Rob Savelberg trifft Wolfgang Schäuble: Waren Regierungsmitglieder käuflich?

In Ber­lin kam es auf einer Pres­se­kon­fe­renz zu einer inter­es­san­ten Begeg­nung: Wolf­gang Schäub­le stell­te sich einer Fra­ge Rob Savel­bergs. Savel­berg sorg­te im letz­ten Jahr für Auf­se­hen, als er Ange­la Mer­kel die Fra­ge stell­te, wie sie jeman­den zum Finanz­mi­nis­ter der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land machen kön­ne, der sich wie Wolf­gang Schäub­le nicht an eine 100.000 DM-Spende an die CDU durch Waf­fen­lob­by­ist Karl­heinz Schrei­ber erin­nern konn­te, die in Schäub­les Schreib­tisch lan­de­te und inzwi­schen ver­schwun­den ist. In einem Inter­view mit Die WELT kon­kre­ti­sier­te Savel­berg den kri­ti­schen Gehalt sei­ner Fra­ge und nann­te Schäub­le “kei­ne sau­be­re Per­son”.

May­brit Ill­ner kon­fron­tier­te kurz dar­auf Wolf­gang Schäub­le auf die Fra­ge von Rob Savel­berg. Damals ließ Schäub­le aller­dings schul­buch­mä­ßig Ill­ner gegen die Wand lau­fen: Er wis­se nicht, was an der Fra­ge von Savel­berg “son­der­lich intel­li­gent” sei und wür­de gene­rell nicht zur Qua­li­tät von Jour­na­lis­ten­fra­gen Stel­lung bezie­hen.

Savel­berg stell­te Schäub­le nun die Fra­ge, ob er immer noch, wie er vor zehn Jah­ren sag­te, glau­be, dass kein Mit­glied der Regie­rung Kohl käuf­lich gewe­sen sei. In der Zwi­schen­zeit gab es die Ver­ur­tei­lun­gen von Herrn Kan­ther, von Herrn Pfahls, und u.a. auch von Herrn Wey­rauch, von Herrn Leis­ler Kiep und von Herrn Schrei­ber. Hel­mut Kohl ließ gegen Bezah­lung von 300.000 DM das Ver­fah­ren ein­stel­len. Das Ver­fah­ren gegen Herrn Sayn-Wittgenstein wur­de aus gesund­heit­li­chen Grün­den ein­ge­stellt. Wolf­gang Schäub­le ant­wor­te­te auf die Fra­ge Savel­bergs wie folgt:

1. 00:00 Käuf­li­che Regie­rungs­mit­glie­der
2. 00:48 Man­fred Kan­ther
3. 01:14 Die ande­ren
4. 01:23 Nie­mals käuf­li­che Bun­des­re­gie­rungs­mit­glie­der
5. 01:58 Karl­heinz Schrei­ber
6. 02:53 Deut­sche Ein­heit
7. 03:47 Deutsch­land heu­te & Deut­scher Fuß­ball
8. 04:16 All­mäh­li­ge Inte­gra­ti­on & Deut­sche Iden­ti­tät
9. 04:44 Deutsch­lands Ein­heit und Schäub­les Bei­trag

Die Ant­wort Wolf­gang Schäub­les darf man wohl als rhe­to­risch geschickt bezeich­nen. Lose Bemer­kun­gen hier­zu:

1. Schäub­le nutzt die Nicht­ver­ur­tei­lung von Hel­mut Kohl in der CDU-Spendenaffäre wegen gerin­ger Schuld gemäß § 153 a StPO, um dar­auf zu pochen, dass ein jeder in der Bun­des­re­pu­blik unter dem­sel­ben Rechts­ge­setz stün­de, sei er nun Bun­des­kanz­ler oder Hartz-4-Empfänger. Natür­lich ver­schweigt Schäub­le, dass dem Hartz-4-Empfänger in aller Regel nicht 150.000€ zur Ver­fü­gung ste­hen, um sich vor Gericht frei zu kau­fen.

2. Schäub­le insis­tiert dar­auf, es gäbe “nicht den gerings­ten Anlass”, Man­fred Kan­ther für käuf­lich zu hal­ten. Es gibt zwar kei­ne recht­li­che Ankla­ge, aber kei­nen Anlass? Wiki­pe­dia: “Man­fred Kan­ther hat­te den Süß­wa­ren­kon­zern Fer­re­ro 1999 anwalt­lich bera­ten. Fer­re­ro hat­te der CDU seit Anfang der 1980er-Jahre fast eine Mil­li­on DM gespen­det, die schwarz ein­ge­nom­men und aus­ge­ge­ben wur­den.” Kan­ther war von 1991–98 Lan­des­chef der Hessen-CDU. Es ist nicht falsch, wenn Schäub­le sagt, Kan­ther sei vor­ge­wor­fen wor­den, er habe für die Hessen-CDU Reg­lun­gen getrof­fen, die so mit den Geset­zen nicht in Über­ein­stim­mung waren. Es ver­schlei­ert aller­dings, dass Kan­ther als Ver­ant­wort­li­cher für den Ver­stoß gegen das Par­tei­spen­den­ge­setz ver­ur­teilt wur­de und somit vor­be­straft ist.

3. Schäub­les Aus­sa­ge in 3. ist genau genom­men rich­tig, aber er hat allen Grund, die­sen Punkt schnell zu über­ge­hen: Holger-Ludwig Pfahls war als ver­be­am­te­ter Staats­se­kre­tär zwar dem Bun­des­mi­nis­te­ri­um in der Regie­rung Kohl zuge­ord­net und hat­te des­sen poli­ti­sche Hal­tung zu ver­tre­ten, gehör­te aber streng genom­men nicht zur Bun­des­re­gie­rung. Pfahls ist inzwi­schen recht­mä­ßig vom Land­ge­richt Augs­burg wegen Vor­teils­an­nah­me und Steu­er­hin­ter­zie­hung zu einer Haft­stra­fe von zwei Jah­ren und drei Mona­ten ver­ur­teilt wor­den.

4. Die Punk­te 6. bis 9., mehr als die Hälf­te der gan­zen Ant­wort, die­nen nicht der Beant­wor­tung der Fra­ge. Rhe­to­risch sind sie aber geschickt geeig­net, um die Auf­merk­sam­keit von ver­gleichs­wei­se wesent­li­che­ren Punk­ten wie 3. oder die Inter­pre­ta­ti­on der Rol­le Man­fred Kan­thers in 2. abzu­len­ken.

[Foto Rob Savel­berg: Phil­ipp Ebe­ling]

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