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Archiv für Oktober 2009

Wenn linke Systeme untergehen

drohsel

Der der­zei­ti­ge Unter­gang der SPD als Groß­par­tei erin­nert mich schon etwas an den Unter­gang der DDR in sei­nen letz­ten Zügen. Da fin­den sich in den übrig geblie­be­nen Orga­ni­sa­ti­ons­for­men noch Leu­te, die das Schiff noch nicht ver­las­sen haben, die aber auch nicht bemerkt haben, dass der Zug schon lan­ge abge­fah­ren ist, dass das Volk von Ihnen gera­de nichts erwar­tet, dass die Musik woan­ders gespielt wird.

Das Prin­zip “Bau­er sucht Frau”

Die SPD hat den Unfall, den sie erlit­ten hat, nicht wahr­ge­nom­men, und wer zu den Leu­ten gehört, die ihn nicht wahr genom­men haben, der soll jetzt die Repe­ra­tur ver­an­las­sen? Der Scha­den ist noch nicht ein­mal iden­ti­fi­ziert, nicht per­so­ni­fi­ziert. Aber schon sind die ers­ten lin­ken Oppor­tu­nis­ten da, die genau wis­sen, in wel­che Rich­tung die Segel der Par­tei gepus­tet wer­den müssen.

Dabei hat die SPD ja nicht nur extern Leu­te ver­grault, son­dern auch intern. Es hat sich eine sozia­le Klit­sche gebil­det, die intern nach den eige­nen Geset­zen funk­tio­niert. Die aber gar nicht auf dem Schirm hat, wel­cher Wind aus­ser­halb weht. Und es ist nun ein­mal heu­te so, dass wer das nicht mit­be­kommt, nach außen kaum ver­mit­tel­bar ist. Das ist der Span­nungs­bo­gen von Bau­er sucht Frau.

Ein Dampf­schiff ohne Maschine

Die­je­ni­gen, die von Nöten wären, das Schiff wie­der auf den alten sozi­al­de­mo­kra­ti­schen Kurs zu brin­gen, wur­den wegen die­ser sozia­len Klit­sche fern gehal­ten oder durch sie ver­grault. Genau die­se Leu­te sind nun eben nicht in der Par­tei, damit die SPD wie­der auf brei­ter Basis Akzep­tanz fin­den kann.

Es bedarf einer intel­lek­tu­el­len Glanz­leis­tung, um ein stra­te­gi­sches Werk, egal ob in Wort oder Schrift, ein­zu­brin­gen, das Ori­en­tie­rungs­punkt für die der­zei­ti­gen SPD­ler wer­den kann und das wer­bend die­je­ni­gen für die SPD wie­der begeis­tern kann, die die SPD auf ihrem Weg in den letz­ten 15 Jah­ren ganz ver­lo­ren hat.

Die Chan­cen für so einen Fix­punkt sind aber mehr als gering. Die Intel­lek­tu­el­len hat man schon ver­grault, ein paar Künst­ler beken­nen sich noch zur SPD, aber von denen kennt der Durch­schnitts­bür­ger auch schon zwei Drit­tel nicht. Stein­mei­er ver­weist auf den geschichts­träch­ti­gen Begriff der Sozi­al­de­mo­kra­tie, Deutsch­land brau­che eine star­ke Sozi­al­de­mo­kra­tie, aber ihm ent­geht, dass die Wenigs­ten heu­te noch die Begrif­fe Sozi­al­de­mo­kra­tie und SPD für deckungs­gleich halten.

Wer hat Angst vorm Schwar­zen Mann?

Und jetzt kit­tet man eben mehr schlecht als recht, was kitt­bar erscheint.  Das Neu­be­set­zen von Posi­tio­nen, das Hoch­pur­zeln in der SPD-Hierarchie und der kom­men­de Rich­tungs­streit über­tün­chen das nöti­ge Selbst­be­kennt­nis der Par­tei als einer 20%-Partei. Ein Blick zu den sozi­al­de­mo­kra­ti­schen 20%-Kollegen in den Nie­der­lan­den könn­te heil­sam sein.

Hoff­nung set­zen eini­ge in ein Rot-Rot-Grün-Bündnis in NRW, das eine Blau­pau­se für künf­ti­ge Koali­tio­nen wer­den soll. Aber in NRW herrscht noch Schwarz-Gelb, von Wech­sel­stim­mung kann kei­ne Rede sein, und das Schreck­ge­spenst, dass Sah­ra Wagen­knecht in NRW zur Minis­te­rin erko­ren wird, soll­te man nicht unterschätzen.

Den Sozen soll­te daher eines klar sein: Die Tal­soh­le ist noch nicht ver­las­sen und viel­leicht noch nicht ein­mal erreicht.
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Lese­tipp:  Süd­deut­sche Zei­tung — Wie man einen Mann versenkt

New schedules

A class gets new sche­du­les. And there’s a good rea­son they’re going to have bio­lo­gy each day at 12.

First I thought this was a dutch cam­pai­gn to get more peop­le to vote. But actual­ly its an advert for shops whe­re you can choo­se all the things for your pc yours­elf. Aha.

Wählen ist schön

Einer Klas­se wird der neue Stun­den­plan auf­er­legt, u.a. täg­lich mit­tags Bio­lo­gie, wofür es wohl gute Grün­de gibt. Harr. Harr. Harr.

Erst dach­te ich ja, die­se nie­der­län­di­sche Wer­bung namens “Wäh­len ist schön” sei dazu da, dem Rück­gang der Wahl­be­tei­li­gung in den Nie­der­lan­den ent­ge­gen zu tre­ten. Aber eigent­lich geht es die­ser Wer­bung wohl dar­um, dass man sich in den Läden die­ser Ket­te sei­nen PC selbst zusam­men­stel­len kann. Soso.

Kosten für Musik in niederländischen Blogs

BUMA/STEMRA hat gera­de ein PDF vor­ge­legt, in dem dar­ge­legt wird, was das Ein­bin­den von Musik in nie­der­län­di­schen Blogs so kos­ten soll ab kom­men­dem Jahr. Und da ist man nicht zim­per­lich: 6 ein­ge­bet­te­te Lie­der kos­ten 130€. Das ver­spricht spa­ßi­ge ers­te Prozesse.

stemra

Soweit ich weiss ist das Pfei­fen von Melo­di­en auf öffent­li­chen Stra­ßen in den Nie­der­lan­den noch erlaubt, auch wenn ich fin­de, dass das auch irgend­wie embed­ded ist.

Star Wars Gangsta Rap

Suche Enttäuschung fürs Leben

Heu­te ist ein schö­ner Tag und aller­höchs­te Zeit, sich mal wie­der die Klein­an­zei­gen vor­zu­neh­men. Ein alt­be­kann­tes Spiel, aber immer wie­der lustig.

Du bist schw. und allein?

Schw.? Schwan­ger? Schwer­hö­rig? Ich dach­te erst schwul, aber das passt nicht so:

Er, 42 J., su. Sie für gel. erot Treffen.

Tja, also, wenn gera­de eine Dame akut schw. ist, ver­ra­te Sie mir doch, was das heisst. Man muss ja auf dem Lau­fen­den blei­ben.  Ver­ständ­li­cher ist da schon dieses:

Hal­lo Unbe­kann­te. Du, dkl. haa­rig, mit Jeans. Ich habe Dich am Sams­tag, 5. Sept., ca. 12.30–13.00 Uhr bei Deichmann/Real Kauf gese­hen. Ich war auf der Suche nach der Wei­ßen Sohle. 

INDIANER !!!!

3 Zicken suchen einen Bock, der nicht nur sei­ne Hör­ner zeigt.

Ich sag’s immer wie­der: So Meta­phern wer­den überbewertet.

Ruhi­ger Mann, 62. J., suche nach schwe­rer Ent­täu­schung für den Rest mei­nes Lebens

Har­mo­nie wird auch über­be­wer­tet, sicher, sicher. Aber gleich so nega­tiv die Sachen ange­hen? Und so end­gül­tig? Ach so, geht weiter:

eine lie­be, net­te Part­ne­rin zum Verlieben.

Ich dacht schon.

Die neue Dörflichkeit oder: Hinterm Horizont geht’s weiter

Eine der moder­nen Zivi­li­sa­ti­ons­krank­hei­ten ist ja das, was ich mal men­ta­le Pro­vin­zia­li­tät nen­nen möch­te: Das per­sön­li­che Unbe­ha­gen damit, dass man in der Pro­vinz wohnt, aber auch der Äuße­rungs­drang, dass man ja gera­de nicht in einer Pro­vinz wohnt, nicht Pro­vinz ist. Für mich sind das zwei Sei­ten einer Medaille.

Bie­le­feld ist eine Stadt, auf die der Begriff der Pro­vinz eigent­lich schon immer gestimmt hat. In direk­ter Nähe sind die Haupt­quar­tie­re von Groß­fir­men wie Ber­tels­mann, Dr. Oet­ker, Mie­le, sowas ist aber offen­sicht­lich kein Gegen­in­diz. Vor ein paar Jah­ren ging der Bie­le­fel­der Wissenschafts-Preis an Ronald Dwor­kin. Lau­da­tor war damals Jür­gen Haber­mas. Der dama­li­ge Ober­bür­ger­meis­ter ließ sich die Gele­gen­heit nicht neh­men, um auch eine klei­ne Rede zu hal­ten. Er sprach dar­über, wes­we­gen Bie­le­feld so inter­es­sant sei, was so schön sei, war­um Bie­le­feld eben kei­ne Pro­vinz sei. Die Rede dau­er­te 15 Minu­ten. Einen bes­se­ren Beweis, dass Bie­le­feld Pro­vinz ist, hät­te der Ober­bür­ger­meis­ter nicht lie­fern kön­nen, als das er ver­an­schau­lich­te, dass man min­des­tens eine Vier­tel­stun­de braucht, um das Gegen­teil zu behaupten.

Nun gibt es aktu­ell eine gewis­se Bele­bung in die­ser Debat­te men­ta­ler Pro­vin­zia­li­tät. Und ich nei­ge immer stär­ker dazu, dass man auch Groß­stät­tern men­ta­le Pro­vin­zia­li­tät unter­stel­len kann. Man muss also nicht in tat­säch­lich eher länd­li­chen Gebie­ten leben, um unter den Fol­gen von Pro­vin­zia­li­tät zu lei­den. In Bie­le­feld merkt man ja auch, dass vie­le gar nicht dar­un­ter lei­den und inso­fern gar nicht pro­vin­zi­ell sind, zumin­dest nicht mental.

Es hat einen Arti­kel von Mat­thi­as Kal­le in der in Ham­burg erscheine­nen ZEIT gege­ben, der sich damit beschäf­tigt, dass angeb­lich plötz­lich ein München-Hype aus­ge­bro­chen sei. Pro­vo­kant wird gefragt: „Wie konn­te es dazu kom­men?“ Das ist wohl die Stel­le, die pro­vin­zi­el­le Münch­ner gekränkt hat: Soll­te Mün­chen inzwi­schen gar nicht mehr wür­dig sein, „in“ zu sein? Der Text selbst krän­kelt wider­um dar­an, dass der Autor glaubt, Mün­chens Cha­rak­te­ris­tik nur anhand klei­ner Party- und Mode­mo­men­te, gespickt mit der neu­en deut­schen Dörf­lich­keit fest­ma­chen. Dar­aus kann kei­ne gute München-Beschreibung entstehen.

derstenz

Dar­aus kann aber offen­sicht­lich eine Krän­kung von Münch­nern ent­ste­hen, wie der Text Roxy Munich von Bea­te Wild hat Fie­ber ein­drucks­voll unter Beweis stellt. Man ist etwas pikiert über die Ein­stel­lung, Mün­chens Sub­kul­tur erst 2009 für her­aus­he­bens­wert zu erach­ten.  „Schön, dass der Rest Deutsch­lands end­lich mal erfährt, dass Mün­chen eine Sub­kul­tur hat.“ Ver­su­chen Sie mal einen Satz zu for­mu­lie­ren, der noch pro­vin­zi­el­ler klingt. Ein klei­ner, zusätz­li­cher Schön­heits­fleck die­ses Sat­zes ist: Von Mün­chens Sub­kul­tur hat der Rest Deutsch­lands bis heu­te nicht wirk­lich erfah­ren, denn deut­sche Feuil­le­tons sind nun mal nicht mehr mas­sen­wirk­sam. Und eine Sub­kul­tur ist eben nur in Ver­bin­dung mit der Kul­tur, von der sie Sub­kul­tur sein möch­te, lesbar.

Das heisst, es geht um Mün­chen: Die ein­zi­ge Metro­po­le Bay­erns, wo sich das, was sich Sub­kul­tur nennt, dem übrig­ge­blie­be­nen Schi­cki­mi­cki ent­ge­gen stemmt. Ein Kampf gegen die Giulia Sie­gels die­ser Welt. Ein Mün­chen, das heu­te im Schat­ten Ber­lins als Deutsch­lands ein­zi­ger Welt­stadt steht. Wobei, wenn man in Ber­lin wohnt, man ja meist eh in irgend­ei­nem klei­nen Ber­li­ner Vier­tel behei­ma­tet ist, das für sich so gar nichts hat. Aber Ber­lin ist eben eine Stadt für Künst­ler und für die, die sich für Künst­ler hal­ten, ein Kul­tur­e­pi­zen­trum, des­sen Aus­wüch­se aller­dings außer­halb Ber­lins schon kaum noch jeman­den inter­es­sie­ren. Den­noch ist der 30€-Flug München-Berlin stark nach­ge­fragt, für man­chen ist dies der Aus­weg aus der eige­nen men­ta­len Pro­vin­zia­li­tät. Viel­leicht fällt die auch in Ber­lin ein­fach nicht so auf, weil man auf Brü­der und Schwes­tern im Geis­te trifft.

Wenn sie das Feuil­le­ton der Frank­fur­ter All­ge­mei­nen Zei­tung auf­schla­gen, kön­nen sie genau das in den Ber­li­ner Arti­keln raus­le­sen: Dem Schrei­ber ist es wich­ti­ger über irgend­et­was zu schrei­ben, weil es in Ber­lin statt­fin­det, als auf den Punkt zu kom­men, der der Sache nach inter­es­sant sein soll. Schlim­mer ist das nur noch in den Aus­ga­ben von der Frei­tag. Das macht wider­um die in Mün­chen her­aus­ge­ge­be­ne Süd­deut­sche Zei­tung so inter­es­sant: Die Abwe­sen­heit eines all­täg­li­chen Drangs von Lokal­pa­trio­tis­mus, der gera­de in letz­ter Zeit zum Aus­gra­ben wirk­lich guter The­men geführt hat, die in hand­werk­lich her­vor­ra­gen­den Tex­ten unterkommen.

Heut­zu­ta­ge ist so ein biss­chen Pro­vin­zia­li­tät viel­leicht gar nicht so verkehrt.

Terminator — How it should end

The guy from CSI Miami just ate a pizza

[via]

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