Lesezeichen

Weiterlesen

Auf dem Rücksitz

Soviel lokale Ver­bun­den­heit lasse ich mal hier rein: Da heute Arminia Biele­feld endgültig aus der 2. Fußball­bun­desli­ga abgestiegen ist und so in atem­ber­aubend kurz­er Zeit von einem gut da ste­hen­den Erstli­ga­club zu einem qua­si bankrot­ten Ama­teurvere­in gewor­den ist, hier mal ein kleines Schmankerl aus dem let­zten Jahr:

Gestern hab ich mal wieder meinen Lieblings-Tax­i­fahrer in Biele­feld erwis­cht. Eigentlich hat er eine Fin­ka auf Malle oder so und fährt nur noch spo­radisch in Biele­feld Taxi, so für Spass. Aber dafür bin ich dankbar. Die paar Minuten, die man in seinem Taxi ver­bringt, füllt er immer mit inter­es­san­ten Geschicht­en.

Als ich gestern ein­stieg, fiel mir sofort auf, dass auf dem Radio-Dis­play WDR 4 angezeigt wurde.

Nanu? sage ich, Arminia spielt und hier ist WDR 4 an?

Ach, hörnse mir auf mit Arminia. Da spielt über­haupt nur noch ein Biele­felder. Nur ein Biele­felder, was ist denn daran Arminia Biele­feld? Außer­dem steht’s da 0:1. Das wird nichts mehr. Das wird über­haupt nichts mehr, die über­schätzen sich ein­fach. Aber das war schon immer so. Schon früher. Da saßen se früher hin­ten auf der Rück­bank

(nimmt den Arm vom Steuer und zeigt mit dem Dau­men über seine Schul­ter nach hin­ten)

und haben ihre dreck­i­gen Geschäfte aus­gemacht und gemeint, wir hier vorne ver­ste­hen das nicht. Das haben die gedacht.

Aber ich kenne das ja. Ich wär jet­zt… 55 Jahre wäre ich inzwis­chen Mit­glied beim VfB, die heis­sen ja jet­zt Fichte. 55 Jahre, wenn ich nicht aus­ge­treten wär. Ich hat­te als kurz­er Ben­gel immer so einen Trick, wie ich umson­st da reinkom­men kon­nte. Bis die das gemerkt haben und ich einen auf die Mütze bekom­men habe. Und die denken, wir haben keine Ahnung.

Ich weiss noch, wie der Egon Piechaczek

(Er spricht den Nach­na­men ab chaczek aus wie einen Nieser.)

da hin­ten saß mit ein­er blonden Dame. Jedes mal ne andere. Und ein­mal, da sagt der: Herr Tax­i­fahrer, ken­ntens des Radio amal anmachen? Und dann kamen die Nachricht­en und da sagten sie, dass jet­zt auch Egon Piechaczek tiefer in den Skan­dal ver­wick­elt wäre. Her­ste? sagte der dann zu der Blonden, Her­ste? Die wollen mir diskraminieren. ‘Diskraminieren’ hat er gesagt. Tief ver­wick­elt war der. Ein dreck­iges Geschäft ist das, ich sage es ihnen.

Wir sind da, ich mache die Tür auf und will mich ver­ab­schieden, da winkt er mich noch kurz her­an:

Eines wollte ich Ihnen noch erzählen: Ein­mal da war ich neben dem Arzt Schwanke im Sta­dion und das Spiel war so aufre­gend, da hat der sich so aufgeregt, dass er einen Herzkasper bekom­men hat. Mit­ten im Sta­dion. Und hin­ter­her erfährste, dass das Spiel schon vorher entsch­ieden war. Vorher schon. Der hätte fast den näch­sten Herzkasper bekom­men. Nee, nee. Wozu wollen Sie heute noch einen Herzkasper bekom­men? Die haben den ganzen Sport kaputt gemacht.

Tja, was soll ich sagen, es gibt so Tax­i­fahrer, da möchte man am lieb­sten gle­ich mit zurück fahren.

____________________

Bildquelle: http://www.flickr.com/photos/stephangeyer/ / CC BY-NC-ND 2.0

Weiterlesen

Die re:publica — ein Schiff unter falscher Flagge?

Morgenkaffee

Ich sel­ber bin kein großer Kon­feren­zgänger, was Inter­net­dinge bet­rifft. Ich war bish­er auf zwei oder drei Bar­camps und auf der re:publica. Von dort habe ich meine drei Tage kurz kom­men­tiert, nicht mit einem objek­tiv­en Anspruch, aber eben ent­täuscht. Ent­täuscht vom belan­glosen Inhalt und von kaum einem inter­res­san­ten, sprich: inspiri­eren­den Gesprächen. Dafür viel Mar­ket­ing-Blabla, Wichtigkeits­getue, Ver­schlossen­heit, Abfilmereien, Abschot­tun­gen, Gedränge und Hek­tik. In dieser Konzen­tra­tion hat mich das über­rascht.

Ich hat­te daran gedacht, noch eine Gen­er­al­abrech­nung zu schreiben, wenn man ein paar Tage später run­tergekom­men ist, und Zeit hat­te, Sachen wie den Dueck-Vor­trag zu sehen, den ich ver­passt habe. Aber hin­ter­her blieb der Ein­druck: Hier ist trotz großen Ein­satzes unheim­lich viel unter den Möglichkeit­en geblieben.

Einige nen­nen die re:publica Klassen­tr­e­f­fen. Dass da eine Klasse ist, die sich trifft, würde meine Zus­tim­mung tre­f­fen. Das wurde ja im ersten Stock durch den abge­gren­zten Bere­ich auch noch sichtlich gekennze­ich­net. Wer sich dieser Klassen-Logik nicht fügte, ran­nte im Friedrichsstadt­palast rum wie Falschgeld oder kam gar nicht erst, weil es zu weit weg oder zu teuer war oder man schlicht arbeit­en musste. Ich für meinen Teil habe einige Leute irgend­wann erken­nen kön­nen, die ich dann aber nicht ansprang, weil ich ein “Hihi­hi, ich kenn dich” für bei­de Seit­en als wenig erquick­lich befand. Dafür kam ich zufäl­lig mit irgendwem ins Gespräch, was auch seinen Reiz hat­te, aber bei andauern­dem Lokalitäten­wech­sel auch keine leichte Sache darstellt.

Wie sich das bei Leuten anhört, denen der­ar­tige Kon­feren­zen geläu­figer sind, als mir, liest man bei Till­mann Allmer:

Wenn man sich die Zeit genom­men hätte, auf der re:publica nicht selb­stvergnügt die immer­gle­ichen Gesichter Icons zu grüßen, dann hätte man vielle­icht gese­hen, wie viele Besuch­er auf der re:publica waren, die sich mit der Materie auseinan­der­set­zten wollen, aber irgend­wie ver­lassen in der Ecke standen. Ver­lassen, weil der immer größer wer­dende enge Kreis so sehr mit sich selb­st beschäftigt war. Das fand ich übri­gens sehr symp­to­ma­tisch schon auf re:publicas ver­gan­gener Jahre. Daran ist aber übri­gens nicht die re:publica schuld. […] Es kön­nte näm­lich sein, dass wir in unseren Blogs und auf unseren Social Media Ver­anstal­tun­gen einen gle­ich­sam abge­hobe­nen wie ver­al­teten Net­zdiskurs von 2001 pfle­gen, der da draußen schon lange keine Res­o­nanz mehr find­et.

Wie bei Caschy ist das eine eher leise Kri­tik. Ich sel­ber kenne den Net­zdiskurs nicht, darüber kann ich níchts sagen. Ich meine nur: Die re:publica 11 war sowas wie ein Abteilungsleit­er-Tre­f­fen, aber eben keine für Deutsch­land repräsen­ta­tive Kon­ferenz von (koop­er­a­tiv­en) Blog­gern. Und das ist bei allen Anstren­gun­gen, die das Organ­isieren so ein­er Großver­anstal­tung mit sich bringt, sehr schade.

Sowas kön­nte sie sein, und mit ein paar Änderun­gen im Auf­bau dieser Kon­ferenz kön­nte man das umset­zen. Es scheint mir aber im Bestreben, noch weit­er zu expandieren, was die Besucherzahl bet­rifft, unterzuge­hen.

Weiterlesen

Guten Morgen

Morgenkaffee

Heute schauen wir doch mal was unsere Lokalblog­ger aus Biele­feld so von sich geben:

Miss James, Neu-Dort­munderin, hat­te wieder was auf der Gabel, was sie nicht kan­nte.

Denis hat seine Tante besucht.

Witzis­chkeit ken­nt keine Gren­zen? Satire darf alles? Ste­fan Nigge­meier — gut, das ist kein Biele­felder, aber immer­hin GM-Hüt­tler — kri­tisiert, dass schwu­len­feindliche Witze okay, und schwu­le­nanzügliche ein Tabu seien. Und auf Ser­dar Somuncu kommt er dann gar nicht mehr klar.

Und unser Prov­inzkind kommt nun wirk­lich nicht aus Biele­feld. Aber dann kip­pen wir den Ansatz dieses Textes ein­fach mal on the fly, wie der Latein­er sagt. Das Prov­inzkind beschäftigt sich mit Träu­men und der Real­ität.

Und während ich mir die Frage stelle: Darf man auf der Bühne noch Voll­pro­voka­teur sein, der inhaltlich die trifft, die es gar nicht merken? hole ich mir erst­mal noch einen Kaf­fee.

[ Foto: Luc van Gent ]

Weiterlesen