Erste Maßnahmen nach der Machtergreifung

Es sind jet­zt die ersten Maß­nah­men geleakt wor­den, wenn die ProGut­ten­berg-Face­book-Gruppe den Führer ihren Liebling zurück an die Macht bekommt: Die Chefredak­teure von ARD und ZDF wer­den gegen fol­gsamere Jour­nal­is­ten aus­ge­tauscht und der Dok­tor­vater von Gut­ten­berg kommt auf die Anklage­bank:

Wenn ich das richtig ver­standen habe, ist also Elmar Theveßen Gut­ten­bergs Ghost­writer. Wer hätte das gedacht .

Weiterlesen

Guten Morgen

Morgenkaffee

Wolf­gang Michal bedankt sich bei Gut­ten­berg, dass er dafür gesorgt habe, dass der klas­sis­che Jour­nal­is­mus die nichtk­las­sis­chjour­nal­is­tis­chen Inter­net­be­nutzer respek­tiere.

Hoch her ging es gestern im Fernse­hen zu Gut­ten­berg bei Hart aber fair und beim wieder etwas über­forderten Markus Lanz, was man jew­eils dort nachguck­en kann. Für Gut­ten­berg wird da gerne dessen ange­blich tadel­lose Leis­tung als Vertei­di­gungsmin­is­ter ins Spiel gebracht, auch wenn das Bun­deskan­zler­amt seine Bun­deswehrreform am lieb­sten in die Tonne klop­pen würde.

Die Katholis­che Kirche will Opfern katholis­ch­er Geistlich­er und Mitar­beit­er 5.000€ plus Ther­a­piekosten zahlen.

Friedrich Küp­pers­busch küm­mert sich bei Radio Bre­men diese­Woche um den Lügen­baron: [audio:http://httpmedia.radiobremen.de/mediabase/043959/043959_152139.mp3]

Und während ich mir die Frage stelle: Wer hat denn nun was vom abge­bliche neuen Respekt des unterge­hen­den klas­sis­chen Jour­nal­is­mus’? hole ich mir erst­mal noch einen Kaf­fee.

[ Foto: Luc van Gent ]

Weiterlesen

Lesezeichen

  • Karl-Theodor zu Gut­ten­berg: Eine spal­tende Per­sön­lichkeit | ZEIT ONLINE — gescheit­ert ist nicht nur ein Mann, von dem es hieß, er könne ein­mal Kan­zler wer­den. Gescheit­ert ist auch eine Fik­tion: der Glaube an das Leichte, Schöne, Gute in der Poli­tik. Bin­nen zwei Jahren schaffte Karl-Theodor zu Gut­ten­berg den Auf­stieg vom ein­fachen Abge­ord­neten zum Bun­desmin­is­ter, und genau­so schnell, wie er auf­stieg, wurde er zur Pro­jek­tions­fläche für die Hoff­nun­gen und Sehn­süchte viel­er Bürg­er, die sich von der Poli­tik längst abge­wandt haben. Auf ein­mal war da ein­er, der anders war. Der glaub­würdig schien. Dem nie­mand etwas anhab­en kon­nte – nicht die Oppo­si­tion und erst recht nicht die Medi­en. Und nun hat sich dieser Mann zu Fall gebracht. Wie es kam, dass der Mann, für den nichts unmöglich schien, an die Gren­zen sein­er Kräfte kam:
  • Merkel ernen­nt einen Anti-Gut­ten­berg | NZZ Online — Einen krasseren Gege­nen­twurf zum Typ des entza­uberten Medi­en-Selb­st­darstellers Gut­ten­berg hätte Kan­z­lerin Merkel kaum find­en kön­nen. Vertei­di­gungsmin­is­ter wird nun Thomas de Maiz­ière, ein 57-jähriger Jurist, der das Ram­p­en­licht nie gesucht hat.
  • Eigen­wer­bung der Bun­deswehr: Verträge vor­erst nur mit Springer | Poli­tik — Frank­furter Rund­schau — Die Springer-Medi­en sind die einzi­gen, mit denen die Ver­ant­wortlichen des Wer­be­feldzugs bis­lang Verträge abgeschlossen haben. Der Gesamte­tat für die Kam­pagne 2011 belaufe sich auf 4,8 Mil­lio­nen Euro, erk­lärte das Min­is­teri­um in der Vor­woche. In der aktuellen Antwort an die Linkspartei ist nun von exakt 5695448 Euro für „per­son­al­werbliche Anzeigen“ die Rede. Das sei kein Wider­spruch, erk­lärte das Min­is­teri­um auf Anfrage. Die 4,8 Mil­lio­nen seien eine „Teil­menge“ der Gesamtwer­bekosten.
  • ekel­haft“ — wirres.net, fach­blog für irrel­e­vanz — die guten­bergs haben offen­bar eine nei­gung sich pathetisch und laut­stark auf die seite der opfer zu stellen um ihre (fernseh-, polit- oder vere­ins-) kar­riere zu befördern, gewicht und totschla­gar­gu­mente für ihre nicht unum­strit­te­nen poli­tis­chen forderun­gen zu gener­ieren und alle ander­s­denk­enden zu diskred­i­tieren. selb­st wenn sie der opfer wegen auf der opfer-seite stün­den, eklig wirds genau dann wenn sie die opfer auf ein schutzschild heben und das schild dann zur selb­stvertei­di­gung nutzen:<br />
    <br />
    * in afghanistan ster­ben deutsche sol­dat­en und ihr kri­tisiert mich wegen lapalien?<br />
    * im/durch/wegen des inter­net wer­den täglich x kinder miss­braucht und ihr redet über die men­schen­würde von tätern?
  • Klimaretter.info — Gut­ten­berg: Freut euch nicht zu früh! — Klimaretter.info — Es war ein Hän­gen und Wür­gen, eine hochnot­pein­liche Ver­anstal­tung. Bis der “Lügen­baron” Karl-Theodor zu Gut­ten­berg endlich die Kon­se­quen­zen zog und am Dien­stag von seinen poli­tis­chen Ämtern zurück­trat. Doch die jubel­nde Oppo­si­tion und alle Men­schen, die das pseu­do-demütige Gehabe des fränkischen Adeli­gen und die unge­heure Chuzpe, mit der er einen beispiel­losen Wis­senschafts­be­trug fast zwei Wochen lang leugnete oder ver­harm­loste, nur mit ungläu­bigem Kopf­schüt­teln ver­fol­gten, soll­ten sich nicht zu früh freuen. Denn Gut­ten­berg, der beg­nadete Pop­ulist, kön­nte schneller als erwartet wieder auf die poli­tis­che Bühne zurück­kehren.
  • Zum Rück­tritt von Gut­ten­berg — Mär­tyr­er für Sol­dat­en und Volk — sueddeutsche.de — Wenn der Fall Gut­ten­berg die Spal­tung zwis­chen akademis­chen Eliten und pop­ulis­tis­chen Stim­mungen ver­stärkt hat, ist das kein Grund für Tri­umphge­heul. Die deutsche Wis­senschaft kann trotz­dem ein wenig stolz sein.
  • Boule­vard unter­liegt Inter­net: Bild nimmt Gut­ten­berg-Rück­tritt an — Tagesspiegel — In der Tat hat sich neben den tra­di­tionellen Medi­en mit dem Inter­net und seinen umtriebi­gen Nutzern eine mächtige Öffentlichkeit gebildet – die wesentlich zu Gut­ten­bergs Rück­tritt beige­tra­gen hat: Sie enthüllte nicht nur im Wiki “Gut­ten­Plag” das Aus­maß des Betrugs, ein­mal ver­bis­sen ließ sie nicht mehr vom Vertei­di­gungsmin­is­ter ab: Die ver­meintliche Ver­strick­ung des Gut­ten­berg-Clans mit der Springer AG hin­ter “Bild” wurde eben­so genüsslich weit­er­ver­bre­it­et wie der scharfe Angriff des Bayreuther Jura-Pro­fes­sors Oliv­er Lep­sius, der sich son­st wohl versendet hätte. Eben­falls ohne das Netz so nicht möglich: der offene Brief ein­er Gruppe Dok­toran­den, der mit kluger Wort­wahl und authen­tis­ch­er Empörung bin­nen weniger Tage zehn­tausende Unterze­ich­n­er fand und die Debat­te neu befeuerte, als sie eigentlich zu verebben dro­hte. Gegen die Macht des Net­zes ist „Bild“ in diesem Fall nicht angekom­men.
  • 1 mil­lion work­ers. 90 mil­lion iPhones. 17 sui­cides. Who’s to Blame? | Mag­a­zine
Weiterlesen

Guttenbergs Dolchstoßlegende

Die Union hat gestern gemeint, man solle derzeit im Fall Gut­ten­berg Ruhe einkehren lassen, aber angesichts des Umstands, dass Gut­ten­berg in diesem Schat­ten gestern eine solche Dolch­stoßle­gende vom Stapel gelassen hat, ignoriere ich diesen Wun­sch ein­mal.

Gut­ten­berg behan­delt in sein­er Rück­trittsrede (s.u.) grob vier Oberthe­men:

1. Den Schul­ter­schluss zu seinen Ver­bün­de­ten
(Merkel in [1] und [39], “die Mehrheit der deutschen Bevölkerung”, die vie­len Mit­gliedern der Union, See­hofer und den Sol­datin­nen und Sol­dat­en, “die mir bis heute den Rück­en stärk­ten” in [38], let­ztere auch in [22]),

2. Das Iden­ti­fizieren und Abkanzeln sein­er “Geg­n­er”
([6], [7], [9 “wenn es…” > soll es ja nicht], [30], [31], [32], [35] und [41]),

3. Die Sach­lage
([5], [10], [16], [22], [35]),

und alles über­strahlend

4. Die his­torische und charak­ter­liche Größe der eige­nen Per­son
([2], [4], [5], [7], [8], [11], [12], [13], [14], [18], [19], [20], [22], [23], [24], [25], [27], [28], [29], [32], [33], [34], [36], [42] und [43]).

Abge­se­hen von der Gewich­tung der einzel­nen Bere­iche fällt auf, dass der Sach­lage im Zusam­men­hang nie mehr als ein Satz gewid­met wird. Und diese Sätze ste­hen so weit voneinan­der ent­fer­nt, dass sie für einen Zuhör­er nicht in einem Zusam­men­hang ste­hen.

In der Selb­stin­sze­nierung dreht Gut­ten­berg seine Real­itäts­darstel­lung natür­lich auch so, als sei sein Han­deln eine Reak­tion auf die in Rede ste­hende Sach­lage. In [3] sagt er, er gehe nicht allein wegen seines Pla­giats. Aber schon in [10] ignori­ert er [3] und sagt, er gehe, weil er nicht mehr ver­ant­worten könne, dass es [9] auf dem Rück­en der Sol­dat­en in den Medi­en nur noch um seine Per­son gin­ge. Unser Held geht [31] als Opfer zer­störerisch­er medi­aler und poli­tis­ch­er Mech­a­nis­men, um andere zu schützen, um sich aufzuopfern, weil er sich [43] eh schon auf­geopfert hat. Wohlge­merkt: Schuld an [7] sind die Medi­en ([6] und [29]).

Gut­ten­bergs Dolch­stoßle­gende besagt, dass [30] die Medi­en den sich [43] im Kampf befind­en­den Gut­ten­berg von hin­ten mit einem eigentlich nahezu [21] ver­jährten The­ma auf Kosten [7] ver­wun­de­ter und getöteter Sol­dat­en so [43] moralisch entkräftet und [30] überthe­ma­tisiert hät­ten, dass ein Rück­tritt [43] per­sön­lich und [9] sach­lich unauswe­ich­lich war.

Klein­er geht’s nicht.

Zunächst: Gut­ten­berg hat in den let­zten Wochen wieder­holt abgestrit­ten, ein Pla­giat ange­fer­tigt zu haben. Insofern ist das in Rede ste­hende The­ma bren­nend aktuell. Diese Dolch­stoßle­gende ist aber ger­ade deswe­gen so per­fide, weil Gut­ten­berg sich selb­st so ins Blit­zlicht­ge­wit­ter gestürzt hat. Er ist ja nicht gezwun­gen wor­den, eine Kern­er-Sendung aus Afghanistan mitzu­mod­erieren oder vor Kam­eras der Klatsch­presse in Pose zu hüpfen. Und er selb­st ist es, der medi­ale und poli­tis­che Mech­a­nis­men betätigt, indem er ein­er­seits bis Mon­tag ver­sucht hat, das The­ma auszusitzen ohne die Kon­se­quen­zen, aus denen er nach eigen­er Insze­nierung [10] schließlich zurück­tritt, ziehen zu müssen, und ander­er­seits indem er auch im Abgang den Schul­ter­schluss zur “Bild”-“Zeitung” aus­führt und diese als erstes Medi­um informiert. So schmierig ist der let­zte Akt des Vertei­di­gungsmin­sters Gut­ten­berg.

Man kann nur hof­fen, dass ein paar Leute in der Union dankbar sind, was für ein Kelch da ger­ade an ihnen vor­bei gegan­gen ist.

Die Rück­trittserk­lärung Karl-Theodor Gut­ten­bergs als Vertei­di­gungsmin­is­ter am 01. März 2011

[1] Ich habe in einem sehr fre­und­schaftlichen Gespräch die Frau Bun­deskan­z­lerin informiert, dass ich mich von meinen poli­tis­chen Ämtern zurückziehen werde und um meine Ent­las­sung gebeten. [2] Es ist der schmer­zlich­ste Schritt meines Lebens. [3] Und ich gehe nicht alleine wegen mein­er so fehler­haften Dok­torar­beit, wiewohl ich ver­ste­he, dass dies für große Teile der Wis­senschaft ein Anlass wäre. [4] Der Grund liegt im Beson­deren in der Frage, ob ich den höch­sten Ansprüchen, die ich selb­st an meine Ver­ant­wor­tung anlege, noch nachkom­men kann.

[5] Ich trage bis zur Stunde Ver­ant­wor­tung in einem fordern­den Amt. [6] Ver­ant­wor­tung, die möglichst ungeteilte Konzen­tra­tion und fehler­freie Arbeit ver­langt — mit Blick auf die größte Bun­deswehrreform in der Geschichte, die ich angestoßen habe, und mit Blick auf eine gestärk­te Bun­deswehr mit großar­ti­gen Trup­pen im Ein­satz, die mir eng­stens ans Herz gewach­sen sind. [7] Wenn allerd­ings, wie in den let­zten Wochen geschehen, die öffentliche und medi­ale Betra­ch­tung fast auss­chließlich auf die Per­son Gut­ten­berg und seine Dis­ser­ta­tion statt beispiel­sweise auf den Tod und die Ver­wun­dung von 13 Sol­dat­en abzielt, so find­et eine drama­tis­che Ver­schiebung der Aufmerk­samkeit zulas­ten der mir Anver­traut­en statt.

[8] Unter umgekehrten Vorze­ichen gilt Gle­ich­es für den Umstand, dass wochen­lang meine Maß­nah­men bezüglich der “Gorch Fock” die welt­be­we­gen­den Ereignisse in Nordafri­ka zu über­lagern schienen. [9] Wenn es auf dem Rück­en der Sol­dat­en nur noch um meine Per­son gehen soll, kann ich dies nicht mehr ver­ant­worten. [10] Und deswe­gen ziehe ich, da das Amt, Bun­deswehr, die Wis­senschaft und die mich tra­gen­den Parteien Schaden zu nehmen dro­hen, die Kon­se­quenz, die ich auch von anderen ver­langt habe und ver­langt hätte.

[11] Ich habe wie jed­er andere auch zu meinen Schwächen und Fehlern zu ste­hen. [12] Zu großen und kleinen im poli­tis­chen Han­deln, bis hin zum Schreiben mein­er Dok­torar­beit. [13] Und mir war immer wichtig, diese vor der Öffentlichkeit nicht zu ver­ber­gen. [14] Deswe­gen habe ich mich aufrichtig bei all jenen entschuldigt, die ich auf­grund mein­er Fehler und Ver­säum­nisse ver­let­zt habe. [15] Und ich wieder­hole dies auch aus­drück­lich heute. [16] Manche mögen sich fra­gen, weshalb ich erst heute zurück­trete. [17] Zunächst ein möglicher­weise für manche unbe­friedi­gen­der, aber allzu men­schlich­er Grund.

[18] Wohl nie­mand wird leicht, geschweige denn leicht­fer­tig, das Amt aufgeben wollen, an dem das ganze Herzblut hängt. [19] Ein Amt, das Ver­ant­wor­tung für viele Men­schen und deren Leben bein­hal­tet. [20] Hinzu kommt der Umstand, dass ich mir für eine Entschei­dung dieser Trag­weite jen­seits der hohen medi­alen und oppo­si­tionellen Tak­t­fre­quenz die gebotene Zeit zu nehmen hat­te. [21] Zumal Vorgänge in Rede ste­hen, die Jahre vor mein­er Amt­süber­nahme lagen.

[22] Nach­dem dieser Tage viel über Anstand disku­tiert wurde, war es für mich ger­ade eine Frage des Anstandes, zunächst die drei gefal­l­enen Sol­dat­en mit Würde zu Grabe zu tra­gen und nicht erneut ihr Gedenken durch Debat­ten über meine Per­son über­lagern zu lassen. [23] Es war auch ein Gebot der Ver­ant­wor­tung gegenüber diesen, ja gegenüber allen Sol­dat­en. [24] Und es gehört sich, ein weit­ge­hend bestelltes Haus zu hin­ter­lassen. [25] Deshalb let­zte Woche noch ein­mal viel Kraft auf den näch­sten entschei­den­den Reform­schritt ver­wandt wurde, der nun von meinem Nach­fol­ger bestens vor­bere­it­et ver­ab­schiedet wer­den kann. [26] Das Konzept der Reform ste­ht.

[27] Angesicht mas­siv­er Vor­würfe bezüglich mein­er Glaub­würdigkeit ist mir auch ein aufrichtiges Anliegen, mich an der Klärung der Fra­gen hin­sichtlich mein­er Dis­ser­ta­tion zu beteili­gen: Zum einen gegenüber der Uni­ver­sität Bayreuth, wo ich mit der Bitte um Rück­nahme des Dok­tor­ti­tels bere­its Kon­se­quen­zen gezo­gen habe. [28] Zum anderen habe ich zugle­ich Respekt vor all jenen, die die Vorgänge zudem strafrechtlich über­prüft sehen wollen. [29] Es würde daher nach mein­er Überzeu­gung im öffentlichen wie in meinem eige­nen Inter­esse liegen, wenn auch die staat­san­waltlichen Ermit­tlun­gen etwa bezüglich urhe­ber­rechtlich­er Fra­gen nach Aufhe­bung der par­la­men­tarischen Immu­nität, sollte dies noch erforder­lich sein, zeit­nah geführt wer­den kön­nen.

[30] Die enorme Wucht der medi­alen Betra­ch­tung mein­er Per­son, zu der ich selb­st viel beige­tra­gen habe, aber auch die Qual­ität der Auseinan­der­set­zung bleiben nicht ohne Wirkung auf mich selb­st und meine Fam­i­lie. [31] Es ist bekan­nt, dass die Mech­a­nis­men im poli­tis­chen und medi­alen Geschäft zer­störerisch sein kön­nen. [32] Wer sich für die Poli­tik entschei­det, darf, wenn dem so ist, kein Mitleid erwarten. [33] Das würde ich auch nicht in Anspruch nehmen. [34] Ich darf auch nicht den Respekt erwarten, mit dem Rück­trittsentschei­dun­gen so häu­fig ent­ge­gen genom­men wer­den.

[35] Nun wird es vielle­icht heißen, der Gut­ten­berg ist den Kräften der Poli­tik nicht gewach­sen. [36] Das mag sein oder nicht sein. [37] Wenn ich es aber nur wäre, indem ich meinen Charak­ter verän­derte, dann müsste ich ger­ade deswe­gen han­deln. [38] Ich danke von ganzem Herzen der großen Mehrheit der deutschen Bevölkerung, den vie­len Mit­gliedern der Union, meinem Parteivor­sitzen­den und ins­beson­dere den Sol­datin­nen und Sol­dat­en, die mir bis heute den Rück­en stärk­ten, als Bun­desvertei­di­gungsmin­is­ter nicht zurück­zutreten.

[39] Und ich danke beson­ders der Frau Bun­deskan­z­lerin, für alle erfahrene Unter­stützung und ihr großes Ver­trauen und Ver­ständ­nis. [40] Es ist mir aber nicht mehr möglich, den in mich geset­zten Erwartun­gen mit dem mir notwendi­gen Maß an Unab­hängigkeit in der Ver­ant­wor­tung gerecht zu wer­den. [41] Insofern gebe ich meinen Geg­n­ern gerne recht, dass ich tat­säch­lich nicht zum Selb­stvertei­di­gungs-, son­dern zum Min­is­ter der Vertei­di­gung berufen wurde. [42] Abschließend ein Satz, der für einen Poli­tik­er ungewöhn­lich klin­gen mag. [43] Ich war immer bere­it, zu kämpfen, aber ich habe die Gren­zen mein­er Kräfte erre­icht. [44] Vie­len Dank.

Weiterlesen

Guten Morgen

Morgenkaffee

Rome erk­lärt sein Faible für Ulrich Tukur.

Bei Face­book gibt es wohl eine weit­ere Bild-gestützte Gut­ten­berg-Gruppe, die zu Demon­stra­tio­nen für die Wiedere­in­set­zung Gut­ten­bergs ein­tritt. Bei Netzpolitik.org hat man mal ein Best-of der raus­ge­haue­nen Tumb­heit­en zusam­mengestellt.

Beim Früh­stück bei Ste­fanie denkt man, dass Gut­ten­berg nun wohl den klas­sis­chen Weg bege­ht:

[audio:http://media.ndr.de/download/podcasts/podcast2956/AU-20110301–1927-4901.mp3]

Und während ich mir die Frage stelle: Und wer schützt jet­zt die Union vor Gut­ten­berg? hole ich mir erst­mal noch einen Kaf­fee.

[Foto: Luc van Gent]

Weiterlesen

Lesezeichen

  • Pla­giat­saf­färe — Gut­ten­berg und die Erre­gungs­ge­sellschaft — sueddeutsche.de — Karl-Theodor zu Gut­ten­berg, ganz der Polit­profi, hat ver­sucht, sich mit den üblichen Tricks aus der Affäre zu winden. Let­ztlich ist er darüber gefall­en, dass er die Wis­senschaft ver­höh­nt hat. Das hat er ver­standen. Aber die andere Ursache, und das ist typ­isch Gut­ten­berg, hat wieder ein­mal nichts mit ihm zu tun.
  • Klaus Stuttmann Karika­turen — … ich hätte ihn doch als wis­senschaftlichen Assis­ten­ten ein­stellen sollen
  • Affäre Gut­ten­berg: Netz besiegt Min­is­ter — SPIEGEL ONLINE — Ohne die akribis­che Doku­men­ta­tion der Pla­giate im Gut­ten­Plag Wiki wäre die Debat­te ver­sandet. So aber brachte der Min­is­ter Deutsch­lands Wis­senschaft­selite gegen sich auf — nicht ein­mal die “Bild”-Zeitung kon­nte seinen Job ret­ten.
  • Süd­deutsche Zeitung Mag­a­zin — SZ-Diskothek » Die sieben besten Rück­tritts-Songs
  • Stoppt Karl-Theodor! — Klimaretter.info — Ganz bewusst und kalkuliert befeuert der “über­forderte Fam­i­lien­vater” Gut­ten­berg die nicht nur in bil­dungs­fer­nen Milieus gepflegten Vor­be­halte gegenüber die studierten “Eierköpfen” und ihre beckmesserische “Fußnoten­klauberei”. Nicht erst bei seinem eben­so ful­mi­nan­ten wie bek­lem­menden Auftritt bei ein­er Wahlkampfver­anstal­tung in Kelkheim, wo er sich als “fränkische Wet­ter­tanne” stil­isierte, die der (medi­ale) Sturm um seine gefälschte Dok­torar­beit nicht umw­er­fen könne, ent­pup­pte sich Gut­ten­berg als Pop­ulist, der alle Reg­is­ter zieht, um den Stammtisch zu bedi­enen. Ein­schließlich der Hatz auf (linke) Jour­nal­is­ten und der gespen­stis­chen Ref­erenz an den Sozial­dar­win­is­ten und Salon­ras­sis­ten Sar­razin. Dass sich aus­gerech­net ein Bilder­buch-Intellek­tueller wie Gut­ten­berg, der seine Bil­dung in Form gedrech­sel­ter Sätze wie eine Mon­stranz vor sich herträgt, eines mit­tler­weile in ganz Europa und in den USA grassieren­den anti-aufk­lärerischen Reflex­es bedi­ent, macht sprach­los, passt aber ins Bild.
Weiterlesen

Guttenberg zeigt selbst beim Rücktritt Arroganz

Die CSU fordert ger­ade zwar, dass man sich zurück­nehmen soll, was die Kri­tik an der Per­son Karl Theodor Gut­ten­berg anbe­langt, aber wie kann man das, wenn der immer wieder nach­legt. Es ist ist schlicht eine inhaltliche Zumu­tung, was Gut­ten­berg heute als Rück­trittserk­lärung von sich gegeben hat. Als Ersatz ein­er Selb­stkri­tik müssen natür­lich tote Sol­dat­en her­hal­ten:

Nach­dem dieser Tage viel über Anstand disku­tiert wurde, war es für mich ger­ade eine Frage des Anstandes, zunächst die drei gefal­l­enen Sol­dat­en mit Würde zu Grabe zu tra­gen und nicht erneut ihr Gedenken durch Debat­ten über meine Per­son über­lagern zu lassen.

Was hat denn das in ein­er Rück­trittsrede wegen Hochstapelei zu suchen? Es dient nur der Beweihräucherung der eige­nen Per­son.

Ich habe wie jed­er andere auch zu meinen Schwächen und Fehlern zu ste­hen. Zu großen und kleinen im poli­tis­chen Han­deln, bis hin zum Schreiben mein­er Dok­torar­beit. Und mir war immer wichtig, diese vor der Öffentlichkeit nicht zu ver­ber­gen.

Das sagt jemand, der in sein­er Dok­torar­beit auf 70% der Seit­en Pla­giate ver­wen­det und so demon­stri­ert, wie man eigene Fehler vor der Öffentlichkeit ver­tuscht: Die Gut­ten­bergsche Dok­torar­beit ist doch der Inbe­griff dessen, was man unter einem Pla­giat ver­ste­ht. In der Reue­un­willigkeit eines Dandies nimmt Gut­ten­berg eine Kri­tik­be­freiung seines Tuns in Anspruch, nur um im Abgang ein Loblied an seine eigene moralis­che Ver­fas­sung zu sin­gen:

Ich war immer bere­it, zu kämpfen, aber ich habe die Gren­zen mein­er Kräfte erre­icht.

Er hat sich hero­isch auf­geopfert für die anderen und jet­zt kann er nicht mehr. Welch ein Held. Die heisse Luft, die er da von sich gibt, nen­nt er Kampf. Das ist der­selbe Kampf, mit dem er let­zte Woche seine Dok­torar­beit vertei­digt hat. Aber inhaltlich kam nichts. GAR NICHTS. Er hat ja noch nicht ein­mal erk­lärt, was er unter einem Fehler in sein­er Dok­torar­beit ver­ste­ht. Er hat ja noch nicht ein­mal selb­st im Blick, über wieviele Texte sich sein Pla­giat erstreckt, wieviele Texte des wis­senschaftlichen Dien­stes des Bun­destags er ver­wurstet hat.

Aber dass ANDERE in dieser Angele­gen­heit Fehler gemacht haben, das weiß er. Das kann er auch genau ausle­gen und darüber urteilen:

Wenn allerd­ings, wie in den let­zten Wochen geschehen, die öffentliche und medi­ale Betra­ch­tung fast auss­chließlich auf die Per­son Gut­ten­berg und seine Dis­ser­ta­tion statt beispiel­sweise auf den Tod und die Ver­wun­dung von 13 Sol­dat­en abzielt, so find­et eine drama­tis­che Ver­schiebung der Aufmerk­samkeit zulas­ten der mir Anver­traut­en statt.

Man verge­ht sich an toten, deutschen Sol­dat­en, wenn man Gut­ten­berg in sein­er Glaub­würdigkeit und Merkel in ihrem wis­senschafts­feindlichen Fes­thal­ten an Gut­ten­berg angreift. Sachkri­tik ist Instru­ment der­er, die sich men­schen­ver­ach­t­end auf diejeni­gen stürzen, die das Volk liebt. So weit habe ich Gut­ten­berg ver­standen.

Diese Großkotzigkeit ist wirk­lich boden­los.

Weiterlesen

Lesezeichen

Weiterlesen

CDU will Internetzensur — ab sofort

Mit­glieder der CDU/C­SU-Frak­tion möcht­en mit sofor­tiger Wirkung die Inter­net­zen­sur in Deutsch­land ein­führen, weil die mit der FDP vere­in­barte Aus­set­zungs­frist der Zen­sur heute aus­läuft:

Der ein­seit­ige Ansatz des Löschens von Kinder­porno­seit­en hat sich als Flop erwiesen”, sagte Unions­frak­tionsvize Gün­ter Krings der Neuen Osnabrück­er Zeitung unter Beru­fung auf die aktuelle Jahres­bi­lanz des Bun­deskrim­i­nal­samts (BKA). “Die Ergeb­nisse nach einem Jahr sind ein­deutig. Ohne Inter­netsper­ren geht es im Kampf gegen Kinder­pornografie nicht.”

Da haben sie aber auch wirk­lich den Richti­gen vorgeschickt. Krings ist der­jenige, der vor ein­er Woche noch meinte, die Vor­würfe gegen Gut­ten­berg seien lächer­lich, das Ganze sei eh nur eine Kam­pagne der Oppo­si­tion:

Seine Dok­torar­beit ist von einem der führen­den deutschen Ver­fas­sungsrechtler wis­senschaftlich betreut wor­den und in einem höchst renom­mierten Wis­senschaftsver­lag erschienen, der für seine stren­gen Maßstäbe bekan­nt ist.

Um es mal mit Fefe zu sagen:

Die Besten der Besten der Besten, Sir!

Würde mich nicht wun­dern, wenn dies nur eine hil­f­s­lose Aktion wäre, um das Gut­ten­berg-Feuer auszutreten. Aber wer Krings zum Feuer­aus­treten schickt, der kann eigentlich auch gle­ich Brandbeschle­u­niger benutzen.

Weiterlesen

Was ich noch sagen wollte… zu Jan Fleischhauer

Wenn es noch eines Beweis­es bedurft hätte, dass Jan Fleis­chhauer für den SPIEGEL das ist, was Franz-Josef Wag­n­er für die Blödzeitung, dann dieser Artikel über die Kri­tik an Gut­ten­bergs Dok­torar­beit­spla­giat als Geschichte des Auf­s­tands der Bürg­er­lichen gegen den kon­ser­v­a­tiv­en Adel:

der Bun­desmin­is­ter der Vertei­di­gung, Karl-Theodor zu Gut­ten­berg, hat sich bei der Abfas­sung sein­er Dok­torar­beit zu freige­big aus den Arbeit­en ander­er Leute bedi­ent. Eine unverzeih­liche Schlam­perei bei den Fußnoten — und schon dro­ht den “Fun­da­men­tal­w­erten ein­er bürg­er­lichen Gesellschaft” irrepara­bler Schaden, wie die Oppo­si­tion nun barmt.

Nee, Herr Fleis­chhauer, das haben Sie ein­fach nicht ver­standen: Copy-Karl hat sich nicht freigiebig bedi­ent, er hat vorsät­zlich abgekupfert, fremde Gedanken als eigene aus­gegeben und das nicht duch vergessene Fußnoten, son­dern durch sim­ples Kopieren, das niemals fußgenotet wer­den sollte. Der Schaden widerum, der von 30.000 Dok­toran­den angeprangert wird, entste­ht nicht durch Gut­ten­bergs Pla­giat, son­dern durch die Tolerierung eines der­ar­ti­gen Hochsta­plers seit­ens der Bun­desregierung. Das ist etwas anderes.

Zunächst ein­mal ist festzuhal­ten, dass Gut­ten­berg ger­ade kein Bürg­er­lich­er ist, wie schon ein Blick auf die Liste sein­er Vor­na­men zeigt, vom Frei­her­ren ganz zu schweigen. Wenn über­haupt, dann lässt der fahrläs­sige Umgang mit den Usan­cen des Wis­senschafts­be­triebs ein Standes­be­wusst­sein erken­nen, wie es dem Adel seit jeher eigen ist.

Soll das nun eine rasse­nar­ti­gen Unter­schied zwis­chen Bürg­er­lichen und Adeli­gen darstellen, der verzei­h­bar ist? Ein dop­pel­ter Blödsinn, bei dem man gar nicht mehr genau weiß, wann man mit der diesem Gedanken entsprechen­den Fazial­palmierung aufhören sollte. Außer­dem: Der Dok­tor­grad ist keine Usance, sprich kein Han­dels­ge­gen­stand ein­er sozialen Gruppe, son­dern eine Würde. Das hat Fleis­chhauer auch nicht ver­standen.

Die Frage ist nur, ob man dies als tadelnswerte Abwe­ichung betra­chtet oder eher als lässliche Sünde, ja sog­ar lobenswerte Auflehnung gegen die repres­sive Bürg­er­moral.

Nicht zu vergessen, Fleis­chhauer behan­delt hier ger­ade einen Pla­giat­en, der schein­bar wed­er den Vor­wurf sys­tem­a­tis­chen Plagi­ierens, der im Raum ste­ht, aus­räu­men kann, noch den Umfang des Pla­giats selb­st erfasst hat. Ein Betrüger ist nach Fleis­chhauer also möglicher­weise ein Held, weil seine Mis­se­tat der Gesellschaft bish­er nicht aufge­fall­en ist?

Nein, in Fleis­chhauers Welt gibt es keine sach­lich berechtigte Kri­tik an Gut­ten­bergs Pla­giat — allein deswe­gen nicht, weil er es nicht ver­standen hat.

Weiterlesen