch.

Wäh­rend ich das Buch im Zug gele­sen habe, saßen mir zwei Män­ner auf einem Vie­rer schräg gegen­über. Der eine hielt aus­ge­brei­tet eine Zei­tung, der ande­re hat­te den Ellen­bo­gen kopf­stüt­zend auf dem rech­ten Ober­schen­kel gestellt und hielt mit der lin­ken Hand ein dicke­res Buch fest. Bei­de lasen.

Und dann — aber Moment, habe ich schon gesagt, dass ich glau­be, dass der Zug­fah­rer mit dem Buch Leh­rer gewe­sen ist? Also, ich glau­be, dass er Leh­rer gewe­sen ist. Dann jeden­falls raschel­te es und der Leh­rer hob sei­nen Kopf und sag­te sei­nem Gegenüber:

Also, das ist jetzt schon min­des­tens das fünf­te Mal, dass Sie einen Teil der Zei­tung fal­len las­sen. So liest man doch kei­ne Zei­tung. Kön­nen Sie nicht auf­pas­sen? Sowas stört einen doch.

Und dann mein­te der Gegenüber:

Na, hören Sie mal! Ich bin Besit­zer die­ser Zei­tung und kann doch wohl mei­ne Zei­tung im Zug fal­len las­sen, so oft und so lan­ge ich will. 

Und dann nahm er einen Teil der Zei­tung und ließ ihn mit aus­ge­streck­tem Arm den Leh­rer im Blick demons­tra­tiv fal­len. Den Kopf etwas zurück­zie­hend schau­te der Leh­rer sein Gegen­über Zäh­ne zei­gend mit streng geschürz­ten Lip­pen ob die­ser Unkul­ti­viert­heit ange­wie­dert an, strich über die Falz sei­nes Buches und las kopf­schüt­telnd wei­ter. Aber nur kurz. Er blick­te wie­der rüber und sagte:

Aber dann neh­men Sie doch wenigs­tens die Wer­bung, da ist das Papier dicker. Und die kann sogar auf dem Boden ste­hen, wenn man sie schon runterwirft.

Und dann nahm er ein Wer­be­pro­spekt sei­nes Gegen­übers und liess das demons­tra­tiv fal­len. Das Pro­spekt stand für 5 Sekun­den und sank dann gänz­lich zu Boden.

Sehen Sie? Das geht viel besser.

Ich weiß nicht, wie die bei­den Kon­tra­hen­ten ver­blie­ben sind, weil ich an der nächs­ten Hal­te­stel­le den Zug ver­ließ. Aber dass es so wün­schens­wert ist, sich immer und über­all gleich zu empö­ren, davon war ich bei Ver­las­sen des Zuges weit weni­ger überzeugt.

Achten Sie auf die Ukulele

So, mal kurz ein klei­nes Kon­zen­tra­ti­ons­spiel für Zwi­schen­durch: Nur auf die Uku­le­le schauen!

Gunter Duecks Gesellschaftsbetriebssystem

Ich kann den Enthu­si­as­mus über Duecks Auf­tritt bei der re:publica nicht so ganz tei­len. Eigent­lich var­riert er doch nur den Satz “Die Phi­lo­so­phen haben die Welt nur ver­schie­den inter­pre­tiert, es kommt aber dar­auf an, sie zu ver­än­dern.” und packt da sei­ne Vor­stel­lung von Mensch x und Mensch y hin­zu. Dass es eher prak­tisch ori­en­tier­te Men­schen gibt und eher sol­che, die gedank­lich selbst­be­stimmt leben wol­len, ist nicht neu. Aber dass es gesell­schaft­lich auf­wärts geht, wenn man nur das letz­te­re Men­schen­bild in den Vor­der­grund rückt, das wage ich zu bezwei­feln. Und schwupps ist die Luft raus aus sei­ner Darstellung.

Lesezeichen

April 2011
Mo Di Mi Do Fr Sa So
« Mrz   Mai »
 123
45678910
11121314151617
18192021222324
252627282930  
Pinnwand
Schriftgröße
Vor 5 Jahren