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  • geschlossenegesellschaft.de — Kon­stan­tin Klein — Die Dig­i­tal­en Gesellschafter machen es mir näm­lich ger­ade nicht leicht, ihre Idee rest­los gut zu find­en. Die Dig­i­tale Gesellschaft e.V. kön­nte (und soll vielle­icht) so etwas wie eine deutsche Aus­gabe der EFF sein (der als fördern­des Mit­glied anzuge­hören ich lange Jahre die Ehre hat­te, bis meine Kred­itkarte ablief und kein­er es merk­te, dass die Beträge nicht mehr abge­bucht wer­den kon­nten). Sie will aber zunächst ein Vere­in mit weni­gen, näm­lich den Grün­dungsmit­gliedern mit Stimm­recht und vie­len frei­willi­gen Helfern und finanziellen Unter­stützern mit Zeit und Geld, aber ohne Stimm­recht sein.
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re:publica Tag 3

Morgenkaffee

So, let­zter Tag der re:publica. Es wäre mir irgend­wie ganz neu, dass ein drit­ter Tag die vorheri­gen vergessen macht.

10.00 Uhr Fünf Jahre Infor­ma­tions­frei­heit
Nach vorne und umge­zo­gene Diskus­sion, die ungewöh­lich infor­ma­tiv ist. Man merkt: Unter­hal­tun­gen auf der Bühne funk­tion­ieren ver­gle­ich­sweise wesentlich schlechter in der Kalksche­une.
12.00 Uhr Der Wider­stand gegen S21 im Netz
Was sich zunächst wie ein sehr gewolltes, abge­s­tandenes The­ma anhört, ent­pup­pt sich als inter­es­san­ter Blick in die Geburtsstunde des Schwaben­protests. Frage aus dem Pub­likum: Wie habt ihr es hin­bekom­men, dass die Aktio­nen gewalt­frei blieben? Antwort: Wir hat­ten über­haupt keine Ahnung, wie man protestiert. Und so erzählten sie, wie sie sitzblock­aden geübt haben und wie es unter­schiedliche Protestieren­den­for­men gab.
14.00 Uhr Wie wird man zum local hero?
Fra­gen wir das diejeni­gen, die außer regenbsburg-digital.de eben genau keine local heros sind: Fud­der, die schlichte Zeitungs­seite RP-Online.de und die wohl immer noch die Tex­ter nicht bezahlen­den Pren­zlauer Berg Nachricht­en. Fra­gen wir nicht tat­säch­liche local heros wie Rou­ven von Biele­felds West­en, den Duesseldorf-Blog.de oder die Rain­er­sche Post.
15.00 Uhr Die Zukun­ft des Inter­nets, der Welt und des ganzen Rests
Endlich schönes Wet­ter in Berlin.
16.00 Uhr 10 Jahre Blogs in Deutsch­land
Selb­stre­f­eren­zieren für Fort­geschrit­tene fort­geschrit­te­nen Alters
17.00 Uhr Icons
Kaf­feesat­zle­sereien mit (Über­raschung!) Icons.
18.00 Uhr Was hat das Inter­net je für uns getan?
Spree­blick­kuscheln.

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Guten Morgen

Morgenkaffee

So, melde mich wieder vom drit­ten re:publica-Tag in Berlin. Berlin hat ja keinen Humor, keine eigene Küche und kein gutes Wet­ter. Dafür kann ich aus eigen­er Erfahrung bericht­en, dass man nachts um drei noch Essen gehen oder am Obst­stand Bana­nen kaufen kann. Und immer­hin sind die Berlin­er nicht scheiss­fre­undlich mit ihrer Kod­der­sch­nautze, aber der All­t­ag hätte schon mehr Charme ver­di­ent.

Dorin Popa, der auch hier irgen­wo ist, fühlt sich als Blog­ger unver­standen. Mich würde ja eher das Gegen­teil irri­tieren.

Felix Schwen­zel hat gestern fast kom­plett andere Sachen gese­hen als ich und da sieht man sehr schön, wie unter­schiedliche Ein­drücke qua­si der­sel­ben Ver­anstal­tung entste­hen.

Ich weiß ger­ade nicht, ob ich das schon ver­linkt habe, aber da ich’s auch zweimal gele­sen habe, kann ich’s auch zweimal ver­linken: Kon­stan­tin Kleins Unbe­ha­gen mit dem vorgestell­ten Vere­in Dig­i­tale Gesellschaft. Julia Seel­iger hat eine Art Vor-Ort-Bericht dazu geschrieben, hebt aber tre­ff­sich­er Schwach­stellen des Vorhabens her­aus.

Und während ich mir die Frage stelle: Will man nicht eigentlich bessere inhaltliche Parteipoli­tik und weniger — statt mehr — Lob­by­is­mus? hole ich mir erst­mal noch einen Kaf­fee.

[ Foto: Luc van Gent ]

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re:publica Tag 2

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Es bleibt eine der schwäch­sten re:publicas: Das Konzept erscheint aus­ge­lutscht, die Vorträge sind meist dünn oder aus dem Rah­men fal­l­end. Es gibt kein eigentlich­es The­ma, keine neuen Ideen, kein A-Blog­ger hält einen Vor­trag, kaum inter­essierte Fra­gen zu Vorträ­gen, nur über­füllte Räume, viel PR, Filmereien und Selb­st­be­weihräucherung. Als ob man einem Trend nach­hängt, der seine besten Zeit­en hin­ter sich hat. Aka-aki lässt grüßen.

10.00 Uhr Wake the blog
Die Sprecherin­nen haben eine WDR-Sendung gese­hen, regten sich darüber auf und meinen, dass die dig­i­tale Gesellschaft eine PR-Strate­gie brauche. Nach­dem man dann auch noch begin­nen wollte zu definieren, was Sprache ist, habe ich das Weite gesucht.
11.00 Uhr Wir sind die Urhe­ber
Till Kreutzer erk­lärt Gedanken sein­er Pro­mo­tion­sar­beit, dass aber so plaka­tiv, das nichts als eine hal­b­gare, let­ztlich nicht überzeu­gende Mei­n­ung übrig bleibt.
12.00 Uhr Lob­by­ing the Euro­pean Par­lia­ment
Hier wurde keine ver­ständliche Gesamte­in­führung ins Lob­by­tum des Europäis­chen Par­la­ments gegeben, lediglich ein eigen­er Fall. Ich muss aber zugeben, dass ich nicht ins The­ma eingestiegen bin. Ich zog vor, um
12.20 Uhr Open­leaks
wenig­stens auszugsweise anzuhören. Da ich Dom­schei­dt-Berg schon gele­sen habe und das The­ma Open­leaks keine Neuheit­en erbrachte, auch nur so eine So-lala-Ver­anstal­tung.
12.35 Uhr flat­tr
Flat­tr-Grün­der Sünde fotografierte anfangs die Zuschauer, um auszu­drück­en, wie blöd er es find­et, beim Vor­trag fotografiert zu wer­den. Irgend­wie eine Gaga-Aktion, wenn zwei Filmkam­eras seinen Vor­trag abfil­men. Flat­tr selb­st soll kün­ftig weitver­bre­it­eter einge­set­zt wer­den kön­nen. Ob das als Anreiz zur Benutzung aus­re­icht, wage ich zu bezweifeln.
14.00 Uhr Leak­ing transparan­cy
Geballte Kom­pe­tenz um Mod­er­a­tor Jakob Aug­stein: Peter Schaar, Lutz Hachmeis­ter, Horst Pötk­er und Daniel Dom­schei­dt-Berg reden über Joural­is­mus, Leak­en und den heißen Brei. Oder was immer der Titel besagen sollte.
15.00 Uhr Media and Democ­ra­ti­sa­tion in Africa
Adam Thomas und Jörn Schultz erzählen von ihren Blog-, Pod­Cast- und anderen Pro­jek­ten in Afri­ka. Die Inter­net­tech­niken als erfol­gre­iche Aufk­lärungswerkzeuge.
In der Zwis­chen­zeit ist Renate Küh­nast angekom­men und hält sich an Verkauf­stis­chen auf wie auf einem Advents­basar. Über­flüs­sig­ster Auftritt der ganzen re:publica. Während­dessen ver­wick­le ich einen der Vor­tra­gen­den in ein Gespräch, das wed­er mich noch ihn begeis­tert. Schnell weit­er, nicht jede Kom­mu­nika­tion funk­tion­iert.
16.00 Uhr Blogger_innen im Gespräch
Ich kam etwas später, kon­nte aber immer­hin noch mit­bekom­men, wie die taube Blog­gerin Julia Prob­st die Gestiken für Merkel, West­er­welle und beson­ders Gut­ten­berg vor­ma­chte. Größter Lach­er des Tages. Außer­dem beschw­erte sich Prob­st, dass Taube bald 6€ GEZ zahlen sollen, auch wenn bspw. beim ZDF ger­ade mal 10% der Sendun­gen unter­titelt seien. Manche nicht­ge­hand­i­capte Blog­ger soll­ten sich bei Prob­st mal was abschauen: Das war ein uner­hört guter Auftritt, klar im The­ma und genau im Aus­druck. Ein Licht­blick. Prob­st elek­trisiert das Pub­likum, der Funke springt über, das wurde aber auch Zeit. Nach ihr noch Gut­jahr und eine fem­i­nis­tis­che Blog­gerin auf die Bühne, aber nach dem vorherge­hen­den Inter­viewhöhep­unkt ban­nt das keinen mehr so richtig.
17.00 Uhr Über­mor­gen TV
Die Inter­net-Nis­che des ZDF war mit großem Bohei angereist und präsen­tierte den Elek­trischen Reporter und Don­na Foxx, ein über­flüs­siges Online-Krim­ispiel ohne weit­eren Nährw­ert. Dafür durfte man sich fra­gen lassen, ob das Ganze eine Bewer­bungsver­anstal­tung fürs ZDF gewe­sen sein soll.
18.00 Uhr How fem­i­nist dig­i­tal activism is like the cli­toris
Nur kurz reingeschaut. Soweit ich das ver­standen habe, wurde die Kli­toris sehr anschaulich behan­delt. Man kann Meta­phern auch über­stra­p­atzieren.
19.00 Uhr “Der Bericht ist total ein­seit­ig und mies recher­chiert“
Eine Dame von extra3 und Deef vom quer-blog erläutern ihre Blog­pro­jek­te der bei­den Fernsehsendun­gen. Der Vorteil des Vor­trags ist, dass sie auf lustige TV-Ein­spiel­er zurück­greifen kön­nen, wobei dieser irgend­wie so gar nicht auf das Humorzen­trum der Anwe­senden traf. Worüber man auf der re:publica lacht, wun­derte später aber eh noch wen anders. Im Verl­ge­ich zur ZDF-Präsen­ta­tion etwas weniger Zuhör­er, dafür keine tiefer­ge­hende Kri­tik.
20.00 Uhr Twit­ter­lesung | Roy­al Revue
Twit­ter­lesung wie üblich: Berlin ist so geil, dass alles andere Prov­inz ist, hoch21-Tweets, eigene Tweets, Gez­icke und Gelang­weile auf der Bühne. Jakob Aug­stein als Star des Abends wun­dert sich ans Pub­likum gerichtet, dass es sehr leicht mit Klosprüchen zufrieden zu stellen sei.
In der Kalksche­une legt Herm auf und Bokel­berg hibbelt sich einen.
Die re:publica in der Tagess­chau? Wir müssen reden, Tagess­chau.

Sprech­er des Tages
Jakob Aug­stein. Machte als sou­verän­er Mod­er­a­tor einen humor­vollen, inter­essierten und sprach­lich ansprechen­den Ein­druck. War dann bei der Twit­ter­lesung von der Qual­ität der Ver­anstal­tung etwas über­rascht und blieb dieser gegenüber etwas dis­tanziert. Zurecht. Aber das hätte er vorher wis­sen kön­nen.

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