Archiv für den 15. April 2011

re:publica Tag 2

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Es bleibt eine der schwächs­ten re:publicas: Das Kon­zept erscheint aus­ge­lutscht, die Vor­trä­ge sind meist dünn oder aus dem Rah­men fal­lend. Es gibt kein eigent­li­ches The­ma, kei­ne neu­en Ide­en, kein A-Blogger hält einen Vor­trag, kaum inter­es­sier­te Fra­gen zu Vor­trä­gen, nur über­füll­te Räu­me, viel PR, Fil­me­rei­en und Selbst­be­weih­räu­che­rung. Als ob man einem Trend nach­hängt, der sei­ne bes­ten Zei­ten hin­ter sich hat. Aka-aki lässt grüßen.

10.00 Uhr Wake the blog
Die Spre­che­rin­nen haben eine WDR-Sendung gese­hen, reg­ten sich dar­über auf und mei­nen, dass die digi­ta­le Gesell­schaft eine PR-Strategie brau­che. Nach­dem man dann auch noch begin­nen woll­te zu defi­nie­ren, was Spra­che ist, habe ich das Wei­te gesucht.
11.00 Uhr Wir sind die Urhe­ber
Till Kreut­zer erklärt Gedan­ken sei­ner Pro­mo­ti­ons­ar­beit, dass aber so pla­ka­tiv, das nichts als eine halb­ga­re, letzt­lich nicht über­zeu­gen­de Mei­nung übrig bleibt.
12.00 Uhr Lob­by­ing the Euro­pean Par­lia­ment
Hier wur­de kei­ne ver­ständ­li­che Gesamt­ein­füh­rung ins Lob­by­tum des Euro­päi­schen Par­la­ments gege­ben, ledig­lich ein eige­ner Fall. Ich muss aber zuge­ben, dass ich nicht ins The­ma ein­ge­stie­gen bin. Ich zog vor, um
12.20 Uhr Open­leaks
wenigs­tens aus­zugs­wei­se anzu­hö­ren. Da ich Domscheidt-Berg schon gele­sen habe und das The­ma Open­leaks kei­ne Neu­hei­ten erbrach­te, auch nur so eine So-lala-Veranstaltung.
12.35 Uhr flattr
Flattr-Gründer Sün­de foto­gra­fier­te anfangs die Zuschau­er, um aus­zu­drü­cken, wie blöd er es fin­det, beim Vor­trag foto­gra­fiert zu wer­den. Irgend­wie eine Gaga-Aktion, wenn zwei Film­ka­me­ras sei­nen Vor­trag abfil­men. Flattr selbst soll künf­tig weit­ver­brei­te­ter ein­ge­setzt wer­den kön­nen. Ob das als Anreiz zur Benut­zung aus­reicht, wage ich zu bezweifeln.
14.00 Uhr Lea­king trans­pa­ran­cy
Geball­te Kom­pe­tenz um Mode­ra­tor Jakob Aug­stein: Peter Schaar, Lutz Hach­meis­ter, Horst Pöt­ker und Dani­el Domscheidt-Berg reden über Jou­ra­lis­mus, Lea­ken und den hei­ßen Brei. Oder was immer der Titel besa­gen sollte.
15.00 Uhr Media and Demo­cra­ti­sa­ti­on in Afri­ca
Adam Tho­mas und Jörn Schultz erzäh­len von ihren Blog-, PodCast- und ande­ren Pro­jek­ten in Afri­ka. Die Inter­net­tech­ni­ken als erfolg­rei­che Aufklärungswerkzeuge.
In der Zwi­schen­zeit ist Rena­te Küh­nast ange­kom­men und hält sich an Ver­kaufs­ti­schen auf wie auf einem Advents­ba­sar. Über­flüs­sigs­ter Auf­tritt der gan­zen re:publica. Wäh­rend­des­sen ver­wick­le ich einen der Vor­tra­gen­den in ein Gespräch, das weder mich noch ihn begeis­tert. Schnell wei­ter, nicht jede Kom­mu­ni­ka­ti­on funktioniert.
16.00 Uhr Blogger_innen im Gespräch
Ich kam etwas spä­ter, konn­te aber immer­hin noch mit­be­kom­men, wie die tau­be Blog­ge­rin Julia Probst die Ges­ti­ken für Mer­kel, Wes­ter­wel­le und beson­ders Gut­ten­berg vor­mach­te. Größ­ter Lacher des Tages. Außer­dem beschwer­te sich Probst, dass Tau­be bald 6€ GEZ zah­len sol­len, auch wenn bspw. beim ZDF gera­de mal 10% der Sen­dun­gen unter­ti­telt sei­en. Man­che nicht­ge­han­di­cap­te Blog­ger soll­ten sich bei Probst mal was abschau­en: Das war ein uner­hört guter Auf­tritt, klar im The­ma und genau im Aus­druck. Ein Licht­blick. Probst elek­tri­siert das Publi­kum, der Fun­ke springt über, das wur­de aber auch Zeit. Nach ihr noch Gut­jahr und eine femi­nis­ti­sche Blog­ge­rin auf die Büh­ne, aber nach dem vor­her­ge­hen­den Inter­view­hö­he­punkt bannt das kei­nen mehr so richtig.
17.00 Uhr Über­mor­gen TV
Die Internet-Nische des ZDF war mit gro­ßem Bohei ange­reist und prä­sen­tier­te den Elek­tri­schen Repor­ter und Don­na Foxx, ein über­flüs­si­ges Online-Krimispiel ohne wei­te­ren Nähr­wert. Dafür durf­te man sich fra­gen las­sen, ob das Gan­ze eine Bewer­bungs­ver­an­stal­tung fürs ZDF gewe­sen sein soll.
18.00 Uhr How femi­nist digi­tal activism is like the cli­to­ris
Nur kurz rein­ge­schaut. Soweit ich das ver­stan­den habe, wur­de die Kli­to­ris sehr anschau­lich behan­delt. Man kann Meta­phern auch überstrapatzieren.
19.00 Uhr “Der Bericht ist total ein­sei­tig und mies recher­chiert“
Eine Dame von extra3 und Deef vom quer-blog erläu­tern ihre Blog­pro­jek­te der bei­den Fern­seh­sen­dun­gen. Der Vor­teil des Vor­trags ist, dass sie auf lus­ti­ge TV-Einspieler zurück­grei­fen kön­nen, wobei die­ser irgend­wie so gar nicht auf das Humor­zen­trum der Anwe­sen­den traf. Wor­über man auf der re:publica lacht, wun­der­te spä­ter aber eh noch wen anders. Im Verl­geich zur ZDF-Präsentation etwas weni­ger Zuhö­rer, dafür kei­ne tie­fer­ge­hen­de Kritik.
20.00 Uhr Twit­ter­le­sung | Roy­al Revue
Twit­ter­le­sung wie üblich: Ber­lin ist so geil, dass alles ande­re Pro­vinz ist, hoch21-Tweets, eige­ne Tweets, Gezi­cke und Gelang­wei­le auf der Büh­ne. Jakob Aug­stein als Star des Abends wun­dert sich ans Publi­kum gerich­tet, dass es sehr leicht mit Klo­s­prü­chen zufrie­den zu stel­len sei.
In der Kalk­scheu­ne legt Herm auf und Bokel­berg hib­belt sich einen.
Die re:publica in der Tages­schau? Wir müs­sen reden, Tagesschau.

Spre­cher des Tages
Jakob Aug­stein. Mach­te als sou­ve­rä­ner Mode­ra­tor einen humor­vol­len, inter­es­sier­ten und sprach­lich anspre­chen­den Ein­druck. War dann bei der Twit­ter­le­sung von der Qua­li­tät der Ver­an­stal­tung etwas über­rascht und blieb die­ser gegen­über etwas distan­ziert. Zurecht. Aber das hät­te er vor­her wis­sen können.

Ellies Ansage

Guten Morgen

Morgenkaffee

So, mel­de mich wie­der vom drit­ten re:publica-Tag in Ber­lin. Ber­lin hat ja kei­nen Humor, kei­ne eige­ne Küche und kein gutes Wet­ter. Dafür kann ich aus eige­ner Erfah­rung berich­ten, dass man nachts um drei noch Essen gehen oder am Obst­stand Bana­nen kau­fen kann. Und immer­hin sind die Ber­li­ner nicht scheiss­freund­lich mit ihrer Kod­der­schnaut­ze, aber der All­tag hät­te schon mehr Charme verdient.

Dorin Popa, der auch hier irgen­wo ist, fühlt sich als Blog­ger unver­stan­den. Mich wür­de ja eher das Gegen­teil irritieren.

Felix Schwen­zel hat ges­tern fast kom­plett ande­re Sachen gese­hen als ich und da sieht man sehr schön, wie unter­schied­li­che Ein­drü­cke qua­si der­sel­ben Ver­an­stal­tung entstehen.

Ich weiß gera­de nicht, ob ich das schon ver­linkt habe, aber da ich’s auch zwei­mal gele­sen habe, kann ich’s auch zwei­mal ver­lin­ken: Kon­stan­tin Kleins Unbe­ha­gen mit dem vor­ge­stell­ten Ver­ein Digi­ta­le Gesell­schaft. Julia See­li­ger hat eine Art Vor-Ort-Bericht dazu geschrie­ben, hebt aber treff­si­cher Schwach­stel­len des Vor­ha­bens heraus.

Und wäh­rend ich mir die Fra­ge stel­le: Will man nicht eigent­lich bes­se­re inhalt­li­che Par­tei­po­li­tik und weni­ger — statt mehr — Lob­by­is­mus? hole ich mir erst­mal noch einen Kaffee.

[ Foto: Luc van Gent ]

Um die Welt in 200 Fotos

re:publica Tag 3

Morgenkaffee

So, letz­ter Tag der re:publica. Es wäre mir irgend­wie ganz neu, dass ein drit­ter Tag die vor­he­ri­gen ver­ges­sen macht.

10.00 Uhr Fünf Jah­re Informationsfreiheit
Nach vor­ne und umge­zo­ge­ne Dis­kus­si­on, die unge­wöh­lich infor­ma­tiv ist. Man merkt: Unter­hal­tun­gen auf der Büh­ne funk­tio­nie­ren ver­gleichs­wei­se wesent­lich schlech­ter in der Kalkscheune.
12.00 Uhr Der Wider­stand gegen S21 im Netz
Was sich zunächst wie ein sehr gewoll­tes, abge­stan­de­nes The­ma anhört, ent­puppt sich als inter­es­san­ter Blick in die Geburts­stun­de des Schwa­ben­pro­tests. Fra­ge aus dem Publi­kum: Wie habt ihr es hin­be­kom­men, dass die Aktio­nen gewalt­frei blie­ben? Ant­wort: Wir hat­ten über­haupt kei­ne Ahnung, wie man pro­tes­tiert. Und so erzähl­ten sie, wie sie sitz­blo­cka­den geübt haben und wie es unter­schied­li­che Pro­tes­tie­ren­den­for­men gab.
14.00 Uhr Wie wird man zum local hero?
Fra­gen wir das die­je­ni­gen, die außer regenbsburg-digital.de eben genau kei­ne local heros sind: Fud­der, die schlich­te Zei­tungs­sei­te RP-Online.de und die wohl immer noch die Tex­ter nicht bezah­len­den Prenz­lau­er Berg Nach­rich­ten. Fra­gen wir nicht tat­säch­li­che local heros wie Rou­ven von Bie­le­felds Wes­ten, den Duesseldorf-Blog.de oder die Rai­ner­sche Post.
15.00 Uhr Die Zukunft des Inter­nets, der Welt und des gan­zen Rests
End­lich schö­nes Wet­ter in Berlin.
16.00 Uhr 10 Jah­re Blogs in Deutschland
Selbst­re­fe­ren­zie­ren für Fort­ge­schrit­te­ne fort­ge­schrit­te­nen Alters
17.00 Uhr Icons
Kaf­fee­satz­le­se­rei­en mit (Über­ra­schung!) Icons.
18.00 Uhr Was hat das Inter­net je für uns getan?
Spree­blick­ku­scheln.

Lesezeichen

  • geschlossenegesellschaft.de — Kon­stan­tin Klein — Die Digi­ta­len Gesell­schaf­ter machen es mir näm­lich gera­de nicht leicht, ihre Idee rest­los gut zu fin­den. Die Digi­ta­le Gesell­schaft e.V. könn­te (und soll viel­leicht) so etwas wie eine deut­sche Aus­ga­be der EFF sein (der als för­dern­des Mit­glied anzu­ge­hö­ren ich lan­ge Jah­re die Ehre hat­te, bis mei­ne Kre­dit­kar­te ablief und kei­ner es merk­te, dass die Beträ­ge nicht mehr abge­bucht wer­den konn­ten). Sie will aber zunächst ein Ver­ein mit weni­gen, näm­lich den Grün­dungs­mit­glie­dern mit Stimm­recht und vie­len frei­wil­li­gen Hel­fern und finan­zi­el­len Unter­stüt­zern mit Zeit und Geld, aber ohne Stimm­recht sein.
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