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Archiv für den 19. April 2011

Guten Morgen

Morgenkaffee

Heute schauen wir doch mal was unsere Lokalblogger aus Bielefeld so von sich geben:

Miss James, Neu-Dortmunderin, hatte wieder was auf der Gabel, was sie nicht kannte.

Denis hat seine Tante besucht.

Witzischkeit kennt keine Grenzen? Satire darf alles? Stefan Niggemeier – gut, das ist kein Bielefelder, aber immerhin GM-Hüttler – kritisiert, dass schwulenfeindliche Witze okay, und schwulenanzügliche ein Tabu seien. Und auf Serdar Somuncu kommt er dann gar nicht mehr klar.

Und unser Provinzkind kommt nun wirklich nicht aus Bielefeld. Aber dann kippen wir den Ansatz dieses Textes einfach mal on the fly, wie der Lateiner sagt. Das Provinzkind beschäftigt sich mit Träumen und der Realität.

Und während ich mir die Frage stelle: Darf man auf der Bühne noch Vollprovokateur sein, der inhaltlich die trifft, die es gar nicht merken? hole ich mir erstmal noch einen Kaffee.

[ Foto: Luc van Gent ]

Die re:publica – ein Schiff unter falscher Flagge?

Morgenkaffee

Ich selber bin kein großer Konferenzgänger, was Internetdinge betrifft. Ich war bisher auf zwei oder drei Barcamps und auf der re:publica. Von dort habe ich meine drei Tage kurz kommentiert, nicht mit einem objektiven Anspruch, aber eben enttäuscht. Enttäuscht vom belanglosen Inhalt und von kaum einem interressanten, sprich: inspirierenden Gesprächen. Dafür viel Marketing-Blabla, Wichtigkeitsgetue, Verschlossenheit, Abfilmereien, Abschottungen, Gedränge und Hektik. In dieser Konzentration hat mich das überrascht.

Ich hatte daran gedacht, noch eine Generalabrechnung zu schreiben, wenn man ein paar Tage später runtergekommen ist, und Zeit hatte, Sachen wie den Dueck-Vortrag zu sehen, den ich verpasst habe. Aber hinterher blieb der Eindruck: Hier ist trotz großen Einsatzes unheimlich viel unter den Möglichkeiten geblieben.

Einige nennen die re:publica Klassentreffen. Dass da eine Klasse ist, die sich trifft, würde meine Zustimmung treffen. Das wurde ja im ersten Stock durch den abgegrenzten Bereich auch noch sichtlich gekennzeichnet. Wer sich dieser Klassen-Logik nicht fügte, rannte im Friedrichsstadtpalast rum wie Falschgeld oder kam gar nicht erst, weil es zu weit weg oder zu teuer war oder man schlicht arbeiten musste. Ich für meinen Teil habe einige Leute irgendwann erkennen können, die ich dann aber nicht ansprang, weil ich ein „Hihihi, ich kenn dich“ für beide Seiten als wenig erquicklich befand. Dafür kam ich zufällig mit irgendwem ins Gespräch, was auch seinen Reiz hatte, aber bei andauerndem Lokalitätenwechsel auch keine leichte Sache darstellt.

Wie sich das bei Leuten anhört, denen derartige Konferenzen geläufiger sind, als mir, liest man bei Tillmann Allmer:

Wenn man sich die Zeit genommen hätte, auf der re:publica nicht selbstvergnügt die immergleichen Gesichter Icons zu grüßen, dann hätte man vielleicht gesehen, wie viele Besucher auf der re:publica waren, die sich mit der Materie auseinandersetzten wollen, aber irgendwie verlassen in der Ecke standen. Verlassen, weil der immer größer werdende enge Kreis so sehr mit sich selbst beschäftigt war. Das fand ich übrigens sehr symptomatisch schon auf re:publicas vergangener Jahre. Daran ist aber übrigens nicht die re:publica schuld. […] Es könnte nämlich sein, dass wir in unseren Blogs und auf unseren Social Media Veranstaltungen einen gleichsam abgehobenen wie veralteten Netzdiskurs von 2001 pflegen, der da draußen schon lange keine Resonanz mehr findet.

Wie bei Caschy ist das eine eher leise Kritik. Ich selber kenne den Netzdiskurs nicht, darüber kann ich níchts sagen. Ich meine nur: Die re:publica 11 war sowas wie ein Abteilungsleiter-Treffen, aber eben keine für Deutschland repräsentative Konferenz von (kooperativen) Bloggern. Und das ist bei allen Anstrengungen, die das Organisieren so einer Großveranstaltung mit sich bringt, sehr schade.

Sowas könnte sie sein, und mit ein paar Änderungen im Aufbau dieser Konferenz könnte man das umsetzen. Es scheint mir aber im Bestreben, noch weiter zu expandieren, was die Besucherzahl betrifft, unterzugehen.

Ah

Auf dem Rücksitz

Soviel lokale Verbundenheit lasse ich mal hier rein: Da heute Arminia Bielefeld endgültig aus der 2. Fußballbundesliga abgestiegen ist und so in atemberaubend kurzer Zeit von einem gut da stehenden Erstligaclub zu einem quasi bankrotten Amateurverein geworden ist, hier mal ein kleines Schmankerl aus dem letzten Jahr:

Gestern hab ich mal wieder meinen Lieblings-Taxifahrer in Bielefeld erwischt. Eigentlich hat er eine Finka auf Malle oder so und fährt nur noch sporadisch in Bielefeld Taxi, so für Spass. Aber dafür bin ich dankbar. Die paar Minuten, die man in seinem Taxi verbringt, füllt er immer mit interessanten Geschichten.

Als ich gestern einstieg, fiel mir sofort auf, dass auf dem Radio-Display WDR 4 angezeigt wurde.

Nanu? sage ich, Arminia spielt und hier ist WDR 4 an?

Ach, hörnse mir auf mit Arminia. Da spielt überhaupt nur noch ein Bielefelder. Nur ein Bielefelder, was ist denn daran Arminia Bielefeld? Außerdem steht’s da 0:1. Das wird nichts mehr. Das wird überhaupt nichts mehr, die überschätzen sich einfach. Aber das war schon immer so. Schon früher. Da saßen se früher hinten auf der Rückbank

(nimmt den Arm vom Steuer und zeigt mit dem Daumen über seine Schulter nach hinten)

und haben ihre dreckigen Geschäfte ausgemacht und gemeint, wir hier vorne verstehen das nicht. Das haben die gedacht.

Aber ich kenne das ja. Ich wär jetzt… 55 Jahre wäre ich inzwischen Mitglied beim VfB, die heissen ja jetzt Fichte. 55 Jahre, wenn ich nicht ausgetreten wär. Ich hatte als kurzer Bengel immer so einen Trick, wie ich umsonst da reinkommen konnte. Bis die das gemerkt haben und ich einen auf die Mütze bekommen habe. Und die denken, wir haben keine Ahnung.

Ich weiss noch, wie der Egon Piechaczek

(Er spricht den Nachnamen ab chaczek aus wie einen Nieser.)

da hinten saß mit einer blonden Dame. Jedes mal ne andere. Und einmal, da sagt der: Herr Taxifahrer, kenntens des Radio amal anmachen? Und dann kamen die Nachrichten und da sagten sie, dass jetzt auch Egon Piechaczek tiefer in den Skandal verwickelt wäre. Herste? sagte der dann zu der Blonden, Herste? Die wollen mir diskraminieren. ‚Diskraminieren‘ hat er gesagt. Tief verwickelt war der. Ein dreckiges Geschäft ist das, ich sage es ihnen.

Wir sind da, ich mache die Tür auf und will mich verabschieden, da winkt er mich noch kurz heran:

Eines wollte ich Ihnen noch erzählen: Einmal da war ich neben dem Arzt Schwanke im Stadion und das Spiel war so aufregend, da hat der sich so aufgeregt, dass er einen Herzkasper bekommen hat. Mitten im Stadion. Und hinterher erfährste, dass das Spiel schon vorher entschieden war. Vorher schon. Der hätte fast den nächsten Herzkasper bekommen. Nee, nee. Wozu wollen Sie heute noch einen Herzkasper bekommen? Die haben den ganzen Sport kaputt gemacht.

Tja, was soll ich sagen, es gibt so Taxifahrer, da möchte man am liebsten gleich mit zurück fahren.

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Bildquelle: http://www.flickr.com/photos/stephangeyer/ / CC BY-NC-ND 2.0

Was ich am Berliner Mahnmal nicht verstehe

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