Jensen, Caroline L. — Frau Bengtsson geht zum Teufel

Die Auto­rin hat wohl in Schwe­den vor die­sem Mach­werk mit einer Por­no­beich­te Erfolg gehabt. Mein Inter­es­se weck­te die­ses Werk durch das Youtube-Video. Beim Lesen die­ses Gott-Teufel-Hausfrau-Schinkens war­te­te ich immer irgend­wie dar­auf, dass der gro­ße Witz noch um die Ecke schaut — ver­ge­bens. Eine net­te, kurz­wei­li­ge Unter­hal­tung bie­tet der Schmö­ker, aber wie­so ich den gele­sen habe, weiß ich hin­ter­her eigent­lich nicht mehr so genau.
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Eggers, Dave — The Circle

Die frisch geba­cke­ne Uni-Abolventin Mae kommt auf Anra­ten ihrer Freun­din bei der größ­ten, Infor­ma­tio­nen sam­meln­den Fir­ma unter. Gleich zu Beginn wird sie herz­lich begrüßt, auf die Wich­tig­keit der Gemein­schaft im Unter­neh­men ein­ge­schwo­ren, wäh­rend man gleich­zei­tig all ihre per­sön­li­chen Infor­ma­tio­nen abgreift, die ver­füg­bar sind. Mae ver­in­ner­licht bereit­wil­lig die Arbeitsat­ti­tü­de mehr und mehr und fällt die Kar­rie­re­lei­ter hoch. Das führt aller­ding zu Pro­ble­men im pri­va­ten Bereich.

Eggers Roman ist eine neu­zeit­li­che Mischung aus Orwells 1984 und Rhu­es Die Wel­le. Lei­der ist das hoch hin­aus wol­len­de, aber geist­lo­se und kli­schee­haf­te Buch strunz­lang­wei­lig gera­ten.

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Hermann, Judith — Aller liebe Anfang

Der Roman­erst­ling von Judith Her­mann wur­de von der deutsch­spra­chi­gen Feuil­le­ton­kri­tik halb veris­sen und halb  gelobt. Gott sei dank ist kein Schrift­stel­ler dazu ver­pflich­tet, Feuil­le­ton­jour­na­lis­ten, zumal beleh­rend auf­tre­tend und sich im Ton ver­grei­fend, zu gefal­len. Es gibt über­haupt nur weni­ge, die es mei­ner Ansicht nach geschafft haben, das Werk pas­send zu bespre­chen.

Zu einer pas­sen­den Bespre­chung gehört vor allem die rech­te Ein­ord­nung. Her­mann hat ein Psy­cho­gramm einer Mit­drei­ßi­ge­rin geschrie­ben, die dort ange­kom­men ist, wo sie sich hin geträumt hat, die sich dort aber nicht wohl fühlt: In ein klei­nes Häus­chen samt Toch­ter und Ehe­mann. Auch in die Bezie­hung zu ihrem Mann ist sie halb zog sie ihn, halb sank er hin gekom­men. Sie fühlt sich nicht wohl in ihrem Leben und nicht in ihrem Beruf, denkt ans Auf­hö­ren. Im Alten­heim, wo sie arbei­tet, hat sie es mit ande­ren Paa­ren zu tun, deren Leben sie unbe­tei­ligt und unper­sön­lich, aber nicht unin­ter­es­siert begeg­net. Sie kann nicht aus ihrer Haut, kann kei­ne Revo­lu­ti­on im Pri­va­ten auf den Weg brin­gen. Das Unheil nähert sich in Per­son eines Stal­kers in der­sel­ben Stra­ße, das letz­ten Endes das bis­he­ri­ge Pri­vat­le­ben sprengt.

Wie Her­mann die­se Unglücks­kon­stel­la­ti­on auf weni­gen Sei­ten am Anfang des Romans zusam­men­zurrt, dass ist gro­ße Kunst. Und mir passt der Schreib­stil in die­ser Geschich­te auch wesent­lich bes­ser als in ihrem Debut. Man könn­te sich eine grö­ße­re Distanz in der Form zwi­schen Erzäh­ler und Haupt­fi­gur den­ken, aber das wäre viel­leicht der Stim­mung des Romans abträg­lich gewor­den.

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Hermann, Judith — Sommerhaus, später

Ich habe die­sen Schmö­ker seit Ewig­kei­ten im Schrank ste­hen. Aber nach dem ers­ten Hype, der mir nicht ganz geheu­er war, habe ich das Lesen vor mir her gescho­ben. Viel­leicht fin­det sich eine Zeit, zu der man unvor­ein­ge­nom­me­ner an das Werk gehen könn­te. In der Dis­kus­si­on um den aktu­el­len Erst­lings­ro­man von Judith Her­mann fand ich es nun pas­send, zunächst die­ses Werk mir vor­zu­neh­men, um einen Stil der Auto­rin aus­zu­ma­chen. Der ist zwar vor­han­den, aber in die­sem Buch gewin­ne ich ihm nichts ab. Die Geschich­ten plät­schern unbe­we­gend für den Leser vor sich her, mal mit mehr, mal mit weni­ger Lokal­ko­lo­rit.

In dem Ber­lin, das Judith Her­mann erzäh­le­risch erfun­den hat­te, woll­ten auch wir leben.

schreibt Ijo­ma Man­gold. Für mich spricht Man­gold nicht. Mag sein, dass das Buch ein ade­qua­tes, stil­ge­ben­des Bild der Ber­li­ner Künst­ler­sze­ne des aus­ge­hen­den Jahr­tau­sends gewe­sen ist. Inzwi­schen ist es ver­pufft.

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Göritz, Matthias — Träumer und Sünder

Ein Inter­view­er beschäf­tigt sich mit einem deut­schen Film­pro­du­zen­ten zu Zei­ten des­sen letz­tem gro­ßen Fil­mes. Ganz unter­halt­sam lesen sich die Bemer­kun­gen des Fil­me­ma­chers, aber der Inter­view­er und des­sen Geschich­te bleibt farb­los und unin­spi­riert.
Man kann aus die­sem Schin­ken sicher­lich einen guten Film machen, in dem eine Fil­me­ma­cher sein eige­nes Fach aus­ein­an­der­nimmt. Als Buch hat mich die Geschich­te nicht gefes­selt und nur ab und an inter­es­siert.
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Schlink, Bernhard — Das Wochenende

Anhän­ger einer ehe­ma­li­gen ter­ro­ris­ti­schen Ver­ei­ni­gung tref­fen sich nach Ent­las­sung ihres Anfüh­rers aus dem Knast für ein Wochen­en­de, des Wie­der­se­hens wegen, des Pla­nens wegen, der Selbst­fin­dung wegen. Irgend­wie hat­te ich die­sen Roman schon län­ger auf dem Schirm, und alles ande­re von Schlink, das ich bis­her nicht gele­sen hat­te, dräng­te es zurück, wäh­rend ich nach Der Vor­le­ser auch nicht unbe­dingt wei­ter Schlink lesen woll­te. Und der Roman ent­täuscht. Die Figu­ren sind blaß, ihre Gedan­ken sim­pel, alle­samt schei­ternd. Das Buch ist weder erhel­lend, noch geist­reich.
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Wichmann, Daniel — Ella

Dani­el Wich­mann hat ein auto­bio­gra­phisch anmu­ten­des Buch über einen Dani­el Wich­mann geschrie­ben, der aus Ibben­bü­ren stammt und sein Leben in Ber­lin durch Anschaf­fung eines Hun­des ver­sucht zu ändern.

Jener Dani­el Wich­mann lebt mit sei­ner Freun­din in der Bun­des­haupt­stadt und gera­de scheint er defi­ni­tiv ins Erwach­se­nen­le­ben hin­ein­zu­schlid­dern: Sei­ne Freun­din ist auf dem Weg in eine weg­wei­sen­de beruf­li­che Posi­ti­on, er schließt sein Stu­di­um ab und gelangt an sei­nen ers­ten Job, und in der Bezie­hung bahnt sich an, dass klar wer­den soll, wohin die Rei­se geht. Aller­dings kri­selt es, die Freun­din ver­misst am Ver­hal­ten ihres Freun­des etwas, er beschließt einen Hund zu kau­fen, um zu zei­gen, dass er bereit ist, für die Bezie­hung etwas zu ris­kie­ren — denn er lei­det unter einer Angst vor Hun­den. Da bricht das Unheil auf ihn ein: Sei­ne Freun­din zieht es beruf­lich nach Ham­burg, sein Job nimmt ihm die Zeit, sich pas­send um den Hund zu küm­mern. Er nimmt unan­ge­mel­det einen trink­freu­di­gen und auch sonst chao­ti­schen Unter­mie­ter auf und ver­liert wegen Hund und Unter­mie­ter Job und Woh­nung. Für unse­ren Dan­dy ist dies aller­dings ein Schritt in die rich­ti­ge Rich­tung, denn erfin­det ein miet­ba­res Haus in der Umge­bung Ber­lins, in das er samt Freun­din, die es in Ham­burg allei­ne nicht aus­hält, und Hund ein­zu­zie­hen gedenkt.

Die Span­nung des Buches speist sich natür­lich etwas aus der Fra­ge, inwie­weit Wich­mann hier auto­bio­gra­phisch vor­geht und was erfun­den ist. Zumin­dest — und das ist die gro­ße Stär­ke des Buches — betreibt er kei­ne Schön­fär­be­rei. Sei­ne Haupt­fi­gur ist ein ziem­li­cher Kauz, fast apa­thisch im Umgang mit sei­ner Umwelt. In den eige­nen vier Wän­den fährt er schon mal aus der Haut, wäh­rend er außer­halb den Schwanz ein­zieht. Sei­ner Freun­din kauft er einen Hund, um die Bezie­hung zu ret­ten, was ein doch sehr selt­sa­mer Schritt ist, wie auch die Freun­din spä­ter anmerkt und in Trä­nen aus­bricht. Und ob das Vor­ha­ben so über­haupt gelingt, steht in den Ster­nen. Sein Unter­mie­ter ist im Gegen­satz zu sei­ner eige­nen Spie­ßig­keit ein Bon­vi­vant, mit dem der Buch-Daniel aber wenig anzu­fan­gen weiß. Den Leser lässt er gera­de anfangs mit vie­len Ver­glei­chen, die uner­klärt in der Luft hän­gen blei­ben, und den Kapi­teln vor­an­ge­stell­ten Zier­zi­ta­ten allei­ne. Aber war­um soll­te es dem Leser auch anders erge­hen als den Per­so­nen im Buch?

Wich­mann ver­kauft sei­ne Leser nicht für blöd, ris­kiert eini­ges mit einer so auto­bio­gra­phi­schen Geschich­te und lie­fert ein durch­aus inter­es­san­tes Ibbenbüren-Bild. Über­haupt soll­te Ibben­bü­ren öfter in der Lite­ra­tur auf­tau­chen, wenn man mich fragt. Also: Lesen Sie die­se Geschich­te!

Dani­el Wich­mann — Ella: Ein Hund fürs Leben

, ISBN: 3855357943, Erschei­nungs­ter­min: 20.02.2014
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Beyer, Marcel — Flughunde

Das Buch habe ich kurz nach Erschei­nen in den 90ern gekauft, aller­dings ob der Spra­che nach weni­gen Sei­ten weg­ge­legt. Nun habe ich es end­lich geschaft, es zu lesen, und bereue es nicht, auch wenn es sprach­lich nicht unbe­dingt fes­selnd ist.

Dafür ent­schä­digt die Geschich­te des Wach­manns und Geräusch­auf­neh­mers Karnau, der Ende April 1945 auf die Fami­lie Goeb­bels trifft, von denen die ältes­te Toch­ter ihre letz­ten Tage erzählt, unge­mein.

Bei der FAZ gibt es eine Rezen­si­on eines Schrei­bers mit dem Kür­zel azz, die ich emp­feh­le. Sie gip­felt in der fol­gen­den, über­den­kens­wer­ten Inter­pre­ta­ti­on:

An die­ser Stel­le, wo Karnau bereits schul­dig gewor­den ist; wo er den ande­ren ver­sehrt hat, um die Wahr­heit zu fin­den: Das ist der Moment, wo er eines nachts von Ril­kes Urge­räusch träumt. Von der Gram­mo­phon­na­del auf der eige­nen, offen­ge­leg­ten Schä­del­naht. In das Geräusch der ers­ten Kno­chen­split­ter mischt sich ein Knat­tern. Ein absur­des Geräusch: Karnau ver­steht nichts. Es gibt nichts zu ver­ste­hen. Es ist nur die Schuld, die als ein­zi­ges bleibt.

Lese­emp­feh­lung.

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Kehrer, Jürgen — Wilsberg: Gottesgemüse

Der drit­ter Teil der Wilsberg-Bücher-Serie, Got­tes­ge­mü­se

, spielt im hoch­be­tuch­ten Sekten-Milieu. Das Buch wur­de nicht ver­filmt, die Hand­lung kommt einem aller­dings auch hin­läu­fig bekannt vor. Viel­leicht war das in den 90ern anders, aber unterm Strich bleibt nur eine Ver­fol­gungs­jagd nach Eng­land übrig. Weder son­der­lich span­nend, noch sprach­lich oder inhalt­lich im Gedächt­nis blei­bend.
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Gülich, Martin — Was uns nicht gehört

Sex, so die Ant­wort des Buches von Mar­tin Gülich auf den Titel. Wie­so, war­um, wes­halb wird nicht geklärt, das Leben schlid­dert an allen Per­so­nen im schnell durch­les­ba­ren Buch vor­bei. Und so schlid­dert aller­dings die wohl­for­mu­lier­te Geschich­te etwas am Leser vor­bei, hin­ter­lässt aber mit dem Bulli-Abenteuer und der Gesangs­ein­la­ge im Alters­heim viel­leicht Spu­ren. Das Buch selbst habe ich im Cash & Raus ent­deckt, ent­täuscht hat es mich nicht.
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