Wenn Blogger auf der re:publica nichts mehr zu suchen haben

Dorin Popa ist sau­er. Sau­er über eine anste­hen­de re:publica, die eher für betuch­te Besu­cher gemacht wird. Man kann Frust her­aus­le­sen aus dem, was er da schreibt. Man kann sich auch gegen Kri­tik immu­ni­sie­ren, indem man alles auf den Frust schiebt. Aber schon auf die Kri­tik der dies­jäh­ri­gen Ver­an­stal­tung hat man nicht reagiert. Jetzt wird es bei gleich­blei­bend beschei­de­nem, inhalt­li­chen Niveau grö­ßer, d.h. schwe­rer als Besu­cher zu erfas­sen, und teue­rer.
Man hat sich leicht­fer­tig von den Ursprün­gen ver­ab­schie­det, hat eine Blog­ger­kon­fe­renz zu einer PR-Veranstaltung ver­kom­men las­sen. Dar­über kann man sau­er sein oder es ein­fach nur scha­de fin­den.

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Der Widerstand gegen Stuttgart21 im Netz

Zwar war da viel Geme­cker über die re:publica 11, was größ­ten­teils auf eine gewis­se Groß­spu­rig­keit zurück­zu­füh­ren ist, aber ein paar weni­ge gute Vor­trä­ge waren dabei: Neben dem Global-Voices-Vortrag, dem Gespräch über Infor­ma­ti­ons­frei­heit zäh­le ich auch die­sen dazu: Die Mit­or­ga­ni­sa­to­ren des Pro­tes­tes gegen Stutt­gart 21 erzäh­len davon, wie aktu­el­le Pro­test­kul­tur auf schwä­bi­sche Pro­vinz trifft:

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The world is talking. Are you listening?

Inzwi­schen tru­deln die letz­ten mit­ge­schnit­te­nen Vor­trä­ge der re:publica 2011 ein, die mich grund­sätz­lich nicht begeis­tert hat. Bei die­sem Vor­trag von Sola­na Lar­sen ist das anders: Vor­trags­wei­se, kla­re Spra­che, Gehalt und die durch­aus ver­ständ­li­che Behaup­tung, es gebe eine Pflicht sich für aus­län­di­sche Blogs zu inter­es­sie­ren, erge­ben einen ganz wun­der­ba­ren Vor­trag.

Lar­sen ist Chef­re­dak­teu­rin bei Glo­bal Voices, einer Inter­net­platt­form, die es sich zum Ziel gesetzt hat, Men­schen über­all auf der Welt in Dia­lo­ge über Blogs zu ver­set­zen. Und die Erfol­ge sind beträcht­lich:

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Was ich noch sagen wollte… zu Dina Foxx

Auf der re:publica hat das ZDF neben dem Elek­tri­schen Repor­ter die Internet-Mitmach-Irgendwas-Serie Dina Foxx vor­ge­stellt. Doch nie­mand wuss­te so recht, was das soll. Wäh­rend Mario Six­tus den Elek­tri­schen Repor­ter als sei­nen Schritt in die beruf­li­che Eigen­stän­dig­keit dar­stell­te, hielt sich auch beim danach vor­ge­stell­ten Pro­jekt der Ein­druck, dies sei nicht mehr als eine Arbeits­be­schäf­ti­gungs­maß­ah­me.

Ges­tern spiel­ten Real Madrid und der FC Bar­ce­lo­na um den spa­ni­schen Pokal. Das zeig­te das ZDF. Im Anschluss soll­te eine 50 minü­ti­ge Fol­ge von Dia­na Foxx kom­men, einem inter­ak­ti­ven Kri­mi, der einen Anschluss des Fern­se­hens ans Inter­net her­stel­len soll­te. Pro­du­ziert wird das inner­halb des ZDF von der dor­ti­gen Spar­te des klei­nen Fern­seh­spiels, wobei der Name wohl Pro­gramm ist: Klein und Spiel. Es ist halt blo­ße Unter­hal­tung, zu sehen irgend­wann nach dem in die Ver­län­ge­rung gegan­ge­nen spa­ni­schen Fuß­ball­spiels und irgend­wo auf einem unge­guck­ten ZDF-Spartenkanal.

Die Zuhö­r­er­kri­tik des Vor­stel­lungs­run­de des ZDF war auf der re:publica The­ma ver­feh­lend bis höf­lich: Man wünsch­te dem unbe­geis­tern­den Pro­jekt wohl­wol­lend viel Glück, immer­hin hat­te da jemand Arbeit, frag­te nach der Nach­hal­tig­keit die­ser Pro­duk­ti­on, beschwer­te sich über die Abset­zung der 3sat-Sendung neu­es und wünsch­te sich, dass ZDF-Beiträge län­ger in der Media­thek zu sehen sein soll­te. Kri­tik dar­an, dass hier ein über­flüs­si­ges Pro­gramm pro­du­ziert wird, dass selbst im eige­nen Haus nur zur nach­mit­ter­nächt­li­chen Ver­sen­dung taugt: Fehl­an­zei­ge.

Nun kann man viel­leicht ein­wen­den, dass es sich bei die­sem Pro­jekt eben um ein Kunst­pro­jekt han­delt, dass eben aus einer klei­nen Nische kommt und nur bestimm­te Per­so­nen in ihrem Kunst­emp­fin­gen anspre­chen soll. Aber gera­de als Kunst­pro­jekt ist es durch­ge­fal­len: Das Test­pu­bli­kum der re:publica zeig­te sich weder am eigent­li­chen Film noch an der gewoll­ten Ver­bin­dung zu Inter­net­tech­ni­ken inter­es­siert. Der Grund ist ein­leuch­tend: Inter­net­tech­ni­ken sind Kom­mu­ni­ka­ti­ons­ka­nä­le von Emp­fän­gern, die auch jeder­zeit Sen­der sind. Das ZDF-Projekt posi­tio­niert sich aber eben nur als Sen­der und ist als Emp­fän­ger nicht rezi­pier­bar vor­han­den. Qua­si das Fernseh-Leserpost-Prinzip.

Aber viel­leicht soll­te man so die Öffentlich-Rechtlichen ver­ste­hen: Bestehen­des wird ledig­lich adap­tiert und wie­der­ge­käut. So kann man den Begriff re:publica schließ­lich auch ver­ste­hen. Bloß nichts neu­es.

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Die re:publica — ein Schiff unter falscher Flagge?

Morgenkaffee

Ich sel­ber bin kein gro­ßer Kon­fe­renz­gän­ger, was Inter­net­din­ge betrifft. Ich war bis­her auf zwei oder drei Bar­camps und auf der re:publica. Von dort habe ich mei­ne drei Tage kurz kom­men­tiert, nicht mit einem objek­ti­ven Anspruch, aber eben ent­täuscht. Ent­täuscht vom belang­lo­sen Inhalt und von kaum einem inter­res­san­ten, sprich: inspi­rie­ren­den Gesprä­chen. Dafür viel Marketing-Blabla, Wich­tig­keits­ge­tue, Ver­schlos­sen­heit, Abfil­me­rei­en, Abschot­tun­gen, Gedrän­ge und Hek­tik. In die­ser Kon­zen­tra­ti­on hat mich das über­rascht.

Ich hat­te dar­an gedacht, noch eine Gene­ral­ab­rech­nung zu schrei­ben, wenn man ein paar Tage spä­ter run­ter­ge­kom­men ist, und Zeit hat­te, Sachen wie den Dueck-Vortrag zu sehen, den ich ver­passt habe. Aber hin­ter­her blieb der Ein­druck: Hier ist trotz gro­ßen Ein­sat­zes unheim­lich viel unter den Mög­lich­kei­ten geblie­ben.

Eini­ge nen­nen die re:publica Klas­sen­tref­fen. Dass da eine Klas­se ist, die sich trifft, wür­de mei­ne Zustim­mung tref­fen. Das wur­de ja im ers­ten Stock durch den abge­grenz­ten Bereich auch noch sicht­lich gekenn­zeich­net. Wer sich die­ser Klassen-Logik nicht füg­te, rann­te im Fried­richs­stadt­pa­last rum wie Falsch­geld oder kam gar nicht erst, weil es zu weit weg oder zu teu­er war oder man schlicht arbei­ten muss­te. Ich für mei­nen Teil habe eini­ge Leu­te irgend­wann erken­nen kön­nen, die ich dann aber nicht ansprang, weil ich ein “Hihihi, ich kenn dich” für bei­de Sei­ten als wenig erquick­lich befand. Dafür kam ich zufäl­lig mit irgend­wem ins Gespräch, was auch sei­nen Reiz hat­te, aber bei andau­ern­dem Loka­li­tä­ten­wech­sel auch kei­ne leich­te Sache dar­stellt.

Wie sich das bei Leu­ten anhört, denen der­ar­ti­ge Kon­fe­ren­zen geläu­fi­ger sind, als mir, liest man bei Till­mann All­mer:

Wenn man sich die Zeit genom­men hät­te, auf der re:publica nicht selbst­ver­gnügt die immer­glei­chen Gesich­ter Icons zu grü­ßen, dann hät­te man viel­leicht gese­hen, wie vie­le Besu­cher auf der re:publica waren, die sich mit der Mate­rie aus­ein­an­der­setz­ten wol­len, aber irgend­wie ver­las­sen in der Ecke stan­den. Ver­las­sen, weil der immer grö­ßer wer­den­de enge Kreis so sehr mit sich selbst beschäf­tigt war. Das fand ich übri­gens sehr sym­pto­ma­tisch schon auf re:publicas ver­gan­ge­ner Jah­re. Dar­an ist aber übri­gens nicht die re:publica schuld. […] Es könn­te näm­lich sein, dass wir in unse­ren Blogs und auf unse­ren Soci­al Media Ver­an­stal­tun­gen einen gleich­sam abge­ho­be­nen wie ver­al­te­ten Netz­dis­kurs von 2001 pfle­gen, der da drau­ßen schon lan­ge kei­ne Reso­nanz mehr fin­det.

Wie bei Cas­chy ist das eine eher lei­se Kri­tik. Ich sel­ber ken­ne den Netz­dis­kurs nicht, dar­über kann ich níchts sagen. Ich mei­ne nur: Die re:publica 11 war sowas wie ein Abteilungsleiter-Treffen, aber eben kei­ne für Deutsch­land reprä­sen­ta­ti­ve Kon­fe­renz von (koope­ra­ti­ven) Blog­gern. Und das ist bei allen Anstren­gun­gen, die das Orga­ni­sie­ren so einer Groß­ver­an­stal­tung mit sich bringt, sehr scha­de.

Sowas könn­te sie sein, und mit ein paar Ände­run­gen im Auf­bau die­ser Kon­fe­renz könn­te man das umset­zen. Es scheint mir aber im Bestre­ben, noch wei­ter zu expan­die­ren, was die Besu­cher­zahl betrifft, unter­zu­ge­hen.

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Was ich noch sagen wollte zum… Bashing der Digitalen Gesellschaft durch Carta.info

Ich woll­te nichts drü­ber schrei­ben, wirk­lich nicht. Aber so lang­sam soll­te man wohl selbst als Nicht­zu­stim­men­der die­ser Initia­ti­ve der Initi­ta­ti­ve Rücken­de­ckung geben. Was ist über­haupt auf der re:publica pas­siert, dass da gera­de in der Blog­ger­land­schaft ein sol­cher Sturm vor­herrscht?

In Per­son von Mar­kus Becke­dahl ist ein etwas geheim­nis­krä­me­ri­sches Pro­jekt in der Eröff­nungs­ver­an­stal­tung der re:publica vor­ge­stellt wor­den, das einen Ver­ein vor­sieht, der als eine Art Lob­by­grup­pe die Inter­es­sen von Inter­net­nut­zern gegen­über ande­ren Lob­by­grup­pen ver­tre­ten möch­te. Dahin­ter steht wohl eine gewis­se Ent­täu­schung über Par­tei­po­li­tik, so wie sie der­zeit in Deutsch­land vor­herrscht. Die wür­de ich auch tei­len. Hier ist also die Fra­ge auf­ge­stellt: Gibt es eine Alter­na­ti­ve zu her­kömm­li­cher Par­tei­po­li­tik? Die Ant­wort aus Rich­tung netzpolitik.org ist, dass eine der­ar­ti­ge Lob­by­ar­beit für ein­zel­ne The­ma­ti­ken sinn­voll ist, sofern für die Ein­zel­ak­tio­nen eine gute Trans­pa­renz besteht.

Der ers­te Sturm der Kri­tik besag­te, dass es doch eine Anma­ßung sei, wenn man in Ber­lin wie auf einer Kaf­fee­fahrt auf­tre­te und die Besu­cher der re:publica als reprä­sen­ta­ti­ve Inter­net­ge­mein­de anspre­che und als sol­che unter den Dach­ver­band Digi­ta­le Gesell­schaft unter­brin­gen woll­te. Dass die­se Kri­tik die Netzpolitik.org-er so über­rascht hat, zeugt nicht gera­de von einer guten Vor­be­rei­tung auf das erwart­ba­re Feed­back von ange­spro­che­nen Inter­net­nut­zern.

Aber ehr­lich gesagt: Mehr pas­sen­de Kri­tik ist da auch nicht. Man darf in Deutsch­land Ver­ei­ne mit bestimm­ten, abseg­nen­ba­ren Zie­len und Namen grün­den. Und dafür darf man auch wer­ben. Auch auf den selbst­or­ga­ni­sier­ten Ver­an­stal­tun­gen. Man darf das so naiv machen, wie es in Ber­lin rüber gekom­men ist, soll­te sich dann aber nicht über die belä­cheln­den Bli­cke wun­dern: Die Zuhö­rer ab einem gewis­sen kri­ti­schen Niveau kriegt man so nicht.

Aber die­se aggres­si­ve Kam­pa­gne, wie sie carta.info gera­de vom Sta­pel lässt, ist in ihrer der­zei­ti­gen Form schon bemer­kens­wert:

Erst lässt man da unter dem Deck­man­tel der Dis­kus­si­ons­viel­falt dem CDU-MdB Peter Tau­ber Platz für eine Mei­nungs­äu­ße­rung, die sach­lich klin­gen soll, aber letz­ten Endes in ätzen­der Pole­mik ertrinkt:

Schon in den Sit­zun­gen der Enquete-Kommission wur­de deut­lich, dass die „Eli­te“ um Mar­kus Becke­dahl gar kei­ne Lust hat, das eigent­li­che Ziel zu errei­chen, näm­lich brei­te gesell­schaft­li­che Krei­se für das The­ma Netz­po­li­tik zu begeis­tern. Man kocht lie­ber ein eige­nes Süpp­chen und hofft viel­leicht auf den einen oder ande­ren Talk­showauf­tritt.

Mei­nungs­viel­falt ist gut und schön. Aber Carta.info insturmen­ta­li­siert sich hier für reins­te Dem­ago­gie. Wei­ter geht es dann mit Ste­fan Rosin­ski:

Da ist es wie­der: das Ver­eins­we­sen, auf das sich „gene­sen“ so wun­der­bar reimt und in dem sich die Deut­schen seit jeher ihren Staat im Staa­te eröff­nen kön­nen – aller­dings als eine Form der Gemein­schafts­bil­dung, deren Regel­werk mit dem aggres­si­ven Roman­ti­zis­mus Carl Schmitts mehr zu tun hat als mit Hegels (der Gesell­schaft abs­trakt gegen­über­ste­hen­den) „Not- und Ver­stan­des­staat“.

Toll. Herr Rosin­ski hat Hegel und Carl Schmitt gele­sen. Aber das Lesen hat bei Rosin­ski nur zu Name­drop­ping geführt. Man kann da oben auch von der Aggres­si­vi­tät der Teletubbies gegen über der von Bernd, das Brot, reden. Da kommt der­sel­be Sinn raus. Oder Rosin­ski möch­te, dass man den moder­nen Staat an Hegel als Ide­al aus­rich­tet.

Um es mit dem Sozio­lo­gen Dirk Baecker zu sagen: „Eine Kul­tur stellt Inter­pre­ta­ti­ons­spiel­räu­me zur Ver­fü­gung, ein Gedächt­nis der Gesell­schaft mit Blick auf eine offe­ne Zukunft.“ Dabei funk­tio­niert sie durch­aus gespal­ten: Sie setzt einer­seits alle Prak­ti­ken der Gesell­schaft kon­tin­gent (also rela­tiv) und ver­wischt gleich­zei­tig das Ange­bot durch kon­tin­genz­kom­pen­sie­ren­de Wer­te. Wo die­ses Gleich­ge­wicht wankt, weil die Insis­tenz auf den Wer­te­ka­non steigt, schwin­den die Spiel­räu­me, und aus der Kul­tur einer Gesell­schaft wird die Uni­for­mi­tät einer Gemein­schaft.

Ja, ich ärge­re mich auch jeden Mor­gen nach dem Auf­ste­hen über die­ses ver­wisch­te Ange­bot kon­ti­genz­kom­pen­sie­ren­der Wer­te. Dann setz­te ich mei­ne Prak­ti­ken wie­der auf nicht-kontingent und dann geht’s wie­der. Wer sol­che Sät­ze schreibt, der will nicht auf­klä­ren, nur auf dicke Hose machen. In die­sem Fall eben mit auf­ge­bläh­ter Wis­sen­schaft­lich­keits­si­mu­la­ti­on.

Robin Meyer-Lucht meint dann, so ein biss­chen kann man noch wei­ter auf der Bashing-Welle gegen die Digi­ta­le Gesell­schaft Tritt­brett fah­ren, und schreibt:

Popu­lis­mus wäre noch das Gerings­te, was man so einer Posi­ti­on vor­hal­ten könn­te. Sie ist auf fata­le Wei­se blind dafür, dass es im poli­ti­schen Pro­zess nicht dar­um geht, allein die Nut­zer­inter­es­sen zu maxi­mie­ren. Es geht dar­um das All­ge­mein­in­ter­es­se zu maxi­mie­ren. Im All­ge­mein­in­ter­es­se sind ziel­ge­naue und effi­zi­en­te Regel­sys­te­me, die gesell­schaft­li­che Gesamt­wohl­fahrt stei­gern, gesell­schaft­li­che Zie­le errei­chen und dabei für einen Inter­es­sen­aus­gleich sor­gen. Die Inter­es­sen der Nut­zer sind dabei ein wich­ti­ger Fak­tor aber nicht der allei­ni­ge.

Fatal. WIR WERDEN ALLE STERBEN! Das, wor­über Meyer-Lucht schreibt, ist der plum­pe Uti­li­ta­ris­mus, und der herrscht ja gera­de nicht vor in Deutsch­land. Dane­ben zeigt sich Meyer-Lucht unfä­hig genau das her­aus­zu­he­ben, was er eigent­lich sagen möch­te: Denn wie­so ist denn das All­ge­mein­in­ter­es­se nicht das Nut­zer­inter­es­se? So wie er da steht, ist der Satz hohl.

Aber okay, immer­hin lachen konn­te man zum Schluß des Arti­kels:

An der­ar­ti­ger Kom­ple­xi­tät von gesell­schaft­li­chen Rege­lungs­sys­te­men aber scheint die “Digi­ta­le Gesell­schaft” kaum inter­es­siert. Sie macht lie­ber die Inter­es­sen ande­rer lächer­lich (“Wirt­schafts­lob­by­is­ten”) und insze­niert sich als Sprach­rohr. Das ARD-Nachtmagazin geht dem fata­ler­wei­se auch noch auf den Leim.

Fatal. WIR WERDEN ALLE STERBEN! Dass Meyer-Lucht das für kom­plex hält, was er da geschrie­ben hat, fin­de ich den eigent­li­chen Brül­ler.

Nein, nein. Natür­lich wirkt der Auf­trit die­ses neu­en Ver­eins etwas naiv. Wer sich aber über den Namen auf­regt, soll­te sich auch dar­über auf­re­gen, dass sich die FDP frei­heit­lich nennt, ob wohl sie nur das für frei erklä­ren, was sie gut fin­den. Man soll­te aber zuge­ste­hen, dass bei Netz­po­li­tik als poli­ti­schem The­ma die Lat­te ein gewis­ses Höhe schon erreicht hat. Und bei Carta.info ist die Lat­te nur des­we­gen nicht geris­sen, weil man unter der Lat­te her gekrab­belt ist.

Was man zur Digi­ta­len Gesell­schaft viel­leicht noch sagen soll­te: Man muss mit­ein­be­zie­hen, dass die­ses Pro­jekt als kri­ti­sche Reak­ti­on auf das So-sein der heu­ti­gen Poli­tik gese­hen wird. Daher wäre es also kein sinn­vol­ler Schritt, als Par­tei­po­li­ti­ker dem aktu­el­len poli­ti­schen Sys­tem zu fol­gen, son­dern ent­we­der sich gegen das Sys­tem zu stel­len oder auf ande­re Wei­se poli­tisch zu agie­ren, sofern die­se Wei­se poli­tisch legi­tim ist. Sinn­vol­le Kri­tik an den Machern der Digi­ta­len Gesell­schaft soll­te also ent­we­der eine Ver­tei­di­gung des Par­tei­en­sys­tems in Deutsch­land als poli­ti­schem Sys­tem sein oder die Ein­schät­zung, man sol­le sich gegen die­ses Sys­tem stel­len.

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Caschy über die re:publica

Lei­der habe ich Cars­ten Kno­bloch auf der re:publica ver­passt, aber fol­gen­des Video ent­schä­digt mich dann doch etwas.

Wenn ich das mal kurz her­aus­he­ben darf:

Die Gesell­schaft ist “Das Inter­net”. Die Leu­te drau­ßen müs­sen halt ein­fach ler­nen damit umzu­ge­hen. Und letz­ten Endes sind wir es, die das Inter­net den Leu­ten drau­ßen greif­bar (machen) und erklä­ren müs­sen.

Das ist schon put­zig: Da zicken sich die Ber­li­ner Blog­ger über Becke­dahls Ver­ein Digi­ta­le Gesell­schaft nör­gelnd einen zurecht von “Mir hat kei­ner was gesagt” bis “Der Name ist arro­gant, aber viel­leicht wird’s ja was” und Cas­chy sitzt da wun­der­voll sym­bol­träch­tig auf der unters­ten Ebe­ne des Fried­rich­stadt­pa­las­tes und haut unauf­ge­regt mal eben genau die drei Argu­men­te raus, die einen sol­chen Ver­ein obso­let machen. Tou­ché.

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re:publica Tag 3

Morgenkaffee

So, letz­ter Tag der re:publica. Es wäre mir irgend­wie ganz neu, dass ein drit­ter Tag die vor­he­ri­gen ver­ges­sen macht.

10.00 Uhr Fünf Jah­re Infor­ma­ti­ons­frei­heit
Nach vor­ne und umge­zo­ge­ne Dis­kus­si­on, die unge­wöh­lich infor­ma­tiv ist. Man merkt: Unter­hal­tun­gen auf der Büh­ne funk­tio­nie­ren ver­gleichs­wei­se wesent­lich schlech­ter in der Kalk­scheu­ne.
12.00 Uhr Der Wider­stand gegen S21 im Netz
Was sich zunächst wie ein sehr gewoll­tes, abge­stan­de­nes The­ma anhört, ent­puppt sich als inter­es­san­ter Blick in die Geburts­stun­de des Schwa­ben­pro­tests. Fra­ge aus dem Publi­kum: Wie habt ihr es hin­be­kom­men, dass die Aktio­nen gewalt­frei blie­ben? Ant­wort: Wir hat­ten über­haupt kei­ne Ahnung, wie man pro­tes­tiert. Und so erzähl­ten sie, wie sie sitz­blo­cka­den geübt haben und wie es unter­schied­li­che Pro­tes­tie­ren­den­for­men gab.
14.00 Uhr Wie wird man zum local hero?
Fra­gen wir das die­je­ni­gen, die außer regenbsburg-digital.de eben genau kei­ne local heros sind: Fud­der, die schlich­te Zei­tungs­sei­te RP-Online.de und die wohl immer noch die Tex­ter nicht bezah­len­den Prenz­lau­er Berg Nach­rich­ten. Fra­gen wir nicht tat­säch­li­che local heros wie Rou­ven von Bie­le­felds Wes­ten, den Duesseldorf-Blog.de oder die Rai­ner­sche Post.
15.00 Uhr Die Zukunft des Inter­nets, der Welt und des gan­zen Rests
End­lich schö­nes Wet­ter in Ber­lin.
16.00 Uhr 10 Jah­re Blogs in Deutsch­land
Selbst­re­fe­ren­zie­ren für Fort­ge­schrit­te­ne fort­ge­schrit­te­nen Alters
17.00 Uhr Icons
Kaf­fee­satz­le­se­rei­en mit (Über­ra­schung!) Icons.
18.00 Uhr Was hat das Inter­net je für uns getan?
Spree­blick­ku­scheln.

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re:publica Tag 2

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Es bleibt eine der schwächs­ten re:publicas: Das Kon­zept erscheint aus­ge­lutscht, die Vor­trä­ge sind meist dünn oder aus dem Rah­men fal­lend. Es gibt kein eigent­li­ches The­ma, kei­ne neu­en Ide­en, kein A-Blogger hält einen Vor­trag, kaum inter­es­sier­te Fra­gen zu Vor­trä­gen, nur über­füll­te Räu­me, viel PR, Fil­me­rei­en und Selbst­be­weih­räu­che­rung. Als ob man einem Trend nach­hängt, der sei­ne bes­ten Zei­ten hin­ter sich hat. Aka-aki lässt grü­ßen.

10.00 Uhr Wake the blog
Die Spre­che­rin­nen haben eine WDR-Sendung gese­hen, reg­ten sich dar­über auf und mei­nen, dass die digi­ta­le Gesell­schaft eine PR-Strategie brau­che. Nach­dem man dann auch noch begin­nen woll­te zu defi­nie­ren, was Spra­che ist, habe ich das Wei­te gesucht.
11.00 Uhr Wir sind die Urhe­ber
Till Kreut­zer erklärt Gedan­ken sei­ner Pro­mo­ti­ons­ar­beit, dass aber so pla­ka­tiv, das nichts als eine halb­ga­re, letzt­lich nicht über­zeu­gen­de Mei­nung übrig bleibt.
12.00 Uhr Lob­by­ing the Euro­pean Par­lia­ment
Hier wur­de kei­ne ver­ständ­li­che Gesamt­ein­füh­rung ins Lob­by­tum des Euro­päi­schen Par­la­ments gege­ben, ledig­lich ein eige­ner Fall. Ich muss aber zuge­ben, dass ich nicht ins The­ma ein­ge­stie­gen bin. Ich zog vor, um
12.20 Uhr Open­leaks
wenigs­tens aus­zugs­wei­se anzu­hö­ren. Da ich Domscheidt-Berg schon gele­sen habe und das The­ma Open­leaks kei­ne Neu­hei­ten erbrach­te, auch nur so eine So-lala-Veranstaltung.
12.35 Uhr flattr
Flattr-Gründer Sün­de foto­gra­fier­te anfangs die Zuschau­er, um aus­zu­drü­cken, wie blöd er es fin­det, beim Vor­trag foto­gra­fiert zu wer­den. Irgend­wie eine Gaga-Aktion, wenn zwei Film­ka­me­ras sei­nen Vor­trag abfil­men. Flattr selbst soll künf­tig weit­ver­brei­te­ter ein­ge­setzt wer­den kön­nen. Ob das als Anreiz zur Benut­zung aus­reicht, wage ich zu bezwei­feln.
14.00 Uhr Lea­king trans­pa­ran­cy
Geball­te Kom­pe­tenz um Mode­ra­tor Jakob Aug­stein: Peter Schaar, Lutz Hach­meis­ter, Horst Pöt­ker und Dani­el Domscheidt-Berg reden über Jou­ra­lis­mus, Lea­ken und den hei­ßen Brei. Oder was immer der Titel besa­gen soll­te.
15.00 Uhr Media and Demo­cra­ti­sa­ti­on in Afri­ca
Adam Tho­mas und Jörn Schultz erzäh­len von ihren Blog-, PodCast- und ande­ren Pro­jek­ten in Afri­ka. Die Inter­net­tech­ni­ken als erfolg­rei­che Auf­klä­rungs­werk­zeu­ge.
In der Zwi­schen­zeit ist Rena­te Küh­nast ange­kom­men und hält sich an Ver­kaufs­ti­schen auf wie auf einem Advents­ba­sar. Über­flüs­sigs­ter Auf­tritt der gan­zen re:publica. Wäh­rend­des­sen ver­wick­le ich einen der Vor­tra­gen­den in ein Gespräch, das weder mich noch ihn begeis­tert. Schnell wei­ter, nicht jede Kom­mu­ni­ka­ti­on funk­tio­niert.
16.00 Uhr Blogger_innen im Gespräch
Ich kam etwas spä­ter, konn­te aber immer­hin noch mit­be­kom­men, wie die tau­be Blog­ge­rin Julia Probst die Ges­ti­ken für Mer­kel, Wes­ter­wel­le und beson­ders Gut­ten­berg vor­mach­te. Größ­ter Lacher des Tages. Außer­dem beschwer­te sich Probst, dass Tau­be bald 6€ GEZ zah­len sol­len, auch wenn bspw. beim ZDF gera­de mal 10% der Sen­dun­gen unter­ti­telt sei­en. Man­che nicht­ge­han­di­cap­te Blog­ger soll­ten sich bei Probst mal was abschau­en: Das war ein uner­hört guter Auf­tritt, klar im The­ma und genau im Aus­druck. Ein Licht­blick. Probst elek­tri­siert das Publi­kum, der Fun­ke springt über, das wur­de aber auch Zeit. Nach ihr noch Gut­jahr und eine femi­nis­ti­sche Blog­ge­rin auf die Büh­ne, aber nach dem vor­her­ge­hen­den Inter­view­hö­he­punkt bannt das kei­nen mehr so rich­tig.
17.00 Uhr Über­mor­gen TV
Die Internet-Nische des ZDF war mit gro­ßem Bohei ange­reist und prä­sen­tier­te den Elek­tri­schen Repor­ter und Don­na Foxx, ein über­flüs­si­ges Online-Krimispiel ohne wei­te­ren Nähr­wert. Dafür durf­te man sich fra­gen las­sen, ob das Gan­ze eine Bewer­bungs­ver­an­stal­tung fürs ZDF gewe­sen sein soll.
18.00 Uhr How femi­nist digi­tal activism is like the cli­to­ris
Nur kurz rein­ge­schaut. Soweit ich das ver­stan­den habe, wur­de die Kli­to­ris sehr anschau­lich behan­delt. Man kann Meta­phern auch über­stra­pat­zie­ren.
19.00 Uhr “Der Bericht ist total ein­sei­tig und mies recher­chiert“
Eine Dame von extra3 und Deef vom quer-blog erläu­tern ihre Blog­pro­jek­te der bei­den Fern­seh­sen­dun­gen. Der Vor­teil des Vor­trags ist, dass sie auf lus­ti­ge TV-Einspieler zurück­grei­fen kön­nen, wobei die­ser irgend­wie so gar nicht auf das Humor­zen­trum der Anwe­sen­den traf. Wor­über man auf der re:publica lacht, wun­der­te spä­ter aber eh noch wen anders. Im Verl­geich zur ZDF-Präsentation etwas weni­ger Zuhö­rer, dafür kei­ne tie­fer­ge­hen­de Kri­tik.
20.00 Uhr Twit­ter­le­sung | Roy­al Revue
Twit­ter­le­sung wie üblich: Ber­lin ist so geil, dass alles ande­re Pro­vinz ist, hoch21-Tweets, eige­ne Tweets, Gezi­cke und Gelang­wei­le auf der Büh­ne. Jakob Aug­stein als Star des Abends wun­dert sich ans Publi­kum gerich­tet, dass es sehr leicht mit Klo­s­prü­chen zufrie­den zu stel­len sei.
In der Kalk­scheu­ne legt Herm auf und Bokel­berg hib­belt sich einen.
Die re:publica in der Tages­schau? Wir müs­sen reden, Tages­schau.

Spre­cher des Tages
Jakob Aug­stein. Mach­te als sou­ve­rä­ner Mode­ra­tor einen humor­vol­len, inter­es­sier­ten und sprach­lich anspre­chen­den Ein­druck. War dann bei der Twit­ter­le­sung von der Qua­li­tät der Ver­an­stal­tung etwas über­rascht und blieb die­ser gegen­über etwas distan­ziert. Zurecht. Aber das hät­te er vor­her wis­sen kön­nen.

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Guten Morgen

Morgenkaffee

Zwei­ter Tag der re:publica. Das Wet­ter ist düs­ter, aber es reg­net nicht, wahr­schein­lich noch nicht.

Ges­tern hat gen Abend Sascha Lobo noch sei­nen krach­le­der­nen Vor­trag über Troll­for­schung gehal­ten, den ich wegen spon­ta­ner Ermü­dung schnell ver­las­sen habe. Aber immer­hin scheint er ja eini­ge Zuhö­rer zu geis­ti­ger Akti­vi­tät beflü­gelt zu haben wie Johan­nes Schnei­der vom Tages­spie­gel:

Lobo selbst erscheint in die­sem Moment als Fik­ti­on eines popu­lär­wis­sen­schaft­li­chen Ich, dem die Kate­go­ri­en selbst für popu­lär­wis­sen­schaft­li­che Ver­hält­nis­se unfass­bar ent­glei­ten

Die FDP will den Kampf gegen den Zei­ber­wor auf­neh­men.

Patrick Beuth hat ein sehr net­tes, klei­nes Por­trait von Mar­kus Becke­dahl geschrie­ben, lei­der auch etwas kri­tik­los.

Die Bun­des­re­gie­rung weist liby­sche, und ich sage wei­ter­hin lübi­sche, Diplo­ma­ten wegen Drucks auf Stu­den­ten aus.

Und wäh­rend ich mir die Fra­ge stel­le: Kann man nicht auch mal deut­sche Poli­ti­ker wegen Drucks auf Stu­den­ten aus­wei­sen? hole ich mir erst­mal noch einen Kaf­fee.

[ Foto: Luc van Gent ]

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