Richlings Satire Gipfel

In let­zter Zeit hat es einiges an Aufhebens um die älteste deutsche Kabarett-Sendung im Fernse­hen, “Scheiben­wis­ch­er”, gegeben. Bruno Jonas ist aus­gestiegen, hat Math­ias Rich­ling damit sozusagen das Feld über­lassen und dieser wollte das Grund­konzept neu über­denken. Er kam zu der Ein­schätzung, man müsse auch Come­di­ans die Chance geben, in ein­er der­ar­ti­gen Sendung aufzutreten. Daraufhin ent­zog Dieter Hilde­brandt, der Vater der Sendung, der ARD den Titel und schwup­ps wurde die Sendung unbe­nan­nt in “Satire Gipfel”.
Und wer die Sendung gestern gese­hen hat und Math­ias Rich­ling etwas ken­nt, war wenig ent­täuscht. Wer ihn nicht so ken­nt, war dage­gen ent­täuscht. Bei der Abendzeitung z.B. saß wohl jemand der ihn nicht kan­nte und dauernd von einem Her­rnRiech­ling” sprach. Gott­sei­dank war noch jemand anders von der Abendzeitung wach und kon­nte seinen Kol­le­gen kor­rigieren. Der Focus sah sich heute Mor­gen genötigt, das Fall­beil zu schwin­gen und sprach von einem Gipfel der Ent­täuschung, was aber nur an der eige­nen über­zo­ge­nen Erwartung­shal­tung gemessen sein wor­den kann.
Rich­ling ist halt immer ein Einzel­spiel­er gewe­sen und als solch­er war er sehr gut. Da braucht man nicht viel, um zu kon­sta­tieren, dass er es als Anchor-Man schw­er haben wird. Auch als Erfind­er ein­er neuen Kabarettsendung hat er sich gestern keinen Namen machen kön­nen, aber war das zu erwarten? Seine Kabarett-For­mate in den drit­ten Pro­gram­men sind schnell, aber unterm Strich auch im Ablauf ein­fach gestrickt. Vielle­icht hätte ein guter Pro­gram­mgestal­ter aus der Sendung mehr machen kön­nen. Angekündigt war ja ein “News­room”, aus dem her­aus gesendet wer­den sollte. Klang nach einem Gegenkonzept zur Anstalt, aus der her­aus das ZDF seine Kabarettsendung sendet. Und ger­ade bei der derzeit­i­gen Medi­enkrise, wäre das ein ide­ales Bild gewe­sen, um daraus zu schießen.
Die ein­ge­lade­nen Auftre­tenden hin­ter­ließen einen faden Geschmack, es sah aus wie eine allen­falls zweite Rei­he deutschen Kabaretts. Nach Rich­ling sei die deutsche Kabarettszene nicht son­der­lich bre­it gestreut, das macht in den Mit­ter­nachtsspitzen und in der ZDF-Anstalt allerd­ings einen anderen Ein­druck, ger­ade ver­glichen mit guten Come­di­ans. Nur scheinen diese Leute nicht unbe­d­ingt zu Rich­ling zu kom­men oder von diesem ein­ge­laden zu wer­den. Der Ein­bezug von Come­di­ans in die ARD-Kabarettsendung war nicht son­der­lich verkehrt, eine der­ar­tige Öff­nung ist auch wün­schenswert, funk­tion­ierte früher nur eben bess­er:

So ist es inner­halb kürzester Zeit zu ein­er Ablö­sung der ARD als Vorzeige-Kabarett-Sender gekom­men. Das ZDF führt mit Neues aus der Anstalt, hat aber auch lange Lehr­jahre mit Kabarettpro­gram­men und -sendun­gen auf 3sat hin­ter sich. Aber wenn sich die größten deutschen Sender um die bessere Kabarett-Sendung stre­it­en, ist das für das deutsche Kabarett eine sehr gute Zeit.

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