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Übersicht besprochener Bücher

Bauer, Patrick und Michael Ebert — Unnützes Wis­sen * Klolek­türe (09)
Benedikt XVI. — Licht der Welt
Berlin, Kat­ja und Peter Grün­lich — Was wir tun, wenn es an der Haustür klin­gelt * Klolek­türe (18)
Birr, Tilman — Zum Leben ist es schön, aber ich würde da ungern zu Besuch hin­fahren * Klolek­türe (16)
Bode, Thilo — Die Essens­fälscher
Dobel­li, Rolf- Die Kun­st des klaren Denkens
Duve, Karen — Anständig essen
Duve, Karen — Lexikon der berühmten Tiere • Klolek­türe (01)
Emcke, Car­olin — Gegen den Hass
Fröh­lich, Axel und Oliv­er Kuhn — Die große Brock­laus * Klolek­türe (05)
Gottwald, Car­o­line — Ist der Hahn tot, wenn man ihn zudreht? * Klolek­türe (19)
Grön­er, Anke — Nudeldicke Deern
Gsel­la, Thomas — Rein­er Schön­heit Glanz und Licht Ihre Stadt im Schmähgedicht * Klolek­türe (15)
Guil­laume, André de — Wie man ein Genie wird * Klolek­türe (02)
Haeusler, Tan­ja & John­ny – Net­zgemüse
Ham­mer, Agnes — Ich blogg dich weg!
Hansen, Eric T. — Nörgeln !
Hes­sel, Stéphane — Empört euch!
Home­r­ing-Elsner, Jörg und Ralf Heimann — Lep­ra-Grup­pe hat sich aufgelöst: Per­len des Lokaljour­nal­is­mus * Klolek­türe (21)
Jens Bisky über Miri­am Meck­els Burnout
Koch, Anna und Axel Lilien­blum — SMS von gestern Nacht * Klolek­türe (08)
Kühn, Tot­te — Am Ende der Wels * Klolek­türe (17)
Lichter, Horst — Keine Zeit für Arschlöcher
Lustiges Taschen­buch Maus-Edi­tion 4 — Alles Gute! * Klolek­türe (14)
Marx, Rein­hard — Das Kap­i­tal
Mrozek, Bodo — Lexikon der bedro­ht­en Wörter * Klolek­türe (11)
Müh­ling, Jens — Mein rus­sis­ches Aben­teuer
Munroe, Ran­dall — What if? * Klolek­türe (20)
Natur­ern­te — Samen­basierte Rezepte
Non­hoff, Sky — Don’t believe the hype! * Klolek­türe (13)
Pir­inç­ci, Akif — Deutsch­land von Sin­nen: Shit­storm in Buch­form
Proimas, James — 12 things to do before you crash and burn *Klokeltüre (23)
Rosen­bach, Marcel & Hol­ger Stark — Staats­feind Wik­ileaks
Sauer, Joscha — Nichtlustig * Klolek­türe (10)
Scher­pe, Mary — An jedem einzel­nen Tag
Schier­ach, Fer­di­nand von — Ver­brechen * Klolek­türe (06)
Schill, Nadine — Hochzeit­s­pla­nung für Dum­mies
Schnei­der, Hel­ge — Arschfahl klebte der Mond am Fen­ster * Klolek­türe (07)
Schröder, Atze — Und dann kam Ute * Klolek­türe (03)
Sim­sek Semi­ya, Peter Schwarz — Schmer­zliche Heimat
Süd­deutsche Zeitung — Der große Jahres­rück­blick 2013 * Klolek­türe (12)
Sün­der, Thomas: Wer Ja sagt, darf auch Tan­te Käthe aus­laden
Veg­as, Rob — Ich, Har­ald Schmidt
Veiel, Andres — Black Box BRD
von der Lippe, Jür­gen — Beim Dehnen singe ich Bal­laden * Klolek­türe (22)
Wei­h­nachts­buchgeschenk­tipps
Wel­ding, Mal­te — Ver­siebt, ver­kackt, ver­hei­ra­tet | Das Liebesleben der anderen
Wis­chmey­er, Diet­mar und Oliv­er Welke — Frank Bsirske macht Urlaub auf Krk * Klolek­türe (04)

Bauer, Patrick und Michael Ebert — Unnützes Wissen * Klolektüre (09)

Wenn Kühe zu viele Karot­ten essen, wird die Milch rosa.”

John Wayne hiess eigentlich Mar­i­on Mor­rison.”

Das Ver­bot, im Par­la­ment zu ster­ben, wur­de 2007 zum lächer­lich­sten Geset­zt Gross­bri­tan­niens gewählt”.

Das sind nur drei skur­rile Fak­ten aus dem 2008 erschienen Buch Unnützes Wis­sen: 1374 skur­rile Fak­ten, die man nie mehr ver­gis­st .

Man kann pri­ma dar­in rum­schmök­ern, indem man das Buch ein­fach irgend­wo auf­macht und eine der 1374 Unsin­nigkeit­en liest, und es ist alle­mal unter­halt­samer als die Fernse­hzeitschrift. Lei­der hat man irgend­wann mal alle Fak­ten durch und es ver­liert kom­plett als Span­nung. Also gehört es nicht zu den Schmök­ern, die man ewig auf dem stil­len Örtchen liegen lassen kann. Nichts­destotrotz ist es eine pri­ma Unter­hal­tungslek­türe für das Gäste WC. Daher von mir von fünf Rol­len:

Benedikt XVI. — Licht der Welt

buchleser

Peter See­wald inter­viewt Pap­st Benedikt XVI. alias Joseph Ratzinger und agiert dabei als Fan der Katholis­chen Kirche im Gewand eines ser­iösen Jour­nal­is­ten. Vielle­icht mag das in dieser Form kirchen­in­tern okay sein, aber einen kri­tis­chen Ansatz zu den Bemerkun­gen des Pap­stes, trotz aller kri­tis­chen Ansätze beim Fra­gen, ver­mis­st man doch schmer­zlich. Spätestens wenn See­wald ein “brasil­ian­is­ches Mod­el” mit Aller­weltsweisheit­en anführt, knirscht der Leser mit den Zäh­nen. Und dann all diese alber­nen Tat­sachen­be­haup­tun­gen See­walds, die glauben machen, es gehe in diesem Buch auch um die Ansicht­en See­walds, und nicht allein um ein Gespräch mit dem Pap­st. Warum schreibt See­wald nicht ein eige­nes Buch, wenn er sich genötigt fühlt, die Posi­tion der Katholis­chen Kirche zu recht­fer­ti­gen?

Aber es passt auch irgend­wie zu dem, was der Pap­st da von sicht gibt. Der Pap­st ist und bleibt halt auf seine Weise Fun­da­men­tal­ist, zieht sich immer wieder auf selb­ster­fül­len­de Prophezeiun­gen zurück. Schwul­sein ist halt unnatür­lich — obwohl es doch dauernd in der Natur vorkommt — und soll nicht Anreiz zum Priester­w­er­den sein. Sexverzicht sei eben­so von Gott aufer­legt, wasim­mer das genau heißen soll. Let­zten Endes wird immer auf irgen­det­was Unbeleg­bares ver­wiesen, keine einzige der­ar­tige Ansicht ist beleg­bar. Immer­hin ver­weist der Pap­st auf eine ange­bliche Immerver­füg­barkeit von Kon­domen und lässt im Raume ste­hen, ob dies eine akzept­able Möglichkeit sein soll.

Aber auch son­st ist es inter­es­sant, was der Pap­st da vom Stapel lässt:

Die monogame Ehe gehört zum Fun­da­ment, auf dem die Zivil­i­sa­tion des West­ens beruht. Wenn sie zusam­men­bricht, bricht Wesentlich­es unser­er Kul­tur zusam­men.

In der Sicht der Katholis­chen Kirche bricht immer irgend­was zusam­men, wenn man an ihren fun­da­men­tal­is­tis­chen Sichtweisen rüt­telt. Warum soll­te über­haupt gle­ich etwas zusam­men­brechen, wenn Monogamie nicht der Stan­dard bleibt?

Ein Großteil der heuti­gen Philosophen beste­ht tat­säch­lich darauf, zu sagen, der Men­sch sei nicht wahrheits­fähig. Aber so gese­hen wäre er auch nicht zum Ethos fähig.

Ja, der Pap­st ist auf dem Laufend­en, was in der Philoso­phie so abge­ht. Das Prob­lem an dieser Stelle ist nur: Diese Philosophen bezweifeln ja auch diesen Ethos. Und dage­gen ver­richtet man mit einem schlicht behaupteten Gegen­satz nichts.

Es bre­it­et sich eine neue Intol­er­anz aus, das ist ganz offenkundig. Es gibt einge­spiel­te Maßstäbe des Denkens, die allen aufer­legt wer­den sol­len. Diese wer­den dann in der soge­nan­nten neg­a­tiven Tol­er­anz verkün­det. Also etwa, wenn man sagt, der neg­a­tiven Tol­er­anz wegen darf es kein Kreuz in öffentlichen Gebäu­den geben. Im Grun­de erleben wir damit die Aufhe­bung der Tol­er­anz, denn das heißt ja, dass die Reli­gion, dass der christliche Glaube sich nicht mehr sicht­bar aus­drück­en darf.

Natür­lich darf er das, nur nicht vorgeschrieben wirk­end in der Schule. Aber einem Fun­da­men­tal­is­ten kön­nen sie auch kaum erk­lären, dass er Fun­da­men­tal­ist ist.

Eine bloße Fix­ierung auf das Kon­dom bedeutet eine Banal­isierung der Sex­u­al­ität, und die ist ja ger­ade die gefährliche Quelle dafür, dass so viele Men­schen in der Sex­u­al­ität nicht mehr den Aus­druck ihrer Liebe find­en, son­dern nur noch eine Art von Dro­ge, die sie sich selb­st verabre­ichen.

Dro­ge, natür­lich, da drun­ter wäre keine Meta­pher des Bösen zu find­en. Dabei will ja nie­mand eine bloße Fix­ierung auf Kon­dome. Über­haupt sind Vorstel­lun­gen von Leuten, die nie Sex hat­ten, über Sex, dass dieser auss­chließlich Aus­druck von Liebe sei, höch­st skuril.

In Deutsch­land hat jedes Kind neun bis dreizehn Jahre Reli­gion­sun­ter­richt. Wieso dann gar so wenig hän­gen bleibt, um es mal so auszu­drück­en, ist unbe­grei­flich. Hier müssen die Bis­chöfe in der Tat ern­sthaft darüber nach­denken, wie der Kat­e­ch­ese ein neues Herz, ein neues Gesicht gegeben wer­den kann.

Da ist jemand wohl nicht auf dem Laufend­en: Nicht jedes Kind hat neun bis dreizehn Jahre Reli­gion­sun­ter­richt. Und die Ansicht, dass die Bis­chöfe der Basis­ar­beit in der Katholis­chen Kirche zu Pop­u­lar­ität ver­helfen kön­nen, finde ich eher belusti­gend.

Die Kirche hat “kein­er­lei Voll­macht”, Frauen zu wei­hen. Es ist nicht so, dass wir sagen, wir mögen nicht, son­dern: wir kön­nen nicht. Der Herr hat der Kirche eine Gestalt gegeben mit den Zwölfen — und in deren Nach­fol­ge dann mit den Bis­chöfen und den Pres­bytern, den Priestern.

Schnöff, tä täääääää. Warum wirkt der Gott der Katho­liken auf Katho­liken nur immer so irra­tional? Sicher auch nur eine Prü­fung für Katho­liken, damit wäre die Sache dann wieder rund.

Ent­täuscht wer­den sich von diesem Buch auch alle sehen, die sich in den Miss­brauchsskan­dalen Aufk­lärung seit­ens der Katholis­chen Kirche wün­schen: Nach dem Pap­st sieht der nor­male Prozess hier so aus: Erst den miss­braucht­en Schäfchen helfen, dann die Täter strafen und dann das Ver­brechen aufk­lären. Nach Belieben der Katholis­chen Kirche wird hierüber die Öffentlichkeit informiert. Vom rechtzeit­i­gen Ein­bezug rechtsstatlicher Organe keine Rede. Von der Kri­tik von Miss­brauch­sopfern, dass die Katholis­che Kirche Aufk­lärung mutwillig behin­dert — keine Rede. Nur Rede davon, dass gesamt­ge­sellschaftlich gese­hen ver­hält­nis­mäßig wenig Miss­brauch in der Katholis­chen Kirche stat­tfind­et. Das soll dann wohl was Gutes sein.

Berlin, Katja und Peter Grünlich — Was wir tun, wenn es an der Haustür klingelt * Klolektüre (18)

Dies ist der Nachfolger von Was wir tun, wenn der Aufzug nicht kommt und steht diesem in Sachen Humor in nichts nach. Die einzelnen Grafiken sind schnell erfassbar und das Buch als solches schnell durchblätterbar, ohne dass es die Schmunzelgefahr außer Kraft setzen würde.

Dieser Schmöker zwar kein erhellender, dafür ungemein unterhaltsamer Begleiter auf unserem Donnerbalken und erhält folglich von fünf möglichen Klorollen:

Birr, Tilman — Zum Leben ist es schön, aber ich würde da ungern zu Besuch hinfahren * Klolektüre (16)

Der Schinken war ein Geburt­stags­geschenk. Man soll mir ja eher nicht so Bücher schenken. Sowas ist immer schwierig, wenn der Beschenker den Beschenk­ten nicht so ken­nt. Aber ab und zu passiert das dann doch. Und man liest das dann. War ja ein Geschenk. Und man verzweifelt.

Birr ist Slam Poet. Wobei: Heutzu­tage schimpft er sich Kabaret­tist, weil das wohl erwach­sen­er klingt. Und er hat dieses Buch irgend­wie geschrieben, was man nur lesen soll­te, wenn man sich selb­st inner­lich einen aufge­bracht­en Slam Poet­en aufleben lässt.

Nüchtern geht’s nicht. Das Buch will hip sein und kommt mit Städtebeschimp­fun­gen an, die andere schon besser vorgemacht haben. Das Buch will lustig sein. Ist es nicht. Zum Ver­reck­en nicht. Es ist unge­fähr so, als würde Jan Hofer das Hör­buch zu Die Super­nasen ein­sprechen. Das klingt dann so:

Was haben Stal­in, Hitler und Jack the Rip­per gemein? Sie alle waren mal Kinder. Das kann doch kein Zufall sein!

Grot­tig.

Dieser Schmök­er ein öder Begleit­er auf unserem Don­ner­balken und erhält fol­glich von fünf möglichen Klorol­len:

Bode, Thilo — Die Essensfälscher

buchleser

Es gab vor ein paar Jahren ja ein Buch, dass “Endlich Nich­traucher” oder so hieß. damals habe ich von vie­len gehört, dass dies für sie ein Ende machte mit allen Selb­st­täuschun­gen über ihr Rauchver­hal­ten. Ähn­lich kön­nte es Lesern bei der Lek­türe von Die Essens­fälscher. Was Lebens­mit­telkonz­erne uns auf die Teller lügen von Thilo Bode, derzeit auch in der Sach­buchbest­sellerlis­te zu find­en, gehen.
Bode verdeut­licht, wie oft­mals ver­steckt zuck­er­haltig Vieles im Super­markt ist, dass nicht Bewe­gung, son­dern Ernährung das Prob­lem des all­ge­mein ansteigen­den Übergewichts ist, und wie faden­scheinig Ver­braucher­poli­tik und wie notwendig ver­ständliche Pro­duk­t­in­for­ma­tion ist.

Das geht in diesem Buch vor allem auf die Kappe der CDU. Für Bode ist das Ver­brauch­er­schutzmin­is­teri­um von Ilse Aign­er schlicht ein Lob­bymin­is­teri­um:

Ger­adezu ab­surd ist de­shalb die Forderung von Bun­desver­brauch­er­schutzmin­is­terin Ilse Aign­er (CSU), die Gas­tronomie solle sich die »frei­willige Selb­stverpflich­tung« aufer­legen, keine Lebens­mit­tel-Im­itate mehr anzu­bi­eten. [W]arum soll­te massen­hafter Geset­zes­bruch, den schon staatliche Kon­trolleure nicht eindäm­men kön­nen, plöt­zlich weniger wer­den, nur weil Ver­bands­funk­tionäre eine entsprechen­de Selb­stverpflich­tung abgeben? Die Forderung nach frei­williger Selb­stkon­trolle durch die Un­ternehmen ist ein beson­ders krass­es Beispiel von Im­itat-Poli­tik, die de fac­to jene weit­er­hin schützt, die endlich wirk­sam kon­trol­liert und sank­tion­iert wer­den müssten.

Aber auch Julia Klöck­n­er, die ger­ade ver­sucht, in Rhein­land-Pfalz Min­is­ter­präsi­dentin zu wer­den, kriegt ihr Fett weg:

So war sich die Par­la­men­tarische Staatssekretärin im Bun­desmin­is­teri­um für Ernährung, Land­wirtschaft und Ver­brauch­er­schutz, Ju­lia Klöck­ner (CDU), beim Neu­jahrsemp­fang des BLL An­fang 2010 sich­er, dass die Am­pelkennze­ich­nung bei Lebens­mit­teln »keine wis­senschaftliche Grund­lage« habe und »keinen Nutzen« bringe. An­gesichts von Hun­derten, wenn nicht Tausenden von Wis­senschaftlern und Ärzten unter den Am­pel-Be­für­wortern ist so eine Be­haup­tung mehr als be­merkenswert. Zu erk­lären ist solche Ig­no­ranz nur damit, dass Ver­bände, Un­ternehmen und Poli­tik in Deutsch­land seit Jahrzehn­ten in einem Raum­schiff leben, durch dessen Wän­de nicht mehr dringt, was »draußen« passiert.

Zwar ist Bode manch­mal etwas schwatzend und wieder­holt sich des öfteren. Aber dieses Buch muss man derzeit ein­fach gele­sen haben.

Dobelli, Rolf- Die Kunst des klaren Denkens

buchleserTja, hier liegt das Ansin­nen des Buch­es schon verko­rk­st im Titel vor: Klares Denken ist keine Kun­st. Es ist eine Meth­ode, nichts um andere vor­rangig zu beein­druck­en. Allerd­ings eine, auf die sich der Autor zumin­dest in diesem Buch gar nicht ver­ste­ht.

Das Buch enthält Feuil­leton-Artikel, in denen Anek­doten ver­braten wer­den, in denen eine auf Vorurteilen basieren­de Prob­lem­lö­sung dargestellt wird. Danach fol­gen Ein­wän­de gegen hierge­gen. Das Buch soll nicht aufk­lären, son­dern unter­hal­ten und indem es zu unter­hal­ten ver­sucht, hat es mit klarem Denken schon wieder nichts am Hut.

Da wer­den z.B. Wun­der als “unwahrschein­liche Ereignis­se” inter­pretiert. Ein Wun­der ist dabei aber eigentlich klas­sis­ch betra­chtet eine Wirkung in der Welt ohne kausale Ursache. Eine Wahrschein­lichkeit­sein­schätzung hat damit streng genom­men gar nichts zu tun. Dobel­li redet kon­se­quent am The­ma vor­bei. So soll man einen Deal immer unab­hängig vom Verkäufer abwick­eln. Wenn Sie jet­zt nach­fra­gen: Wieso immer? — das Buch gibt auf solche auf der Hand liegen­den Fra­gen keine Antwort. Der Autor behauptet ein­fach nur rum. Klares Denken sieht anders aus.

Ironie der Geschichte: Einem Bekan­nten von mir wur­de das Buch geschenkt mit der begrün­dend wirk­enden Wid­mung, das Buch sei auf Grund sein­er Erst­platzierung in der Spiegel-Best­seller-Lis­te aus­gewählt wor­den. Vielle­icht hät­te man sich doch erst mit der The­matik auseinan­der­set­zen sol­len.

Duve, Karen — Anständig essen

buchleser

Dieses Buch nervt. Ich weiß auch nicht, wieso es ger­ade so oft in den Medi­en zu find­en ist. Ich habe auch nicht ver­standen, ob ein­er der Grün­de, dass es dieses Buch ist, der­jenige ist, dass eine Autor­in ihrem Ver­lag mal wieder ein Buch ver­schaf­fen muss. Das Buch nervt schlicht wegen seines über­bor­den­den Sub­tex­tes, durch den man irgend­wann nicht mehr durch­schaut und durch­schauen will. Dabei hat Karen Duve auch mit dem Lexikon der berühmten Tiere meine Lieblingsklolek­türe geschaf­fen. Dabei ist die Grun­daus­gangslage von Anständig essen leicht erläutert:

Die Grausamkeit­en, Gemein­heit­en und Rück­sicht­slosigkeit­en, die Men­schen wie ich jden Tag bege­hen, sind die Fol­gen eines bil­o­gis­chen Prinzips, das wir mit allen anderen Spiezies auf diesem Plan­eten teilen, dem Prinzip Eigen­nutz.

So gese­hen ist das Essen von Tieren legit­imiert. In Fragestel­lun­gen darüber, ob und auf welche Weise Tiere genutzt wer­den dür­fen, wird oft auf Tierethik ver­wiesen. Nur gibt es schlicht keinen Grund, Ethik auf Tiere selb­st auszuweit­en. Daher ver­weist auch Duve auf Mitleid oder Mit­ge­fühl, um Tier­nutzung als ethis­che Angele­gen­heit auszugeben. Aber dies ist schlicht nur ein argu­men­ta­tiver Grund­fehler. Als argu­men­ta­tive Herange­hensweise taugt das Buch somit nicht. Vielle­icht sen­si­bil­isiert es den­noch einige Leser, was ihr Essver­hal­ten bet­rifft. Und auch als eine Art per­sön­licher Erzäh­lung mag es seine Berech­ti­gung haben. Wie gesagt, mich nervt nur der ganze teils naiv-per­sön­liche Sub­text. Das ver­wässert nur das ganze The­ma. Besser Thilo Bode lesen.

Duve, Karen — Lexikon der berühmten Tiere • Klolektüre (01)

Das Sofa ist wohl nicht das einzige Plätzchen in den eige­nen vier Wän­den, an dem man gerne zur Lek­türe greift. Auch das stille Örtchen wird gerne für einen Blick in Gedruck­tes genutzt. Das hat in unseren Wän­den dazu geführt, dass Gäste unseres Lokuss­es sicher sein kön­nen, Lesenswertes zu ent­deck­en.

Ein Klas­sik­er unter den Klolek­türen ist das Lexikon der berühmten Tiere. Von Alf und Don­ald Duck bis Pu der Bär und Ledas Schwan von Karen Duve und Thies Volk­er. In diesem Stan­dard­w­erk [ hier eine Besprechung von Flo­ri­an Felix Weyh ], bei uns in der Aus­gabe von 1999 aus­gelegt, wird von altertüm­lichen Gestal­ten wie den Eulen von Athen, Fabel­we­sen, Wer­be­fig­uren wie dem Erdal­frosch, Comic­fig­uren wie Fix und Foxi bis hin zu realen Tieren wie For­tunée, dem Mops der Kaiser­in Josephine, so ziem­lich alles abge­grast, was man bis dato selb­st ger­ade noch in Erin­nerung hat.

Es ist also durch seine Lustigkeit, durch die Erin­nerungsmöglichkeit und die inter­es­san­ten, neuen Geschicht­en der Ide­ale Begleit­er auf unserem Don­ner­balken und erhält fol­glich von fünf möglichen Klorol­len:

Emcke, Carolin — Gegen den Hass

Ich dachte erst, man müsste die Autor­in eventuell gegen ihre Kri­tik­er in Schutz nehmen, aber allzu schlimm fand ich die Kri­tik dann doch nicht.

Emcke befasst sich in ihrem aktuel­len Buch mit den aufkeimenden und gediehenen nation­al­is­tis­chen Posi­tio­nen in Deutsch­land und darüber hin­aus, wobei sie einen Akzent set­zen möchte für die Vertei­di­gung von Min­der­heit­en im Lichte des Pop­ulis­mus dieser Zeit. Sie bril­liert an den Stel­len, an denen sie Posi­tio­nen als diskri­m­inierend und polemisierend demask­iert, indem sie die Posi­tion unaufgeregt entschlüs­selt. Weniger überzeu­gend ist Emcke allerd­ings in ihrer Einord­nung von Posi­tio­nen in einen his­torischen oder wis­senschaftlichen Kon­text. So bes­timmt sie die “Parteilichkeit der Ver­standeswaage” aus ein­er Textstelle aus Kants “Träume eines Geis­terse­hers”, d.i. ein Text vor dessen so genan­nter kri­tis­chen Phase, als “Vor­ein­genom­men­heit durch die Hoff­nung”, wobei es an der betr­e­f­fend­en Stelle im Kan­tis­chen Text über­haupt nicht um Hoff­nung geht. Um Hoff­nung geht es bei Kant in der Reli­gion­sphiloso­phie. So ein Name­drop­ping ist so wenig überzeu­gend wie beein­druck­end. Und auch wenn andere Stel­len in ihrer gewoll­ten Belehrung eher ner­ven als ein­nehmen, ist das Buch wegen der Analy­se­fährigkeit der Autor­in empfehlenswert.

Fröhlich, Axel und Oliver Kuhn — Die große Brocklaus * Klolektüre (05)

Klolek­türen als Wei­h­nachts­geschenke — eine schwierige Angele­gen­heit. Woan­ders als Buch des Tages gewürdigt, sprang bei mir bei … Die große Brock­laus: Das kom­plett erfun­dene Lexikon von Oliv­er Kuhn, Alexan­dra Rein­warth und Axel Fröh­lich der Funke oder, wenn man so mag, die Laus nicht über. 6 oder 7 mal habe ich schmök­ernd irgend­was ange­le­sen und wegen zu gewoll­ter Lustigkeit umge­hend weggelegt. Vielle­icht fällt die Begeis­terung für diesen Schmök­er anders aus, wenn man sich viel Zeit oder das Hör­buch zur Hand nimmt .

Was aber die Präsent­tauglichkeit ange­ht, stim­me ich dem zu, der schreibt: “Zum Ver­schenken nicht geeignet.” Das Risiko, zu ent­täuschen und den Geschmack des Beschenken zu ver­fehlen, ist da ein­fach zu groß.

Der Schmök­er ist trotz großem Umfangs, ein paar guten Ein­fäl­len, aber oft­mals bloß bräsigem Humor nur ein mäßig inter­es­san­ter Begleit­er auf unserem Don­ner­balken und erhält fol­glich von fünf möglichen Klorol­len:

Gottwald, Caroline — Ist der Hahn tot, wenn man ihn zudreht? * Klolektüre (19)

Witziger als im Buchtitel wird dieser Schmök­er nicht. Die Autor­in greift irgend­wann nach jedem Stro­hhalm, um Fra­gen stel­len zu kön­nen. Das ist bemüht, aber eben völ­lig geist­los.

Dieser Schmök­er ist zwar kein erhel­len­der, schnell ner­ven­der Begleit­er auf unserem Don­ner­balken und erhält fol­glich von fünf möglichen Klorol­len:

Gröner, Anke — Nudeldicke Deern

buchleserAnke Grön­er hat sich als Blog­ger­in sicher­lich ver­di­ent gemacht: So sym­pa­this­ch wie sie schreibt, ste­ht sie ein für klare, unaufgeregte Sprache, Offen­heit für die Genuss­seite des Lebens, für Lesen, für Beständigkeit. Sie zählt auch zu den weni­gen deutschen Blog­gerin­nen, denen große Achtung inner­halb der Blog­gosphäre zukommt.

Nur: Warum hat nie­mand ver­sucht zu ver­hin­dern, dass sie so ein Buch schreibt?

Das Buch ist ein Ich-bin-okay-du-bist-okay-Durch­hal­teparolen-Leben­srat­ge­ber (Und das mit dem Ich bin okay, du bist okay kommt im Buch tat­säch­lich vor). Es ist nicht so ver­logen wie die fröh­liche Mop­pel­lit­er­atur, denn da ist die präsen­tieren­de Autor­in ja immer um einiges mop­peliger als auf dem Buchum­schlag, aber es ist lei­der auch ver­logen: Es geht im Buch um die Auf­gabe von Abnehmvorhaben zur ver­meintlichen Ret­tung der eigene Psy­che, nicht um’s Abnehmen oder Dick­sein. Ich hal­te es für prob­lema­tis­ch, sich für diese Auf­gabe Applaus zu holen.

Natür­lich darf und soll­te jed­er seinen eige­nen psy­chol­o­gis­chen Haushalt so arrang­ieren, dass man gefeit ist gegen Angrif­fe von außen. Das zählt für Dicke so wie für Dün­ne. Ich weiß auch nicht, wer das angezweifelt haben soll­te. Wer aber zu viel wiegt und wem das Zuviel auf die Psy­che schlägt, der soll­te abnehmen, wenn er das Prob­lem lösen will. Das bedeutet auch, dass man gegen den eige­nen inneren Schweine­hund ankämpft. Wer nun meint, dieser Kampf sei schon gewon­nen, weil man nach ein­er Diät weniger wiegt, täuscht sich ein­fach.

Anke Grön­er schreibt nun in ihrem Buch, man kön­ne diesen Kampf aufgeben, solange nur die eigene Psy­che okay ist. Mit anderen Worten: Ver­drän­gung. Kann man. Muss man aber nicht. Ger­ade wenn die Kör­per­fülle am eige­nen Selb­st­be­wusst­sein nagt, ist ein gelun­gener Abnehmver­such ja ein Erfolg. Der Schlüs­sel lautet nicht, wie das Buch weis machen will: Free your mind, and your fat ass will fol­low im Sin­ne von: Ent­laste deine Psy­che, son­dern Free your mind, and the rest will fol­low im Sin­ne von: Regel dein Ver­hal­ten nach nicht bloß momen­ta­nen Gesicht­spunk­ten (worun­ter auch eine Kan­tis­che Inter­pre­ta­tion des Wortes frei fal­l­en kön­nte).

Wer ver­drängt, ver­drängt mit dem Prob­lem eben auch die Prob­lem­lö­sung. Das ist die unan­genehme Wahrheit, die man im Buch nicht zu lesen bekommt.

Gsella, Thomas — Reiner Schönheit Glanz und Licht Ihre Stadt im Schmähgedicht * Klolektüre (15)

Thomas Gsel­la hat diver­ste Städte mit Schmähgedicht­en bedacht und — sage Bub — Ibben­büren ist auch mit dabei. Besser gefällt mir ja Düs­sel­dorf, aber das ist sicher auch Geschmackssache.

Das Ganze gibt es online, aber auch zwis­chen Buchdeck­eln. Die Gedichte ins­ge­samt sind mal mehr, mal weniger witzig, oft­mals zeigt Gsel­la allerd­ings, dass er etwas vom raf­finierten Gedichtschreiben ver­ste­ht.

Somit ist dieser Schmök­er ein kurzweiliger, aber respek­tabler Begleit­er auf unserem Don­ner­balken und erhält fol­glich von fünf möglichen Klorol­len:

Guillaume, André de — Wie man ein Genie wird * Klolektüre (02)

Eines dieser Exem­plare ist der Schmök­er Wie man ein Genie wird: Das Hand­buch für ange­hen­de Über­flieger
von André de Guil­laume, über­set­zt aus dem Englis­chen von Petra Trinkaus. Das Buch erge­ht sich eigentlich nur in Eigen­willigkeit­en und Anek­doten berühmter Män­ner. Das ist ganz nett zu lesen, kurzweilig, aber irgend­wie nicht erhel­lend. Ein paar Schmun­zler sind aber drin.

Er ist also durch seine Inten­tion, die hüb­sche Machart und durch hin und wieder inter­es­san­te Anek­doten ein pass­abler Begleit­er auf unserem Don­ner­balken und erhält fol­glich von fünf möglichen Klorol­len:

Haeusler, Tanja & Johnny – Netzgemüse

Wei­h­nacht­en ste­ht vor der Tür und vielerorts wer­den nun die Buch­lä­den durch­stöbert, um inter­es­san­te lit­er­arische Sachen aus­find­ig zu machen. Ich habe mir mal Net­zgemüse von Tan­ja und John­ny Haeusler, der auch unter spreeblick.de blog­gt, angeschaut. In diesem Fall ist es vielle­icht hil­fre­ich, die bei­den erst selb­st zu Wort kom­men zu lassen:

Jet­zt kann man zunäch­st ein­mal fest­stel­len, dass es hier eine dicke Mark­tlücke gibt. Das Inter­net ist in vie­len Facetten nicht leicht zu ver­ste­hen. Das macht beson­ders dann Prob­le­me, wenn Eltern darüber nach­denken, wie sie ihre Kinder im Inter­net begleit­en. Und das tut Not, denn im Inter­net lauern rechtliche und per­sön­liche Gefahren. Ander­er­seits bewe­gen sich Inter­net­nutzer ziem­lich frei und unge­bun­den durch das Netz. Worauf sol­len sich Eltern daher ein­stel­len?

Das ist in etwa die Frage, der das Ehep­aar Haeusler nachge­ht. Sicher­lich ist das Buch so geschrieben und wird so präsen­tiert, dass es sich irgend­wie ren­tiert. Insofern ist dieser Ein­trag auch schon wieder eine Form von Wer­bung. Aber ander­er­seits bin ich davon überzeugt, dass das Buch die Auf­gabe, Eltern für ihre Auf­gabe, Kinder im Umgang mit dem Inter­net ver­ant­wor­tungsvoll zu begleit­en, gut erfüllt.

Jet­zt kön­nte ich auch am Buch rum­mosern über manchen gram­ma­tis­ch nicht ganz so per­fek­ten Satzbau, verkürzte und somit falsch wirk­ende Darstel­lun­gen oder den Begriff Net­zgemüse, der mich das ganze Buch gestört hat. Da mein Fokus aber darauf gerichtet ist, her­auszufind­en, ob dieses Buch Eltern eine Hil­fe sein kann, schiebe ich das mal ganz bei­seite.

Und wenn das erst­mal bei­seite geschoben ist fällt zunäch­st die große Band­bre­ite auf, die das Buch umfasst: Es han­delt den Umgang mit Com­put­er­spie­len, ille­gale Down­loads, Inter­net­di­en­sten, Blogs, Mob­bing, Pseu­do­ny­men, sozialen Kom­pe­ten­zen, Taschen­geld, Smart­phones und und und ab. Ich habe auf Anhieb nichts gefun­den, was ich ver­mis­se. Alle The­men wer­den zwar nur angeris­sen und Beispiele und Lösungsan­sätze von wirk­lich schwieri­gen Prob­le­men kom­men nicht vor. Das ist aber für ein Eis­ntiegs­buch in die Materie nicht weit­er schlimm. Die Frage wäre eh, ob man ein solch­es Buch nicht über­frachtete, wenn man zu viele Lösun­gen anbi­eten woll­te.

Was ich sehr überzeu­gend finde, ist, dass die Autoren heik­le The­men wie Pornografie im Inter­net, die von Jugendlichen kon­sum­iert wer­den kann, nicht umschif­f­en.

Das Buch braucht zwar etwa 100 Seit­en um richtig in Schwung zu kom­men, trifft aber dann den richti­gen Ton. Wer also Eltern ken­nt oder sel­ber erze­hungs­berechtigt ist, dem lege ich dieses Buch wärm­stens ans Herz.

Hammer, Agnes — Ich blogg dich weg!

Ich blogg dic weg!Jule ist ein junges Mäd­chen, das mit ihrer Band beim Schulfest auftreten soll. Dann erhält sie jedoch anonyme E-Mails, Beschimp­fun­gen und Dro­hun­gen. Ein Fake-Pro­fil von ihr taucht im Inter­net auf und ihr wird nahe gelegt, die Band zu ver­lassen. In dieser starken Bedräng­nis kommt es schließlich zur gewalt­täti­gen Auseinan­der­set­zung.

Das Buch von Agnes Ham­mer behan­delt ein sehr aktuelles The­ma: Die Prob­lematik, dass Jugendliche ein­er­seits in der realen und ander­er­seits in der virtuel­len Welt unter­wegs sind, und es schwierig wird, wenn Prob­le­me der einen Sphäre mit der anderen in Berührung kom­men, indem anonymes Mob­bing betrieben wird.

Was der Leser schnell merkt, ist, dass es sich hier­bei um eine klas­sis­che Schullek­türe han­delt, und das ist auch schon das Manko des Buch­es, wenn man so will: Die Geschichte ist über­raschungsarm, vorherse­hbar, das klas­sis­che Prob­lem, dass die jugendliche Erzäh­ler­in mit mitun­ter arg ver­schachtel­teln Sätzen alles andere als jugendlich klingt, sowie dass sich die Akteure für Jugendliche doch sehr abgek­lärt ver­hal­ten. Bei ero­tis­chen Sit­u­a­tio­nen wirkt die polit­i­cal cor­rect­ness dann schon mal belusti­gend.

Aber als Schullek­türe, und für eine kom­mu­nika­tive Behand­lung durch Jugendliche ist das Buch, das einen für Jugendliche sehr fairen Preis hat, sicher­lich her­vor­ra­gend geeignet.

Hansen, Eric T. — Nörgeln !

buchleserNörgeln – wer ken­nt es nicht, wer tut es nicht, wen nervt es nicht? Eric T. Hansen hat sich des The­mas auf sehr humor­volle Weise angenom­men. Ger­ade auf den ersten Seit­en erweist er sich als Fach­mann des Nörgelns und des wis­senschaftlichen Nörgelns.

In der Nörgelgeschichte der Lit­er­atur ste­ht Faust als lit­er­arisches Meis­ter­w­erk ein­sam da. Goethes wahres Genie im Erschaf­fen dieser Jahrtausend­fig­ur wird erst recht deut­lich, wenn man Faust mit anderen großen lit­er­arischen Jam­mer­ern der Weltlit­er­atur ver­gle­icht. Wie viel kon­se­quenter und authen­tis­cher wäre es gewe­sen, wenn Shake­spears Ham­let ohne Grund unzufrieden wäre:

Bin ich nun, ach! Prinz,
erfol­gre­ich, wohlhabend,
erbe dem­näch­st ein Kön­i­gre­ich,
und bin lei­der auch gutausse­hend,
die sexy Ophe­lia macht mir dur­chaus
Augen mit heißem Bemühn.
Da steh ich nun, ich armer Tor!
Und finde alles genau­so Scheiße wie zuvor.

Die Lek­türe unter­hält also ganz beschaulich und ent­täuscht auch sprach­lich nicht. Ich ver­mis­se dabei allerd­ings eine Abgren­zung von Nörgeln zu gerecht­fer­tigter Kri­tik. War dieser Satz jet­zt in Hansens Augen nur nörgeln? Im zweit­en Teil des Buch­es geht dem Autor dann auch in dieser Hin­sicht die Puste aus und es wird sehr weitläu­fig von Nörgeln gesprochen, was wed­er überzeugt, noch witzig ist. Dafür ist der Leser durch den ersten Teil schon hin­re­ichend entschädigt. Eine unterm Strich sehr geistre­iche Lek­türe.

Hessel, Stéphane — Empört euch!

buchleserEmpörung führt zur Verbesserung misslicher Lagen, das hat die Ver­gan­gen­heit gezeigt. Daher soll sich die Jugend ruhig empören, wenn sich eine Gele­gen­heit bietet. Es kann nur besser wer­den. Die Botschaft des Buch­es ist kurz, aber das ist das Buch sel­ber eben auch.

Während ich das Buch im Zug gele­sen habe, saßen mir zwei Män­ner auf einem Vier­er schräg gegenüber. Der eine hielt aus­ge­bre­it­et eine Zeitung, der andere hat­te den Ellen­bo­gen kopf­stützend auf dem recht­en Ober­schenkel gestellt und hielt mit der linken Hand ein dick­eres Buch fest. Bei­de lasen.

Und dann — aber Moment, habe ich schon gesagt, dass ich glaube, dass der Zug­fahrer mit dem Buch Lehrer gewe­sen ist? Also, ich glaube, dass er Lehrer gewe­sen ist. Dann jeden­falls raschel­te es und der Lehrer hob seinen Kopf und sagte seinem Gegenüber:

Also, das ist jet­zt schon min­destens das fün­fte Mal, dass Sie einen Teil der Zeitung fal­l­en lassen. So liest man doch keine Zeitung. Kön­nen Sie nicht auf­passen? Sowas stört einen doch.

Und dann mein­te der Gegenüber:

Na, hören Sie mal! Ich bin Besitzer dieser Zeitung und kann doch wohl meine Zeitung im Zug fal­l­en lassen, so oft und so lange ich will. 

Und dann nahm er einen Teil der Zeitung und ließ ihn mit aus­gestreck­tem Arm den Lehrer im Blick demon­stra­tiv fal­l­en. Den Kopf etwas zurückziehend schaute der Lehrer sein Gegenüber Zäh­ne zeigend mit streng geschürzten Lip­pen ob dieser Unkul­tiviertheit angewiedert an, strich über die Falz seines Buch­es und las kopf­schüt­tel­nd weit­er. Aber nur kurz. Er blick­te wieder rüber und sagte:

Aber dann nehmen Sie doch wenig­stens die Wer­bung, da ist das Papier dick­er. Und die kann sog­ar auf dem Boden ste­hen, wenn man sie schon run­ter­wirft.

Und dann nahm er ein Wer­be­prospekt seines Gegenübers und liess das demon­stra­tiv fal­l­en. Das Prospekt stand für 5 Sekun­den und sank dann gän­zlich zu Boden.

Sehen Sie? Das geht viel besser.

Ich weiß nicht, wie die bei­den Kon­tra­hen­ten verblieben sind, weil ich an der näch­sten Hal­testelle den Zug ver­ließ. Aber dass es so wün­schenswert ist, sich immer und über­all gle­ich zu empören, davon war ich bei Ver­lassen des Zuges weit weniger überzeugt.

Homering-Elsner, Jörg und Ralf Heimann — Lepra-Gruppe hat sich aufgelöst: Perlen des Lokaljournalismus * Klolektüre (21)

Die Face­book-Seite Per­len des Lokaljour­nal­is­mus hat mit­tler­weile über 190.000 Fans, jet­zt gibt es den Schmök­er zur Seite. Aber wer die Seite schon ken­nt, wird nicht son­der­lich begeis­tert sein: Das Buch bein­hal­tet nur Alt­bekan­ntes und die Kom­mentare zu den Zeitungss­chnipseln sind doch sehr kurz.

Dieser Schmök­er ist wohl nur was für Leute ohne Inter­ne­tan­schluss, aber wegen der guten Aus­gangsidee gibt es von fünf möglichen Klorol­len:

Jens Bisky über Miriam Meckels Burnout

buchleser

Mir ist Miri­am Meck­el das erste Mal aufge­fal­l­en, als sie damals in den Schlagzeilen stand, jüng­ste deutsche Pro­fes­sor­in in Mün­ster gewor­den zu sein. Und auch da schon war irgen­det­was, was mich intu­itiv an ihr störte. Dabei ist Miri­am Meck­el grundsym­pa­this­ch, soweit ich sie ken­ne, über­durch­schnit­tlich intel­li­gent, gutausse­hend, offen, sie hat diese geistige Uneit­elkeit, die ich sehr an Men­schen schätze.

Ich erfuhr, dass sie nach eigen­er Aus­sage einen Burnout hat­te, ein Buch darüber geschrieben hat, dass allerd­ings einige Leser den Inhalt für nicht so leben­snah hiel­ten. Ich dachte, dass da eben das zum Tra­gen kam, was mich auch irgend­wie störte. Aber aus­for­muliert hat­te ich das bish­er nicht, ich nahm das von ihr wahr, was mir über den Weg kam, aber ich las ihr Blog nur unregelmäßig, kom­men­tierte nichts, kaufte nicht ihre Bücher.

Heute sprang mir beim Durch­blät­tern der Süd­deutschen Zeitung ins Auge, dass es eine ganz­seit­ige Besprechung ihres Buch­es oder dessen The­mas gab. Ich fühlte diesen intu­itiven Stör­fak­tor, der mir sagte, dass dies nach erster Ein­schätzung nur eine unkri­tis­che Buchbeschrei­bung sein kön­ne, las dann aber Jens Bisky, den Namen des Autors, und fing an zu lesen.

Und ich las so mit gemäßigtem Inter­esse bis zu der Stelle, die mich die Zeitung begeis­tert wegle­gen liess:

Aber sie braucht die kul­tur- und kap­i­tal­is­muskri­tis­chen Stel­len wohl, um den Punkt richtig zu set­zen. Der abschließen­de Brief — “Liebes Leben” — for­muliert in Floskeln ther­a­piert­er Inner­lichkeit einen Anspruch, den in den vierziger Jahren des 19. Jahrhun­derts Karl Marx erhob, die Formeln der Hegelschen Philoso­phie benutzend.

Der saß.

Nicht die Bisky­sche Erin­nerung an Marx. Die Floskeln ther­a­piert­er Inner­lichkeit. Es ist ein­er­seits das Tolle der deutschen Sprache, das hier zum Aus­druck kommt. Sie ist nicht so lautschön wie andere, aber mitun­ter kriegen sie Begriff­szusam­men­stel­lun­gen vorge­set­zt, die sie selb­st ent­fal­ten müssen, um zu erken­nen, was sich der Red­ner wie zusam­men­gereimt hat. Ander­er­seits trifft es auch die Störung, die ich bei Miri­am Meck­el so denke. Die Rede von den Floskeln ther­a­pierten Inner­lichkeit lässt doch bei Meck­el die Frage stel­len: Warum übern­immt sie Floskeln, die in ein­er Ther­a­pie auf­tauchen bei einem so per­sön­lichen Pro­jekt wie der eige­nen Inner­lichkeit?

Irgend­wie ist es das, was mich an Meck­el störte, ohne sie deswe­gen unsym­pa­this­ch zu find­en: Das Ste­hen­bleiben an einem gewis­sen Punkt, das geistige Sich-Abfind­en mit ein­er erre­icht­en Höhe. Eigentlich ist ein solch­es Rum­mäkeln unge­hörig, es ist nur deswe­gen zuläs­sig, weil Meck­el eben dur­chaus was drauf hat.

Bisky set­zt diesen Tre­f­fer aber eben auch, nicht um Meck­el in Grund und Boden zu stampfen, son­dern er find­et fol­gen­den Schluss

Meck­els Brief ans eigene Leben fordert die indi­vidu­elle Unver­füg­barkeit von den Übungsleit­ern, Sys­te­mop­ti­mier­ern und Geschäfts­führern zurück, fordert sie auch gegen das eigene, notwendig in der Kul­tur der Gren­zen­loskigkeit befan­gene Ich. Man muss Reser­ven in sich selb­st bere­i­thal­ten. Reser­vate im Innern sorgsam bewachen. Das ist keine große, erst recht keine radikale Lösung, aber eine leben­skluge.

Dieser Text aber ist ein großer, so einen kriegen nur wenige geschrieben.

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Jens Bisky — Ein erzwun­ge­nes, willkomme­nes Ende der Ver­lässlichkeit, Süd­deutsche Zeitung, 16.03.2010

[P.S. Dage­gen hät­te sich die Süd­deutsche Zeitung die Veröf­fentlichung dieses vor­ein­genom­men altk­lu­gen Artikels von Sari­na Plau­th lieber ges­part.]

Koch, Anna und Axel Lilienblum — SMS von gestern Nacht * Klolektüre (08)

 Das Beste aus SMSvonGesternNacht.de ist eine laue Kopie von Texts from last night, mittlerweile in drei oder vier Buchausgaben als Reihe verfügbar. Man findet vielleicht auf den ersten Seiten eine ganz witzige Minigeschichte über Leute, die missverständliche und missverstandene SMS-Unterhaltungen führen, aber irgendwann zieht man bei der Lektüre nicht mehr mit. Erfunden oder real? Wen interessiert’s?

Der Schmöker ist mit seinen seltenst witzigen Mini-Geschichten ein mäßig unterhaltsamer Begleiter auf unserem Donnerbalken, mittlerweile dürften diejenigen, die sowas interessiert, ihn auch zur Genüge kennen, und erhält folglich von fünf möglichen Klorollen:

Kühn, Totte — Am Ende der Wels * Klolektüre (17)

Geburt­stags­geschenke in Buch­form kön­nen auch Über­raschungstr­e­f­fer sein, deswe­gen rate ich eigentlich kaum jemand, außer den erfahre­nen Fehlschenkern, von Buchgeschenken ab. Eigentlich kann man die Schinken ja auch dann noch irgend­wie ver­wursten als Weit­ergeschenk­tes oder so.

Am Ende des Wels von Tot­te Kühn, der auch bei den Mon­sters of Lie­der­ma­ch­ing — hier mal eine Kost­probe — singt, ist so ein Schmök­er.

Der Erstling enthält diverse Erzäh­lun­gen aus dem Leben eines Musik­ers, real­is­tis­ch oder erspon­nen, da greift alles mal ineinan­der. Die Geschicht­en kom­men aber so entspan­nd und nicht über­am­bi­tion­iert daher, dass das Lesen immer wieder Freude bere­it­et. Auch hebt sich das Sprach­niveau und der Ein­fall­sre­ich­tum Kühns angenehm von denen viel­er sein­er aktuell deutsch sin­gen­den Kol­le­gen ab.

Dieser Schmök­er ein kurzweiliger, über­raschend unter­halt­samer Begleit­er auf unserem Don­ner­balken und erhält fol­glich von fünf möglichen Klorol­len:

Lichter, Horst — Keine Zeit für Arschlöcher

Nach der Lek­türe dieses Buch­es würde ich sagen: Horst Lichter ist ein herzensguter Rhein­län­der, der im Fernse­hen ein­er der let­zten sym­pa­this­chen Fernseh-Mod­er­a­toren der leicht­en Unter­hal­tung darstellt und der über­flüs­sige Bücher schreibt. Dieser Biogra­phie geht lei­der kom­plett das Ana­lytis­che ab, sie ist zwar aufrichtig, aber kratzt nur an Ober­flächen. Es wird gelit­ten, es wird geweint, es wird gefeiert, es wird was erre­icht. Aber wie man aus Tälern her­auskommt, wie man Erfolg verkraftet, einord­net, wie man zuhört, wie man Arschlöcher erken­nt und umge­ht, wie es der Titel doch irgend­wie anvisiert wird — das alles fehlt in diesem Buch. Alles schwimmt im Unge­fähren. Für Fans eine ein­fühlsame Unter­hal­tung, das war’s aber auch.

Lustiges Taschenbuch Maus-Edition 4 — Alles Gute! * Klolektüre (14)

Micky Maus ist im Novem­ber let­zten Jahres 85 Jahre alt gewor­den. Das ist der Aufhänger dieser Aus­gabe.

Als Klolek­türe funk­tion­iert dieser Dis­ney-Comic-Schinken wie gewohnt. Allerd­ings bin ich entwed­er den Geschicht­en entwach­sen oder Micky-Maus-Geschicht­en sagen mir nicht son­der­lich zu. Jeden­falls gibt es in dieser Aus­gabe ger­ade mal eine Geschichte, die ich wirk­lich einiger­maßen inter­es­sant finde. Der Rest ist schon unglaublich banal gehal­ten.

Daher ist diese Aus­gabe ein pass­abler Begleit­er auf unserem Don­ner­balken und erhält fol­glich von fünf möglichen Klorol­len:

Marx, Reinhard — Das Kapital

buchleser

Wenn man sich ein biss­chen mit Reli­gion und Reli­gion­sphiloso­phie auseinan­der­set­zt, kommt man nicht umhin, sich auch mal die aktuel­len Schinken der katholis­chen Hirten anzuse­hen. Vorgenom­men habe ich mir mal Das Kap­i­tal von Rein­hard Marx, dem Erzbischof von München und Freis­ing.

Das Buch ist unge­fähr so wie Rein­hard Marx: Sym­pa­this­ch, geschwätzig, nicht über­wis­senschaftlich, anek­doten­re­ich, ein­heitschaf­fend. Es bein­hal­tet aber inter­es­san­ter­weise in poli­tis­cher oder philosophis­cher Hin­sicht alles, was man heute an der Katholis­chen Kirche kri­tisieren mag.

Rein­hard Marx begin­nt sein Buch mit einem Brief an Karl Marx, in dem er gle­ich seine Überzeu­gung fest­stellt, dass Karl Marx nach seinem Tode wohl inzwis­chen davon überzeugt sein müsse, dass Gott existiere. Rein­hard Marx macht es so seinen Lesern von Beginn an schwierig, ihn für voll zu nehmen. Es ist ander­er­seits ein­fach eine Form von Respek­t­losigkeit, anderen Men­schen irgendwelche Behaup­tun­gen unterzu­jubeln, nur weil diese Men­schen nun tot sind, und sich nicht mehr dage­gen wehren kön­nen. Das hat­te auch schon Wal­ter Nigg in “Friedrich Niet­zsche” so getan, wo er behauptet, hät­te Niet­zsche nur etwas unaufgeregter nachgedacht, wäre er überzeugter Evan­gele gewe­sen. Ich glaube dies alles nicht. 

Unterm Strich spielt Rein­hard Marx ein­fach das, worun­ter er Karl Marx ver­ste­ht, gegen die Katholis­che Soziallehre aus. Es ist ein Aufeinan­dertr­e­f­fen ein­er Lehre auf eine Philoso­phie. Das Prob­lem ist nur, dass die Lehre lediglich geglaubt wer­den muss, nicht überzeu­gend begrün­det wie eine Philoso­phie sein muss, um akzept­abel zu sein. Wobei in diesem Zusam­men­hang zu beacht­en ist, dass für Rein­hard Marx das, wofür Karl Marx ste­ht, ein­fach nur Skep­tizis­mus ist: Das Angreifen von Din­gen, die für Werte gehal­ten wer­den.

Diese Werte entstam­men alle dem Chris­ten­tum, meint Detlef Horster, auf den sich Rein­hard Marx als Seg­nung durch einen Philosophen bezieht (S. 59). Dies ist über­haupt eine eigen­tüm­liche Beleg­meth­ode von Rein­hard Marx: Das Her­anziehen der Mei­n­ung eines großen Geis­tes als Ersatz für die Begrün­dung ein­er eige­nen Mei­n­ung. Fast schon gön­ner­haft geste­ht Rein­hard Marx der Philoso­phie der Aufk­lärung zu, dass sie Begrün­dun­gen für moralis­che Werte geliefert habe, dass aber diese Werte eben schon vorher bestanden haben. Offen­sichtlich ist es Rein­hard Marx ein Anliegen zu zeigen, dass das Vorhan­den­sein von Werten wichtiger ist als das Begrün­det­sein von Werten.

Nicht nur die Soziallehre der katholis­chen Kirche wird somit in diesem Buch gegen Karl Marx aus­ge­spielt, eben­so grundle­gen­der ein katholis­cher Fun­da­men­tal­is­mus gegen objek­tive Begrün­dun­gen, worun­ter man Philoso­phie ver­ste­hen kann.

Die katholis­che Soziallehre sieht in Marx ihren größten Geg­n­er sie bezeugt ihm ihren Respekt.” (Oswald von Nell-Bre­un­ing (S. 32))

Wie großzügig. Die katholis­che Soziallehre kennze­ich­net sich durch eine Weltan­schau­ung, in der Indi­viduen durch Sol­i­dar­ität und Sub­sidiar­ität miteinan­der ver­bun­den sind (S. 95). Ein jedem seien poli­tis­ch und wirtschaftlich alle Frei­heit­en gegeben, solange sie in einem moralis­chen Ein­klang und in Unver­let­zung der Rechte ander­er möglich sind. Marx meint offen­sichtlich, dass dies schlichte Motiv ein­er aus­gear­beit­eten Philoso­phie gle­ichkommt, diese gar über­trifft. Eine irgend­wie gestal­tete Begrün­dung gibt es in Rein­hard Marx’ buch für die katholis­che Soziallehre näm­lich nicht: Sie ist ein­fach besser als alles andere.

Und weil man nach Rein­hard Marx auch ange­blich denkt, dass Reli­gion nicht nur Pri­vat­sache sei, son­dern dass Kirche eine gesellschaft­spoli­tis­che Auf­gabe habe (S. 63) gäbe es den Reli­gion­sun­ter­richt in Deutsch­land in der vor­liegen­den Form. Dies ist aber schlicht falsch. Die Ein­bindung der evan­ge­lis­chen und der katholis­chen Kirche in den Staat geht auf einen Pakt mit Hitler zurück, nicht auf ein Fürguthal­ten eines Staat­slenkers.

Aber diese eigen­willige Ansicht Rein­hard Marx’ fügt sich gut in sein Welt­bild: Die Kirche, und das heißt bei ihm eben die katholis­che, ist die Insti­tu­tion der Moral (S.62): Ihr Richt­platz. Ohne Kirche ist Moral für Rein­hard Marx wohl schutz- und wehrlos allen Übeln in der Welt aus­geliefert. Rein­hard Marx fühlt sich zudem in Übere­in­stim­mung mit Immanuel Kant, was sein Men­schen­bild bet­rifft (S. 174, Anmerk.: Kant wird über­haupt gerne von Geistlichen als Gewährs­mann vere­in­nahmt ohne auf seine Reli­gion­skri­tik einzuge­hen) und eben­so in Übere­in­stim­mung mit Karl Marx, was dessen Bild von der Fam­i­lie als Geburt­sort von Moral ange­ht: Für Marx sei die Fam­i­lie wichtig­ster Ort der Wertev­er­mit­tlung, daher sei Fam­i­lien­poli­tik wie Bil­dungspoli­tik vorauss­chauen­de Sozialpoli­tik.

Das kann man nun unhin­ter­fragt so ste­hen lassen oder hin­ter­fra­gen. Bei let­zterem ist man sich sel­ber aber Philosoph, und das für viele zwangsläu­fig. Denn beim Stich­wort Fam­i­lie muss man ja bei der katholis­chen Kirche immer sehen, dass Schwule keine Fam­i­lie sind. Eine Fam­i­lie ist Mama & Papa, nicht die wilde WG-Lebens­ge­mein­schaft wie in den 68ern. Die haben ja für die katholis­che Kirche die sex­uel­len Auswüch­se neueren Datums mit zu ver­ant­worten. Die Soziallehre der katholis­chen Kirche lässt völ­lig unbeant­wortet, warum man sich nicht ein­fach durch eine ver­traute Bezugsper­son eben so gut moralis­ch entwick­eln kann, wie durch ver­heiratete Eltern. Und ob es ger­ade an dieser Stelle nicht eben doch viel mehr auf ver­ständliche, begrün­de­te Ver­mit­tlung von moralis­chen Ver­hal­tensweisen ankommt als auf Werte-Tra­di­tion.

Man begeg­net in diesem Buch Rein­hard Marx an den Stel­len, die den Men­schen an der katholis­chen Kirche so unheim­liche Prob­le­me bere­it­en. Man find­et aber als Reak­tio­nen darauf nur fun­da­men­tal­is­tis­che Durch­hal­teparolen vor, die für sich genom­men nicht überzeu­gen. Aber das sol­len sie ja auch nicht.

Mrozek, Bodo — Lexikon der bedrohten Wörter * Klolektüre (11)

Bodo Mrozek lis­tet in seinem Buch Lexikon der bedro­ht­en Wörter so einiges an Wörtern auf, die einem nicht mehr oder niemals geläu­fig sind oder war. Oder weiß jemand aus dem Kopf oder wie man heute sagt: Ohne zu googlen, was ein Bratkartof­felver­hält­nis ist? Oder eine Dut­ten­gretel? Oder eine Sch­neck­en­schleud­er? Einige Wörter wie Export­bier, Kon­ferenz oder Kava­lier sind mir dann doch noch sehr geläu­fig und witzig sind einige Ein­träge dann auch nicht. Aber eine Fund­kiste bleibt dieses Büch­lein alle­mal.

Der Schmök­er ist trotz viel­er wenig inspiri­eren­der Ein­träge wegen ein paar Aufhorchen lassender Her­vorhe­bun­gen ein pass­abler Begleit­er auf unserem Don­ner­balken und erhält fol­glich von fünf möglichen Klorol­len:

Mühling, Jens — Mein russisches Abenteuer

buchleserDieses Buch ist eine Art Road-Movie zwis­chen Buchdeck­eln quer durch Rus­s­land und die Ukraine. Müh­ling ist auf der Suche nach wahren Geschicht­en, von denen ihm ein Fre­und mal sagte, es gäbe sie nur in Rus­s­land zu find­en. So macht er sich eines Tages auf den Weg, Agaf­ja Lykowa zu tre­f­fen, was sich als waghal­siges, wenn nicht gar lebens­ge­fährlich­es Aben­teuer erweist.

Man lernt in diesem Buch vieles über die Geschichte Rus­s­lands und einiges über den Umgang mit Russen. Agaf­ja Lykowa ist wohl die Dame in diesem Video:

Ein sehr lesenswert­er Schmök­er für alle, die mal einen Blick über den Teller­rand wagen wol­len.

Munroe, Randall — What if? * Klolektüre (20)

Dies ist die zweite Web­comic-Rei­he von Ran­dall Munroe nach xkcd in Buch­form. Es wer­den diverse außergewöhn­liche Fra­gen so ern­st wie möglich behan­delt. Jet­zt weiß ich also, dass es wahrschein­licher ist, irgen­deine Tele­fon­num­mer anzu­rufen, “Gesund­heit” zu sagen und der­jenige, der den Hör­er abgenom­men hat, hat ger­ade tat­säch­lich genießt, als einen 6er im Lot­to zu kriegen. Und dass 2060 Face­book wahrschein­lich mehr Pro­file Toter als Lebendi­ger hat. Und dass ich durch Teeum­rühren das Tee­wasser nicht zum Kochen brin­gen kann. Wie wun­der­voll!

Dieser Schmök­er ist ein erhel­len­der, nicht ganz anspruch­sloser Begleit­er auf unserem Don­ner­balken und erhält, da er wohl für jeden etwas Inter­es­san­tes birgt, von fünf möglichen Klorol­len:

Naturernte — Samenbasierte Rezepte

buchleserWir hatten ja schon lange nichts Ekliges mehr hier, also so richtig Ekliges. Dem kommen wir mal gerade etwas entgegen. Fotie Pfotenhauer, ja genau, deeer Fotie Pfotenhauer hat ein neues Kochbuch rausgegeben. Angepriesen wird es wie folgt:

Wenn Sie Koch aus Leidenschaft sind und keine Angst haben vor neuen Zutaten, werden Sie dieses Buch lieben!

Da fühlt man sich ja geradezu herausgefordert, zu dieser exquisiten Gruppe von Köchen zu gehören? Oder nicht? Wen es anspricht, dem sei also Fotie Pfotenhauers neues Buch empfohlen: Kochen mit Sperma.

Nonhoff, Sky — Don’t believe the hype! * Klolektüre (13)

Schmök­er aus dem Grabbelko­rb bei der Posten­börse in Schier­loh. Mit 2€ für ein Män­gelex­em­plar zwar nicht unheim­lich gün­stig, die Lek­türe lohnt sich allerd­ings.

Non­hoff gibt in Don’t believe the hype! einen Pop-Begriff vor, nach dem mit­tler­weile nicht mehr neu kreiert, son­dern massen­tauglich gesam­plet wird, über den er diverse, gerne mal als Klas­sik­er beze­ich­nete Alben über die Klippe sprin­gen lässt: Neil Youngs Rust nev­er sleeps, The White Stripes’ White Blood Cells, Nev­er Mind the Bol­locks von den Sex Pis­tols, Sergeant Pepper’s Lone­ly Hearts Club Band der Beat­les, Blood Sug­ar Sex Mag­ic von den Red Hot Chilli Pep­pers, Eric Clap­tons Unplugged und und und.

Zumin­dest als Debat­ten­beitrag funk­tion­iert der Schmök­er unheim­lich gut. Zudem wird mein Geschmack­sempfind­en sehr oft getrof­fen. Ander­er­seits ist man auch irgend­wie froh, dass die eige­nen Lieblinge der 80er Pop-Szene nicht unter den Ver­dammten zu find­en sind. Und ab und an ist Pop auch gut, weil er gut klingt, auch wenn er Vorgänger hat­te. Aber sei’s drum:

Der Schmök­er ist dank viel­er guter, kurz­er Beiträge, ein­er schö­nen Ein­leitung, obwohl man schon die besproch­enen Alben selb­st besser ken­nen soll­te, um die Kri­tik zu ver­ste­hen, ein ide­al­er Begleit­er auf unserem Don­ner­balken und erhält fol­glich von fünf möglichen Klorol­len:

Pirinçci, Akif — Deutschland von Sinnen: Shitstorm in Buchform

Da hat es ein Ibben­büren­er mal wieder in die ZEIT geschafft. Es geht um Ijo­ma Man­golds Ver­riss von Akif Pir­inç­cis Deutsch­land von Sin­nen.

Pir­inç­ci hat 1989 mit Fel­i­dae einen lesenswerten Katzenkrimi geschrieben, der ein Best­seller wur­de. Danach ver­suchte er diese Romantier­form am Köcheln zu hal­ten, was lei­dlich gelang. Lesenswert ist das alles nicht. Nun hat er seine Homo­pho­bie oder sein homo­phobes Geschwätz, denn als homo­phob sieht er sich nicht, zusam­men mit sein­er Islam­o­pho­bie zwis­chen Buchdeck­el gepresst. Es ist das argu­men­ta­tives Armut­szeug­nis eines Hauptschu­la­b­sol­ven­ten, dem weit­ere Bil­dung nie ein Bedürfnis war, so dass er zu ein­er Auseinan­der­set­zung mit dem Begriff des Recht­staats nie gelangt ist. Seine Argu­men­ta­tions­form begren­zt sich auf das Dif­famieren der als fun­da­men­tal­is­tis­ch gekennze­ich­neten Gegen­po­si­tion, was seine eigene, eben­so bloß daher­be­haupteten Posi­tio­nen als recht­ens erweisen soll. Tut es aber nicht. Ein Pam­phlet für die Deine-Mud­da–Gen­er­a­tion und für den Rest ein Fall fürs Alt­pa­pier:

Es ist ohne­hin ein Skan­dal und eine boden­lose Frech­heit, die indi­gene Bevölkerung als einen Haufen von reak­tionären, Nazis, ja, ver­hin­derten Mördern zu verunglimpfen, sobald sie mitbes­tim­men möchte, mit welcher Sorte von Men­schen sie in ihrem eige­nen Land zusam­men­leben wün­scht und mit welcher nicht. (Akif Pir­inç­ci, Deutsch­land von Sin­nen, S. 27 in der epub-Ver­sion)

Sowas kann man nur ohne Hirn­in­farkt schreiben, wenn man nicht ver­standen hat, was ein Rechtsstaat im Kern ist.

Man­gold lässt sich lei­der von diesem aufgewiegel­ten Geschwätz anheizen und ver­gle­icht das Mach­w­erk allen Ern­stes, unnötiger Weise und völ­lig unüberzeu­gend mit Hitlers Mein Kampf:

Dieses Buch ist das Pro­dukt eines wild gewor­de­nen Auto­di­dak­ten. Im Bra­mar­basieren über alles und jedes, in der schein­bar wider­stand­slosen Her­stel­lung von Evi­denz und Zusam­men­hang, in der tri­umphal­is­tis­chen Geste der Ent­larvung von medi­alen Lügenge­spin­sten, in sein­er Mis­chung aus Bru­tal­ität und Heulerei erin­nert das Buch – ich schwöre, ich habe noch nie einen Hitler-Ver­gle­ich gezo­gen in meinem Beruf­sleben – an Adolf Hitlers Mein Kampf.

Das tut es nicht. Hitler hat­te eine Agen­da, set­zte entsprechend um, was er in seinem Buch anspin­nte, so hölz­ern geschrieben es auch ist. Pir­inç­ci schreibt nicht hölz­ern, son­dern er argu­men­tiert brech­stan­ge­nar­tig. Man­gold heizt so den Shit­storm, den das eigentlich in Rede ste­hen­de Buch verkör­pert, nur weit­er an.

Ste­fan Willeke reagiert auf die Empörun­gen zu Man­golds Kri­tik, indem er Aufmüp­fige kon­tak­tiert. Darun­ter Her­rn H. aus Ibben­büren, der Man­golds Text wohl als “geisti­gen Dün­npfiff” charak­ter­isiert hat. In die Fäkalsprache hat­te allerd­ings auch Man­gold schon einges­timmt. Der angerufene Herr H. legt zunäch­st ein­fach auf, wird aber ein zweites Mal angerufen:

Dies­mal sagt er, bevor er auflegt: “Mich inter­essiert Ihre Zeit­geist-Pos­tille nicht.”

Schöne Rep­lik, allerd­ings nicht ganz so überzeu­gend, wenn man eigens Leser­brief-Mails an die Redak­tion schreibt.

Willeke selb­st ver­fängt sich im Shit­storm dann noch wie fol­gt:

Sind wir, die Jour­nal­is­ten der großen Zeitun­gen, unehrlich? Man muss über uns keine Stu­di­en anfer­ti­gen, um zu erken­nen, dass wir stärk­er zum rot-grü­nen Milieu tendieren als die meis­ten Wäh­ler. Natür­lich stammt kaum jemand von uns aus ein­er Hartz-IV-Fam­i­lie. Natür­lich leben wir viel zu oft in densel­ben bürg­er­lichen Stadt­teilen der­sel­ben Großstädte, in Berlin-Pren­zlauer Berg oder in Ham­burg-Eppen­dorf. Alt­bau, hohe Deck­en, Fis­chgrät­par­kett. Natür­lich lei­det unser Blick auf die Welt unter dem Eppen­dorf-Syn­drom. Aber nur, weil wir selb­st in ein­er Homogen­itäts­falle der urba­nen Mit­telschicht steck­en, wird nicht der Umkehrschluss zuläs­sig, Pir­inç­ci leis­te aufrichtige Basis­ar­beit. Viel unheil­voller ist es, wenn der Dem­a­goge Pir­inç­ci von sein­er Bon­ner Vil­la aus die Geräusche der Straße imi­tiert, um damit reich zu wer­den.

Ach Gottchen. Wer Pir­inç­ci Argu­men­ta­tion­s­muster nicht passend analysieren kann, ohne ihm der­art Dinge zu unter­stel­len, der argu­men­tiert für Leser nicht grundle­gend anders als Pir­inç­ci selb­st. Und wer bitteschön hat nach dieser selb­stver­liebten Jour­nal­is­ten­flanke gefragt?

Proimas, James — 12 things to do before you crash and burn *Klokeltüre (23)

Dieser Schmök­er ist eigentlich ein Jugend­buch, aber wegen seines Witzes und der Kürze sein­er Einzelepiso­den dur­chaus auch für Erwach­sene Broil­er inter­es­sant: Hercs Vater ist gestor­ben. Un weil er auf der Beerdi­gung als einziger den Mumm hat, zu sagen, das sein Vater ein Arschloch war, wird Herc zur Strafe zu seinem Onkel geschickt, der ihm wie seinem Namensge­ber für die Zeit seines Aufen­thalts 12 Tag für Tag abzuar­bei­t­en­de Auf­gaben stellt:

  1. Such dir eine Auf­gabe.
  2. Finde den besten Piz­za­laden der Stadt.
  3. Räum die Garage auf.
  4. Mis­te die Ställe auf der River­bend Farm aus.
  5. Setz dich unter einen Baum und lies ein kom­pettes Buch.
  6. Beg­ib dich an einen Ort der Huldigung und des Gebets.
  7. Geh zu sieben Bewer­bungs­ge­sprächen.
  8. Ver­bring den Tag mit großen Gedanken, Schreib sie auf.
  9. Iss eine Mahlzeit mit einem Unebkan­nten.
  10. Mach etwas für mich.
  11. Trag auf der Mit­ter­nacht­slyrik­le­sung im Blake’s Cof­fee Shop ein Gedicht vor.
  12. Been­de deine Auf­gabe.

Die Geschicht­en behal­ten dank guter Über­set­zung von Uwe-Michael Gutzschhahn den mitun­ter schrof­fen Stil des Orig­i­nals und erheit­ern durch wieder­holte Aushe­belung der Erwartun­gen des Lesers. Der aufheit­ern­de Schmök­er bekommt von fünf möglichen Klorol­len:

Rosenbach, Marcel & Holger Stark — Staatsfeind Wikileaks

buchleserDieses Buch wartet mit diversen Anek­doten rund um Wik­ileaks, Wik­ileaks-Grün­der Julian Assange und Fol­ge­be­tra­ch­tun­gen der Veröf­fentlichun­gen von Wik­ileaks auf, ufert nach der Hälfte des Buch­es aber in Über­legun­gen über den recht­en Jour­nal­is­mus aus, die nicht zuen­de gedacht wirken. Also ein klas­sis­ches SPIEGEL-Pro­dukt. Tief­ere Ein­blicke in die Funk­tion­sweise von Wik­ileaks gibt es nicht und auch anson­sten bleibt der Blick meist außen vor.

Sauer, Joscha — Nichtlustig * Klolektüre (10)

Joscha Sauers Nichtlustig besticht allein schon durch die Grafiken. Allerd­ings sind die Comics nicht immer son­der­lich witzig, aber das ist sicher­lich Geschmackssache. Manche Gags kom­men öfters vor, manche ver­ste­ht man kaum. Unterm Strich bleibt aber das Inter­esse her­auszufind­en, worum es auf der näch­sten Seite geht, beste­hen. Und das ist dann auch der bleiben­de Ein­druck des Schmök­ers.

Der Schmök­er ist mit sein­er beein­druck­enden Optik, trotz der oft­ma­li­gen Nichtlustigkeit ein gut unter­hal­tender Begleit­er auf unserem Don­ner­balken, er ver­leit­et zum Kauf des näch­sten Ban­des, und erhält fol­glich von fünf möglichen Klorol­len:

Scherpe, Mary — An jedem einzelnen Tag

buchleserMary Scher­pe ist eine bekan­nte Mode­blog­ger­in. Und sie hat einen Stalk­er. Der schickt ihr tagtäglich irgendwelche Dinge, mis­cht sich in ihre Pri­vatleben ein, kon­tak­tiert Fre­un­de, ver­fol­gt sie. In diesem Buch schreibt sie nieder, was passiert ist. Wie sie ver­sucht hat, ihn zu brem­sen, ihn zu ver­ste­hen, ihm zu helfen. Wie sie scheit­erte und wie es ihr zuset­zte.

Die Stärke des Buch­es ist, dass Scher­pe nicht in fem­i­nis­tis­che Klis­chees abwan­dert, ihre eigene Rolle nicht merk­lich schön­schreibt und sprach­lich sehr gut for­muliert. So ist der Leser erstaunt, was ihr alles wider­fährt, aber auch irri­tiert, weswe­gen sie ihn vor Fre­un­den ern­sthaft als Affäre kaschiert oder ver­sucht, sich seines Prob­lems anzunehmen.

Das Buch ist nicht moral­isierend, nicht objek­tiv, aber offen und schildert, wie Stalk­ing heutzu­tage von­stat­tenge­ht. Und es ist ein Plä­doy­er dafür, sich zu wehren, wenn man ange­gan­gen wird.

Mary Scher­pe, An jedem einzel­nen Tag. Mein Leben mit einem Stalk­er, Bastei Lübbe, 14,99€ (gebun­dene Ausgabe)/ 11,99€ (eBook)

Schierach, Ferdinand von — Verbrechen * Klolektüre (06)

Zunäch­st habe ich die ZDF-Fernsehserie zum Buch Ver­brechen: Sto­ries gese­hen. Die ent­nomme­nen Geschicht­en aus dem Buch wirken wie 1:1-Versionen der Ver­fil­mungen. Was mich an bei­den stört, ist die moralis­che Neu­tral­ität, die allen beschriebe­nen Ver­hal­ten bei­wohnt. Im Buch gibt es noch eine inter­es­san­te Geschichte um einen Muse­um­swächter, der langsam, aber sicher durch­dreht, die mir ganz gut gefällt, anson­sten muss nie­mand zum Buch greifen, der die Serie geschaut hat.

Der Schmök­er wegen der Kürze der inter­es­san­ten, wenn auch hal­tungslos beschriebe­nen Geschicht­en und dem guten Schreib­stil ist pass­abler Begleit­er auf unserem Don­ner­balken und erhält fol­glich von fünf möglichen Klorol­len:

Schill, Nadine — Hochzeitsplanung für Dummies

Einen ganz guten Überblick über diverse The­men ein­er Hochzeit, so wie man sie heutzu­tage ange­hen soll­te, bietet dieser Schmök­er der Dum­mies-Rei­he. Wobei die Ratschlagge­berei im Detail lei­der schon wieder etwas schwach aus­fällt:

Eine Band kostet in etwa das Drei- bis Vier­fache eines DJs. (…) Eine gute Band hat ein­fach ihren Preis. Hier muss man schon ein wenig den Namen mit­bezahlen. Aus ver­schiede­nen Grün­den ist ein DJ aber ohne­hin fast immer die bessere Wahl: Bands ver­fü­gen oft über kein so großes Reper­toire. Der DJ kann hinge­gen die Charts der let­zten 30 Jahre aus seinem Kof­fer zaubern. Zudem benötigt eine Band viel Platz und sie pro­duziert eine gewis­se Grund­laut­stärke.

Also da haben wir ger­ade eine gegen­teilige Erfahrung gemacht: DJs unter 1000€ – sofern man sie nicht schon ken­nt – sind kaum zu bekom­men, wenn man sicher gehen möchte, dass der- oder diejenige in der Lage ist, Hochzeit­en musikalis­ch im Griff zu haben. Eine Band liegt da nicht weit von ent­fer­nt, man muss auch ger­ade nicht den Namen mit­bezahlen, mein­er Mei­n­ung nach sind passende Bands mitun­ter preiswert.

Und was den Hochzeits­fo­tografen ange­ht:

Der Ama­teur (…) ist unschlag­bar gün­stig. Das wer­den Sie seinen Bildern jedoch auch stets anse­hen. (…) Schlechte Bilder jedoch wer­den Sie ein Leben lang begleit­en!

Das ist der Posten, den wir ger­ade auf Null geschraubt haben, eben weil wir pro­fes­sionelle Fotografen, die wir bis­lang erlebt haben, so gar nicht gut fan­den. Wir set­zen auf den Ama­teur, der Spaß daran hat, sicher nicht nur Fotos machen wird, aber auch, und der sehr wohl pro­fes­sionelle Fotos hin­bekommt.

Kurzum: Die Band­bre­ite der The­men lässt nichts fast nichts zu wün­schen übrig, allerd­ings hät­ten Tipps, wie man ohne Qual­itätsver­lust Einsparun­gen machen kann, dem Buch – das für sich abso­lut preiswert ist — gut getan. Das Buch ist im Umfang der aufgestell­ten Fra­gen und mit diversen unter­schiedlichen Mei­n­un­gen sehr empfehlenswert. Die Antworten – abge­se­hen vom rechtlichen Bere­ich — gibt man sich dann aber besser ein­fach selb­st.

Schneider, Helge — Arschfahl klebte der Mond am Fenster * Klolektüre (07)

 Bei einer Bekannten entdeckt: Arschfahl klebte der Mond am Fenster…: Die Kommissar Schneider Romane 1 - 4 in einem Band als Klolektüre. Die Kürze der einzelnen Kapitel spricht schon für diesen Schmöker als Klolektüre, er ist aber nur etwas für diejenigen, die gedanklich stark auf die verschachtelte Geschichte einsteigen. Für Gelegenheitsleser, und damit als Gästeklolektüre, eignet sich das gute Stück eher weniger. Man braucht schlicht etwas Zeit, um überhaupt einsteigen zu können, und die Geschichten selbst sind auch nicht jedermanns Geschmack.
Der Schmöker ist mit seinen mitunter witzigen, aber umständlichen beschriebenen Geschichten ein mäßiger Begleiter auf unserem Donnerbalken und erhält folglich von fünf möglichen Klorollen:

Schröder, Atze — Und dann kam Ute * Klolektüre (03)

Atze Schröders erster Roman . Abgepackt in kurze Episo­den erin­nert der Schmök­er etwas an Und dann kam Pol­ly und hat gefühlt densel­ben Plot: Charis­ma­tis­che Sie bringt helden­haften und ver­mö­gen­den Ihn unter ihre Fit­tiche. Span­nungsärmer wär’s wohl nicht gegan­gen. Manch­mal taucht unser Ems­det­ten­er Komik­er aus dieser selb­stver­liebten Labergeschichte auf und bringt Schmun­zel­bares wie

Als ich beim Pinkeln in den Spiegel schaute, sah ich so fer­tig aus wie Hel­mut Schmidt nach ein­er Elek­trozi­garet­te.

aber, das ist rar gesät, der Witz verbleibt im Metapho­rischen und wird gerne mal wieder­holt für alle, die es beim ersten Mal noch nicht ver­standen haben. Oder sol­len so Run­ning Gags angeleiert wer­den?

Der Schmök­er ist wegen guter Les­barkeit, flot­tem Tem­po und den paar Witzchen ein pass­abler Begleit­er auf unserem Don­ner­balken und erhält fol­glich von fünf möglichen Klorol­len:

Simsek Semiya, Peter Schwarz — Schmerzliche Heimat

buchleser So langsam kom­me ich mal mein­er Able­selis­te hin­ter­her: Dieses Buch bein­hal­tet Semi­ya Şimşeks Beschrei­bung des Lebens und der Ermor­dung durch die NSU ihres Vaters, Enver Şimşek, den Fol­gen für ihre Fam­i­lie und erbärm­liche Rolle, die der deutsche Staat bei der Aufar­beitung gespielt hat und immer noch spielt.

Wir schreiben das Jahr 2017, der Mord an Enver Şimşek liegt 16 Jahre zurück, und der Prozess gegen das let­zte Mit­glied der für die dazuge­hören­de Mord­serie ver­ant­wortliche Grup­pe, geht dem Ende ent­ge­gen. Und den­noch ist es erschreck­end, wie viele wichtige Fra­gen hierzu offen sind und vielle­icht bleiben.

Dieses Buch ver­schafft einen Ein­blick in die Sit­u­a­tion, wie sie sich für beteiligte Fam­i­lien­ange­hörige, darstellt. Es ver­liert sich nicht in kitschi­gen oder anders sach­frem­den Beschrei­bun­gen, son­dern fokussiert sich auf die Tat und ihre Nach­wirkun­gen. Abgeschlossen wird es von ein­er juris­tis­chen Ein­schätzung der Angele­gen­heit durch die Anwäl­te von Semi­ya Şimşek, die aus ihrer Sicht noch mal klar machen, um was für einen poli­tis­chen Skan­dal es hier eigentlich geht. Das es bei der ganzen Sache noch keinen einzi­gen Rück­tritt eines zuständi­gen Beamten gegeben hat, ist nicht min­der ver­wun­der­lich, eher aus­sagekräftig.

Ein Plä­doy­er für Gerechtigkeit und dafür, in der Katas­tro­phe Stärke zeigen zu kön­nen.

Süddeutsche Zeitung — Der große Jahresrückblick 2013 * Klolektüre (12)

Zum Jahresüber­gang habe ich mal diesen Schmök­er angeschafft, auf dass einem nicht lang­weilig wird zwis­chen den Jahren. Wur­de es aber eh nicht. Wenn ich es richtig sehe, ist dieser Jahres­rück­blick der zweite sein­er Art seit­ens der Süd­deutschen Zeitung. Er bein­hal­tet, so weit ich sehe, alle nen­nenswerten Ereignis­se des ange­laufe­nen Jahres bis Anfang Dezem­ber 2013. Eine aktuelle Aus­gabe find­et sich als “Dig­i­tal Zugang”, der eine App-Ver­sion online für Nutzer von Apple- oder Android-Geräten ist. Ich als Fire­fox-Nutzer schaue also in die Röhre.

The­ma­tis­ch sind die Artikel von Johan­nes Boie über den NSA-Skan­dal und von Hans Leyen­deck­er über Uli Hoeneß inter­es­sant, der Rest, so weit ich ihn gele­sen oder über­flo­gen habe, ver­liert sich in Beschrei­bun­gen — so auch Joschka Fis­cher über den Unter­gang der FDP. Die Beschrei­bun­gen der meis­ten Artikel kom­men einem schon sehr geläu­fig vor. Es fehlen ein wenig gute Analy­sen und frischer Wind für Leute, denen eine Zeitung nicht Medi­um Nr. 1 ist und die sich online ausken­nen.

Rest­los ent­täuscht die optis­ch und inhaltlich zusam­mengewür­felt wirk­ende Rubrik Die besten CDs, Bücher, Filme und Apps des Jahres auf lediglich zwei grafis­ch bre­it aus­gelegten Seit­en. Before mid­night ist ein Film des Jahres? Eye­Em eine App des Jahres? Das Unge­heuer von Terézia Mora und F von Kehlmann sind Bücher des Jahres?

Der Schmök­er ist trotz dank einiger guter Beiträge neben viel Über­flieg­barem ein pass­abler Begleit­er auf unserem Don­ner­balken und erhält fol­glich von fünf möglichen Klorol­len:

Sünder, Thomas: Wer Ja sagt, darf auch Tante Käthe ausladen

Wer zu heiraten beab­sichtigt, darf auch mal ein Buch zur Hand nehmen, wie eine Hochzeits­feier denn ablaufen soll. Und da griff ich zu diesem Schmök­er von Thomas Sün­der, einem Ham­burg­er DJ

Der Autor beschreibt ganz tre­f­fend, dass man sich klar­ma­chen soll­te, dass es sich bei dieser Feier wohl um die teuer­ste Ver­anstal­tung han­deln wird, die man pri­vat in seinem Leben aus­richt­en wird. Und zur Unter­mauerung, dass man es sich allein aus diesem Grun­de bei den diversen Einze­lentschei­dun­gen nicht zu leicht machen soll, fügt er diverse unter­hal­tende Beispiele an.

Diese Beispiele wirken zwar auf den ersten Blick etwas weit weg, weil nicht jed­er Vor­fall so bei einem selb­st ein­treten wird, aber dafür treten andere ein, die die Heiratswilli­gen vor ver­gle­ich­bare Prob­le­me stel­len.

Als DJ ist er bei der Frage nach der Musik auf ein­er Hochzeit natür­lich ganz in seinem Metier: Man soll­te ger­ade auf die Musik­dar­bi­etung acht­en, da sie einen ganz großen Teil der Hochzeit aus­macht. Sün­der spricht in der Fol­ge von über­teuerten und zu bil­li­gen DJs, von typ­is­chen Anmach­sprüchen an DJs und von untauglichen Bewer­bungssprüchen der Musikan­ten.

Uns hat die Lek­türe nach Durch­schauen des Inter­net und Infor­ma­tio­nen über das Kön­nen lokaler DJs dazu bewogen, eine Band zu engagieren. So unge­fähr funk­tion­iert der Schmök­er und insofern ist er nüt­zlich.

Vegas, Rob — Ich, Harald Schmidt

buchleserSchlicht ver­hoben hat sich Rob Veg­as mit dieser Pseudo-Biogra­phie des ehe­ma­li­gen Late-Night-Talk­ers Har­ald Schmidt. Dem inspi­ra­tionslosen Anek­doten­mix aus Inter­views und eige­nen Ideen fehlt genau der Esprit, die Giftigkeit, die Mis­an­thropie, die Har­ald Schmidt ein­st aus­macht­en. Es hät­te mehr Mut gebraucht, dem Alt­meis­ter nahe zu kom­men. Stattdessen plaud­ert sich Veg­as in banaler, dem Sub­jekt des Buch­es gar nicht entsprechen­der Sprache durchs Buch und lässt Schmidts Achilles­verse, seine intellek­tuelle Eit­elkeit, kom­plett aus. Es ist eine Com­e­dy, die angelacht wer­den muss, und in Buch­form gän­zlich ver­sagt.

Veiel, Andres — Black Box BRD

Dieses Buch ist auch schon wieder alt, aber nicht mal anges­taubt, wie mir scheint. In bezug auf die Ermor­dung Alfred Her­rhausens ist man in den let­zten Jahren kein Stück weit­er gekom­men. In diesem Buch wird erzäh­lerisch das Leben Her­rhausens und das von Wolf­gang Grams, die bei­de im Strudel R.A.F.-Terrors ihr Leben ver­loren. Das Buch ver­glichen mit dem Film ist span­nen­der, dichter, der Film dage­gen mit den Stim­men der Beteiligten und Betrof­fe­nen anschaulicher.

von der Lippe, Jürgen — Beim Dehnen singe ich Balladen * Klolektüre (22)

Jür­gen von der Lippes Schmök­er haben nicht sel­ten die Eigen­schaft, dass sie in der eige­nen Wieder­gabe nicht so lustig sind, als wenn der Autor selb­st sein Werk wiedergibt. Dahinge­hend scheint auch der etwas bräsige Titel dieses Schinkens zu ver­weisen. Allerd­ings soll­te man sich in diesem Fall nicht täuschen lassen: Der Enter­tain­er unter­hält den geneigten Leser dur­chaus gut mit absur­der Sit­u­a­tion­skomik — wenn auch die Geschicht­senden, von denen er anfangs schreibt, dass sie gut sein müssen, rei­h­nen­weise ent­täuschen.

Auch wenn die Geschicht­en in vor­ge­tra­gen­er Form erst ihren eigentlichen Reiz ent­fal­ten — das Hör­buch mit Car­olin Kebekus und Jochen Malmsheimer sei an dieser Stelle wärm­stens emp­fohlen-, gibt es für diesen gelun­genen, kurzwei­igen Schmök­er von fünf möglichen Klorol­len:

Weihnachtsbuchgeschenktipps

Wer kurz vor Wei­h­nacht­en noch ein Geschenk braucht, nicht irgend­was schenken will und Büch­ern nicht abgeneigt ist, dem sei fol­gen­des emp­fohlen:

Lit­er­atur / Thriller
Meine Tan­te beschw­ert sich mal, dass sie seit­dem sie 80 ist nur noch Bücher übers Älter­w­er­den und den Tod bekäme. Deswe­gen bekommt sie nun Fumi­nori Naka­mu­ra — Der Dieb. Eine span­nen­de Geschichte aus dem All­t­agsleben eines Taschendiebes in Tokio, den seine Ver­gan­gen­heit ein­holt.

Lit­er­atur / Liebesgeschichte
Thomas Mey­er — Wolken­bruchs wun­der­liche Reise in die Arme ein­er Schick­se. War in der Schweiz ein Best­seller und beschreibt witzig das jüdis­che All­t­agsleben in der Schweiz.

Lit­er­atur / Fam­i­liengeschichte
Ali­na Bron­sky — Baba Dun­jas let­zte Liebe. Baba Dun­ja schreibt Briefe an ihre Tochter Iri­na, die Chirurgin bei der deutschen Bun­deswehr ist, über das Leben in ihrem rus­sis­chen Dorf: Wasser gibt es aus dem Brun­nen, Elek­triz­ität an guten Tagen und Gemüse aus dem eige­nen Garten. Doch dann kommt ein Fremder ins Dorf und bedro­ht die Dor­fge­mein­schaft.

Kinder­buch ab 4 Jahren
Alice Melv­in — Emma kauft ein. Sehr schön bebilderte Kurzgeschichte.

Kinder­buch
Oren Lavie — Der Bär, der nicht da war. “Da ist er, der Bär, der ger­ade noch nicht da war, und zieht aus sein­er Tasche einen Zettel, auf dem ste­ht: »Bist du ich?« Gute Frage, denkt er sich, find­en wir es her­aus! Sofort macht er sich auf und wan­dert in den wun­der­samen Wald.” Ein­fall­sre­iche Geschichte mit wun­der­voller Bebilderung — auch für Erwach­sene.

Englis­cher Schmök­er
Ein mys­ter­iöser Mann gibt Zwill­in­gen einen Con­troller, der aber nicht für ihre bish­eri­gen Videospiele geeignet ist. Als sie ver­ste­hen, was man über ihn bee­in­flusst, wäh­nen sie sich im Land ihrer Träume. David Bad­diel — The Per­son Con­troller.

Nieder­ländis­che Biogra­phie
Isa Hoes — Toen ik je zag. Die Lebens­ge­fährt­in von Antonie Kamer­ling alias Hero beschreibt ihr Leben im Medien­zirkus der 90er Jahre und die Krankheit von Kamer­ling, die in ein­er Tragödie ende­te.

Klolek­türe
Es ist wahrschein­licher, irgen­deine Tele­fon­num­mer anzu­rufen, “Gesund­heit” zu sagen und der­jenige, der den Hör­er abgenom­men hat, hat ger­ade tat­säch­lich genießt, als einen 6er im Lot­to zu kriegen. Diese und mehr merk­würdi­ge Weisheit­en find­en sich in: Ran­dall Munroe — What if?

Für Rei­sein­ter­essierte / klein­er Preis
Einen unge­mein unter­halt­samen Kennnlern­schmöker hat Mile­na Moser da geschrieben. Die gebür­tige Zürcher­in beschreibt ihre Geburtsstadt Zürich anek­doten­re­ich und ohne Aus­las­sung der Mack­en ihrer Ein­wohner oder den Nachteilen der Stadt. Abgerun­det wird Gebrauch­san­weisung für Zürich mit Krim­i­le­setipps und Heimatliebe­bekun­dun­gen einge­sessener Zürcher. Unter­halt­sam, selb­st wen man nicht in näch­ster Zeit nach Zürich reisen möchte.

Für Rei­sein­ter­essierte / gehoben­er Preis
Judtih Scha­lan­sky — Atlas der abgele­ge­nen Inseln: Fün­fzig Inseln, auf denen ich nie war und niemals sein werde. Großar­tiger Schmök­er mit beein­druck­enden Grafiken der Autor­in, in dem genau das ist, was der Titel ver­spricht.

Geschichte
Mar­t­in Kitchen — Speer: Hilter’s Architekt. Es ist so beein­druck­end wie merk­würdig, dass es nach der Biogra­phie von Joachim C. Fest, dessen Ansicht­en getrübt sind, noch keine bessere Biogra­phie zu Albert Speer gegeben hat. Bis zu dieser.

Kochen
Roland Tret­tl — Serviert – Die Wahrheit über die besten Köche der Welt. Kurzweilige Abrech­nung des Starkochs mit den besten Köchen sein­er Zun­ft, das am besten ist, wenn er ein paar der besten Rezepte dieser Meis­ter ver­rät.

Hör­buch
Pastewka & Kom­plizen — Paul Tem­ple und der Fall Gre­go­ry. Bas­tian Pastewka klamüsert sich einen fast ver­loren gegan­genen Fall von Fran­cis Dur­bridge zusam­men und ver­set­zt ihn mit etwas Humor. Sehr lustig.

[ Die Links zu den Büch­ern sind Wer­be­links. ]

Wel­ding, Malte — Ver­siebt, ver­kackt, ver­hei­ra­tet | Das Liebesleben der anderen

Malte Welding, Versiebt, verkackt, verheiratet: Vom Leben nach dem Happy End, 204 Seiten, Piper Taschenbuch (9,99€) und eBook (8,49€), 2012

Der Flieger startet morgen früh nach Berlin. Wir kommen zum Frühstück an, das ist wichtig. Dann arbeitet der gemeine Berliner und die Touristen sind noch nicht ausgeschwärmt. Aber es ist echt früh, der Flieger geht um Sechsuhrirgendwas. Ich beende den Tag vorm Laptop am Schreibtisch, da kommt mir Malte Weldings neues Buch zu. Das letzte war nicht ganz mein Fall. Aber vielleicht das. Vielleicht sollte man es in Berlin lesen. Vielleicht hilft das. Abgemacht. Weldinglesen in Berlin. Der Authentizität wegen. (Vielleicht meint nun der andere oder eine, dass das nicht fair ist: Sein eigenes Empfinden und das Besprechen eines Buches zu vermischen. Wer das auseinanderhalten möchte, lese im Folgenden einfach nur den eingerückten Text.)

Um zunächst etwas zum Autor verlieren: Malte Welding ist Kolumnist der Berliner Zeitung und in Internetkreisen als Blogger bekannt geworden. Er hat schöne Artikel zu Spreeblick beigetragen, solche die man jetzt dem Blog wieder wünscht. Daneben hat er für die Blogs Fooligan, Neue Bodenständigkeit und Deus ex machina geschrieben. 2010 erschien sein erstes Buch Frauen und Männer passen nicht zusammen - auch nicht in der Mitte.

Der Flieger erhebt sich am folgenden Tag pünktlich um 6.40 Uhr in die Lüfte. Die Stewardessen setzen zu ihrer Morgengymnastik an und ich schlage die ersten Seiten auf.

Das Buch handelt von den drei Brüdern Roman, Ben, Paul sowie Pauls Freund Jimo, deren Bekanntschaft Welding hat und die es nach dem Abitur von Aachen nach Berlin verzieht. Allesamt stecken sie in Beziehungen, die ins Stocken geraten. Welding scheint sie privat zu kennen. Wird das jetzt eine Freundesanalyse? Oder ein Roman und mehr als man meint ist fiktiv? Alles bleibt etwas dunkel für den Leser, der ins kalte Wasser geworfen wird. Warum sind die Geschichten der vier so interessant? Ich fühle mich an Marcel Reich-Ranicki erinnert, der mal meinte, er wolle nur noch Problemschilderungen von Intellektuellen lesen. Ich kann das gut verstehen, auch wenn ich selber einfache Literatur zu schätzen weiß. Es muss nicht immer Kaviar sein. Aber weil ich eben Liebesproblematisierungen in der Popkultur von David Baddiel bis Verrückt nach dir inhaltlich durchwaten habe, fragt sich doch: Was bietet dieses Buch neues? Außer dass es ein Friends aus Berlin zu sein scheint? Der Blick in Beziehungen "nach dem Happy End"? Vielleicht ist das Buch eher für Leute, die nur Liebesfilme kennen.

Als wir wieder festen Boden unter den Füßen haben, bemerke ich, dass in Berlin ja noch Winter ist. Mindestens 7 Grad weniger als in Düsseldorf. Es herrscht interkontinentales Klima, wie ich mich aus dem Sachunterricht zu erinnern glaube. Der war aber auch vor der Wende. Ich habe Durst und ziehe mir was am Automaten. Meine Freundin fängt lauthals an zu lachen, als sie die Büchse sieht und berlinert:

Ditt kennwa im Westen ja schon janich mehr: Dosen ohne Pfand!

Die S-Bahn verspätet sich, ich krame meine Lektüre raus:

Welding stellt jedem Kapitel Zitate voran. Sowas mag ich ja gar nicht. Die Zitate sind nicht sonderlich vomhockerhauend, haben mit dem was folgt auch nicht direkt zu tun. Ich überlese sie konsequent. Die drei Brüder stecken in Beziehungen: Roman hat Mia geheiratet, Mia trennt sich gerade von Paul und Ben ist mit Juila Mia zusammen. Was sind das nun also für Leute?

Wir checken bei meinem Freund am Ostkreuz ein und lernen Maren kennen, die auch dort wohnt. Sie hat Medizin studiert, aber nicht zu ende, ist Mitte 30 und sattelt nun zur Immobilienmaklerin um. Die letzte Prüfung hat sie in Berlin verpasst, kann sie aber, was sie heute erfahren hat, in Rostock ablegen. Und hinterher vielleicht noch etwas studieren - was man in Berlin eben so macht. Über die Brücke am Ostkreuz verschlägt es uns in das Datscha. Es gibt schweres russisches Frühstück...

... und Zeit zum lesen:

Zunächst lernen wir Roman und Paul kennen, nachdem Greta Paul, der sich gerade auf einem LSD-Trip befindet, den Laufpass gegeben hat. Von Roman und Greta erfahren wir, dass beide ein Kind bekommen wollen, aber etwas kontraproduktiverweise das mit dem Sex gerade so gar nicht läuft. Von Ben wissen wir, dass er Architektur studiert oder studiert hat und Paul ist ehrgeizloser Rechtsanwalt. Die Berufe spielen aber im Folgenden keine sonderliche Rolle. Mia hängt an Roman, vielleicht etwas leidenschaftlicher als umgekehrt, Greta scheint eine gutaussehende, willensstarke Frau zu sein. Generell bleibt es aber bei Typisierungen der Charaktere, ein eigenes Bild will sich kaum einstellen. Die Kerle kommen mir vor wie phantasielose, unlustige Tunichtguts. Wenig inspirierend - weder zum Interesse an den Charakteren, noch zum Weiterlesen.

Als wir nachmittags so durch den Osten schlendern, fallen mir die traditionellen Berlinerisms auf. In der Straßenbahn hat gefühlt jeder Zweite eine Bierflasche dabei, im Osten flanieren Hundeköttel die Gehwege, es herrscht distanzierte Humorlosigkeit, hektisches Gehen, Gedrängel, und man sieht, was Frauen in Berlin für Mode halten: Knallenge Leggins zu dunkelwattierten Rettungswesten. Oder wie meine Freundin sich ausdrückt:

Hier laufen selbst die ganz hübschen Mädchen auf hässlich getrimmt rum.

Als irgendwo waschechte Düsseldorferin zieht es sie in eine der 111 Sehenswürdigkeiten des Sehenswürdigkeitenbuches, das in Berlin die Touristen erkennbar macht: Das ganzjährige Verkleidungsgeschäft.

Während sie den Laden auseinandernimmt und sich schließlich für eine überdimensionierte Geburtstagsbrille, sowie 30er Absperrband und Warnschilder für ihren Geburtstag entscheidet, lese ich...

... einen Witz. Tatsächlich. Ich lache auf Seite 130. So, dass einige mich schon komisch anschauen. Öffentliches, spontanes Lachen in Berlin ist so eine Sache. Ich werde aber quasi mit dieser Stelle etwas wärmer mit dem Buch. Ich denke nicht mehr ans Weglegen. Immerhin so gut muss die Lektüre sein. Man kann sie weiterlesen. Ich habe die Hoffnung aufgegeben, dass man sich, vielleicht wie in einem Roman, mit irgendeiner Figur derart anfreundet, dass man mitfiebert. Pustekuchen. Dafür gibt es Namedropping: Dawkins, Pinker und die Internetaussteckanekdote von Franzen. Jaja.

Am nächsten Morgen hole ich Brötchen, Saft und Milch. Die B.Z. titelt "ENDLICH! Sauf Verbot in der BVG". Kritik wird hier ja schnell umgesetzt, denke ich. Ubringens: Die schmierigen Graffiti sind auch scheiße! Ich gelange zur Brötchentheke, an der ich mich nicht entsinnen kann, wie Berliner noch mal in Berlin heißen, lerne dagegen: "Good Cookies go to heaven, bad cookies go to..."

Als ich mit den Frühstückssachen wieder in die Wohnung komme, erzählt Maren, dass sie nun eine Wohnung in Rostock hat. Dafür die Prüfung aber nicht machen kann. Ist nicht immer alles Einbahnstraße. Zum Mittagessen zieht es meine Freundin und mich wieder in den Osten. Hinter den Hackeschen Höfen ist Sushi angesagt. Das Sushi kann es mit den Düsseldorfern aufnehmen. Da ich weniger Teller verputze als meine Begleitung...

... und mir die dortigen Kleidungsfachgeschäfte nicht so zusagen wie meiner Freundin, blättere ich etwas.

Die handelnden Personen im Buch lassen sich offenbar immer von irgendwelchen Gefühlen treiben. Man erfährt eigentlich zu wenig über wirkliche Gründe. Alles bleibt Spekulation, alle Veränderung wirkt wie Einbahnstraße. Das Buch verleitet, selbst über Pärchen nachzudenken. Ich habe nach meiner Abizeit selbst gerne Pärchen analysiert, nach Zielen gefragt, über das Wohlbefinden der einzelnen Partner nachgedacht. Einmal habe ich das einem Bekannten vorgelegt, worauf dieser meinte: "Japp, das klingt alles schlüssig. Und ich glaube auch nicht, dass Beziehungen immer sonderlich glücklich sind unterm Strich. Aber vielleicht sind die damit zufrieden." Da habe ich mich angefangen, mich in Zurückhaltung zu üben, was andere Pärchen angeht.

Als wir den Rückweg antreten - Rotfront tritt abends für lau im So36 auf-, kommt uns in Form dreier Personen Mia. entgegen. Sagt zumindest meine Freundin. Ich habe nur Augen für die schulterbepolsterten Lilaanzüge, die mir einen Tick zu metrosexuell vorkommen. Die blonde Begleitung ist zu klein, um mir aufzufallen. Kann sein, dass das Mietze war. Oder auch nicht.

Auf dem Rückweg kommen wir am St. Oberholz vorbei, uns verschlägt es aber in Unser Haus am Meer. Meine Freundin klagt seit 2 Tagen über Seitenstechen. Blinddarm, eventuell. Kann sein, meinte Maren. Ich lasse mir das Wlan-Passwort geben und google die 5 typischen Kennzeichen einer Blinddarmentzündung. Ihre Wehwehchen qualifizieren nicht für was mit Blinddarm.

"Wanderschmerz", lese ich vor. "Ja, jetzt, wo du's sagst: im Rücken zieht was!" - "Nee, das soll heißen, der Schmerz wandert zum Blinddarm hin, nicht quer durch den Körper." - "Ach, so."

Ihr geht es schlagartig besser. Und während sie herauszufinden versucht, wer die überbotoxte Frau im roten Kleid auf der anderen Seite ist, und ob sie ihren Begleiter aus dem Fernsehen kennt, lese ich das Buch zu ende.

Das Buch ist zu ende gelesen und verhandelt. Das Ende wird nicht verraten. Wir erfahren mehr über Bens Dreiererfahrung, Jimos Familienplanung und die Eltern der drei Brüder. Soviel sei gesagt.

Was rate ich nun einem potentiellen Leser? Vielleicht das, was man einem zu Berlin auch empfehlen würde: Man sollte es selbst erkunden. Ich halte mich nicht für sonderlich repräsentativ, um dieses Buch geschmacklich genau einzuordnen. Dazu hat man, gerade was Liebe als Thema angeht, doch viel Gepäck immer mit dabei.

Ob dieses Buch was für Sie ist, mein geneigter Leser, müssen sie selbst herauskriegen. Vielleicht haben Sie durch die vorangegangen Zeilen etwas Appetit bekommen.

Wischmeyer, Dietmar und Oliver Welke — Frank Bsirske macht Urlaub auf Krk * Klolektüre (04)

… Deutsche Helden pri­vat , geschrieben teils von Oliv­er Welke, teils von Diet­mar Wis­chmey­er, und daher teils lang­weilend unin­spiri­ert und teils unter­halt­sam bis höch­stamüsant.

Wis­chmey­er hat diese Por­trait­form in der ARD mal vorge­führt, unge­fähr so funk­tion­ieren die guten Por­traits, wenn sich auch die Stilmit­tel ab und an wieder­holen und somit dem Leser bekan­nt vorkom­men.

Ander­er­seits ver­ste­ht es Wis­chmey­er, Promi­nen­te an ihrer Achilles­verse, der Eit­elkeit, zu tre­f­fen und sein Pub­likum mit einem einzi­gen Satz in schal­len­des Gelächter zu ver­set­zen. Wie hier bei Ger­hard Schröder:

Wenn Schröder mor­gens das Bad ver­lässt, dann ist er sicher, dass sein Bild im Spiegel noch minuten­lang ver­har­rt, ehe es erlis­cht.

Den meis­ten Spaß mit dem Schmök­er hat man, wenn man sich ein­ge­le­sen hat und die Beiträge von Welke erken­nen und über­sprin­gen kann. So ist das Buch wegen halb­wegs witzigem Inhalt ein pass­abler Begleit­er auf unserem Don­ner­balken und erhält fol­glich bei ein­er Wer­tung des einen Autors mit zwei und des anderen Autors mit vier von fünf möglichen Klorol­len:

Februar 2017
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