Daniel Deckers Herzgefühl

Ein wirk­lich selt­sa­mes Stück Anti-Aufklärung ist es, was die FAZ da ver­öf­fent­licht: Dani­el Deckers pol­tert für Inter­netsper­ren, ohne deren Wirk­ver­feh­lung anzu­spre­chen, mit dem Kind­wohl am Her­zen. Mit dem ein­ge­schal­te­ten Hirn hat dies zuge­ge­be­ner­ma­ßen nichts zu tun.

Die Ver­let­zun­gen und Wun­den, die sie [Sexu­al­tä­ter] ihnen [Sexu­al­de­likt­op­fern] bei­brin­gen, hei­len oft ein Leben lang nicht. Man­chen ver­schlägt es für immer die Spra­che – so tief sit­zen Scham und mit­un­ter auch Schuld­ge­füh­le. Und nicht weni­ge Opfer sexua­li­sier­ter Gewalt wer­den ihrer­seits wie­der zu Tätern; sie sind fast dazu ver­dammt – ein furcht­ba­rer Kreis­lauf.

All das kann eine Gesell­schaft wis­sen, wenn sie es denn wis­sen will. Doch schon die Spra­che führt in die Irre: Das Wort „Miss­brauch“ lässt auch an „Gebrauch“ den­ken. Auch das straf­recht­li­che Prin­zip „Im Zwei­fel für den Ange­klag­ten“ ent­fal­tet auf die­sem Delikts­feld nach wie vor eine fata­le Wir­kung.

Die deut­sche Gesell­schaft könn­te also von allen sexu­el­len Über­grif­fen wis­sen, will es aber nicht — des­we­gen muss die Bun­des­re­gie­rung Gesicht zei­gen. Was eine selt­sa­me Mei­nung. Und natür­lich gibt es einen sexu­el­len Gebrauch von Men­schen, anders kom­men Babys nicht auf die Welt. Was dar­an Irre­füh­rung sein kann?

Viel­leicht die­ser argu­men­ta­tiv holp­ri­ge und igno­ran­te Text, in dem sich der Autor anmaßt, selbst das Zuge­ständ­nis des Staa­tes, sei­nen Gerich­ten kei­ne All­macht zuzu­er­tei­len, in Fra­ge zu stel­len. Zum angeb­li­chen Schutz von poten­ti­el­len Opfern soll der Staat päpst­lich sein Fehl­bar­keits­ein­ge­ständ­nis zurück zie­hen, soll wirk­lo­se Inter­netsper­ren erlas­sen:

Von der Aus­ge­stal­tung der Siche­rungs­ver­wah­rung bis zum kon­se­quen­ten Ein­schrei­ten gegen die im Inter­net wuchern­de Kin­der­por­no­gra­phie, allen vor­an durch Sper­ren der Sei­ten, könn­te die Bun­des­re­gie­rung zei­gen, dass ihr das Kin­des­wohl eben­so sehr am Her­zen wie auf der Zun­ge liegt.

Ja, Sym­bo­lik ist was fei­nes, mag sie auch noch so nutz­los sein wie Inter­netsper­ren. Da bricht dann das Katho­li­sche in Herrn Deckers, dem Bio­graph von Karl Leh­mann, durch. Ach, wären doch die Poli­ti­ker so auf­klä­re­risch unter­wegs wie die Katho­li­sche Kir­che:

Vor die­sem Hin­ter­grund ist es gut, dass die Poli­tik in der Per­son einer Miss­brauchs­be­auf­trag­ten Gesicht zeigt. Gut ist es auch, dass Poli­ti­ker – wie die Reprä­sen­tan­ten der Kir­chen – bekun­den, die Per­spek­ti­ve der Opfer ein­neh­men zu wol­len; dass sie von sich aus die Mau­er des Schwei­gens ein­rei­ßen, die die­ses grau­si­ge The­ma noch immer umgibt.

Und genau das tut die Katho­li­sche Kir­che nicht. Aber die­se Sicht­wei­se sitzt bei Deckers wohl nicht drin. Für das Cre­do Gefühl vor Intel­lekt Miß­brauchs­op­fer für die­se Geis­tes­hal­tung ein­zu­span­nen — per­fi­der geht es nicht.

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