Bode, Thilo — Die Essensfälscher

buchleser

Es gab vor ein paar Jahren ja ein Buch, dass “Endlich Nich­trauch­er” oder so hieß. damals habe ich von vie­len gehört, dass dies für sie ein Ende machte mit allen Selb­st­täuschun­gen über ihr Rauchver­hal­ten. Ähn­lich kön­nte es Lesern bei der Lek­türe von Die Essens­fälsch­er. Was Lebens­mit­telkonz­erne uns auf die Teller lügen von Thi­lo Bode, derzeit auch in der Sach­buchbest­sellerliste zu find­en, gehen.
Bode verdeut­licht, wie oft­mals ver­steckt zuck­er­haltig Vieles im Super­markt ist, dass nicht Bewe­gung, son­dern Ernährung das Prob­lem des all­ge­mein ansteigen­den Übergewichts ist, und wie faden­scheinig Ver­braucher­poli­tik und wie notwendig ver­ständliche Pro­duk­t­in­for­ma­tion ist.

Das geht in diesem Buch vor allem auf die Kappe der CDU. Für Bode ist das Ver­brauch­er­schutzmin­is­teri­um von Ilse Aign­er schlicht ein Lob­bymin­is­teri­um:

Ger­adezu ab­surd ist de­shalb die Forderung von Bun­desver­brauch­er­schutzmin­is­terin Ilse Aign­er (CSU), die Gas­tronomie solle sich die »frei­willige Selb­stverpflich­tung« aufer­legen, keine Leben­s­mit­­tel-Im­i­tate mehr anzu­bi­eten. [W]arum sollte massen­hafter Geset­zes­bruch, den schon staatliche Kon­trolleure nicht eindäm­men kön­nen, plöt­zlich weniger wer­den, nur weil Ver­bands­funk­tionäre eine entsprechende Selb­stverpflich­tung abgeben? Die Forderung nach frei­williger Selb­stkon­trolle durch die Un­ternehmen ist ein beson­ders krass­es Beispiel von Im­i­tat-Poli­tik, die de fac­to jene weit­er­hin schützt, die endlich wirk­sam kon­trol­liert und sank­tion­iert wer­den müssten.

Aber auch Julia Klöck­n­er, die ger­ade ver­sucht, in Rhein­land-Pfalz Min­is­ter­präsi­dentin zu wer­den, kriegt ihr Fett weg:

So war sich die Par­la­men­tarische Staatssekretärin im Bun­desmin­is­teri­um für Ernährung, Land­wirtschaft und Ver­brauch­er­schutz, Ju­lia Klöck­ner (CDU), beim Neu­jahrsemp­fang des BLL An­fang 2010 sich­er, dass die Am­pelkennze­ich­nung bei Lebens­mit­teln »keine wis­senschaftliche Grund­lage« habe und »keinen Nutzen« bringe. An­gesichts von Hun­derten, wenn nicht Tausenden von Wis­senschaftlern und Ärzten unter den Am­pel-Be­für­­wortern ist so eine Be­haup­tung mehr als be­merkenswert. Zu erk­lären ist solche Ig­no­ranz nur damit, dass Ver­bände, Un­ternehmen und Poli­tik in Deutsch­land seit Jahrzehn­ten in einem Raum­schiff leben, durch dessen Wände nicht mehr dringt, was »draußen« passiert.

Zwar ist Bode manch­mal etwas schwatzend und wieder­holt sich des öfteren. Aber dieses Buch muss man derzeit ein­fach gele­sen haben.

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