Funkpeilung #4: Die Blender
Als Agatha-Christie-Setting für die Gen Z angekündigt ist diese Podcastserie gar nicht so schrecklich, wie das Neusprech es einem verklickern will. Im Gegenteil: Der Krimi mit der bezaubernden Valerie Stoll und weiteren Nachwuchsstars, von denen mir Valon Krasniqi sehr gefallen hat, überzeugt durch Tempo und Spannung. Dass das aufgesetzte Jugendsprech zu den Sprechern nicht passt fällt gar nicht so auf.
Bei einem Junggesellenabschied tief in einem verschleiten Chalet überlebt einer der Anwesenden die erste Nacht nicht. Medizinstundentin Bonnie übernimmt die Aufklärung des Mordfalls, da sie als einzige nicht verdächtig erscheint, oder doch? 8 Folgen zum Mitfiebern auf ARD Sounds oder im Podcatcher eurer Wahl.
Moin
Herbert Grönemeyer ist 70 geworden, herzlichen Glückwunsch also von hier aus, und wir teilen uns die Eigenschaft, dass unsere Väter aus Ibbenbüren kommen. Die Info hat es wohl aus meinem Wiki in die Wikipedia geschafft. Was ich aber jetzt erst sehe, ist, dass Charlie Mariano auf seiner Bochum-Platte mitgemacht hat, den ich zu Zeiten eines Jazz-Festivals in Ibbenbüren begleitet habe.
Jon Stewart träumt davon, dass die US-Amerikaner bald so feiern wie die Ungarn nach dem Rauswurf Orbans.
Und während ich mir die Frage stelle: Sind Vorbilder wieder im Kommen? hole ich mir erst noch einen Kaffee.
Funkpeilung #3: Die Millionendiebin
Staffel 1: 2022 packt eine Bedienstete einer Geldtransportierfirma 1,25 Millionen Euro in eine Tasche, wird von ihren männlichen Helfern über’s Ohr gehauen, kriegt kaum was von der Kohle ab, kommt in deutschen Knast. Staffel 2: 2021 packt eine Bedienstete einer Geldtransportierfirma 8 Millionen Euro in eine Tasche, wird von ihren männlichen Helfern über’s Ohr gehauen, kriegt kaum was von der Kohle ab, kommt in deutschen Knast.
Ja, spannend ist da nichts, man hätte es auch bei den Zeitungsberichten zu den Fällen belassen können, denn Neues oder Wissenswertes schafft man nicht herauszuarbeiten. Scheint so eine Art True Crime-Podcastschiene für den Journalistennachwuchs zu sein.
Haisprung spätestens an der Stelle, an der in der zweiten Staffel erwähnt wird, dass man noch ein paar andere interessante Personen interviewt hätte, aber die schon Verträge bei einem Streaminganbieter hatten.
Klolektüre #33: Ildikó von Kürthy — Alt genug
Denis Scheck nennt Ildikó von Kürthys Buch „Nachrichten aus der Schnatterzone der Damentoilette auf einer Hochzeit“. Das klingt verheißungsvoll!
Und Kürthy kontert:
Herzlich willkommen auf der Damentoilette, lieber Denis! Wärst du so lieb, mir etwas Toilettenpapier unter der Tür hindurchzuschieben? Hast du einen Kamm dabei? Ich müsste mir den Haaransatz nachtoupieren. Du, Denis, dein Oberteil steht dir super, wo hast du das her? Denis, sag, was ist mit dir? Du siehst traurig aus, komm, lass uns kurz auf den Toilettendeckel setzen. Wenn wir etwas zusammenrücken, passen wir beide drauf. Was bedrückt dich?
Von Kürthys Abrechnung mit der eigenen Jugend und dem Druck, dem sie sich ausgesetzt sah und selbst aussetzte, ist keine große Literatur, aber eben befreiend und Balsam für die Zielgruppe der Frauen, die etwas zu oft mitgeschwommen sind. Das muss man sich von niemandem nehmen lassen, aber man hoffte eben nach Mondscheintarif auf eine große Literatin. Da lag dann entweder die Literaturkritik komplett falsch oder Kürthy rief ihr Potential nicht ab.
Es ist, was es ist: Eine gute Klolektüre, die es eben nicht auf die große Bühne schafft. Von fünf möglichen Klorollen bekommt sie:
Moin
Elke Heidenreich fordert die Absetzung von Denis Scheck, leider gewohnt ohne gute Argumentation, aber mit vielen Gefühlen, vor allem gegen das Patriachat. Ildikó von Kürthys neues Buch ist dabei wirklich eine Klolektüre, aber eine doch ab und an unterhaltsame.
Macht KI bald die Tageszeitung? fragt man bei Correctiv, dabei ist KI in unserer Tageszeitung seit langem maßgeblich dabei: Beim Bebildern, schärfen und kompletten Verfassen von Texten. Etwas sonderbar ist, dass das nie gekennzeichnet wird, weil man wohl glaubt, das merke eh keiner.
Inzwischen merke ich, dass man über Rivva noch am reichweitenstärksten verlinkt wird, also schön mal was in den Hut schmeißen.
Und während ich mir die Frage stelle: Was dürfen Journalisten in Zukunft noch selbst schreiben? hole ich mir erst noch einen Kaffee.
Moin
Ein gestandener Buchverlag nimmt einen Roman wegen KI-Verdachts wieder vom Markt und vielleicht ist ja KI auch der verdiente Tod dieser niveaulosen Young-Adult-Maschinerie.
Klaus Stuttmann erinnert daran, dass früher der FDP-Vorsitzende noch Porschefahrer war.
Beim Kiezschreiber waltet das jüngste Gericht.
Und während ich mir die Frage stelle: Hat man Bildung so runtergeschraubt, dass KI-Literatur die Leute abholen kann? hole ich mir erst noch einen Kaffee.
Funkpeilung #2: Stars unserer Kindheit: Peter Lustig & Elfie Donnelly
Schon fast ein Jahr alt ist dieser Podcast, er handelt von Peter Lustig (“Löwenzahn”) und Elfie Donnelly, ihren Brüchen im Leben, und wie sie, als sie ein Paar waren, Benjamin Blümchen, Bibi Blocksberg und Löwenzahn erfanden. Man taucht mit ein in den Anfang der 1980er Jahre der damaligen Bundesrepublik und die kreative Antwort auf das steife Bildungsbürgertum.
Never jumped. Auch wenn der Erzähler etwas langsam erzählt und sich Zuhörer vorstellt, die von beiden wohl noch nie was Privates gehört haben, ist diese Serie so informativ und nahe gehend, dass sie einen Preis verdient gehabt hätte. Ein kleiner Wehmutstropfen ist, dass der Sohn nach der späten Beziehung von Donnelly und Lustig gefragt hätte werden müssen, da bleibt ein roter Faden leider unaufgelöst liegen.
Falls mit Stars unserer Kindheit eine Serie gemeint war, ist die wohl nicht weitergeführt worden. Dabei gibt es doch mit Hansi Fischer, Hals über Kopf, Flip Flop, Playtime, 1, 2 oder 3, Spaß am Dienstag, Neues aus Uhlenbusch etc. so viel, was noch mal ins Rampenlicht geholt werden könnte.
Moin
Wünsche frohe Ostern gehabt zu haben oder je nach Religion einen schönen freien Montag und wer gearbeitet haben sollte, hat hoffentlich einen guten Aufschlag bekommen!
Die Zeit hat die eingescannten Ausweise von NSDAP-Mitgliedern vom National Archive in Washington übernommen und dank KI etwas durchsuchbar zur Verfügung gestellt.
Menschen sind gerade so weit von der Erde entferrnt, wie nie jemand vor ihnen.
Studenten der Universität von British Columbia haben das Hobby, VW-Käfer-Karosserien an schwer zugänglichen Orten anzubringen.
Und während ich mir die Frage stelle: Gibt es in British Columbia eigentlich so etwas wie illegale Müllentsorgung wie hier? hole ich mir erst noch einen Kaffee.
Funkpeilung #1: SchleFaZ — Der beste Podcast über die schlechtesten Filme aller Zeiten
Bei RTL hat man es wohl für eine gute Idee gehalten, diese Marke ins Podcast-Gewässer zu lassen, aber aus irgendeinem Grund meinte man, für eine RTL-Podcast bräuchte es noch einen Comedian, der Oliver Kalkofe und Peter Rütten Stichworte gäbe oder rumlacht, als wäre das Format eine synchronisierte amerikanische Comedyserie:
Er bringt Erfahrung aus Comedy, Radio und Bühnenprogrammen mit und moderiert mit Charme und Tempo.
Nein, tut er nicht. Nichts schreit mehr danach, dass das eine RTL-Idee war: Zielpulikumsverfehlend, unausgereift und kein Wille zur Korrektur. Nach 6 Folgen, die abwechselnd mit Kalkofe und Rütten sind, scheint bei diesem Comedy-Crossover auch schon unerklärt Schicht im Schacht zu sein.
Das Konzept bricht im Grunde in der ersten Folge: Die Idee, wegen des RTL-Publikums einen Comedian in dieses Format zu lassen, der eine Publikumsmeinung imitiert, ist so schlecht, dass es vielleicht für den Titel der Sendung taugt, aber das Schiff letzten Endes zum Kentern bringt. Dessen Humor kann es nie mit dem von Rütten und Kalkofe aufnehmen und nervt von Anfang an, da er deplatziert ist. So wirkt dieser vielversprechende Podcast viel zu oft wie eine Pressekonferenz des Formats, bei dem die Lachmomente schon mal vorgekaut werden. Schade.


