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Wenn Blogger auf der re:publica nichts mehr zu suchen haben

Dor­in Popa ist sauer. Sauer über eine anste­hen­de re:publica, die eher für betuchte Besucher gemacht wird. Man kann Frust her­ausle­sen aus dem, was er da schreibt. Man kann sich auch gegen Kri­tik immu­nisieren, indem man alles auf den Frust schiebt. Aber schon auf die Kri­tik der diesjähri­gen Ver­anstal­tung hat man nicht reagiert. Jet­zt wird es bei gle­ich­bleibend beschei­den­em, inhaltlichen Niveau größer, d.h. schw­er­er als Besucher zu erfassen, und teuer­er.
Man hat sich leicht­fer­tig von den Ursprün­gen ver­ab­schiedet, hat eine Blog­gerkon­ferenz zu ein­er PR-Ver­anstal­tung verkom­men lassen. Darüber kann man sauer sein oder es ein­fach nur schade find­en.

Der Widerstand gegen Stuttgart21 im Netz

Zwar war da viel Gemeck­er über die re:publica 11, was größ­ten­teils auf eine gewis­se Großspurigkeit zurück­zuführen ist, aber ein paar wenige gute Vorträge waren dabei: Neben dem Glob­al-Voic­es-Vor­trag, dem Gespräch über Infor­ma­tions­frei­heit zäh­le ich auch diesen dazu: Die Mitor­gan­isatoren des Protestes gegen Stuttgart 21 erzäh­len davon, wie aktuelle Protestkul­tur auf schwäbis­che Prov­inz trifft:

The world is talking. Are you listening?

Inzwis­chen trudeln die let­zten mit­geschnit­te­nen Vorträge der re:publica 2011 ein, die mich grund­sät­zlich nicht begeis­tert hat. Bei diesem Vor­trag von Solana Larsen ist das anders: Vor­tragsweise, klare Sprache, Gehalt und die dur­chaus ver­ständliche Behaup­tung, es gebe eine Pflicht sich für aus­ländis­che Blogs zu inter­essieren, ergeben einen ganz wun­der­baren Vor­trag.

Larsen ist Chefredak­teur­in bei Glob­al Voic­es, ein­er Inter­net­plat­tform, die es sich zum Ziel geset­zt hat, Men­schen über­all auf der Welt in Dialo­ge über Blogs zu ver­set­zen. Und die Erfol­ge sind beträchtlich: 

Was ich noch sagen wollte… zu Dina Foxx

Auf der re:publica hat das ZDF neben dem Elek­trischen Reporter die Inter­net-Mit­mach-Irgend­was-Serie Dina Foxx vorgestellt. Doch nie­mand wusste so recht, was das soll. Während Mar­io Six­tus den Elek­trischen Reporter als seinen Schritt in die beru­fliche Eigen­ständigkeit darstell­te, hielt sich auch beim danach vorgestell­ten Pro­jekt der Ein­druck, dies sei nicht mehr als eine Arbeits­beschäf­ti­gungs­maßah­me.

Gestern spiel­ten Real Madrid und der FC Barcelona um den spanis­chen Pokal. Das zeigte das ZDF. Im Anschluss soll­te eine 50 minütige Fol­ge von Diana Foxx kom­men, einem inter­ak­tiven Krimi, der einen Anschluss des Fernse­hens ans Inter­net her­stel­len soll­te. Pro­duziert wird das inner­halb des ZDF von der dor­ti­gen Sparte des kleinen Fernsehspiels, wobei der Name wohl Pro­gramm ist: Klein und Spiel. Es ist halt bloße Unter­hal­tung, zu sehen irgend­wann nach dem in die Ver­längerung gegan­genen spanis­chen Fußball­spiels und irgend­wo auf einem ungeguck­ten ZDF-Spartenkanal.

Die Zuhör­erkri­tik des Vorstel­lungsrun­de des ZDF war auf der re:publica The­ma ver­fehlend bis höflich: Man wün­schte dem unbegeis­tern­den Pro­jekt wohlwol­lend viel Glück, immer­hin hat­te da jemand Arbeit, fragte nach der Nach­haltigkeit dieser Pro­duk­tion, beschw­erte sich über die Abset­zung der 3sat-Sendung neues und wün­schte sich, dass ZDF-Beiträge länger in der Mediathek zu sehen sein soll­te. Kri­tik daran, dass hier ein über­flüs­siges Pro­gramm pro­duziert wird, dass selb­st im eige­nen Haus nur zur nach­mit­ternächtlichen Versendung taugt: Fehlanzeige.

Nun kann man vielle­icht ein­wen­den, dass es sich bei diesem Pro­jekt eben um ein Kun­st­pro­jekt han­delt, dass eben aus ein­er kleinen Nis­che kommt und nur bes­timmte Per­so­n­en in ihrem Kun­stempfin­gen ansprechen soll. Aber ger­ade als Kun­st­pro­jekt ist es durchge­fal­l­en: Das Test­pub­likum der re:publica zeigte sich wed­er am eigentlichen Film noch an der gewoll­ten Verbindung zu Inter­net­tech­niken inter­essiert. Der Grund ist ein­leuch­t­end: Inter­net­tech­niken sind Kom­mu­nika­tion­skanäle von Empfängern, die auch jed­erzeit Sender sind. Das ZDF-Pro­jekt posi­tion­iert sich aber eben nur als Sender und ist als Empfänger nicht rezip­ier­bar vorhan­den. Qua­si das Fernseh-Leser­post-Prinzip.

Aber vielle­icht soll­te man so die Öffentlich-Rechtlichen ver­ste­hen: Beste­hen­des wird lediglich adap­tiert und wiedergekäut. So kann man den Begriff re:publica schließlich auch ver­ste­hen. Bloß nichts neues.

Die re:publica — ein Schiff unter falscher Flagge?

Morgenkaffee

Ich sel­ber bin kein großer Kon­feren­zgänger, was Inter­net­dinge bet­rifft. Ich war bish­er auf zwei oder drei Bar­camps und auf der re:publica. Von dort habe ich meine drei Tage kurz kom­men­tiert, nicht mit einem objek­tiven Anspruch, aber eben ent­täuscht. Ent­täuscht vom belan­glosen Inhalt und von kaum einem inter­res­san­ten, sprich: inspiri­eren­den Gesprächen. Dafür viel Mar­ket­ing-Blabla, Wichtigkeits­getue, Ver­schlossen­heit, Abfilmereien, Abschot­tun­gen, Gedränge und Hek­tik. In dieser Konzen­tra­tion hat mich das über­rascht.

Ich hat­te daran gedacht, noch eine Gen­er­al­abrech­nung zu schreiben, wenn man ein paar Tage später run­tergekom­men ist, und Zeit hat­te, Sachen wie den Dueck-Vor­trag zu sehen, den ich ver­passt habe. Aber hin­ter­her blieb der Ein­druck: Hier ist trotz großen Ein­satzes unheim­lich viel unter den Möglichkeit­en geblieben. 

Einige nen­nen die re:publica Klassen­tr­e­f­fen. Dass da eine Klasse ist, die sich trifft, würde meine Zus­tim­mung tre­f­fen. Das wur­de ja im ersten Stock durch den abge­gren­zten Bere­ich auch noch sichtlich gekennze­ich­net. Wer sich dieser Klassen-Logik nicht fügte, ran­nte im Friedrichsstadt­palast rum wie Falschgeld oder kam gar nicht erst, weil es zu weit weg oder zu teuer war oder man schlicht arbeit­en musste. Ich für meinen Teil habe einige Leute irgend­wann erken­nen kön­nen, die ich dann aber nicht ansprang, weil ich ein “Hihi­hi, ich kenn dich” für bei­de Seit­en als wenig erquick­lich befand. Dafür kam ich zufäl­lig mit irgendwem ins Gespräch, was auch seinen Reiz hat­te, aber bei andauern­dem Lokalitäten­wech­sel auch keine leichte Sache darstellt.

Wie sich das bei Leuten anhört, denen der­ar­tige Kon­feren­zen geläu­figer sind, als mir, liest man bei Till­mann Allmer:

Wenn man sich die Zeit genom­men hät­te, auf der re:publica nicht selb­stvergnügt die immer­gle­ichen Gesichter Icons zu grüßen, dann hät­te man vielle­icht gese­hen, wie viele Besucher auf der re:publica waren, die sich mit der Materie auseinan­der­set­zten wol­len, aber irgend­wie ver­lassen in der Ecke standen. Ver­lassen, weil der immer größer wer­den­de enge Kreis so sehr mit sich selb­st beschäftigt war. Das fand ich übri­gens sehr symp­to­ma­tis­ch schon auf re:publicas ver­gan­gener Jahre. Daran ist aber übri­gens nicht die re:publica schuld. […] Es kön­nte näm­lich sein, dass wir in unseren Blogs und auf unseren Social Media Ver­anstal­tun­gen einen gle­ich­sam abge­hobe­nen wie ver­al­teten Net­zdiskurs von 2001 pfle­gen, der da draußen schon lange keine Res­o­nanz mehr find­et.

Wie bei Caschy ist das eine eher leise Kri­tik. Ich sel­ber ken­ne den Net­zdiskurs nicht, darüber kann ich níchts sagen. Ich meine nur: Die re:publica 11 war sowas wie ein Abteilungsleit­er-Tre­f­fen, aber eben keine für Deutsch­land repräsen­ta­tive Kon­ferenz von (koop­er­a­tiven) Blog­gern. Und das ist bei allen Anstren­gun­gen, die das Organ­isieren so ein­er Großver­anstal­tung mit sich bringt, sehr schade.

Sowas kön­nte sie sein, und mit ein paar Änderun­gen im Auf­bau dieser Kon­ferenz kön­nte man das umset­zen. Es scheint mir aber im Bestreben, noch weit­er zu expandieren, was die Besucherzahl bet­rifft, unterzuge­hen.

Was ich noch sagen wollte zum… Bashing der Digitalen Gesellschaft durch Carta.info

Ich woll­te nichts drüber schreiben, wirk­lich nicht. Aber so langsam soll­te man wohl selb­st als Nichtzus­tim­mender dieser Ini­tia­tive der Ini­ti­ta­tive Rück­endeck­ung geben. Was ist über­haupt auf der re:publica passiert, dass da ger­ade in der Blog­ger­land­schaft ein solcher Sturm vorherrscht?

In Per­son von Markus Beckedahl ist ein etwas geheimniskrämerisches Pro­jekt in der Eröff­nungsver­anstal­tung der re:publica vorgestellt wor­den, das einen Vere­in vor­sieht, der als eine Art Lob­by­grup­pe die Inter­essen von Inter­net­nutzern gegenüber anderen Lob­by­grup­pen vertreten möchte. Dahin­ter ste­ht wohl eine gewis­se Ent­täuschung über Parteipoli­tik, so wie sie derzeit in Deutsch­land vorherrscht. Die würde ich auch teilen. Hier ist also die Frage aufgestellt: Gibt es eine Alter­na­tive zu herkömm­licher Parteipoli­tik? Die Antwort aus Rich­tung netzpolitik.org ist, dass eine der­ar­tige Lob­b­yarbeit für einzel­ne The­matiken sin­nvoll ist, sofern für die Einze­lak­tio­nen eine gute Trans­parenz beste­ht.

Der erste Sturm der Kri­tik besagte, dass es doch eine Anmaßung sei, wenn man in Berlin wie auf ein­er Kaf­feefahrt auftrete und die Besucher der re:publica als repräsen­ta­tive Inter­net­ge­mein­de anspreche und als solche unter den Dachver­band Dig­i­tale Gesellschaft unter­brin­gen woll­te. Dass diese Kri­tik die Netzpolitik.org-er so über­rascht hat, zeugt nicht ger­ade von ein­er guten Vor­bere­itung auf das erwart­bare Feed­back von ange­sproch­enen Inter­net­nutzern.

Aber ehrlich gesagt: Mehr passende Kri­tik ist da auch nicht. Man darf in Deutsch­land Vere­ine mit bes­timmten, abseg­nen­baren Zie­len und Namen grün­den. Und dafür darf man auch wer­ben. Auch auf den selb­stor­gan­isierten Ver­anstal­tun­gen. Man darf das so naiv machen, wie es in Berlin rüber gekom­men ist, soll­te sich dann aber nicht über die belächel­nden Blicke wun­dern: Die Zuhör­er ab einem gewis­sen kri­tis­chen Niveau kriegt man so nicht.

Aber diese aggres­sive Kam­pag­ne, wie sie carta.info ger­ade vom Stapel lässt, ist in ihrer derzeit­i­gen Form schon bemerkenswert:

Erst lässt man da unter dem Deck­man­tel der Diskus­sionsvielfalt dem CDU-MdB Peter Tauber Platz für eine Mei­n­ungsäußerung, die sach­lich klin­gen soll, aber let­zten Endes in ätzen­der Polemik ertrinkt:

Schon in den Sitzun­gen der Enquete-Kom­mis­sion wur­de deut­lich, dass die „Elite“ um Markus Beckedahl gar keine Lust hat, das eigentliche Ziel zu erre­ichen, näm­lich bre­ite gesellschaftliche Kreise für das The­ma Net­zpoli­tik zu begeis­tern. Man kocht lieber ein eige­nes Süp­pchen und hofft vielle­icht auf den einen oder anderen Talk­showauftritt.

Mei­n­ungsvielfalt ist gut und schön. Aber Carta.info instur­men­tal­isiert sich hier für rein­ste Dem­a­gogie. Weit­er geht es dann mit Ste­fan Rosin­ski:

Da ist es wieder: das Vere­in­swe­sen, auf das sich „gene­sen“ so wun­der­bar reimt und in dem sich die Deutschen seit jeher ihren Staat im Staate eröff­nen kön­nen – allerd­ings als eine Form der Gemein­schafts­bil­dung, deren Regel­w­erk mit dem aggres­siven Roman­tizis­mus Carl Schmitts mehr zu tun hat als mit Hegels (der Gesellschaft abstrakt gegenüber­ste­hen­den) „Not- und Ver­standesstaat“.

Toll. Herr Rosin­ski hat Hegel und Carl Schmitt gele­sen. Aber das Lesen hat bei Rosin­ski nur zu Name­drop­ping geführt. Man kann da oben auch von der Aggres­siv­ität der Tele­tub­bies gegen über der von Bernd, das Brot, reden. Da kommt der­sel­be Sinn raus. Oder Rosin­ski möchte, dass man den mod­er­nen Staat an Hegel als Ide­al aus­richtet.

Um es mit dem Sozi­olo­gen Dirk Baeck­er zu sagen: „Eine Kul­tur stellt Inter­pre­ta­tion­sspiel­räume zur Ver­fü­gung, ein Gedächt­nis der Gesellschaft mit Blick auf eine offene Zukun­ft.“ Dabei funk­tion­iert sie dur­chaus ges­pal­ten: Sie set­zt ein­er­seits alle Prak­tiken der Gesellschaft kontin­gent (also rel­a­tiv) und ver­wis­cht gle­ichzeit­ig das Ange­bot durch kontin­gen­zkom­pen­sieren­de Werte. Wo dieses Gle­ichgewicht wankt, weil die Insis­tenz auf den Wertekanon steigt, schwinden die Spiel­räume, und aus der Kul­tur ein­er Gesellschaft wird die Uni­for­mität ein­er Gemein­schaft.

Ja, ich ärg­ere mich auch jeden Mor­gen nach dem Auf­ste­hen über dieses ver­wis­chte Ange­bot kon­ti­gen­zkom­pen­sieren­der Werte. Dann set­zte ich meine Prak­tiken wieder auf nicht-kontin­gent und dann geht’s wieder. Wer solche Sätze schreibt, der will nicht aufk­lären, nur auf dicke Hose machen. In diesem Fall eben mit aufge­blähter Wis­senschaftlichkeitssim­u­la­tion.

Robin Mey­er-Lucht meint dann, so ein biss­chen kann man noch weit­er auf der Bash­ing-Welle gegen die Dig­i­tale Gesellschaft Trit­tbrett fahren, und schreibt:

Pop­ulis­mus wäre noch das Ger­ing­ste, was man so ein­er Posi­tion vorhal­ten kön­nte. Sie ist auf fatale Weise blind dafür, dass es im poli­tis­chen Prozess nicht darum geht, allein die Nutzer­in­ter­essen zu max­imieren. Es geht darum das All­ge­mein­in­ter­esse zu max­imieren. Im All­ge­mein­in­ter­esse sind ziel­ge­naue und effizien­te Regel­sys­te­me, die gesellschaftliche Gesamt­wohlfahrt steigern, gesellschaftliche Ziele erre­ichen und dabei für einen Inter­esse­naus­gle­ich sor­gen. Die Inter­essen der Nutzer sind dabei ein wichtiger Fak­tor aber nicht der alleinige.

Fatal. WIR WERDEN ALLE STERBEN! Das, worüber Mey­er-Lucht schreibt, ist der plumpe Util­i­taris­mus, und der herrscht ja ger­ade nicht vor in Deutsch­land. Daneben zeigt sich Mey­er-Lucht unfähig genau das her­auszuheben, was er eigentlich sagen möchte: Denn wieso ist denn das All­ge­mein­in­ter­esse nicht das Nutzer­in­ter­esse? So wie er da ste­ht, ist der Satz hohl.

Aber okay, immer­hin lachen kon­nte man zum Schluß des Artikels:

An der­ar­tiger Kom­plex­ität von gesellschaftlichen Regelungssys­te­men aber scheint die “Dig­i­tale Gesellschaft” kaum inter­essiert. Sie macht lieber die Inter­essen ander­er lächer­lich (“Wirtschaft­slob­by­is­ten”) und insze­niert sich als Sprachrohr. Das ARD-Nacht­magaz­in geht dem fataler­weise auch noch auf den Leim.

Fatal. WIR WERDEN ALLE STERBEN! Dass Mey­er-Lucht das für kom­plex hält, was er da geschrieben hat, finde ich den eigentlichen Brüller.

Nein, nein. Natür­lich wirkt der Auftrit dieses neuen Vere­ins etwas naiv. Wer sich aber über den Namen aufregt, soll­te sich auch darüber aufre­gen, dass sich die FDP frei­heitlich nen­nt, ob wohl sie nur das für frei erk­lären, was sie gut find­en. Man soll­te aber zugeste­hen, dass bei Net­zpoli­tik als poli­tis­chem The­ma die Lat­te ein gewiss­es Höhe schon erre­icht hat. Und bei Carta.info ist die Lat­te nur deswe­gen nicht geris­sen, weil man unter der Lat­te her gekrabbelt ist.

Was man zur Dig­i­tal­en Gesellschaft vielle­icht noch sagen soll­te: Man muss mitein­beziehen, dass dieses Pro­jekt als kri­tis­che Reak­tion auf das So-sein der heuti­gen Poli­tik gese­hen wird. Daher wäre es also kein sin­nvoller Schritt, als Parteipoli­tik­er dem aktuel­len poli­tis­chen Sys­tem zu fol­gen, son­dern entwed­er sich gegen das Sys­tem zu stel­len oder auf andere Weise poli­tis­ch zu agieren, sofern diese Weise poli­tis­ch legit­im ist. Sin­nvolle Kri­tik an den Mach­ern der Dig­i­tal­en Gesellschaft soll­te also entwed­er eine Vertei­di­gung des Parteien­sys­tems in Deutsch­land als poli­tis­chem Sys­tem sein oder die Ein­schätzung, man solle sich gegen dieses Sys­tem stel­len.

Caschy über die re:publica

Lei­der habe ich Carsten Knobloch auf der re:publica ver­passt, aber fol­gen­des Video entschädigt mich dann doch etwas.

Wenn ich das mal kurz her­ausheben darf:

Die Gesellschaft ist “Das Inter­net”. Die Leute draußen müssen halt ein­fach ler­nen damit umzuge­hen. Und let­zten Endes sind wir es, die das Inter­net den Leuten draußen greif­bar (machen) und erk­lären müssen.

Das ist schon putzig: Da zick­en sich die Berlin­er Blog­ger über Beckedahls Vere­in Dig­i­tale Gesellschaft nörgel­nd einen zurecht von “Mir hat kein­er was gesagt” bis “Der Name ist arro­gant, aber vielle­icht wird’s ja was” und Caschy sitzt da wun­der­voll sym­bol­trächtig auf der unter­sten Ebene des Friedrich­stadt­palastes und haut unaufgeregt mal eben genau die drei Argu­mente raus, die einen solchen Vere­in obso­let machen. Touché.

re:publica Tag 3

Morgenkaffee

So, let­zter Tag der re:publica. Es wäre mir irgend­wie ganz neu, dass ein drit­ter Tag die vorheri­gen vergessen macht.

10.00 Uhr Fünf Jahre Infor­ma­tions­frei­heit
Nach vorne und umge­zo­gene Diskus­sion, die ungewöh­lich infor­ma­tiv ist. Man merkt: Unter­hal­tun­gen auf der Büh­ne funk­tion­ieren ver­gle­ich­sweise wesentlich schlechter in der Kalksche­une.
12.00 Uhr Der Wider­stand gegen S21 im Netz
Was sich zunäch­st wie ein sehr gewoll­tes, abge­s­tande­nes The­ma anhört, ent­pup­pt sich als inter­es­san­ter Blick in die Geburtsstun­de des Schwaben­protests. Frage aus dem Pub­likum: Wie habt ihr es hin­bekom­men, dass die Aktio­nen gewalt­frei blieben? Antwort: Wir hat­ten über­haupt keine Ahnung, wie man protestiert. Und so erzählten sie, wie sie sitzblock­aden geübt haben und wie es unter­schiedliche Protestieren­den­for­men gab.
14.00 Uhr Wie wird man zum local hero?
Fra­gen wir das diejeni­gen, die außer regenbsburg-digital.de eben genau keine local heros sind: Fud­der, die schlichte Zeitungs­seite RP-Online.de und die wohl immer noch die Tex­ter nicht bezahlen­den Pren­zlauer Berg Nachricht­en. Fra­gen wir nicht tat­säch­liche local heros wie Rou­ven von Biele­felds West­en, den Duesseldorf-Blog.de oder die Rain­er­sche Post.
15.00 Uhr Die Zukun­ft des Inter­nets, der Welt und des ganzen Rests
Endlich schö­nes Wet­ter in Berlin.
16.00 Uhr 10 Jahre Blogs in Deutsch­land
Selb­stre­f­eren­zieren für Fort­geschrit­tene fort­geschrit­te­nen Alters
17.00 Uhr Icons
Kaf­feesat­zle­sereien mit (Über­raschung!) Icons.
18.00 Uhr Was hat das Inter­net je für uns getan?
Spree­blick­kuscheln.

re:publica Tag 2

rp11small

Es bleibt eine der schwäch­sten re:publicas: Das Konzept erscheint aus­ge­lutscht, die Vorträge sind meist dünn oder aus dem Rah­men fal­l­end. Es gibt kein eigentlich­es The­ma, keine neuen Ideen, kein A-Blog­ger hält einen Vor­trag, kaum inter­essierte Fra­gen zu Vorträ­gen, nur über­füll­te Räume, viel PR, Filmereien und Selb­st­be­weihräucherung. Als ob man einem Trend nach­hängt, der seine besten Zeit­en hin­ter sich hat. Aka-aki lässt grüßen.

10.00 Uhr Wake the blog
Die Sprecherin­nen haben eine WDR-Sendung gese­hen, regten sich darüber auf und meinen, dass die dig­i­tale Gesellschaft eine PR-Strate­gie brauche. Nachdem man dann auch noch begin­nen woll­te zu definieren, was Sprache ist, habe ich das Weite gesucht.
11.00 Uhr Wir sind die Urhe­ber
Till Kreutzer erk­lärt Gedanken sein­er Pro­mo­tion­sar­beit, dass aber so plaka­tiv, das nichts als eine hal­b­gare, let­ztlich nicht überzeu­gen­de Mei­n­ung übrig bleibt.
12.00 Uhr Lob­by­ing the Euro­pean Par­lia­ment
Hier wur­de keine ver­ständliche Gesamte­in­führung ins Lob­by­tum des Europäis­chen Par­la­ments gegeben, lediglich ein eigen­er Fall. Ich muss aber zugeben, dass ich nicht ins The­ma eingestiegen bin. Ich zog vor, um
12.20 Uhr Open­leaks
wenig­stens auszugsweise anzuhören. Da ich Dom­schei­dt-Berg schon gele­sen habe und das The­ma Open­leaks keine Neuheit­en erbrachte, auch nur so eine So-lala-Ver­anstal­tung.
12.35 Uhr flat­tr
Flat­tr-Grün­der Sün­de fotografierte anfangs die Zuschauer, um auszu­drück­en, wie blöd er es find­et, beim Vor­trag fotografiert zu wer­den. Irgend­wie eine Gaga-Aktion, wenn zwei Filmkam­eras seinen Vor­trag abfil­men. Flat­tr selb­st soll kün­ftig weitver­bre­it­eter einge­set­zt wer­den kön­nen. Ob das als Anreiz zur Benutzung aus­re­icht, wage ich zu bezweifeln.
14.00 Uhr Leak­ing transparan­cy
Geball­te Kom­pe­tenz um Mod­er­a­tor Jakob Aug­stein: Peter Schaar, Lutz Hachmeis­ter, Horst Pötk­er und Daniel Dom­schei­dt-Berg reden über Joural­is­mus, Leak­en und den heißen Brei. Oder was immer der Titel besagen soll­te.
15.00 Uhr Media and Democ­ra­ti­sa­tion in Africa
Adam Thomas und Jörn Schultz erzäh­len von ihren Blog-, Pod­Cast- und anderen Pro­jek­ten in Afrika. Die Inter­net­tech­niken als erfol­gre­iche Aufk­lärungswerkzeuge.
In der Zwis­chen­zeit ist Renate Küh­nast angekom­men und hält sich an Verkauf­stis­chen auf wie auf einem Advents­basar. Über­flüs­sig­ster Auftritt der ganzen re:publica. Während­dessen ver­wick­le ich einen der Vor­tra­gen­den in ein Gespräch, das wed­er mich noch ihn begeis­tert. Schnell weit­er, nicht jede Kom­mu­nika­tion funk­tion­iert.
16.00 Uhr Blog­ger_in­nen im Gespräch
Ich kam etwas später, kon­nte aber immer­hin noch mit­bekom­men, wie die taube Blog­ger­in Julia Prob­st die Gestiken für Merkel, West­er­welle und beson­ders Gut­ten­berg vor­ma­chte. Größter Lacher des Tages. Außerdem beschw­erte sich Prob­st, dass Taube bald 6€ GEZ zahlen sol­len, auch wenn bspw. beim ZDF ger­ade mal 10% der Sendun­gen unter­titelt seien. Manche nicht­ge­hand­i­capte Blog­ger soll­ten sich bei Prob­st mal was abschauen: Das war ein uner­hört guter Auftritt, klar im The­ma und genau im Aus­druck. Ein Licht­blick. Prob­st elek­trisiert das Pub­likum, der Funke springt über, das wur­de aber auch Zeit. Nach ihr noch Gut­jahr und eine fem­i­nis­tis­che Blog­ger­in auf die Büh­ne, aber nach dem vorherge­hen­den Inter­viewhöhep­unkt ban­nt das keinen mehr so richtig.
17.00 Uhr Über­mor­gen TV
Die Inter­net-Nis­che des ZDF war mit großem Bohei angereist und präsen­tierte den Elek­trischen Reporter und Don­na Foxx, ein über­flüs­siges Online-Krim­ispiel ohne weit­eren Nährw­ert. Dafür durfte man sich fra­gen lassen, ob das Ganze eine Bewer­bungsver­anstal­tung fürs ZDF gewe­sen sein soll.
18.00 Uhr How fem­i­nist dig­i­tal activism is like the cli­toris
Nur kurz reingeschaut. Soweit ich das ver­standen habe, wur­de die Kli­toris sehr anschaulich behan­delt. Man kann Meta­phern auch über­stra­p­atzieren.
19.00 Uhr “Der Bericht ist total ein­seit­ig und mies recher­chiert“
Eine Dame von extra3 und Deef vom quer-blog erläutern ihre Blog­pro­jek­te der bei­den Fernsehsendun­gen. Der Vorteil des Vor­trags ist, dass sie auf lustige TV-Ein­spiel­er zurück­greifen kön­nen, wobei dieser irgend­wie so gar nicht auf das Humorzen­trum der Anwe­senden traf. Worüber man auf der re:publica lacht, wun­derte später aber eh noch wen anders. Im Verl­ge­ich zur ZDF-Präsen­ta­tion etwas weniger Zuhör­er, dafür keine tiefer­ge­hen­de Kri­tik.
20.00 Uhr Twit­ter­lesung | Roy­al Revue
Twit­ter­lesung wie üblich: Berlin ist so geil, dass alles andere Prov­inz ist, hoch21-Tweets, eigene Tweets, Gez­icke und Gelang­weile auf der Büh­ne. Jakob Aug­stein als Star des Abends wun­dert sich ans Pub­likum gerichtet, dass es sehr leicht mit Klosprüchen zufrieden zu stel­len sei.
In der Kalksche­une legt Herm auf und Bokel­berg hibbelt sich einen.
Die re:publica in der Tagess­chau? Wir müssen reden, Tagess­chau.

Sprecher des Tages
Jakob Aug­stein. Machte als sou­verän­er Mod­er­a­tor einen humor­vol­len, inter­essierten und sprach­lich ansprechen­den Ein­druck. War dann bei der Twit­ter­lesung von der Qual­ität der Ver­anstal­tung etwas über­rascht und blieb dieser gegenüber etwas dis­tanziert. Zurecht. Aber das hät­te er vorher wis­sen kön­nen.

Guten Morgen

Morgenkaffee

Zweit­er Tag der re:publica. Das Wet­ter ist düster, aber es reg­net nicht, wahrschein­lich noch nicht.

Gestern hat gen Abend Sascha Lobo noch seinen krach­led­er­nen Vor­trag über Troll­forschung gehal­ten, den ich wegen spon­tan­er Ermü­dung schnell ver­lassen habe. Aber immer­hin scheint er ja einige Zuhör­er zu geistiger Aktiv­ität beflügelt zu haben wie Johan­nes Schnei­der vom Tagesspiegel:

Lobo selb­st erscheint in diesem Moment als Fik­tion eines pop­ulär­wis­senschaftlichen Ich, dem die Kat­e­gorien selb­st für pop­ulär­wis­senschaftliche Ver­hält­nis­se unfass­bar ent­gleit­en

Die FDP will den Kampf gegen den Zeiber­wor aufnehmen.

Patrick Beuth hat ein sehr nettes, kleines Por­trait von Markus Beckedahl geschrieben, lei­der auch etwas kri­tik­los.

Die Bun­desregierung weist libysche, und ich sage weit­er­hin lübis­che, Diplo­maten wegen Drucks auf Stu­den­ten aus.

Und während ich mir die Frage stelle: Kann man nicht auch mal deutsche Poli­tik­er wegen Drucks auf Stu­den­ten ausweisen? hole ich mir erst­mal noch einen Kaf­fee.

[ Foto: Luc van Gent ]

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