• Götz Aly: Wer über­häufte Spiegel-Redak­teur Claas Relotius mit Preisen? | Berlin­er Zeitung “Die Tat­sache, dass die Namen der Lauda­toren, die Jury-Begrün­dun­gen und die Lobre­den auf den Preisträger Relotius aus dem Inter­net getil­gt sind, finde ich anti­aufk­lärerisch. ”
  • Felix Stephan: Was man nicht sieht Relotius’ Texte zeigen “das Wahrschein­liche im Sinne von: was der Autor glaubt, dass es nicht auf Wider­stand tre­f­fen und keinen Ver­dacht erre­gen wird, weil es seinen Kun­den wahrschein­lich vorkommt. Let­ztlich Erwartungs­man­age­ment. Oder sog­ar, in ihrer frei­willi­gen, sub­ku­ta­nen, selb­st­beschränk­enden und im gewis­sen Sinne unverzeih­lich­sten Vari­ante: Ide­olo­gie.”
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Wie ist das eigentlich … mit dem Untergang von VIVA?

Ich habe gestern ein wenig die fense­htech­nis­che Abwick­lung des ehe­mals erfol­gre­ichen Musik­senders VIVA auf Twit­ter mitver­fol­gt. Es waren über­haupt nur wenige, die das inter­essierte. Mit knapp über 1000 Ver­hash­ta­gun­gen war das The­ma in den Top3-Hash­tags des Tages, was aber eher nur gegen Twit­ter spricht.

In den Onlin­eaus­gaben der Zeitun­gen kon­nte man nur unin­for­ma­tives Gesausel lesen. Da wur­den aus der Wikipedia die ger­affte Geschichte des Senders dargestellt und Zitate aus Inter­views ander­er Medi­en genom­men. So wie man halt bei Zeitun­gen eine aktuelle Behand­lung eines pop­kul­turellen The­mas vorstellt. Als wäre ein Newslet­ter eingestellt wor­den.

Ich habe nur bei dwdl.de ein infor­ma­tiveres Inter­view mit Dieter Gorny gefun­den, das mich daran erin­nert hat, dass Gorny in der Selb­st­darstel­lung von VIVA immer so galant über­zo­gen hat:

VIVA hat fast alle sozial­isiert, die heute schreiben und denken.

Oh, mich nicht. Was soll “sozial­isiert” hier über­haupt heißen? VIVA gab es zu meinen Jugend­jahren nur über Kabel, da war ich raus. Ich habe Ray Cokes auf MTV geschaut, dazu die dor­ti­gen Hit­pa­raden und mein Englisch mit etwas Humor auf­päp­peln kön­nen.

VIVA hat­te Ste­fan Raab, dessen Humor mich allerd­ings selb­st in den weni­gen Momenten Aufmerk­samkeit vor Waren­haus­fernse­hgeräten nicht ein­f­ing. Und an dem Humor­re­likt, das in der Late Night von Pro7 ger­ade noch etwas zuck­elt sieht man: Es fehlt da doch extremst an Unter­bau, um sagen zu kön­nen, dass man es bei VIVA mit einem geschicht­strächti­gen Unter­fan­gen zu tun hat­te.

Und doch war da etwas Wehmut bei den weni­gen, die das The­ma noch am Ende des Jahres abhak­ten, wenn auch nie­mand mehr darüber etwas schreiben wollte. Vielle­icht ist dazu VIVA halt doch schon 2005 mit der Über­nahme durch Via­com abgewick­elt wor­den. Habe ich da die Abgesänge ver­passt?

Oder ist hier eine sozial­isierte Gruppe unter­wegs, die keinen Wehmut mehr ken­nt, die den Umwälzun­gen des Kap­i­tal­is­mus aus­druck­s­los bei­wohnt, das The­ma wech­selt wie ein Blatt Klopa­pi­er?

Das, was mal ges­tartet war als Jugen­drev­o­lu­tion, zumin­d­est in eigen­er Sichtweise, wird da ger­ade ad acta gelegt wie eine Unter­hose, die man nie gewech­selt hat und mit der man auch seit langem nichts mehr zu tun haben will.

Sich darüber zu wun­dern scheint irgend­wie selb­st schon aus der Zeit gefall­en. Auch in der Abschiedssendung redete man nur über Stars, die die dama­li­gen Mod­er­a­toren, von denen fast nie­mand auf ihren Sozialme­di­enkanälen etwas über die Abschlussendung schreibt, vor 15 bis 20 Jahren mal begeg­neten, nicht über den Sender an sich. Wie Gäste ein­er Beerdi­gung, die nur über sich selb­st reden. Worüber auch son­st, der zu Grabe Getra­gene ist ja tot.

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  • Mein fremdes Land — DER SPIEGEL 31/2012 “Juan Moreno, Sohn eines spanis­chen Gas­tar­beit­ers, fuhr diesen Som­mer zurück in die Heimat sein­er Eltern — auf der Suche nach den Ursachen für die Krise seines Lan­des. ”
  • Der Fall Claas Relotius und Jour­nal­is­mus: Das Prob­lem der Geschicht­en — taz.de Anne Fromm: “Das Stilmit­tel der „szenis­chen Rekon­struk­tion“ dessen, was „hin­ter ver­schlosse­nen Türen passiert“, sei im „poli­tis­chen Jour­nal­is­mus“ legit­im, sagte der stel­lvertre­tende Spiegel-Chefredak­teur Dirk Kur­b­juweit am Mittwoch im Zusam­men­hang mit Relotius. Man müsse aber dieses Ver­fahren und die Quellen offen­le­gen.”
  • Fälschun­gen beim “Spiegel” — “Ich wusste, dass er lügt” — Süddeutsche.de Juan Moreno: “Die Reportage hat sich in den let­zten Jahren mas­siv Rich­tung Kurzgeschichte, Rich­tung Lit­er­atur entwick­elt. Wenn man in eine Geschichte wie “Jaegers Gren­ze” schreibt, die Zahl der Flüchtlinge hat sich in den let­zten Jahren aber um 85 Prozent reduziert, zer­stört das den ganzen Mood.”
  • Die Causa Relotius: Der Jour­nal­is­mus hat ein sys­temis­ches Prob­lem und muss es endlich ange­hen — Indiskre­tion Ehren­sache Thomas Knüw­er: “Ich fürchte, will die Chefredak­tion des „Spiegel“ wirk­lich für Aufk­lärung sor­gen,  müsste sie sich ein­er bru­tal­en Real­ität stellen: Ein Großteil ihrer Redak­tion ver­wen­det genau jenes Instru­men­tar­i­um, das in sein­er kon­se­quenten und über­steigerten Anwen­dung das Lebenswerk von Claas Relotius möglich machte. Ob es über­haupt noch möglich ist, hier eine Kul­turän­derung einzuleit­en, ohne einen weit­en Teil dieser Redak­tion zu ent­lassen, scheint fraglich. ”
  • 100 Dinge — Filmkri­tik — TV SPIELFILM “Von allem haben wir zu viel, ist die Aus­sage des Films, der lei­der in dieselbe Falle tappt und von allem zu viel macht. Nach ein­er hal­ben Stunde hat man ver­standen, dass man all die Turn­schuhe und Handys nicht braucht, eigentlich. Gän­zlich zum Hohn wird es, wenn sich im Abspann bei genau den Fir­men bedankt wird, deren Pro­duk­te gemeint sind.”
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