Die re:publica — ein Schiff unter falscher Flagge?

Morgenkaffee

Ich sel­ber bin kein großer Kon­feren­zgänger, was Inter­net­dinge bet­rifft. Ich war bish­er auf zwei oder drei Bar­camps und auf der re:publica. Von dort habe ich meine drei Tage kurz kom­men­tiert, nicht mit einem objek­tiv­en Anspruch, aber eben ent­täuscht. Ent­täuscht vom belan­glosen Inhalt und von kaum einem inter­res­san­ten, sprich: inspiri­eren­den Gesprächen. Dafür viel Mar­ket­ing-Blabla, Wichtigkeits­getue, Ver­schlossen­heit, Abfilmereien, Abschot­tun­gen, Gedränge und Hek­tik. In dieser Konzen­tra­tion hat mich das über­rascht.

Ich hat­te daran gedacht, noch eine Gen­er­al­abrech­nung zu schreiben, wenn man ein paar Tage später run­tergekom­men ist, und Zeit hat­te, Sachen wie den Dueck-Vor­trag zu sehen, den ich ver­passt habe. Aber hin­ter­her blieb der Ein­druck: Hier ist trotz großen Ein­satzes unheim­lich viel unter den Möglichkeit­en geblieben.

Einige nen­nen die re:publica Klassen­tr­e­f­fen. Dass da eine Klasse ist, die sich trifft, würde meine Zus­tim­mung tre­f­fen. Das wurde ja im ersten Stock durch den abge­gren­zten Bere­ich auch noch sichtlich gekennze­ich­net. Wer sich dieser Klassen-Logik nicht fügte, ran­nte im Friedrichsstadt­palast rum wie Falschgeld oder kam gar nicht erst, weil es zu weit weg oder zu teuer war oder man schlicht arbeit­en musste. Ich für meinen Teil habe einige Leute irgend­wann erken­nen kön­nen, die ich dann aber nicht ansprang, weil ich ein “Hihi­hi, ich kenn dich” für bei­de Seit­en als wenig erquick­lich befand. Dafür kam ich zufäl­lig mit irgendwem ins Gespräch, was auch seinen Reiz hat­te, aber bei andauern­dem Lokalitäten­wech­sel auch keine leichte Sache darstellt.

Wie sich das bei Leuten anhört, denen der­ar­tige Kon­feren­zen geläu­figer sind, als mir, liest man bei Till­mann Allmer:

Wenn man sich die Zeit genom­men hätte, auf der re:publica nicht selb­stvergnügt die immer­gle­ichen Gesichter Icons zu grüßen, dann hätte man vielle­icht gese­hen, wie viele Besuch­er auf der re:publica waren, die sich mit der Materie auseinan­der­set­zten wollen, aber irgend­wie ver­lassen in der Ecke standen. Ver­lassen, weil der immer größer wer­dende enge Kreis so sehr mit sich selb­st beschäftigt war. Das fand ich übri­gens sehr symp­to­ma­tisch schon auf re:publicas ver­gan­gener Jahre. Daran ist aber übri­gens nicht die re:publica schuld. […] Es kön­nte näm­lich sein, dass wir in unseren Blogs und auf unseren Social Media Ver­anstal­tun­gen einen gle­ich­sam abge­hobe­nen wie ver­al­teten Net­zdiskurs von 2001 pfle­gen, der da draußen schon lange keine Res­o­nanz mehr find­et.

Wie bei Caschy ist das eine eher leise Kri­tik. Ich sel­ber kenne den Net­zdiskurs nicht, darüber kann ich níchts sagen. Ich meine nur: Die re:publica 11 war sowas wie ein Abteilungsleit­er-Tre­f­fen, aber eben keine für Deutsch­land repräsen­ta­tive Kon­ferenz von (koop­er­a­tiv­en) Blog­gern. Und das ist bei allen Anstren­gun­gen, die das Organ­isieren so ein­er Großver­anstal­tung mit sich bringt, sehr schade.

Sowas kön­nte sie sein, und mit ein paar Änderun­gen im Auf­bau dieser Kon­ferenz kön­nte man das umset­zen. Es scheint mir aber im Bestreben, noch weit­er zu expandieren, was die Besucherzahl bet­rifft, unterzuge­hen.

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2 Kommentare

    1. @Caschy Hat ja angekündigt, mit anderen zur kom­menden re:publica eine Ver­anstal­tung über “nor­male Blog­ger” zu machen. Ich weiß nicht, ob das aus­re­icht.

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