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Archiv für den 18. April 2011

Caschy über die re:publica

Leider habe ich Carsten Knobloch auf der re:publica verpasst, aber folgendes Video entschädigt mich dann doch etwas.

Wenn ich das mal kurz herausheben darf:

Die Gesellschaft ist „Das Internet“. Die Leute draußen müssen halt einfach lernen damit umzugehen. Und letzten Endes sind wir es, die das Internet den Leuten draußen greifbar (machen) und erklären müssen.

Das ist schon putzig: Da zicken sich die Berliner Blogger über Beckedahls Verein Digitale Gesellschaft nörgelnd einen zurecht von „Mir hat keiner was gesagt“ bis „Der Name ist arrogant, aber vielleicht wird’s ja was“ und Caschy sitzt da wundervoll symbolträchtig auf der untersten Ebene des Friedrichstadtpalastes und haut unaufgeregt mal eben genau die drei Argumente raus, die einen solchen Verein obsolet machen. Touché.

Guten Morgen

Morgenkaffee

Tja, belebend scheint die re:publica dann wenigstens zu sein: Nach Sacha Lobo geht auch Fefe auf Trollforschung.

Entangen ist mir auch auf der re:publica die Forderung nach einem Umbau des Internets.

Die EU-, Ausländer- und Abtreibungsgegner haben bei Wahlen in Finnland stark hinzugewonnen.

Und während ich mir die Frage stelle: Finnland hat ne Ausländerproblematik? hole ich mir erstmal noch einen Kaffee.

[ Foto: Luc van Gent ]

Was ich noch sagen wollte zum… Bashing der Digitalen Gesellschaft durch Carta.info

Ich wollte nichts drüber schreiben, wirklich nicht. Aber so langsam sollte man wohl selbst als Nichtzustimmender dieser Initiative der Inititative Rückendeckung geben. Was ist überhaupt auf der re:publica passiert, dass da gerade in der Bloggerlandschaft ein solcher Sturm vorherrscht?

In Person von Markus Beckedahl ist ein etwas geheimniskrämerisches Projekt in der Eröffnungsveranstaltung der re:publica vorgestellt worden, das einen Verein vorsieht, der als eine Art Lobbygruppe die Interessen von Internetnutzern gegenüber anderen Lobbygruppen vertreten möchte. Dahinter steht wohl eine gewisse Enttäuschung über Parteipolitik, so wie sie derzeit in Deutschland vorherrscht. Die würde ich auch teilen. Hier ist also die Frage aufgestellt: Gibt es eine Alternative zu herkömmlicher Parteipolitik? Die Antwort aus Richtung netzpolitik.org ist, dass eine derartige Lobbyarbeit für einzelne Thematiken sinnvoll ist, sofern für die Einzelaktionen eine gute Transparenz besteht.

Der erste Sturm der Kritik besagte, dass es doch eine Anmaßung sei, wenn man in Berlin wie auf einer Kaffeefahrt auftrete und die Besucher der re:publica als repräsentative Internetgemeinde anspreche und als solche unter den Dachverband Digitale Gesellschaft unterbringen wollte. Dass diese Kritik die Netzpolitik.org-er so überrascht hat, zeugt nicht gerade von einer guten Vorbereitung auf das erwartbare Feedback von angesprochenen Internetnutzern.

Aber ehrlich gesagt: Mehr passende Kritik ist da auch nicht. Man darf in Deutschland Vereine mit bestimmten, absegnenbaren Zielen und Namen gründen. Und dafür darf man auch werben. Auch auf den selbstorganisierten Veranstaltungen. Man darf das so naiv machen, wie es in Berlin rüber gekommen ist, sollte sich dann aber nicht über die belächelnden Blicke wundern: Die Zuhörer ab einem gewissen kritischen Niveau kriegt man so nicht.

Aber diese aggressive Kampagne, wie sie carta.info gerade vom Stapel lässt, ist in ihrer derzeitigen Form schon bemerkenswert:

Erst lässt man da unter dem Deckmantel der Diskussionsvielfalt dem CDU-MdB Peter Tauber Platz für eine Meinungsäußerung, die sachlich klingen soll, aber letzten Endes in ätzender Polemik ertrinkt:

Schon in den Sitzungen der Enquete-Kommission wurde deutlich, dass die „Elite“ um Markus Beckedahl gar keine Lust hat, das eigentliche Ziel zu erreichen, nämlich breite gesellschaftliche Kreise für das Thema Netzpolitik zu begeistern. Man kocht lieber ein eigenes Süppchen und hofft vielleicht auf den einen oder anderen Talkshowauftritt.

Meinungsvielfalt ist gut und schön. Aber Carta.info insturmentalisiert sich hier für reinste Demagogie. Weiter geht es dann mit Stefan Rosinski:

Da ist es wieder: das Vereinswesen, auf das sich „genesen“ so wunderbar reimt und in dem sich die Deutschen seit jeher ihren Staat im Staate eröffnen können – allerdings als eine Form der Gemeinschaftsbildung, deren Regelwerk mit dem aggressiven Romantizismus Carl Schmitts mehr zu tun hat als mit Hegels (der Gesellschaft abstrakt gegenüberstehenden) „Not- und Verstandesstaat“.

Toll. Herr Rosinski hat Hegel und Carl Schmitt gelesen. Aber das Lesen hat bei Rosinski nur zu Namedropping geführt. Man kann da oben auch von der Aggressivität der Teletubbies gegen über der von Bernd, das Brot, reden. Da kommt derselbe Sinn raus. Oder Rosinski möchte, dass man den modernen Staat an Hegel als Ideal ausrichtet.

Um es mit dem Soziologen Dirk Baecker zu sagen: „Eine Kultur stellt Interpretationsspielräume zur Verfügung, ein Gedächtnis der Gesellschaft mit Blick auf eine offene Zukunft.“ Dabei funktioniert sie durchaus gespalten: Sie setzt einerseits alle Praktiken der Gesellschaft kontingent (also relativ) und verwischt gleichzeitig das Angebot durch kontingenzkompensierende Werte. Wo dieses Gleichgewicht wankt, weil die Insistenz auf den Wertekanon steigt, schwinden die Spielräume, und aus der Kultur einer Gesellschaft wird die Uniformität einer Gemeinschaft.

Ja, ich ärgere mich auch jeden Morgen nach dem Aufstehen über dieses verwischte Angebot kontigenzkompensierender Werte. Dann setzte ich meine Praktiken wieder auf nicht-kontingent und dann geht’s wieder. Wer solche Sätze schreibt, der will nicht aufklären, nur auf dicke Hose machen. In diesem Fall eben mit aufgeblähter Wissenschaftlichkeitssimulation.

Robin Meyer-Lucht meint dann, so ein bisschen kann man noch weiter auf der Bashing-Welle gegen die Digitale Gesellschaft Trittbrett fahren, und schreibt:

Populismus wäre noch das Geringste, was man so einer Position vorhalten könnte. Sie ist auf fatale Weise blind dafür, dass es im politischen Prozess nicht darum geht, allein die Nutzerinteressen zu maximieren. Es geht darum das Allgemeininteresse zu maximieren. Im Allgemeininteresse sind zielgenaue und effiziente Regelsysteme, die gesellschaftliche Gesamtwohlfahrt steigern, gesellschaftliche Ziele erreichen und dabei für einen Interessenausgleich sorgen. Die Interessen der Nutzer sind dabei ein wichtiger Faktor aber nicht der alleinige.

Fatal. WIR WERDEN ALLE STERBEN! Das, worüber Meyer-Lucht schreibt, ist der plumpe Utilitarismus, und der herrscht ja gerade nicht vor in Deutschland. Daneben zeigt sich Meyer-Lucht unfähig genau das herauszuheben, was er eigentlich sagen möchte: Denn wieso ist denn das Allgemeininteresse nicht das Nutzerinteresse? So wie er da steht, ist der Satz hohl.

Aber okay, immerhin lachen konnte man zum Schluß des Artikels:

An derartiger Komplexität von gesellschaftlichen Regelungssystemen aber scheint die “Digitale Gesellschaft” kaum interessiert. Sie macht lieber die Interessen anderer lächerlich (“Wirtschaftslobbyisten”) und inszeniert sich als Sprachrohr. Das ARD-Nachtmagazin geht dem fatalerweise auch noch auf den Leim.

Fatal. WIR WERDEN ALLE STERBEN! Dass Meyer-Lucht das für komplex hält, was er da geschrieben hat, finde ich den eigentlichen Brüller.

Nein, nein. Natürlich wirkt der Auftrit dieses neuen Vereins etwas naiv. Wer sich aber über den Namen aufregt, sollte sich auch darüber aufregen, dass sich die FDP freiheitlich nennt, ob wohl sie nur das für frei erklären, was sie gut finden. Man sollte aber zugestehen, dass bei Netzpolitik als politischem Thema die Latte ein gewisses Höhe schon erreicht hat. Und bei Carta.info ist die Latte nur deswegen nicht gerissen, weil man unter der Latte her gekrabbelt ist.

Was man zur Digitalen Gesellschaft vielleicht noch sagen sollte: Man muss miteinbeziehen, dass dieses Projekt als kritische Reaktion auf das So-sein der heutigen Politik gesehen wird. Daher wäre es also kein sinnvoller Schritt, als Parteipolitiker dem aktuellen politischen System zu folgen, sondern entweder sich gegen das System zu stellen oder auf andere Weise politisch zu agieren, sofern diese Weise politisch legitim ist. Sinnvolle Kritik an den Machern der Digitalen Gesellschaft sollte also entweder eine Verteidigung des Parteiensystems in Deutschland als politischem System sein oder die Einschätzung, man solle sich gegen dieses System stellen.

Kick it like Beckham

Wirtschaftswunder

Irgendwie habe ich noch kein Aufregungsverhältnis zu dieser Plakat-Aktion am Wirtschaftsministerium:

Vielleicht wundern die sich, dass einer wie der Brüderle Wirtschaftsminister ist.

Kate & William rock the house

In Anlehnung an den Wedding entrance dance.

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