Ein Pferd namens Helmut

Es kommt wohl nicht oft in Twit­ter vor, dass ein monateal­ter Tweet gle­ich ein dutzend Mal retweet­et wird. Bei fol­gen­dem ist aber genau das passiert:
pferdkohl
Sehen Sie auch dieses Kinderz­im­mer der 12jährigen vor sich, die Wände voll­gek­leis­tert mit Hel­mut-Kohl-Plakat­en?
Zu Unrecht ist das eifrige Retweet­en wohl nicht passiert, beschreibt er doch symp­to­ma­tisch, wie die Bun­desregierung sich derzeit nach außen gibt. Als jemand, der außer­halb von Deutsch­land ger­ade weilt, merkt man das vielle­icht bess­er.
Da soll jemand Fam­i­lien­min­is­terin wer­den, der sich vornehm­lich durch partei­in­terne Meriten qual­i­fiziert hat: Mit 14 in die Junge Union, nicht weit­er auf­fall­en und dann mit 25 die nach eige­nen Worten ein­ma­lige Chance haben, in den Bun­destag zu kom­men. So klingt nicht jemand, der sich siegre­ich in einem harten Wahlkampf bewährt hat. So klingt jemand, dem aus parteilichem Ver­di­enst ein sicher­er Weg in den Bun­destag beschert wor­den ist.
Dort ver­suchte sie sich dann irgend­wann mit dem The­ma Deutschfeindlichkeit zu pro­fil­ieren, dass ihr von Panora­ma um die Ohren gehauen wurde. Das war zwar reißerisch, aber berechtigt seit­ens der ARD-Sendung und ihre auf ein inhaltlich­es Patt aus­laufend­en Bemerkun­gen überzeu­gen der Sache nach gar nicht.
Jet­zt set­zt die CDU kon­se­quent ihre Beset­zungspoli­tik fort, mit der sie damals eine sich nicht durch Sach­poli­tik bewährt habende Per­son in den Bun­destag kat­a­pul­tiert hat, und kat­a­pul­tiert dieselbe Per­son auf ein Min­is­ter­amt, für dessen Inhalt sie auch wiederum nichts sach­poli­tisch qual­i­fiziert, wie Angela Merkel ein­drucksvoll dar­legt.
Ja, ja, wird man nun sagen, das stimmt schon irgend­wie. Aber es gibt genü­gend Staatssekretäre, die schon lange im The­ma drin sind, die ihr jede Schwierigkeit aus dem Eff­Eff her­aus vor­beten kön­nen. Das erscheint mir nicht glaub­würdig, nach­dem genau das bei den Min­is­tern Gloß und Jung genau so in die Hose gegan­gen ist. Oder hat jemand ern­sthaft noch Ver­trauen zu ein­er christlichen Partei, unter deren Obhut durch gegen Nato-Vor­gaben ver­stoßende Bom­barde­ments Zivilis­ten im Aus­land getötet wer­den und die sich im sel­ben Moment hin­stellt und rhetorische Ver­biegun­gen hin­legt, nach denen man sich nicht im Krieg befind­et?
Es ist keine aus­gemachte Sache, dass dieser Amts­führung das­selbe Schick­sal zuteil wird, aber die Grund­naiv­ität der kün­fti­gen Amt­strägerin ist schon in gewiss­er Weise beein­druck­end:

Ich wun­dere mich auch immer wieder, wie viel Leute frei­willig preis geben, aber aus­gerech­net vor dem Staat, wo alles auf Geset­zen basiert und insofern trans­par­ent ist, eine Riesen-Panik haben.

Das ist der­selbe Staat, der ger­ade treudoof sen­si­ble Dat­en sein­er Bürg­er an die Amerikan­er weit­er­leit­en möchte. Wenn ein Staat der­art vorge­ht, dann ist Panik jet­zt, also, ich will nicht sagen ange­bracht, aber weit weg liegend ist es nun ger­ade nicht.
So wün­scht man sich nur noch, man kön­nte nur für einen kurzen Moment das Rad der Zeit zurück drehen, und dass man machen kön­nte, dass die kleine Kristi­na Anfang der 90er für irgend jemand anders geschwärmt hätte. Jason Priest­ley, Roy Black oder Jon Bon Jovi. Es wäre einem doch soviel erspart geblieben.
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Die Süd­deutsche Zeitung hat sich die Dok­torar­beit von Frau Köh­ler mal etwas genauer ange­se­hen. Und auch da wurde etwas kat­a­pul­tiert.

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