Johler, Jens — Kritik der mörderischen Vernunft

Lau­er Kri­mi wür­de die­sem Schin­ken eher gerecht als die Bezeich­nung Thril­ler. Ein Kil­ler namens Kant macht Jadg auf Gehirn­for­scher. So befür­wor­tenswert die Grund­idee man­chem sein mag, so unin­spi­riert ist die Aus­füh­rung die­ser Geschich­te: Span­nung kommt nicht auf, sprach­lich ist das Buch mau und die Kant-Anspielungen ragen über ein Durch­le­sen der Wikipedia-Artikel zu Kant auch nicht hin­aus — viel­leicht abge­se­hen von dem vor­an­ge­stell­ten, und grob miss­ver­stan­den aus­ge­leg­tem Aus­gangs­zi­tat. Kant ist ein plum­per, nicht intel­li­gen­ter Auf­hän­ger und wähnt den Leser in tie­fe­re Sphä­ren als der Schmö­ker ein­zu­lö­sen ver­mag. Für Kri­mi­al­les­le­ser aller­dings durch­aus geeig­net.
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Altaras Ariana — Doitscha

Die­ses Buch hat mich doch sehr irri­tiert. Es wird von Kri­ti­kern durch­aus gelobt, nur kann ich dem nichts abge­win­nen. Eine jüdi­sche Mut­ter hat ihr Fami­li­en­le­ben, dass von der ener­gi­schen Aus­ein­an­der­set­zung ihres Soh­nes David mit dem müns­ter­län­di­schen Vater geprägt ist, zu orga­ni­sie­ren. Hier­brei tref­fen Tem­pe­ra­ment und Iden­ti­täts­fin­dung auf­ein­an­der.
Es fehlt dem Buch an sprach­li­chem Niveau, wobei es nicht boden­los schlecht for­mu­liert ist, nur eben reiz­arm, nicht erhel­lend, platt. Es ist eine Art Gaby Hau­upt­mann für eine jüdi­sche Prot­ago­nis­tin. Wenn die­se aller­dings jüdisch als gene­tisch ver­erbt betrach­tet und auch sonst jüdisch eher ein Acces­soir als Über­zeu­gung ist, ver­kommt die gan­ze Geschich­te zu Plap­pe­rei.
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Taylor, Kathryn: Colors of love (Bd. 1–5)

So weit mir bekannt ist, ist Kathryn Tay­lor von den vor Ort woh­nen­den Schrift­stel­lern die Ein­zi­ge, die es mal in die Spiegel-Bestsellerliste geschafft hat. Das darf mal genug Grund sein, sich mal ihre Schmö­ker vor­zu­neh­men. Aller­dings wäre mir wohl auch ein ande­rer nicht ein­ge­fal­len.

Die 22-jährige, sexu­ell uner­fah­re­ne Grace, eine Bridget-Jones-Variante, him­melt den hoch­wohl­ge­bo­re­nen Jona­than, einen Mr-Sheffield-Abklatsch, an und ver­wan­delt sich von der nai­ven Jung­frau zum nai­ven Flitt­chen, das sich fragt, ob er es wohl ernst meint. Kost­pro­be?

Im nächs­ten Moment spü­re ich die Fahr­stuhl­wand im Rücken, und sei­ne Hän­de legen sich um mei­ne Brüs­te, strei­chen durch den dün­nen Stoff mei­nes Shirts über die auf­ge­rich­te­ten Nip­pel. Die Berüh­rung schickt Blit­ze in mei­nen Unter­leib, viel inten­si­ver als die in mei­nem Traum, und ich wer­de von einer Wel­le viel zu gewal­ti­ger Emp­fin­dun­gen über­rollt, wäh­rend ich sei­nen Kuss wei­ter fast ver­zwei­felt erwi­de­re. Er ist mir über­le­gen, in jeder Hin­sicht, domi­niert mich, aber genau das erregt mich auf eine nie gekann­te Wei­se. Wie eine Ertrin­ken­de hal­te ich mich an ihm fest und erge­be mich dem Ansturm sei­ner Lip­pen und Hän­de.

Das geht dann vier wei­te­re Bän­de so “pri­ckelnd” wei­ter. Ein auf der Shades-of-Grey-Welle schwim­men­der Haus­frau­en­por­no für Ver­tre­te­rin­nen des weib­li­chen Geschlechts, an denen die Eman­zi­pa­ti­on fol­gen­los vor­bei gegan­gen ist.

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Eggers, Dave — The Circle

Die frisch geba­cke­ne Uni-Abolventin Mae kommt auf Anra­ten ihrer Freun­din bei der größ­ten, Infor­ma­tio­nen sam­meln­den Fir­ma unter. Gleich zu Beginn wird sie herz­lich begrüßt, auf die Wich­tig­keit der Gemein­schaft im Unter­neh­men ein­ge­schwo­ren, wäh­rend man gleich­zei­tig all ihre per­sön­li­chen Infor­ma­tio­nen abgreift, die ver­füg­bar sind. Mae ver­in­ner­licht bereit­wil­lig die Arbeitsat­ti­tü­de mehr und mehr und fällt die Kar­rie­re­lei­ter hoch. Das führt aller­ding zu Pro­ble­men im pri­va­ten Bereich.

Eggers Roman ist eine neu­zeit­li­che Mischung aus Orwells 1984 und Rhu­es Die Wel­le. Lei­der ist das hoch hin­aus wol­len­de, aber geist­lo­se und kli­schee­haf­te Buch strunz­lang­wei­lig gera­ten.

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Schlink, Bernhard — Das Wochenende

Anhän­ger einer ehe­ma­li­gen ter­ro­ris­ti­schen Ver­ei­ni­gung tref­fen sich nach Ent­las­sung ihres Anfüh­rers aus dem Knast für ein Wochen­en­de, des Wie­der­se­hens wegen, des Pla­nens wegen, der Selbst­fin­dung wegen. Irgend­wie hat­te ich die­sen Roman schon län­ger auf dem Schirm, und alles ande­re von Schlink, das ich bis­her nicht gele­sen hat­te, dräng­te es zurück, wäh­rend ich nach Der Vor­le­ser auch nicht unbe­dingt wei­ter Schlink lesen woll­te. Und der Roman ent­täuscht. Die Figu­ren sind blaß, ihre Gedan­ken sim­pel, alle­samt schei­ternd. Das Buch ist weder erhel­lend, noch geist­reich.
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Schulze Gronover, Sabine — Todgeweiht im Münsterland

Ja, Sie ahnen es schon, wir sind bei der Trash-Literatur unter den Müns­ter­land­kri­mis gelan­det:

Tod­ge­weiht im Müns­ter­land ist die wir­re, logik­strot­zen­de Geschich­te um einen Lek­tor, dem eine Daher­ge­lau­fe­ne zuraunt, er wer­de gleich ster­ben, was er ver­trau­ens­voll hin­ter­her­ren­dend erst ein­mal glaubt, dann wird er fast erschos­sen, was sei­ne Beglei­tung belus­ti­gend fin­det, und eine Fami­li­en­mord­ge­schich­te gilt es auch noch zu lösen. Das alle­samt ist albern, meta­phern­über­la­den („Der ein­zi­ge Aus­gang war uns ver­sperrt. Es gab noch zwei völ­lig ver­staub­te klei­ne Fens­ter, die höhn­insch auf uns her­ab­zu­bli­cken schie­nen, denn mit gefes­sel­ten Hän­den gab es kei­ne Mög­lich­keit, die­se Ober­lich­ter zu errei­chen.“) geschrie­ben und nimmt sich zu ernst, als dass es als Trash schon wie­der gut wäre. Und das Müns­ter­land wird auch nur name­drop­pend ver­wen­det. Naja, immer­hin wird hier nicht ver­sucht, fern­seh­for­ma­tig für Unter­hal­tung zu sor­gen.

Aller­dings fehlt der Auto­rin genau das, was dem Roman (Lese­pro­be) fehlt: Ein ver­nünf­ti­ger Lek­tor.

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Fröhlich, Alexandra – Meine russische Schwiegermutter und andere Katastrophen

Was liegt näher, als jeman­dem wie mir, der eine Freun­din mit sowje­ti­schem Hin­ter­grund hat und der ger­ne liest, ein Buch wie Mei­ne rus­si­sche Schwie­ger­mut­ter und ande­re Kata­stro­phen zu schen­ken? Schein­bar nicht viel.

Kurz und gut: Es ist ein ärger­lich däm­li­ches Buch. Es kom­men so blö­de Sät­ze vor wie “Sehr gern dach­te ich und spür­te dem Klang sei­ner Stim­me nach, die durch mei­nen Kör­per rausch­te”. Der müss­te es hei­ßen. Nur noch getoppt von

Wenn ich ihn sah, muss­te ich unwill­kür­lich an eine Sze­ne aus dem Film “Ein Fisch namens Wan­da” den­ken: John Clee­se bringt Jamie Lee Cur­tis fast um den Ver­stand, indem er wäh­rend des Lie­bes­spiels auf Rus­sisch rezi­tiert.

Geschenkt, dass es nicht um die Schau­spie­ler, son­dern um die Rol­len geht. Aber im Film ist ziem­lich klar, dass ein Phan­ta­sie­rus­sisch gespro­chen wird, kein Ech­tes.

Das Buch han­delt von rus­si­schen Kli­schees: Rus­sen sind halt ver­ein­nah­men­de, stump­fe, trink­freu­di­ge Chao­ten und die Gestal­tung des Buches macht klar, das sowas typisch sein soll. Lei­der gewinnt das Buch kein tie­fer­ge­hen­des Niveau, weder sprach­lich noch inhalt­lich. Gaby Haupt­mann im Fahr­was­ser von Maria, ihm schmeckt’s nicht für Leu­te, die über ost­eu­ro­päi­sche Ste­reo­ty­pe kichern wol­len.

Tipp: Bes­ser Ali­na Bron­sky lesen.

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Fröhlich, Axel und Oliver Kuhn — Die große Brocklaus: Das komplett erfundene Lexikon

Die Weih­nachts­zeit endet so lang­sam, Zeit für Geschenk­kri­tik: Woan­ders als Buch des Tages gewür­digt sprang bei mir beim gro­ßen Brock­laus der Fun­ke oder wie man mag die Laus nicht über. 6 oder 7 mal irgend­was ange­le­sen und wegen zu gewoll­ter Lus­tig­keit umge­hend weg­ge­legt. Taugt nicht mal als Klo­lek­tü­re und dem Rezen­sen­ten stim­me ich zu, der schreibt: “Zum Ver­schen­ken nicht geeig­net.”
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Urban, Simon — Plan D

Wenn man mal nach ande­ren Kri­ti­ken zu die­sem Buch Aus­schau hält, stößt man auf ein­hel­lig posi­ti­ve Kri­ti­ken. Die Geschich­te des Buches ist schnell erzählt: Die DDR hat 1989 noch mal die Bie­ge bekom­men und eine Wie­der­be­le­bung erhal­ten. Nun schreibt man das Jahr 2011, Krenz ist Macht­ha­ber, Ange­la Mer­kel heißt nicht Mer­kel son­der Kas­ner und erhält den Physik-Nobelpreis. die Sta­si sta­sit rum wie immer und das Land ist so plei­te wie eh und je. Da wird ein Wis­sen­schaft­ler erhängt an einer inner-DDR-lichen Pipe­line gefun­den — und Ost- und West­po­li­zist ermit­teln. Und — das — war’s an Krea­ti­vi­tät. Nein, mir ist das Buch viel zu viel Bla­bla, es gibt diver­se unheim­lich öde Pas­sa­gen, in denen sich Neben­satz auf Neben­satz drängt, ohne dass es son­der­lich intel­lek­tu­ell zugin­ge. Der Geschich­te fehlt gänz­lich irgend­ei­ne Aus­sa­ge. Die Kri­mi­nal­hand­lung wird so auf­ge­löst, dass jedes Mit­fie­bern obso­let gewe­sen ist. Die sexu­el­len Beschrei­bun­gen sind so plas­tisch wie über­flüs­sig.

Der gan­ze Roman ist nur imi­tier­te Ostal­gie, und das merkt man. Wie­so bei­spiels­wei­se Mer­kel 2011 wie­der Kas­ner hei­ßen soll­te, obwohl sie den Namen Mer­kel auch zu DDR-Zeiten trug, erschließt sich dem Leser nicht und ist nur ein Bruch in der schriftstellerisch-authentischen DDR-Beschreibung. Sah­ra Wagen­knecht taucht als Schau­spie­le­rin auf, Gysi als heim­li­cher Strip­pen­zie­her, Lafon­tai­ne als Kanz­ler des Wes­tens — ober­fläch­li­che Phan­ta­si­en, die schnell ihren Reiz ver­lie­ren. Tat­säch­li­che Beschrei­bun­gen von Wei­ter­ent­wick­lun­gen der DDR- Kul­tur — Fehl­an­zei­ge (wenn man mal von neu­erfun­de­nen DDR-Autos und Han­dys absieht). Alles irgend­wie zu viel Fake — selbst für eine irrea­le Gegen­wart.

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Swann, Leonie – Glennkill

Im fes­ten Vor­satz, mich mehr mit Lite­ra­tur aus­ein­an­der zu set­zen als im ver­gan­ge­nen Jahr, begin­ne ich mal hier­mit die Lese­ecke:

Ich habe mal eine Buch­händ­le­rin mal von einer ent­täu­schen­den Leseer­fah­rung berich­tet und wur­de im Gegen­zug gefragt, ob ich das in Rede ste­hen­de Buch denn zuen­de gele­sen hät­te. Seit­dem las­se ich in mei­ne Kri­tik über Bücher immer ein­flie­ßen, ob ich das Buch wenigs­tens aus­ge­le­sen habe.

Über Glenn­kill, den jah­re­lan­gen Best­sel­ler, ist sicher­lich schon hin­rei­chend viel geschrie­ben und erzählt wor­den. Dass ich es zuen­de gele­sen habe, ist das ein­zig bemer­kens­wer­te. Sprach­lich, was den Span­nungs­bo­gen und Über­ra­schun­gen betrifft, ist der Roman schlicht sehr seicht und nur für schlich­te Gemü­ter zu emp­feh­len. Man hat die Geschich­te schnell ver­ges­sen. In das von Andrea Sawatz­ki gespro­che­ne Hör­buch habe ich rein­ge­hört, und schnell wie­der abge­stellt. Kei­ne Erzähl­stim­me für mei­ne Ohren.

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