Baddiel, David — The secret purposes

In die­sem Roman schil­dert Bad­diel Schick­sa­le von Men­schen, die betrof­fen sind von der Inter­ni­sie­rung deut­scher Juden oder jüdi­scher Deut­scher, die nach Eng­land flüch­ten, auf die Isle of Man. Und das Buch ist ein­fach groß­ar­tig. Bad­diel kann Geschich­ten erzäh­len und dabei kom­men in sei­nen Sät­zen immer Knack­punk­te vor, die einen stut­zen las­sen. Im Gegen­satz zu den ers­ten bei­den Büchern Bad­diels kommt hier zwar Humor kaum vor, aber man ver­mißt ihn auch nicht — dazu ist die Geschich­te zu inter­es­sant. Der bes­te Bad­diel bis­lang, aber auch das sage ich nach jedem sei­ner Bücher.
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Kehrer, Jürgen — Bären und Bullen

Ich hat­te mich vor Kur­zem gewun­dert, dass ich doch schon seit län­ge­rem kei­nen Wilsberg-Krimi mehr zur Hand genom­men habe. Aber bei die­sem Bänd­chen ist es mir wie­der deut­lich vor Augen geführt wor­den: Die Buch­se­rie ist lang­wei­lig, span­nungs­arm, die Kri­mi­auf­lö­sung kommt aus dem Nichts und ange­staubt ist die Buz­zword gespick­te Bör­sen­ge­schich­te aus den 90ern auch.
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Krischak, Detlef — Brautmorde

In Erwar­tung des nächs­ten Ibbenbüren-Krimis habe ich mal den ers­ten Emsland-Krimi des­sel­ben Autors vor­ge­nom­men. Aber ach: Bei die­ser Braut­mor­den­show ist alles Sche­ma F, kei­ne Span­nung, kei­ne inter­es­san­ten Wen­dun­gen, die Auf­lö­sung in wie gehab­ter Selbst­ge­sprächs­ma­nier, die dahin­ter­lie­gen­den Beweg­grün­de so unlo­gisch wie unin­ter­es­sant. Wei­ter­war­ten ist ange­sagt.
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Krischak, Detlef — Der Rosenfälscher: Das zweite ich

Ich habe schon etwas län­ger kei­nen Lokal­kri­mi mehr in die Hand genom­men, da ich, ehr­lich gesagt, die Qua­li­tät nicht mehr abkonn­te: Zu vie­le schlecht geschrie­be­ne Pas­sa­gen, irr­wit­zi­ge Hand­lungs­ver­läu­fe, kei­ne Span­nung, kein Lokal­ko­lo­rit, das will man nicht immer und immer wie­der lesen. Aus wel­chem Grund ich die­sen Schmö­ker danach den­noch wie­der in die Hand genom­men habe, weiß ich gar nicht mehr.

Um so freu­di­ger ist die­ser Ibbenbüren-Krimi: Vie­le Figu­ren, die cha­rak­ter­lich ver­schie­den ein­ge­führt wer­den, eine dra­ma­ti­sche Hand­lung und das alles ver­ziert mit Streif­zü­gen durchs Ems- und Teck­len­bur­ger Land. Es geht um Ent­füh­rung, Mord und kran­ke See­len, um den Poli­zei­all­tag, bei des­sen Beschrei­bung Klaus Burandt zur Sei­te stand, und schod­de­ri­ge Pro­vinz­na­sen. Die Spra­che ist pas­send und ohne Bruch (zwei Recht­schreib­feh­ler fal­len nicht ins Gewicht). Ein Kri­mi­nalschmö­ker, der ver­film­bar ist (wie groß­ar­tig wäre das denn) und es locker mit Unter Fein­den auf­neh­men kann.

Die psy­cho­lo­gi­sche Situa­ti­on des Täters (er hat doch sei­ne Jugend­lie­be bekom­men) wird mir inhalt­lich nicht recht klar, die Span­nung wird nicht durch­weg gehal­ten, wie­so die Ver­fol­gungs­jagd unbe­dingt in die Ibben­bü­re­ner Innen­stadt führt: kei­ne Ahnung; dass der Ibben­bü­re­ner Kom­mis­sar Cars­ten heißt: Groß­ar­ti­ge Idee.

Falls also noch jemand kurz­fris­tig ein Geschenk zu Weih­nach­ten sucht: Für Kri­mi­le­ser ist dies eine ech­te Emp­feh­lung.

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Ransmayr, Christoph — Cox oder der Lauf der Zeit

Ich bin immer bei den Ver­ris­sen von Denis Scheck dabei, fin­de aber das, was er so gut fin­det, meist lahm. Da hät­te ich mich drauf ver­las­sen kön­nen, als ich die­sen Schmö­ker las, den er für den mög­li­cher­wei­se nächs­ten Welt­best­sel­ler deut­scher Spra­che hält. Dabei ist die Geschich­te vie­rer Uhr­ma­cher die zum Kai­ser von Chi­na rei­sen, um die­sem die außer­ge­wöhn­lichs­ten Uhren her­zu­stel­len von gewöhn­li­cher Span­nungs­ar­mut ohne Tief­gang. Sprach­lich nicht schlecht, aber auch nicht mit­rei­ßend, ver­gisst man die Geschich­te bei Zuklap­pen des Buches. Ich stim­me Jörg Mage­nau zu: “Lei­der alles nur Kulis­se”.
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Steinbeck, Michelle — Mein Vater war ein Mann an Land und im Wasser ein Walfisch

Lori­beth durch­lebt einen Alb­traum und der Leser wird mit­ge­nom­men. Sie erschlägt schein­bar ein Kind, dass sie in einen Kof­fer packt und mit­nimmt durch eine dys­to­pi­sche Traum­welt. Sie ist auf der Suche nach dem Vater, schuld­be­la­den und irri­tiert. Das alles folgt dem Syrea­lis­mus, den man aus Träu­men kennt, der gegen rea­lis­ti­sche Ein­schät­zun­gen nicht stand­hält, aber im Traum so wirkt, als sei­en auch die sku­rils­ten Situa­tio­nen nor­mal. Stein­becks Spra­che ist aus­ufernd, so wie es für einen Traum nicht unpas­send ist, unge­mein varia­bel und nie­mals platt. Auch auf Wit­ze­lei­en wird gott­sei­dank ver­zich­tet. Das ergibt am Ende viel­leicht nicht einen ganz gro­ßen lite­ra­ri­schen Wurf, aber eine inter­es­san­te Lek­tü­re.
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Pollatschek, Nele — Das Unglück anderer Leute

Die Auto­rin erzählt schein­bar nahe an ihrer eige­nen Bio­gra­phie die Fami­li­en­ge­schich­te von The­ne, die von sozio­pa­thisch wir­ken­den Eltern groß­ge­zo­gen wird, in Oxford stu­diert, als plötz­lich ihre Mut­ter stirbt — was der Anfang allen Unheils ist. Das Buch hat im zicki­gen Ver­hält­nis zwi­schen Toch­ter und Mut­ter sei­ne Stär­ken und die Schwä­chen dar­in, dass außer der Haupt­fi­gur kein Inter­es­se für ande­re Figu­ren besteht. Auch der Umstand, dass die Geschich­te ohne Witz erzählt wird, wobei sie im Fol­gen­den rea­lis­ti­sche Sphä­ren ver­lässt, lässt Lan­ge­wei­le auf­kom­men.

Die Geschich­te ist nah an Ingrid Noll, Anli­na Bron­sky und Ildikó von Kür­thy, ver­passt aber, ein gutes Buch zu wer­den, weil es Wen­dun­gen Cha­rak­te­ren vor­zieht.

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Sünder, Thomas: Wer Ja sagt, darf auch Tante Käthe ausladen

Wer zu hei­ra­ten beab­sich­tigt, darf auch mal ein Buch zur Hand neh­men, wie eine Hoch­zeits­fei­er denn ablau­fen soll. Und da griff ich zu die­sem Schmö­ker von Tho­mas Sün­der, einem Ham­bur­ger DJ.

Der Autor beschreibt ganz tref­fend, dass man sich klar­ma­chen soll­te, dass es sich bei die­ser Fei­er wohl um die teu­ers­te Ver­an­stal­tung han­deln wird, die man pri­vat in sei­nem Leben aus­rich­ten wird. Und zur Unter­maue­rung, dass man es sich allein aus die­sem Grun­de bei den diver­sen Ein­zel­ent­schei­dun­gen nicht zu leicht machen soll, fügt er diver­se unter­hal­ten­de Bei­spie­le an.

Die­se Bei­spie­le wir­ken zwar auf den ers­ten Blick etwas weit weg, weil nicht jeder Vor­fall so bei einem selbst ein­tre­ten wird, aber dafür tre­ten ande­re ein, die die Hei­rats­wil­li­gen vor ver­gleich­ba­re Pro­ble­me stel­len.

Als DJ ist er bei der Fra­ge nach der Musik auf einer Hoch­zeit natür­lich ganz in sei­nem Metier: Man soll­te gera­de auf die Musik­dar­bie­tung ach­ten, da sie einen ganz gro­ßen Teil der Hoch­zeit aus­macht. Sün­der spricht in der Fol­ge von über­teu­er­ten und zu bil­li­gen DJs, von typi­schen Anmach­sprü­chen an DJs und von untaug­li­chen Bewer­bungs­sprü­chen der Musi­kan­ten.

Uns hat die Lek­tü­re nach Durch­schau­en des Inter­net und Infor­ma­tio­nen über das Kön­nen loka­ler DJs dazu bewo­gen, eine Band zu enga­gie­ren. So unge­fähr funk­tio­niert der Schmö­ker und inso­fern ist er nütz­lich.

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