Guten Morgen, liebe Folglinge! ☕

Archiv für den 18. Oktober 2010

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Guten Morgen

morgenkaffee

Die Sprin­ger­pres­se gehört ja zu den­je­ni­gen, die mei­nen, Qua­li­täts­jour­na­lis­mus sei das ein­zig Wah­re und der Geburts­feh­ler des Inter­nets sei es, kei­ne Bezahl­in­halts­for­ma­te eta­bliert zu haben. Dem wider­spricht der schei­den­de Focus-Online-Chef Jochen Weg­ner: Nie­mand braucht Print, Radio und TV.

Die Qua­li­tät der Sprin­ger­pres­se äußert sich mal wie­der dar­in, dass man einen Bericht ver­öf­fent­licht, in dem the­ma­ti­siert wird, wie ein angeb­li­cher Täter in der RTL2-Sendung Tat­ort Inter­net so beschrie­ben wird, dass er über das Inter­net leicht gefun­den wer­den kann. Und der Bericht ent­hält eben die Infor­ma­tio­nen, durch die er so leicht gefun­den wer­den kann. Dafür soll­te es auch mal einen Däm­lich­keits­preis geben.

Ich sel­ber habe ges­tern mal den nordrhein-westfälischen Land­tag besucht. Auch mal schön.

Eine Künst­le­rin woll­te ver­gam­meln­des Essen über einen län­ge­ren Zeit­raum foto­gra­phie­ren. Das Pro­blem mit dem McDonald’s-Essen: Es ver­gam­melt nicht.

Und wäh­rend ich mir die Fra­ge stel­le: Soll­ten wir jetzt nicht ein­fach mal so ein unver­gam­mel­ba­res McDonald’s-Menü unpre­pa­riert ins Muse­um stel­len als Mahn­mahl für kom­men­de Gene­ra­tio­nen? hole ich mir erst­mal noch einen Kaffee.

[Foto: Luc van Gent]

Was ich noch sagen wollte… zu Merkels Multikulti-Beerdigung

Sowohl Ange­la Mer­kel als auch Horst See­ho­fer haben sich dadurch zu pro­fi­lie­ren ver­sucht, Mul­ti­kul­ti für geschei­tert bzw. tot zu erklä­ren. Es hat schon etwas von Hilfs­lo­sig­keit, dass die vor­ders­ten Kräf­te von CDU und CSU zu sol­chen plat­ten Aus­sprü­chen grei­fen müs­sen, wo es doch mit der Eigen­iden­ti­fi­ka­ti­on die­ser Par­tei mehr als hapert.

Dabei ist selbst die­se Akti­on nur eine Cover-Version: Das Ori­gi­nal lief vor weni­gen Jah­ren in den Nie­der­lan­den, als öffent­lich­keits­wirk­sam davon die Rede war, dass die Inte­gra­ti­ons­be­mü­hun­gen in den Nie­der­lan­den für geschei­tert erklärt wur­den. Nun muss man dazu sagen, dass die Inte­gra­ti­ons­be­mü­hun­gen der Nie­der­län­der weit aus­ge­reif­ter gewe­sen sind als die der Deut­schen: Es waren gan­ze Pro­gram­me vor­ge­se­hen, anhand derer gedacht war, dass sich Immi­gran­ten ori­en­tie­ren kön­nen: Sprach­kur­se, Inte­gra­ti­ons­grup­pen, Hin­wei­se auf Ver­an­stal­tun­gen, kurz: Es wur­de erklärt, wie die nie­der­län­di­sche Gesell­schaft funk­tio­niert. die­se Pro­gram­me wur­den aber schlecht ange­nom­men, so dass es vie­ler­orts Stadt­vier­tel gab, in denen nicht nie­der­län­disch gespro­chen wur­de, in denen kei­ne Inte­gra­ti­ons­ver­su­che gemacht wurden.

Wenn jetzt die Lan­des­vor­de­ren Deutsch­lands aus dem Fens­ter leh­nen, um eben­so Mul­ti­kul­ti für geschei­tert zu erklä­ren, muss man anfüh­ren: So durch­dach­te Pro­gram­me wie in den Nie­der­lan­den hat es in Deutsch­land nie gege­ben. Hier fehlt es ja oft schon an Gel­dern für Sprach­kur­se. Bei der­art feh­len­der Hil­fe zur Inte­gra­ti­on muss man sich nicht wun­dern, dass Inte­gra­ti­on ein Pro­blem bleibt.

Mul­ti­kul­ti dage­gen gibt es in Deutsch­land weit und breit: Man muss sich nur die Spie­ler­na­men der Fuß­ball­na­tio­nal­elf durch­le­sen, nur auf die unter­schied­lichs­ten Spra­chen in den Zügen der Städ­te anhö­ren, sich die bes­ten Restau­rants der Orte sagen las­sen, das Mit­ein­an­der in Schul­klas­sen anschau­en: Hier ist über­all Multikulti.

Es ist eben nicht Mul­ti­kul­ti, was tot ist, son­dern es sind ledig­lich die alten Denk­sche­ma­ta von CDU/CSU über­holt und geschei­tert: Das Pochen auf eine stan­dar­di­sier­te Lebens­wei­se war immer schon ein Denkfehler.

Wie ist das eigentlich mit… der Moralbarbie und der Blödzeitung?

Die Moral­bar­bie ist ent­setzt. Und Till Schwei­ger ist das auch. Des­we­gen empö­ren sie sich in der Blöd­zei­tung. Die Moral­bar­bie ist ent­setzt, dass Kri­ti­ker die Rechts­ver­let­zun­gen des Sen­ders RTL2 auf­zei­gen, wodurch recht­lich nicht anklag­ba­re Per­so­nen gehetzt werden.

Noch­mal: Es geht nicht um Täter­schutz, es geht um die Bewah­rung rechts­staat­li­cher Prin­zi­pi­en wie der Unschulds­ver­mu­tung. Damit haben die Blöd­zei­tung, RTL, Schwei­ger und Gut­ten­berg offen­sicht­lich ein Problem.

Über so ein Ver­ständ­nis von Rechts­staat­lich­keit ist der­zeit nicht nur die Cari­tas ent­setzt. Fällt es Frau Gut­ten­berg denn gar nicht auf, dass nur die Blöd­zei­tung und RTL ihre Hal­tung tei­len? Dass jeder, der mehr Ver­stand auf die Waa­ge bringt, sich dif­fe­ren­tier­ter und RTL-distanzierter äußert?

mehr
welt.de: Cari­tas for­dert Abset­zung von Tat­ort Internet
sueddeutsche.de: Ste­fa­nie zu Gut­ten­berg selbst am Pranger

Baggernd Frauen ausziehen

Viel­leicht soll­te man mal mit der Hun­zi­ker sowas machen, dann hät­te sie bei Wet­ten, dass..? auch mal eine sinn­vol­le Aufgabe:

Warum Smart-Taxis in Deutschland verboten sind

Vor eini­ger Zeit sind in Deutsch­land Tests ein­ge­führt wor­den für ein­wan­der­wil­li­ge Aus­län­der. Da muss man so berühm­te Kunst­stü­cke wie­der­erken­nen, alle Bun­des­län­der auf­zäh­len oder einen Arti­kel aus dem Wirt­schafts­teil der FAZ lesen und wiedergeben.

Ich bin inzwi­schen aber auch dafür, die Neu­an­kömm­lin­ge auf deut­sche Schrul­lig­kei­ten hin­zu­wei­sen. Fol­gen­des soll­ten sie sich mal ange­se­hen haben, soll­ten ver­su­chen zu beschrei­ben, wor­in das Pro­blem liegt und ob sie die Sache ernst neh­men können:

Die Umstän­de sind fol­gen­de: Es gibt bis­her kei­ne ohne wei­te­res zuge­las­se­ne Smart-Taxis in Deutsch­land. Es gibt aller­dings einen Taxi-Unternehmer, der Smart-Taxis hat. Und obwohl bei 70% der Taxi­fahr­ten in Deutsch­land jeweils nur eine Per­son beför­dert wird, kön­nen immer noch nicht Smarts als Taxis ver­wen­det werden.

War­um?

Weil in Deutsch­land Taxis an der rech­ten Sei­te zwei Türen haben müs­sen. Hat der Smart nicht. Doch der Taxi-Unternehmer ließ nicht locker und bau­te an die rech­ten Sei­ten sei­ner Smarts bestim­mungs­kon­for­me, aber funk­ti­ons­lo­se Zusatz­tü­ren ein.

Ob’s gehol­fen hat? Hier ent­lang (2. Video in der Leiste).

Ich hör immer nur… Ace of Base

Ohne bes­se­res Wis­sen hält man ja Lady Gagas neu­es Lied Ale­jan­dro für das Come­back von Ace of Base. In die­se klei­ne Fal­le bin ich auch getappt, schließ­lich singt Lady Gaga mit einem ande­ren Akzent und die Anspie­lun­gen auf Ace of Base sind ja auch offensichtlich.

Das ist genau­so gedacht gewe­sen, auch kommt der maß­geb­li­che Pro­du­zent aus dem Stall vom schwe­di­schen Mas­ter­mind Max Mar­tin.

Bei Ace of Base sel­ber sind die Bergren-Schwestern nicht mehr an den Gesangs­mi­kro­fo­nen, son­dern zwei blon­de Hupf­doh­len. Die allt­be­kannt sim­pel gestrick­te, neue Sin­gle All for you hin­ter­lässt kei­nen blei­ben­den Eindruck.

Aber was hilft’s auch, das gan­ze ist der Sound der 90er, der damals ange­sagt war, weil er umge­ben von pep­pi­gen Euro-Dance-Liedern war, die es heu­te nicht mehr gibt. Das ist auch gut so, nur soll­te man den Ace-of-Base-Sound eben­so ruhen las­sen. Irgend­wann ist auch mal gut.

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