Was ich noch sagen wollte zur… Medien-Love-Parade

Im Fern­se­hen gibt es Real­le­bens­sen­dun­gen zu fast allem: Zu Top-Models, zu ver­kan­ten Sän­gern, zu Dicken, zu Ver­schul­de­ten, zu Koch­wü­ti­gen, zu Ver­zo­ge­nen und Ver­zie­hern. Nur zu einer Men­schen­grup­pe wird es so schnell nichts geben: Zu den Medi­en­leu­ten und ihrer Qua­li­tät. Dabei wird gera­de eine Medien-Love-Parade gefei­ert, die nach einer nach­fra­gen­den Betrach­tung schreit:

Bei die Zeit wun­dert man sich bei­spiels­wei­se im Zuge der Bericht­erstat­tung zur Lovepa­ra­de, dass die Hel­fer des Mal­te­ser Kreuz’ nicht mehr mit der Pres­se spre­chen wol­len. Man kommt gar nicht mehr auf die Idee, dass Pres­se­leu­te wohl­mög­lich immensen Druck auf der­ar­ti­ge Stel­len aus­üben, dem nicht aus­sa­ge­kräf­tig Rede und Ant­wort gestan­den wer­den kann. Statt­des­sen skan­da­li­sie­ren die Auto­ren der Zeit:

Bei den Mal­te­sern sei nie­mand mehr zur Lovepa­ra­de ansprech­bar. Ein mehr als unge­wöhn­li­cher Vor­gang: Ein recht­lich unab­hän­gi­ger Ver­ein gibt sei­ne Öffent­lich­keits­ar­beit an eine staat­li­che Stel­le ab.

Ein dage­gen wohl nicht son­der­lich unge­wöhn­li­cher Vor­gang: Jour­na­lis­ten geben ihren all­ge­mei­nen Men­schen­ver­stand für skan­da­li­sie­ren­den Pseudo-Journalismus ab. Denn sau­be­re jour­na­lis­ti­sche Arbeit ist in die­sem Arti­kel nicht zu ver­spü­ren. So schreibt man über die Ent­las­sung des Lovepa­ra­de kri­ti­schen ehe­ma­li­gen Duis­bur­ger Poli­zei­prä­si­den­ten Rolf Cebin:

Der SZ zufol­ge ver­lang­te der Duis­bur­ger CDU-Kreisvorsitzende und Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te Tho­mas Mahl­berg dar­auf­hin die Abset­zung Cebins.

Das hat man gar nicht erst nach­re­cher­chiert, wobei es dafür nur eine Google-Anfrage der Form “CDU Duis­burg Cebin” bedurft hät­te, um auf fol­gen­de Sei­te zu kom­men: http://www.cdu-duisburg.de/index.jsp?index=presse&mid=20&content=ja&id=103.

Die Bild­zei­tung schaff­te es inner­halb kür­zes­ter Zeit zu 137 Leser­be­an­stan­dun­gen beim Deut­schen Pres­se­rat.

Bei Die Welt copy&pasted man offen­bar unge­prüft den Arti­kel einer Blog­ge­rin, die in Duis­burg vor Ort gewe­sen sein soll, und rühmt sich auch noch dafür:

Anmer­kung der Redak­ti­on: Um die Authen­ti­zi­tät die­ses Berich­tes zu bewah­ren, wur­de er von der Redak­ti­on nicht redi­giert und weit­ge­hend in sei­ner ursprüng­li­chen For­ma­tie­rung gehal­ten.

Bei der Rhein Zei­tung ist man sich nicht zu blö­de, einen anony­men Blog­ger zu por­trai­tie­ren, der auf dem Rücken der Opfer der Lovepa­ra­de unmit­tel­bar eine geschmack­lo­sen Sati­re vom Sta­pel lässt.

Haupt­sa­che irgend­was zur Lovepa­ra­de brin­gen ist das Cre­do eta­blier­ter Zei­tun­gen. In Zei­ten des Inter­nets ist man dabei ger­ne bereit, hek­tisch und unüber­legt beim eige­nen Hand­werk zu schlu­dern.

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