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Schwimmer bricht Kraulverbot – Polizei schreitet ein

Pow­ered by WPe­Mati­co

Conchita Wurst — Satellite

Da gab’s ja doch noch eine sehr gute Per­for­mance beim deutschen ESC-Vorentscheid:

Alternative zu Fakten

Das Lokalblättchen mein­er Heimat­stadt hat eine son­der­bare Kam­pag­ne ges­tartet, deren Inhalt es ist, dass die Jour­nal­is­ten ihrer Zeitung ange­blich keine Fake-News ver­bre­it­en. Einen dazu gehöri­gen Ausspruch, den man bei der Zeitung offen­bar für richtig hält, habe ich etwas genauer unter die Lupe genom­men:

Zu Fak­ten gibt es keine Alter­na­tive.

Das ist schlicht falsch. Die Alter­na­tiven zu Fak­ten sind Mei­n­un­gen. Und wenn man ger­ade nichts anderes zur Ver­fü­gung hat, sind der­ar­tige Mei­n­un­gen lebenswichtig. Das ist doch ger­ade der Witz in Spielfil­men, bei denen eine Bombe entschärft wer­den soll, der Held kein Fak­ten­wis­sen hat und über eine gescheite Mei­n­ung ver­suchen muss, das Prob­lem zu lösen.

Was man bei der Zeitung wohl eigentlich mein­te — und das ist auch nur eine Ver­mu­tung — ist, dass es keine alter­na­tiven Fak­ten gibt. Das bedeutet, dass es zu darstell­baren Tat­sachen keine alter­na­tiven Erk­lärun­gen gibt, die vom sel­ben Gegen­stand han­deln, und etwas bezo­gen auf eine Tat­sache gegen­sät­zlich­es in richtiger Weise darstel­len. Es ist entwed­er die eine oder die andere Erk­lärung richtig. Bei Ver­schieden­heits­be­haup­tun­gen kommt es oft vor, dass schlicht nicht vom sel­ben Gegen­stand in gle­icher­weise die Rede ist.

An dieser Stelle beste­ht eine Schwierigkeit, mit der Per­so­n­en, die poli­tis­chen Wil­len trotz Fak­ten­lage durch­set­zen wol­len, nutzen kön­nen: Es ist erk­lärungs­bedürftig, wieso eine Tat­sachen­dar­legung nur als Sin­gu­lar­ität gültig sein kann. Ohne eine lange philosophis­che Dar­legung hier zu erörtern: Es hat mit der geisti­gen Ver­an­la­gung des Men­schen zu tun. Es fol­gt die näch­ste Schwierigkeit: Erk­lärun­gen dauern mitun­ter etwas länger. Da schal­ten viele ab, meinen, was nicht ein­fach erk­lär­bar sei, wäre deswe­gen schon falsch. Wenn Sie schon bish­er gele­sen haben, wis­sen sie um den Aufwand, den so ein Lesen mit sich bringt — und wie viele gehen da schon nicht mit.

Wer nun unter­stellt, es gäbe diese Beschaf­fen­heit von Tat­sachen nicht, der erk­lärt alle Tat­sachen zu Mei­n­un­gen. Insofern ist auch gerne von der herrschen­den Mei­n­ung die Rede. Hier kommt hinzu, dass es inzwis­chen unter den Men­schen so viele Fachge­bi­ete gibt, dass nie­mand mehr wie früher in allen Fachge­bi­eten kom­pe­tent ist. Das bedeutet auch Experten haben sich in für sie fach­frem­den Gebi­eten mit Mei­n­un­gen zu behelfen.

Und nach so viel Vor­lauf sind wir beim eigentlichen gesellschaftlichen Prob­lem: Es gibt wirk­lich viele Men­schen, die denken, es gäbe nur Mei­n­un­gen und dementsprechend herrschen­de Mei­n­un­gen.

Ein­er­seits ist es per­sön­lich eine sehr unan­genehme Posi­tion, so etwas wirk­lich zu denken, denn das Erk­lären der Welt anhand von Tat­sachen hat doch noch etwas stark Befriedi­gen­des. Wenn Kinder in der Schule eine Math­eauf­gabe richtig lösen und sie das erken­nen, kriegen sie eben einen Kick, aber lös­brül­len wer­den die Wenig­sten. Dem kommt ein bloß mei­n­ungs­basieren­des Rechthabege­fühl schon nahe, aber während ersteres meist geräuschlos abge­ht, muss z.B. bei den pop­ulis­tis­chen Parteien immer unheim­lich gebrüllt wer­den. Es muss mit Emo­tion aufge­laden wer­den, weil ein Restzweifel, ein skep­tis­ches Unsicher­heits­ge­fühl bleibt: Was ist, wenn meine Mei­n­ung falsch ist? Werde ich dann als Idiot ver­pot­tet? Vor solchen Zweifeln wird auch schnell weg ger­an­nt, indem man schle­u­nigst das The­ma wech­selt — dann kostet es Kri­tik­er ja wieder etwas Zeit, um das neuer­liche The­ma sach­lich richtig auseinan­der zu nehmen. Wer gegen so eine Posi­tion hält, muss eben­so damit rech­nen, angepö­belt zu wer­den.

Ander­er­seits sind Tat­sachen darstell­bar, eben­so die Meth­o­d­en und Grun­dan­nah­men, auf denen sie beruhen. Nicht alles, was als Tat­sache dargestellt wird, ist eine, das ändert nichts daran, dass es Tat­sachen und richtige Tat­sachen­darstel­lun­gen gibt. Um das Mei­n­un­gen von Tat­sachen tren­nen zu kön­nen braucht man Ruhe und eine grundle­gen­de Bil­dung.

Ich hal­te die durchgängige Ein­stel­lung, es gäbe nur Mei­n­un­gen und keine Tat­sachen, für kaum annehm­bar, wenn wir es nicht mit psy­chis­ch stark beein­trächtigten Per­so­n­en zu tun haben. Der Men­sch kann ein­fach seine geistige Beschaf­fen­heit nicht abschüt­teln. So wenig, wie er sich denken kann, er sein nicht Ini­tia­tor von Hand­lun­gen seines Kör­pers. Das ist auch nicht das eigentliche Prob­lem.

Das Prob­lem ist eine Macht­poli­tik, die mit Hil­fe von Pop­ulis­mus Entschei­dun­gen trotz Tat­sachen, aus denen Hand­lungs­maxi­men erwach­sen, die gegen eben diese Entschei­dun­gen sprechen, durch­set­zen will.

Guten Morgen

Morgenkaffee

Der Manta aus Manta Manta steht jetzt im Haus der Geschichte.

Hendrik Zörner meint, Spiegel darf Trump als Enthaupter der Freiheitsstaatue bringen, weiß aber nicht, ob das langfristig eine gute Idee war.

Ulrich Horn wundert sich, dass Martin Schulz' Retropolitik so gut ankommt.

Und während ich mir die Frage stelle: Was zaubert die SPD wohl aus dem Hut, wenn die Welle wieder abebbt? hole ich mir erstmal noch einen Kaffee.

Melissa McCarthy as White House Press secretary Sean Spicer

  • Cumhuriyet Die Jour­nal­is­ten der türkische Zeitung “Cumhuriyet” arbeit­en unter starkem psy­chis­chen Druck, seit ihre Zeitung im Herb­st vorigen Jahres Präsi­dent Erdoğan ihre Führungsspitze ver­haften ließ.
  • »Fre­itag«: Nicht mit Toden­höfer “26 Jahre lang war ich Autor des »Fre­itag«: Leitar­tikel, Essays, Inter­views, Reporta­gen und über lange Jahre eine Sportkolum­ne, ja, sog­ar für das Vor­läuferblatt »Volk­szeitung« habe ich schon geschrieben. Auf meinen Absage­brief an Jakob Aug­stein habe ich keine Antwort erhal­ten. Ihm scheint das alles egal zu sein. Und ich, ich will nicht mehr.”
  • Die Zeitungs­land­schaften des Potemk­in Juliane Wiede­meier: “Falls Sie jemals in die Ver­legen­heit kom­men soll­ten, ein Potemkin­sches Dorf bauen zu müssen, fra­gen Sie bei deutschen Region­alzeitungsver­la­gen. Die wis­sen, wie’s geht. ”
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