Dumme Leute

Das Pro­blem mit Leu­ten, wie die­sen, ist, dass sie so dumm sind, dass sie kei­ne Vor­stel­lung davon haben, wie dumm sie sind.

The Pro­blem with peop­le like this is that they are so stu­pid they have no idea how stu­pid they are.

 

John Clee­se

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Biene Maja und der Holzpenis

Maja fliegt durch ihre Welt — zeigt uns das, was ihr gefällt. In Ame­ri­ka­land hat eine besorg­te Mut­ter in einem Kame­ra­schwenk­bild bei der neu­ani­mier­ten Biene-Maja-Zeichentrickserie eine Penis­zeich­nung ent­deckt und natür­lich sofort Alarm geschla­gen. So weit, so fürch­ter­lich. Lei­der wird der Titel der Fol­ge oft­mals nicht genannt: King Wil­ly.

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You are wanted

Glatt durch­ge­fal­len ist der Amazon-Deutschland-Erstling You are wan­ted, auch wenn Ama­zon umge­hend eine zwei­te Staf­fel bestellt hat. Das bedeu­tet in qua­li­ta­ti­ver Hin­sicht halt nichts. In Schweig­hö­fers Thril­ler­de­but wim­melt es von Dia­lo­gen, die an Ein­fäl­tig­keit nicht mehr zu über­bie­ten sind, an Hand­lungs­strän­gen, die unlo­gisch und unplau­si­bel sind, an dut­zen­de Sze­nen aus ame­ri­ka­ni­schen Seri­en und an Fehl­be­set­zun­gen der Rol­len, die man nicht über­se­hen kann (aus­ge­nom­men: Jörg Pintsch, Lucie Aron und Edin Has­a­no­vic): Man nimmt Schweig­hö­fer nicht den Vater ab, sei­nem Film­sohn nicht den Sohn, Alex­an­dra Maria Lara nicht die Ehe­frau, Kat­rin Bau­er­feind nicht die Gelieb­te, Karo­li­ne Her­furth nicht die Outlaw-Schwester, Tom Beck nicht den hoch­in­tel­li­gen­ten Schur­ken. Zwar hat der Sechs­tei­ler Tem­po, aber Tem­po stopft kei­ne Logik­lö­cher, ersetzt kei­ne Cha­rak­ter­zeich­nung und macht Panik nicht zur Span­nung. Was Schweig­hö­fer mit sei­ner unbe­zwei­fel­ten Schau­spiel­kunst gibt, nimmt er wie­der durch die­ses Beset­zen nach Aus­se­hen. Ärger­lich.

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Santa Clarita Diet

Die­ser Netflix-Versuch, mit Drew Bar­ry­mo­re eine mor­bi­de Comedy-Serie her­zu­stel­len, ist etwas dane­ben gegan­gen: Bar­ry­mo­re bemüht sich rege, das kla­mau­ki­ge Dreh­buch an der Sei­te ihres schwa­chen Schau­spiel­part­ners Timo­thy Oly­phant zu ver­wer­ten: Als plötz­li­che Kan­ni­ba­lin ist sie auf der Suche nach pas­sen­den Mord­op­fern. Was bei Dex­ter mor­bi­de war, ist hier kar­ne­va­lis­tisch. Trash bleibt eben Trash, denn die Serie schafft es nicht, Humor zu erzeu­gen, dazu sind die Schil­de­run­gen des ame­ri­ka­ni­schen All­tags­le­bens ein­fach nur seicht, nie sar­kas­tisch. Eben­so­we­nig ist sie gru­se­lig, es sei denn man erschreckt sich vor Gum­mi­kör­per­teil­nach­ah­mun­gen mit roter Soße.

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Alternative zu Fakten

Das Lokal­blätt­chen mei­ner Hei­mat­stadt hat eine son­der­ba­re Kam­pa­gne gestar­tet, deren Inhalt es ist, dass die Jour­na­lis­ten ihrer Zei­tung angeb­lich kei­ne Fake-News ver­brei­ten. Einen dazu gehö­ri­gen Aus­spruch, den man bei der Zei­tung offen­bar für rich­tig hält, habe ich etwas genau­er unter die Lupe genom­men:

Zu Fak­ten gibt es kei­ne Alter­na­ti­ve.

Das ist schlicht falsch. Die Alter­na­ti­ven zu Fak­ten sind Mei­nun­gen. Und wenn man gera­de nichts ande­res zur Ver­fü­gung hat, sind der­ar­ti­ge Mei­nun­gen lebens­wich­tig. Das ist doch gera­de der Witz in Spiel­fil­men, bei denen eine Bom­be ent­schärft wer­den soll, der Held kein Fak­ten­wis­sen hat und über eine geschei­te Mei­nung ver­su­chen muss, das Pro­blem zu lösen.

Was man bei der Zei­tung wohl eigent­lich mein­te — und das ist auch nur eine Ver­mu­tung — ist, dass es kei­ne alter­na­ti­ven Fak­ten gibt. Das bedeu­tet, dass es zu dar­stell­ba­ren Tat­sa­chen kei­ne alter­na­ti­ven Erklä­run­gen gibt, die vom sel­ben Gegen­stand han­deln, und etwas bezo­gen auf eine Tat­sa­che gegen­sätz­li­ches in rich­ti­ger Wei­se dar­stel­len. Es ist ent­we­der die eine oder die ande­re Erklä­rung rich­tig. Bei Ver­schie­den­heits­be­haup­tun­gen kommt es oft vor, dass schlicht nicht vom sel­ben Gegen­stand in glei­cher­wei­se die Rede ist.

An die­ser Stel­le besteht eine Schwie­rig­keit, mit der Per­so­nen, die poli­ti­schen Wil­len trotz Fak­ten­la­ge durch­set­zen wol­len, nut­zen kön­nen: Es ist erklä­rungs­be­dürf­tig, wie­so eine Tat­sa­chen­dar­le­gung nur als Sin­gu­la­ri­tät gül­tig sein kann. Ohne eine lan­ge phi­lo­so­phi­sche Dar­le­gung hier zu erör­tern: Es hat mit der geis­ti­gen Ver­an­la­gung des Men­schen zu tun. Es folgt die nächs­te Schwie­rig­keit: Erklä­run­gen dau­ern mit­un­ter etwas län­ger. Da schal­ten vie­le ab, mei­nen, was nicht ein­fach erklär­bar sei, wäre des­we­gen schon falsch. Wenn Sie schon bis­her gele­sen haben, wis­sen sie um den Auf­wand, den so ein Lesen mit sich bringt — und wie vie­le gehen da schon nicht mit.

Wer nun unter­stellt, es gäbe die­se Beschaf­fen­heit von Tat­sa­chen nicht, der erklärt alle Tat­sa­chen zu Mei­nun­gen. Inso­fern ist auch ger­ne von der herr­schen­den Mei­nung die Rede. Hier kommt hin­zu, dass es inzwi­schen unter den Men­schen so vie­le Fach­ge­bie­te gibt, dass nie­mand mehr wie frü­her in allen Fach­ge­bie­ten kom­pe­tent ist. Das bedeu­tet auch Exper­ten haben sich in für sie fach­frem­den Gebie­ten mit Mei­nun­gen zu behel­fen.

Und nach so viel Vor­lauf sind wir beim eigent­li­chen gesell­schaft­li­chen Pro­blem: Es gibt wirk­lich vie­le Men­schen, die den­ken, es gäbe nur Mei­nun­gen und dem­entspre­chend herr­schen­de Mei­nun­gen.

Einer­seits ist es per­sön­lich eine sehr unan­ge­neh­me Posi­ti­on, so etwas wirk­lich zu den­ken, denn das Erklä­ren der Welt anhand von Tat­sa­chen hat doch noch etwas stark Befrie­di­gen­des. Wenn Kin­der in der Schu­le eine Mathe­auf­ga­be rich­tig lösen und sie das erken­nen, krie­gen sie eben einen Kick, aber lös­brül­len wer­den die Wenigs­ten. Dem kommt ein bloß mei­nungs­ba­sie­ren­des Recht­ha­be­ge­fühl schon nahe, aber wäh­rend ers­te­res meist geräusch­los abgeht, muss z.B. bei den popu­lis­ti­schen Par­tei­en immer unheim­lich gebrüllt wer­den. Es muss mit Emo­ti­on auf­ge­la­den wer­den, weil ein Rest­zwei­fel, ein skep­ti­sches Unsi­cher­heits­ge­fühl bleibt: Was ist, wenn mei­ne Mei­nung falsch ist? Wer­de ich dann als Idi­ot ver­pot­tet? Vor sol­chen Zwei­feln wird auch schnell weg gerannt, indem man schleu­nigst das The­ma wech­selt — dann kos­tet es Kri­ti­ker ja wie­der etwas Zeit, um das neu­er­li­che The­ma sach­lich rich­tig aus­ein­an­der zu neh­men. Wer gegen so eine Posi­ti­on hält, muss eben­so damit rech­nen, ange­pö­belt zu wer­den.

Ande­rer­seits sind Tat­sa­chen dar­stell­bar, eben­so die Metho­den und Grund­an­nah­men, auf denen sie beru­hen. Nicht alles, was als Tat­sa­che dar­ge­stellt wird, ist eine, das ändert nichts dar­an, dass es Tat­sa­chen und rich­ti­ge Tat­sa­chen­dar­stel­lun­gen gibt. Um das Mei­nun­gen von Tat­sa­chen tren­nen zu kön­nen braucht man Ruhe und eine grund­le­gen­de Bil­dung.

Ich hal­te die durch­gän­gi­ge Ein­stel­lung, es gäbe nur Mei­nun­gen und kei­ne Tat­sa­chen, für kaum annehm­bar, wenn wir es nicht mit psy­chisch stark beein­träch­tig­ten Per­so­nen zu tun haben. Der Mensch kann ein­fach sei­ne geis­ti­ge Beschaf­fen­heit nicht abschüt­teln. So wenig, wie er sich den­ken kann, er sein nicht Initia­tor von Hand­lun­gen sei­nes Kör­pers. Das ist auch nicht das eigent­li­che Pro­blem.

Das Pro­blem ist eine Macht­po­li­tik, die mit Hil­fe von Popu­lis­mus Ent­schei­dun­gen trotz Tat­sa­chen, aus denen Hand­lungs­ma­xi­men erwach­sen, die gegen eben die­se Ent­schei­dun­gen spre­chen, durch­set­zen will.

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Konzert: LP, Köln, 30.11.2016

Eines ihrer bei­den Kon­zer­te in die­sem Jahr bestritt Lau­ra Per­go­liz­zi, kurz LP, im Köl­ner Stadt­gar­ten. Stimm­lich wie auf Plat­te hat­te sie ihr Publi­kum im Griff, bevor der ers­te Ton gesun­gen war. Der Sound war … also so hör­te sich das in Madrid an vor schein­bar ver­gleich­ba­rem Publi­kum an, in Köln klang das nicht so. Das lang nicht an der Musik, was aber das Kon­zert etwas schwä­cher erschie­nen ließ. Ein Erleb­nis war es alle­mal.

[ LP, Stadt­gar­ten, Köln, 300 Gäs­te. ]

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Emcke, Carolin — Gegen den Hass

Ich dach­te erst, man müss­te die Auto­rin even­tu­ell gegen ihre Kri­ti­ker in Schutz neh­men, aber all­zu schlimm fand ich die Kri­tik dann doch nicht.

Emcke befasst sich in ihrem aktu­el­len Buch mit den auf­kei­men­den und gedie­he­nen natio­na­lis­ti­schen Posi­tio­nen in Deutsch­land und dar­über hin­aus, wobei sie einen Akzent set­zen möch­te für die Ver­tei­di­gung von Min­der­hei­ten im Lich­te des Popu­lis­mus die­ser Zeit. Sie bril­liert an den Stel­len, an denen sie Posi­tio­nen als dis­kri­mi­nie­rend und pole­mi­sie­rend demas­kiert, indem sie die Posi­ti­on unauf­ge­regt ent­schlüs­selt. Weni­ger über­zeu­gend ist Emcke aller­dings in ihrer Ein­ord­nung von Posi­tio­nen in einen his­to­ri­schen oder wis­sen­schaft­li­chen Kon­text. So bestimmt sie die “Par­tei­lich­keit der Ver­stan­des­waa­ge” aus einer Text­stel­le aus Kants “Träu­me eines Geis­ter­se­hers”, d.i. ein Text vor des­sen so genann­ter kri­ti­schen Pha­se, als “Vor­ein­ge­nom­men­heit durch die Hoff­nung”, wobei es an der betref­fen­den Stel­le im Kan­ti­schen Text über­haupt nicht um Hoff­nung geht. Um Hoff­nung geht es bei Kant in der Reli­gi­ons­phi­lo­so­phie. So ein Name­drop­ping ist so wenig über­zeu­gend wie beein­dru­ckend. Und auch wenn ande­re Stel­len in ihrer gewoll­ten Beleh­rung eher ner­ven als ein­neh­men, ist das Buch wegen der Ana­ly­se­fäh­rig­keit der Auto­rin emp­feh­lens­wert.

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