Demokratiemißverständnisse

Sven Sor­gen­frey bemüht sich um eine sach­li­che Aus­ein­an­der­set­zung mit Patrick Dörings Aus­spruch “Tyran­nei der Mas­se”. Aber wer in die­sem Zuge Sät­ze schreibt wie

Die Netz­ge­mein­de hat ihn dafür mit einem Shit­s­torm bedacht

muss sich nicht wun­dern, wenn er selbst nicht ernst genom­men wird. Um Dörings Punkt stark zu machen, muss man sagen: Der Angriffs­punkt der Pira­ten­par­tei ist, dass Basis­de­mo­kra­tie viel­leicht fai­rer ist als Frak­ti­ons­zwang, aber immer noch latent die Dis­kri­mi­nie­rung der Mehr­heit über die Min­der­heit inne­hat.

Aber auch anders­wo stößt der Demo­kra­tie­be­griff wei­ter­hin an begriff­li­che Gren­zen, so schreibt Björn Boeh­ning:

wenn wir nicht dar­auf zäh­len kön­nen, dass demo­kra­ti­sche Ent­schei­dun­gen auch akzep­tiert wer­den, dann sind wir auch mit mehr Par­ti­zi­pa­ti­ons­mög­lich­kei­ten kei­nen Zen­ti­me­ter vor­an­ge­kom­men

Wie gesagt: Wenn demo­kra­ti­sche Ent­schei­dung nur eine Mehr­heits­ent­schei­dung dar­stellt, kann das immer noch eine Dis­kri­mi­nie­rung sein. Der moder­ne Begriff der Demo­kra­tie ver­weist auf einen Staat als Rechts­staat, der nicht auf fun­da­men­ta­lis­ti­sche, son­dern begrün­de­te Argu­men­ta­tio­nen zurück­greift. Ein sol­cher Demo­krat gibt kein Ver­spre­chen ab, Mehr­heits­ent­schei­dun­gen kri­tik­los zu akzep­tie­ren. Das ist auch gar nicht sys­tem­not­wen­dig, wie Boeh­ning meint.

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Demokratie

kannitverstan

Das ist auch merk­wür­dig: Ich war der fes­ten Über­zeu­gung, mit Sicher­heit schon mal etwas über Demo­kra­tie geschrie­ben zu haben. Wit­zig ist aber irgend­wie, dass ich heu­te dar­über schrei­be und vor einem Jahr etwas über Spie­gel­de­mo­kra­tie schrieb. Viel­leicht wird das nun so eine Art Demo­kra­tietag, aber das durch­zu­hal­ten ist auch schon wie­der so ein Ding.

Die­ser Tage wird dau­ernd von Demo­kra­tie gespro­chen, mich wun­dert, dass oft­mals der Ein­druck ent­steht, dass die­je­ni­gen, die dar­über schrei­ben, doch gar wenig über die­sen Begriff wis­sen.

Da hat z.b. Jakob Aug­stein einen Arti­kel über Grie­chen­land geschrie­ben, der inter­es­sant ist, weil er so bedeu­tungs­schwan­ger daher­kommt und doch 24 Stun­den nach Ver­öf­fent­li­chung implo­diert:

Papan­d­reou hat Euro­pa über­rascht und die Märk­te erschüt­tert. Aber er hat Grie­chen­land sei­ne Wür­de zurück­ge­ge­ben und Euro­pa dem Moment der Wahr­heit näher gebracht, der unwei­ger­lich eines Tages kom­men wird.

Tja, und nun ist das Refe­ren­dum abge­bla­sen, in der Aug­stein­schen Betrach­tungs­wei­se hat das grie­chi­sche Volk sei­ne Wür­de wie­der ver­lo­ren und kein Grie­che beschwert sich dar­über ernst­haft. Und die­ses Wahr­heits­ge­brab­bel ist nur defä­tis­ti­sches Bla­bla. Nie­mand ver­steht doch gera­de ernst­haft, wohin die Rei­se geht.

Hel­mut Schmidt hat gesagt, Demo­kra­tie sei zwar die Herr­schaft der Mehr­heit über die Min­der­heit, aber in Deutsch­land sei es so, dass die Mehr­heit auch wüss­te, wor­über sie zu ent­schei­den hat und wor­über nicht. So hat das in mei­ner Erin­ne­rung Denis Scheck wie­der­ge­ge­ben. Ich fin­de aller­dings weder das Zitat bei Schmidt noch bei Scheck. Also, Ent­schul­di­gung, wenn die Wie­der­ga­be falsch ist. Das Zitat legt aller­dings nahe, dass die Min­der­heit der Mehr­heit dank­bar sein darf, dass sie so gütig ist, nicht alles zu ent­schei­den. Damit bleibt unser Staat grund­sätz­lich ein Unrechts­staat. Ist das so?

Tho­mas Stad­ler fragt

Wie scho­ckie­rend kann es für eine Insti­tu­ti­on wie die EU und ihre Mit­glied­staa­ten – die sich Frei­heit und Demo­kra­tie auf ihre Fah­nen geschrie­ben haben – eigent­lich sein, wenn sich das betrof­fe­ne
Mit­glieds­land dazu ent­schließt, eine essen­ti­el­le Fra­ge demo­kra­tisch zu klä­ren?

Oh, sehr scho­ckie­rend, wenn es sich um Unrecht han­delt, dass eine Mehr­heit eine Min­der­heit dis­kri­mi­niert. Über­haupt hat nie­mand den Grie­chen ein Man­dat gege­ben, unterm Strich über die Lage ganz Euro­pas der­art zu votie­ren, meint Micha­el Spreng, der ansons­ten die Demo­kra­tie­de­bat­te gera­de für naiv hält. Das ist sie auch, aber man soll­te den­noch ein­mal dar­über zu spre­chen kom­men.

Bei Frank Schirr­ma­cher liest man den gedank­li­chen Feh­ler, der die Demo­kra­tie­de­bat­te gera­de so erschwert: Es ist der heu­ti­ge Demo­kra­tie­be­griff, der sowohl den klas­si­schen Demo­kra­tie­be­griff als auch den Begriff des Rechts­staa­tes als Repu­blik ver­in­ner­licht. Was heisst das?

Der klas­si­sche Demo­kra­tie­be­griff ist der, auf den schon Hel­mut Schmidt oben anspielt: Es ist das Mehr­heits­wahl­recht, in dem eine Mehr­heit sich für oder gegen etwas ent­schei­det. Dies ist aber mit­nich­ten eine Ent­schei­dung dar­über, was rech­tens ist, was gerecht ist. Es ist nur die Ent­schei­dung, was die Mehr­heit will. Daher ist Demo­kra­tie, wäre es Staats­form, nach Kant völ­li­ges Unrecht, weil in jeder Ent­schei­dung eine Min­der­heit dis­kri­mi­niert wird. Für Kant kommt nur die Repu­blik als Staats­form in Fra­ge, weil sie den Rechts­staat ver­kör­pert, in einer recht­mä­ßig aus­ge­führ­ten Sys­te­ma­tik. Als Poli­tik­form kann man nun Demo­kra­tie noch ein­set­zen, aber nach Kant eben­so­gut eine Mon­ar­chie, es spricht zumin­dest zunächst ein­mal wenig dage­gen.

Der heu­ti­ge Demo­kra­tie­be­griff beinhal­tet nun eher die­sen Repu­blik­be­griff Kants: Rechts­staat plus Demo­kra­tie als Poli­tik­ver­fah­ren. Er beinhal­tet aber nicht, wie Stad­ler denkt: Demo­kra­tie als Indi­ka­tor recht­mä­ßi­gen Ver­fah­rens, denn das kann ja immer noch unrecht sein. Bestimm­te Fra­gen kann man aber durch Wehr­heits­wahl­recht abstim­men las­sen, dem Regen­ten ist es aber auf­er­legt, bestimm­te Fra­gen nicht durch Mehr­heits­wahl­recht klä­ren zu las­sen: Z.B. kann er den Rechts­staat an sich nicht einer demo­kra­ti­schen Wahl über­las­sen. Es liegt nicht, wie Schmidt meint, in der Güte des Regen­ten, dies nicht zu tun, er hat das Recht nicht, dies zu tun.

Hat nun ein Poli­ti­ker wie Papan­d­reou das Recht, die Ent­schei­dung über eine Wirt­schafts­zu­ge­hö­rig­keit über das Mehr­heits­wahl­recht ent­schei­den zu las­sen? Ja, das hat er. Rat­sam ist es wohl nicht. Einer­seits hat kein Volk der Welt in Sachen Finanz­kri­se gera­de soviel Wis­sen, dass es für eine ver­nünf­ti­ge Ent­schei­dung gera­de aus­reicht. Ande­rer­seits ent­schei­det so, wie man Micha­el Spreng zuge­ste­hen muss, ein Volk auch über das Schick­sal ande­rer, wozu es kein Recht hat. Frag­lich wäre, ob das poli­ti­sche Ver­fah­ren wider­spruchs­frei ist, wenn zunächst kein Refe­ren­dum über eine EU-Zugehörigkeit gemacht wird, im Zuge des Ver­fah­rens dies aber erwo­gen wird.

Wenn Aug­stein, Schirr­ma­cher und Stad­ler Papan­d­reous Refe­ren­dum dem­nach als rech­tens und wün­schens­wert weil demo­kra­tisch bezeich­nen, bezie­hen sie sich ledig­lich auf den klas­si­schen Demo­kra­tie­be­griff, nach dem in einem Staat das­je­ni­ge als Recht ange­se­hen wird, was durch Mehr­heits­wahl­recht ent­steht. Und dar­in liegt eben der Feh­ler: Eine sol­che Ent­schei­dung kann Unrecht sein und hat mit dem, was rech­tens ist, d.i. was aus ver­nünf­ti­gen Grün­den Recht sein müss­te, ent­schei­dend nichts zu tun.

Auch schön

  • Micha­lis Pan­te­lou­ris kom­men­tiert sei­nen Text damit, dass er für direk­te Demo­kra­tie ist, aber nur, wenn sie nicht dis­kri­mi­niert. Das aber kann mit der Demo­kra­tie als Staats­form ja gera­de nicht aus­ge­schlos­sen wer­den.
  • Fefe fragt nach einem deut­schen Volks­ent­scheid bezüg­lich der EU-Rettungspakete. Kann man machen, muss man aber auch nicht. Und das ohne Begrün­dung.
  • Für MSPRO ist die Ent­wick­lung in Grie­chen­land die Dekon­struk­ti­on der demo­kra­ti­schen Nati­on, wobei bei ihm Nati­on und Staat das­sel­be ist. Das ist eben­sol­cher Wirr­warr wie “Papan­d­reou konn­te gar nicht anders”. 24 Stun­den spä­ter kann er das sehr wohl.

[ Foto: Rachel PaschWhat part of… | CC BY-NC 2.0 ]

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Diskurs

kannitverstan

Ich habe mich vor 5 Jah­ren mal in einem Fly­er über den Begriff Sach­zwän­ge empört. Dann hat man lie­ber von alter­na­tiv­los gere­det, da ansons­ten doch zu durch­sicht­lich ist, dass man den Din­gen Zwän­ge unter­stellt, die von die­sen ein­fach nicht aus­ge­hen. Alter­na­tiv­los ist dann letz­tes Jahr ver­brannt, hat ja auch lan­ge gedau­ert.

Der Begriff der Netz­ge­mein­de oder ähn­li­che Wort­kon­struk­te ver­brennt gera­de etwas schnel­ler. Nötig hät­te das Ver­bren­nen in der öffent­li­chen Rede auch das Wort Dis­kurs.

Schon der Wikipedia-Eintrag des Begrif­fes wirkt so unbe­le­sen, dass man sagen muss: Heu­te wird das Wort oft­mals nur noch so ver­wen­det, dass das eige­ne Gefa­sel unab­hän­gig von sei­nem Gehalt geadelt wer­den soll. Und inso­fern ist die Ver­wen­dung völ­lig über­flüs­sig und ver­schlei­ert eine Sach­er­ör­te­rung mehr, als dass sei­ne Ver­wen­dung eine sach­li­che Ver­bes­se­rung dar­stellt.

Im Wis­sen­schaft­li­chen bereich mag das Wort noch sei­ne Berech­ti­gung haben, aber auch dort ist oft­mals nur von der öffent­li­chen Mei­nung die Rede, wenn hoch­tra­bend von Dis­kurs gespro­chen wird.

[ Foto: Rachel PaschWhat part of… | CC BY-NC 2.0 ]

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Wirtschaftswunder

Irgend­wie habe ich noch kein Auf­re­gungs­ver­hält­nis zu die­ser Plakat-Aktion am Wirt­schafts­mi­nis­te­ri­um:

Viel­leicht wun­dern die sich, dass einer wie der Brü­der­le Wirt­schafts­mi­nis­ter ist.

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Richard David Precht — Die Kunst, kein Egoist zu sein

buchleser

Das was Sascha Lobo für die Blog­ger­sze­ne ist, ist Richard David Precht für die Lite­ra­tur: Ein halb­ge­bil­de­ter Schwät­zer. Und so erzählt Precht in sei­nem neu­es­ten Popu­lis­mus­kitsch­werk die Mär von heu­ti­ger Moral, ver­packt für Leu­te, die nicht an einer ernst­haf­ten Befas­sung mit der The­ma­tik inter­es­siert sind. Das ist so elen­dig viel Gela­ber und so wenig Sub­stanz, so gar kein roter Faden und geleb­tes Bes­ser­wis­ser­tum, dass das Buch von Anfang bis Ende in sei­ner Klug­scheis­se­rei nervt. Wenn Precht sich dann mal dazu erhebt, Klar­text zu reden, ist es auch gleich nichts:

Was ist das über­haupt — die Moral? Es ist die Art, wie wir mit­ein­an­der umge­hen.

Das ist schlicht falsch: Die Art, wie Men­schen mit­ein­an­der umge­hen, ist das Sozi­al­ver­hal­ten. Moral ist das Nor­men­sys­tem, nach dem gehan­delt wer­den soll.

Das sind so Bücher, für die es viel­leicht einen Markt, aber der Sache nach kei­ne Berech­ti­gung gibt. Schund eben.

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Freiheit

kannitverstan

Frei­heit nach Mari­us Müller-Westernhagen ist ja das Ein­zi­ge was zählt. Aber damit wur­de damals wohl nur Frei­heit von poli­ti­scher Unter­drü­ckung gemeint. Wenn man nicht gera­de der Mei­nung ist, dass man Begrif­fe wie Frei­heit gar nicht sinn­voll aus­drü­cken kann, weil jeder mit Recht etwas ande­res dar­un­ter ver­ste­hen kann, ver­tut man sich. Man ver­tut sich aber auch, wenn man so wie die FDP alles “Frei­heit” nennt, was man irgend­wie gut fin­det. Dort gibt es sogar einen Foto­wett­be­werb zur Frei­heit. Als ob man Frei­heit foto­gra­phie­ren könn­te.

Das Wort klingt gut, es hat eine durch und durch posi­ti­ve Aus­strah­lung und doch ist nicht genau klar, was dar­un­ter zu ver­ste­hen ist. Im Inter­net lässt sich aller­dings ein phi­lo­so­phi­scher Text fin­den, der wohl aktu­ell zum Bes­ten gehört, was aus der Wis­sen­schaft der Phi­lo­so­phie der­zeit her­vor­ge­gan­gen ist. Er stammt von Georg Geis­mann , einem viel­leicht etwas schrul­li­gen, aber zwei­fel­los sehr wich­ti­gen, erme­ri­tier­ten Pro­fes­so­ren. Sein Spe­zi­al­ge­biet ist Kant. Mit Kant ver­hält es sich nun so, dass es glü­hen­de Anhän­ger der Phi­lo­so­phie Kants und star­ke Ableh­ner. Es ist ein wei­tes Feld, sich mit der Ent­ste­hung der Hal­tung tota­ler Ableh­nung Kants zu beschäf­ti­gen, ich fin­de die­se Hal­tung aller­dings nur hin­der­lich. Denn Kant hat tat­säch­lich heu­te noch Gewich­ti­ges zu sagen. Lei­der stem­peln vie­le in der Phi­lo­so­phie Kant als his­to­risch und daher nicht mehr aktu­ell ab. Das ist unge­fähr so, als wür­de man Beet­ho­ven mit Tokio Hotel ver­glei­chen und mei­ne, es kom­me zur Bewer­tung der Bedeu­tung der Schaf­fen­den dar­auf an, ob man noch lebt oder nicht.

Es ist aller­dings kein ein­fa­ches Unter­neh­men, über ein durch­aus schwie­ri­ges Text­stück, wie Geiss­mann es vor­legt zu blog­gen. Die deut­sche Blog­go­sphä­re ist zwar bunt, aber doch oft­mals ober­fläch­lich.

Geis­manns Text lau­tet Kant über Frei­heit in spe­ku­la­ti­ver und in prak­ti­scher Hin­sicht [pdf]. Die Aus­drucks­wei­se, wie man hier schon merkt, ist mit­un­ter durch­aus bedacht. Die Über­schrift han­delt von zwei Hin­sich­ten auf das­sel­be Wort oder den­sel­ben Begriff, um sich phi­lo­so­phisch aus­zu­drü­cken.

Im Text, den man sich durch­aus mal anschau­en soll­te, fin­det man wei­te­re Beson­der­hei­ten: Mit Will­kür ist nicht der heu­tei­ge Begriff von Will­kür­lich­keit gemeint, son­dern die bewußt getrof­fe­ne Wahl, die eige­ne Ent­schei­dung. Mit Frei­heit in prak­ti­scher Hin­sicht ist Ent­schei­dungs­frei­heit gemeint, mit in theo­re­ti­scher Hin­sicht Hand­lungs­frei­heit. In aktu­el­len Dis­kus­sio­nen wird meist über letz­te­ren Begriff gere­det. Z.B.: Ist der Vor­gang, dass ich jetzt mei­ne Hand hebe, wirk­lich haupt­säch­lich auf mei­nen Gedan­ken, dass ich jetzt die Hand heben will, zurück­zu­füh­ren?

Das ver­nei­nen Bio­lo­gen und eini­ge Phi­lo­so­phen heu­te meist. Dage­gen gibt es aber noch Frei­heit in prak­ti­scher Hin­sicht, da Men­schen ihre Hand­lun­gen pla­nen kön­nen. Sie kön­nen Ent­schei­dun­gen tref­fen über Hand­lun­gen, die sie künf­tig voll­zie­hen. Frei­heit in theo­re­ti­scher Hin­sicht wird an die­ser Stel­le nicht in den Fokus genom­men, von ihr wird abs­tra­hiert. Weil es die­se Frei­heit in prak­ti­scher Hin­sicht gibt, redet man von einer Ver­ant­wor­tung, die Men­schen für ihre Taten haben. Für eini­ge Bio­lo­gen besteht die­se Ver­ant­wor­tung nicht, aber mei­nes Erach­tens nur aus dem Grun­de, weil sie Frei­heit nur in theo­re­ti­scher Hin­sicht anneh­men. Aus die­ser Sicht­wei­se her­aus wäre die Ansicht rich­tig.

Man muss nicht alle Begrif­fe ver­ste­hen, soll­ten den­noch Begriffsun­klar­hei­ten bestehen, lohnt ein Blick in das online ver­füg­ba­re Kant-Lexikon.

[ Foto: Rachel PaschWhat part of… | CC BY-NC 2.0 ]

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Sinn machen oder Sinn ergeben

kannitverstan

Irgend­wie ist es auch mal Zeit für eine Sprachphilosophie-Ecke in die­sem Blog. Eigent­lich kann ein Jeder und eine Jede spre­chen wie sie mag, sie soll­te sich eben nur güns­ti­gen­falls ver­ständ­lich aus­drü­cken. Inso­fern ist Sprach­phi­lo­so­phie ver­fehlt, wenn es irgend­wem vor­schreibt, wie sie oder er zu spre­chen habe. Aber viel­leicht gibt es hin und wie­der eine für Spre­cher ein­leuch­ten­de­re Hand­ha­bung der Spra­che. Die­sen Gedan­ken ver­fol­ge ich an die­ser Stel­le. Gut, dann fan­gen wir doch ein­fach mal mit einem Klas­si­ker sprach­li­cher Schlud­rig­keit an: Sinn machen oder Sinn erge­ben.

Weil es pla­ka­ti­ver klingt, ver­wen­den Leu­te heut­zu­ta­ge ger­ne die For­mu­lie­rung, etwas mache Sinn, oft­mals nur als Aus­druck, dass man etwas ver­stan­den hat. Damit ist die eigent­li­che Bedeu­tung des­sen, was hier in Rede steht noch etwas deran­giert: Im Deut­schen heißt es eigent­lich, dass etwas Sinn ergibt. Hier­mit behaup­tet man, dass ein Gedan­ke eine logi­sche Her­lei­tung inne­hat. Von die­ser Bedeu­tung geht man ab, wenn man statt der deut­schen Rede­wei­se das aus dem Eng­li­schen her­ge­nom­me­ne macht Sinn ver­wen­det.

Die Sprach­um­ge­bung des eng­li­schen macht Sinn ist aller­dings nicht voll­stän­dig im Deut­schen gege­ben. Man kann z.B. im Deut­schen sagen, dass von einem auf den ande­ren Moment sich neue Gege­ben­hei­ten für eine Per­son erge­ben haben. Die­ses Satz kann man im Deut­schen so leicht ver­ständ­lich nicht mit dem Wort machen aus­drü­cken, weil machen nicht den Gedan­ken einer gedank­li­chen Her­lei­tung inne­hat. Es besteht dem­nach kei­ne sprach­li­che Not­wen­dig­keit, vom Deut­schen ins Eng­li­sche zu wech­seln.

Aller­dings lässt es sich, wie oben schon ange­deu­tet, pla­ka­tiv, sprich rhe­to­risch, ver­wen­den. Durch die Behaup­tung, etwas mache doch kei­nen Sinn, kann man einem auf­ge­fass­ten Gedan­ken spöt­tisch abspre­chen, ratio­nal zu sein. Das tut man aber, indem man auf die Sinn­lo­sig­keit des Gedan­kens anspielt, nicht auf das Man­ko einer nur feh­len­den Her­lei­tung inner­halb die­ses Gedan­kens. Spitz­fin­dig aus­ge­drückt: Der eigent­li­che Gedan­ke der Sin­nerhaf­tig­keit wird durch Sinn machen eher dem gedach­ten Objekt als dem Den­ker des Objekts zuge­schrie­ben, bei Sinn erge­ben wird es aus­drück­lich dem jeweils Den­ken­den zuge­schrie­ben.

Es ist inter­es­sant zu sehen, dass in den 80er Jah­ren in der Syn­chro­ni­sa­ti­on ame­ri­ka­ni­scher Fil­me nahe­zu aus­schließ­lich von Sinn erge­ben und heut­zu­ta­ge wesent­lich öfter von Sinn machen die Rede ist. Dies ist im Fol­gen­den bei­spiel­haft an Aus­schnit­ten von Mord ist ihr Hob­by und Dr. Hou­se zu sehen:

Sehr schön aber auch, wie man in bei­den Aus­schnit­ten Logi­ker und Trot­tel auf­ein­an­der­tref­fen lässt. Die Kon­no­ta­tio­nen mit dem jewei­li­gen Sprach­ge­brauch sind da durch­aus raus­les­bar.

[ Foto: Rachel PaschWhat part of… | CC BY-NC 2.0 ]

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Warum die Medienschelte von Guttenberg abstrus ist

kannitverstan

Ein Teil der Dolch­stoß­le­gen­de von Karl-Theodor Gut­ten­berg, aka Rück­tritts­er­klä­rung, ist ja die Medi­en­schel­te. Die­se besagt, dass in den letz­ten Wochen im Ver­gleich der Bericht­erstat­tung von toten Sol­da­ten in Afgha­ni­stan und der Bericht­erstat­tung über das Gut­ten­berg­sche Pla­gi­at zu wenig über die toten Sol­da­ten und zu viel über Gut­ten­berg berich­tet wor­den sei. Das bedeu­tet, dass es für Gut­ten­berg eine sinn­vol­le Ver­gleichs­ba­sis zwi­schen der einen und der ande­ren Bericht­erstat­tung geben müss­te.

Die­ser zu Grun­de lie­gen­de Gedan­ke ist aller­dings Mum­pitz.

Denn wäre dem so, dann müss­te Gut­ten­berg den­ken kön­nen, dass es einen Bericht­erstat­tungs­zu­stand gibt, der so ist, dass er sinn­voll der Mei­nung sein könn­te, dass die Medi­en ver­gleichs­wei­se zu wenig über sein Dok­tor­ar­beits­pla­gi­at und zu viel über tote Bun­des­wehr­sol­da­ten berich­ten. Vom Stand­punkt Gut­ten­bergs aus ist aber über­haupt kei­ne Bericht­erstat­tung über sein Pla­gi­at sinn­voll.

Daher ist die Medi­en­schel­te sei­tens Gut­ten­berg abstrus.

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