Was ich noch sagen wollte… zur Rezeption von Tatort Internet durch Bild.de und Welt.de

Wann immer Ver­tre­ter der Sprin­ger­pres­se wie Mathi­as Döpf­ner wie­der laut­hals rum­kra­ke­len, dass der Qua­li­täts­jour­na­lis­mus in Gefahr sei, soll­te man sich in Erin­ne­rung rufen, wofür die Sprin­ger­pres­se eigent­lich so steht. Und man soll­te das Lachen nicht ver­ges­sen, denn mit Qua­li­täts­jour­na­lis­mus hat das alles herz­lich wenig zu tun.

Gera­de kann man auch ein merk­wür­di­ges Schau­spiel der Sprin­ger­pres­se mit­er­le­ben: Springer-Zeitung Bild ist für die Sen­dung Tat­ort Inter­net und Springer-Zeitung Die Welt ist dage­gen. Von Anfang an. Das ist das Risi­ko, wenn man sich für ein Pro­jekt mit der Bild­zei­tung ver­brü­dert, wie Ver­tei­di­gungs­mi­nis­ter­gat­tin Gut­ten­berg es getan hat: Von der Bild­zei­tung wird einem der Rücken frei gehal­ten, wäh­rend Die Welt fröh­lich fron­tal atta­ckiert.

Nun darf man sicher­lich in unter­schied­li­chen Zei­tun­gen unter­schied­li­che Mei­nun­gen ver­tre­ten. Aber ob die unter­schied­li­che Mei­nungs­ver­tre­tung wirk­lich ganz allein von den Jour­na­lis­ten kommt, das ist zu bezwei­feln. Bezeich­nend ist, wie Die Welt bei die­ser Schmie­ren­ko­mö­die gänz­lich unter den Tisch fal­len lässt, wie die Bild­zei­tung die­se Sen­dung flan­kiert, wie sie maß­geb­lich Teil die­ser obsku­ren Kam­pa­gne ist. Die Bild­zei­tung, das ver­wun­dert weni­ger, igno­riert sämt­li­che Kri­tik am Fern­seh­for­mat und lässt sämt­li­che Kri­ti­ker der Feh­ler des For­mats für Beschüt­zer von pädo­phi­len Straf­tä­tern da ste­hen.

Für so eine Kri­tik braucht eine Zei­tung ja nicht selbst ein­zu­ste­hen. Wie gut, dass man eige­ne Wer­be­fi­gu­ren hat wie Til Schwei­ger, die so eine Drecks­ar­beit erle­di­gen.

Es geht der Sprin­ger­pres­se schlicht nicht um Qua­li­täts­jour­na­lis­mus. Es geht um’s Ver­kau­fen. Qua­li­täts­jour­na­lis­mus ist im Hau­se Sprin­ger ledig­lich ein Syn­onym von Ver­kaufs­zah­len. Und die Poli­tik soll doch bit­te­schön dabei hel­fen, dass die Ver­kaufs­zah­len akzep­ta­bel blei­ben. So gese­hen ist Tat­ort Inter­net in den Wor­ten der Sprin­ger­pres­se mehr ein Angriff auf das Inter­net als auf pädo­phi­le Straf­tä­ter.

Das alles macht kein ande­rer Ver­lag so — nur die Sprin­ger­pres­se. Schrei­ben tun dar­über nur Blogs, kei­ne Zei­tun­gen. Und wo? Im Inter­net.

Du magst vielleicht auch

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.