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Was ich noch sagen wollte zu… Partyfotos

Heute morgen hatte ich kurz das Morgenmagazin eingeschaltet und blieb hängen, weil sie über die Facebook-Timeline etwas berichten wollen. Gute zwei Wochen, nach dem das Thema im Internet volständig durchgekaut wurde. Aber gut.

Was hatten nun die Öffis und insbesondere ihre “Internetexperten” gegen die Timeline? Partyfotos. Auf einmal könnten irgendwelche Leute alte Partyfotos anschauen, die man selbst irgendwann hochgeladen hätte, die aber eigentlich im Facebookaktualitätsfluss schon untergegangen seien.

Was haben die Öffis eigentlich gegen Partyfotos? Das scheint ja bei denen die Metapher für Angriff auf den Datenschutz zu sein. Ich hätte ja gerne mal eine Einladung auf so eine Öffi-Party, wenn da dauernd Partyfotos entstehen, die umgehend die gesellschaftliche Ächtung nach sich zögen, wenn sie veröffentlicht werden.

In der Timeline sehen derartige Fotos ja nur dann Leute, wenn man quasi erlaubt, dass diese Leute sie sehen können. Zwar ist voreingestellt, dass das alle können, aber das kann man auch einfach in den Einstellungen beheben. Und dann soll mich kehren, dass Leute, die ich als Facebook-Freunde akzeptiert haben(alle anderen kann ich ja aussperren), meine Partyfotos, die ich selbst hochegeladen habe (Verlinkungen zu anderen kann ich ja löschen), gegen mich verwenden?

Wie sagte es Sven Regener so schön: Finger weg von meiner Paranoia!

Ansgar Heveling allein gegen Windmühlen

Nee, dieser Text von Ansgar Heveling, der für die CDU im Bundestag sitzt (Was zum Teufel sitzen da für Leute?), ist vom Inhalt her und der Wortwahl so strunzdämlich, darauf kann man nicht ernsthaft antworten. Wen immer er bekämpfen wollte (Google? Wikipedia?), es sind Gegner, die ihn niemals ernst nehmen würden. Zitat:

Die mediale Schlachtordnung der letzten Tage erweckt den Eindruck, wir seien im dritten Teil von „Der Herr der digitalen Ringe“ angekommen, und der Endkampf um Mittelerde stehe bevor. Das ist die Gelegenheit, schon jetzt einen vorgezogenen Nachruf auf die Helden von Bits und Bytes, die Kämpfer für 0 und 1 zu formulieren. Denn, liebe „Netzgemeinde“: Ihr werdet den Kampf verlieren. Und das ist nicht die Offenbarung eines einsamen Apokalyptikers, es ist die Perspektive eines geschichtsbewussten Politikers. Auch die digitale Revolution wird ihre Kinder entlassen. Und das Web 2.0 wird bald Geschichte sein. Es stellt sich nur die Frage, wie viel digitales Blut bis dahin vergossen wird.

Um dann mal auf Wikipedia zurück zu kommen, dort wird festgehalten:

Am 30.01.2012 äußerte sich der Politiker im Handelsblatt kritisch gegenüber dem Internet. In der Folge wurde seine Webpräsenz zunächst mit einer Art Rickroll gehackt, dann durch eine Denial of Service (DoS) vorübergehend lahm gelegt und anschließend ganz gelöscht. Der Hashtag #heveling schoss auf Platz 1 der Twitter-Trends für Deutschland und auch der von Spiegel Online genutzte Begriff CDU-Hinterbänkler schaffte es in die Top 10.

Heveling hatte vor wenigen Tagen auf den Seiten der Bundestagsfraktion von CDU/CSU einen Text mit Günter Krings veröffentlicht, in dem gemeint wird, die Vorlage des SOPA (Stop-Online-Piracy-Act) sei wegweisend. Hiervon hatten sich andere CDU-MdBs distanziert.

Blogakzeptanz

Es rappelt wieder im Karton: Derzeit ist es en vogue, sich auf die Kunst des Bloggens zu besinnen. Damit hat Cem mit der Trend.meiner-Reihe en mal angefangen, wobei er statt auf Blogs auf soziale Netzwerke kommerzieller Natur bauen wollte, während Ben die genau entgegen gesetzte Richtung befürwortet. Derzeit ist Johnny bei Spreeblick auf dieser Welle unterwegs, sein Blog soll konzentrierter, d.h. weniger Mehrautorenblog werden. Felix Schwenzel sieht darin den Konflikt zwischen Mehrautorenblog und rein privatem Blog, wobei Schwenzel selbst gerade sein Blog optisch für die heutige Zeit fit zu machen versucht. Und damit sind wir bei schwupps von der inhaltlichen bei der optischen Blogakzeptanz gelandet.

Es ist ganz nett zu sehen, dass auch gestandene Blogger ab und an durcheinander kommen bei der Frage, wie ihr Blog eigentlich funktionieren soll. Wenn man das erst einmal auf dem Schirm hat, stolpert man eigentlich nicht mehr darüber. Ich für meinen Teil blogge quasi einerseits privat in meinem Logbuch, und andererseits hier auf der Seite, wenn nicht bloß mein spezielles Erleben einer Situation im Mittelpunkt eines Textes stehen soll. Da stellt sich dann noch die Frage, wieso man beide nicht zusammenschmeißt, aber ich sehe da noch einen feinen Unterschied. Daneben könnten wegen mir hier andere Leute bloggen – was derzeit gar nicht geschieht – ohne dass der Sinn dieses Blogs damit konterkariert würde. Mit dem einen Blog halte ich Kontakt zur Bloggosphäre, mit dem anderen pfeiffe ich drauf – es gibt genügend Leute im Internet, die eh nichts mit der Bloggosphäre anfangen können.

Bei Spreeblick krieselte es meines Erachtens nicht deswegen, weil es ein Mehrautorenblog war, sondern weil es thematisch gar keine Ordnung mehr gab. Da gab es einer bestimmten Musikliebhaberei verordnete Artikel neben Gedichten, Gewinnspielen, Internetthemendiskussionen und Fussballberichterstattung. Das war irgendwann für den Leser nicht mehr überschaubar oder vielleicht besser: einordbar. Zwangsläufig dämmt man das Problem ein, wenn man fortan nur noch alleine bloggt – es ginge bei besserer Leitliniengebung sicher aber auch mit diversen Autoren.

Was die optische Blogakzeptanz angeht: Soweit ich weiß ist meine Seite auf allen Geräten lesbar, auf einem iPhone vielleicht nur mit Hilfe des Hin-und-Herschubssens der Seite. Wenn ich Felix Schwenzel recht verstanden habe, wurmte es ihn im Speziellen, dass seine Seite auf dem iPhone gar nicht angezeigt werden konnte. Da ich nur ein wenig eingesetztes Smartphone habe und dies kein iPhone ist, fuchst mich die Darstellung dieses Blogs auf Smartphonen wenig. Mich wurmt eher die Lesbarkeit an Computerbildschirmen, wofür mein Blog im ersten Sinne konzipiert war. Hierbei besonders Schriftarten und die Worte-pro-Zeile-Einschätzung, die sich bei mir gerade auf eine bestimmte Frequenz eingependelt hat. Auf Felix Schwenzels Blog scheint mir das gerade Gedanken unnötig oft zu unterbrechen – sieht aber auf dem iPhone gut aus ;-) .

Wie ist das eigentlich… heute mit Eigenständigkeit?

Für ein politisches Wahlrecht ist bei Kant die wirtschaftliche Unabhängigkeit entscheidend: Wer demnach finanziell unter der Fuchtel eines anderen steht, darf nicht wählen, weil seine Stimme nicht mehr als unabhängig gewertet werden kann. Das wird heute anders gesehen, aber ich finde irgendwie, dass es auch bei vielen für das eigene Selbstwertgefühl wichtig ist, ob man derart eigenständig ist oder nicht.

Gestern traf ich einen Schauspieler, mit dem ich, während im Hintergrund das Dschungelcamp lief, über die Welt der Schauspielerei, wie Schauspieler auf Nichtschauspieler wirken und was dieser Job für die sie Betreibenden bedeutet, schwadronierte. Einerseits hält man von außen ja schon GZSZ-Darsteller für kleine Stars, bei denen andererseits schon wieder irritiert, dass sie mitunter nur an die 2000€ brutto monatlich verdienen. Der Schauspieler legte übrigens Wert auf den Unterschied zwischen Schauspieler und Darsteller (bei GZSZ agiert man so gesehen nur als Darsteller nicht als Schauspieler).

Über diese Stars und Sternchen meinte er resümierend

Letzten Endes unterstehen die alle aber eben nur den Regeln anderer.

Na, hoffentlich verleiht die Schauspielausbildung wenigstens soviel Selbstvertrauen, solche Ernüchterungen zu ertragen. Aber wieviel Eigenständig bleibt einem selber noch, wenn man zwar finanziell gut aufgestellt und dennoch gefühlt abhängig ist?

Was ich noch sagen wollte … zu öffentlicher Pornografie

Ich lese gerade den Text Zensur vs. Anstand: Pornografie in der Bibliothek von der ganz zauberhaften Jillian C. York, in dem die Geschichte aufgegriffen wird, wie in einer Bibliothek in Los Angeles sich ein Obdachloser beim Anschauen eines Pornos, sagen wir mal: einen schönen Tag machte. Und für die Amis war jetzt anscheinend der Umstand, dass da ein Porno in einer Öffentlichen Bibliothek lief, schlimmer als das andere.

York findet es nun irgendwie nicht gut, dass in Bibliotheken Pornos laufen, was mir irgendwie eher egal ist. Mir ist aber etwas ähnliches passiert. Nicht wie Sie jetzt denken. Ich lief diese Woche an einer Lokalität vorbei, in der auch das Benutzen von Computern mit Internetzugang angeboten wird. Im Vorbeigehen huschte mein Blick über den Monitor einer dieser Computer, der gerade in Benutzung war. Und eben da lief, tja, also das muss eine Live-Gynäkologie-Untersuchung gewesen sein. Der Betrachter machte sich zwar jetzt nicht so einen schönen Tag wie der Obdachlose, aber es schien immerhin so interessant zu sein, dass man Kopfhörer dazu braucht.

Ich weiß jetzt nicht, ob ich es merkwürdiger finden soll, dass da jemand mit derartigen Vorlieben, so intelligent ist, dass er einen PC-Sitzplatz nimmt, der von im offenen Blickfeld einer Fussgängerzone ist, oder dass es mir überhaupt merkwürdig erscheint. Rubbelkabinen sind wohl einfach nicht mehr in.

Mein Freund Kant

Bei Anne Will habe ich wohl eine intellektuelle Diskussion zu Friedrich, dem Großen, verpasst. Richard von Weizsäcker hat offenbar die Idee, den alten Fritz als Vorbild gelten zu lassen, unter Verweis auf seinen “Freund Kant” vom Tisch gewischt:

Von Kant her gesehen ist die höchste Tugend die Überwindung der Tugenden zugunsten des Selbstzwecks der Pflicht.

und eben nicht die Imitation eines anderen. Das klingt zwar irgendwie nach Preussischem Pflichtgehorsam, hat aber mit Kant, so weit ich ihn gelesen habe, nichts zu tun: Pflicht selbst ist kein Selbstzweck. Aber es klingt eben auch so gut, dass Patrick Bahners den Federhandschuh aufnimmt und das ganze in einem Fernsehkritiktext verwurstet, in dem er dann wiederum versucht, Richard von Weizsäcker selbst als Reinkarnation von Friedrich, dem Großen, darzustellen.

Es ist eben Fernsehen oder um es mit Richard von Weizsäcker zu sagen “alles großer Blödsinn”.

Gebrochen deutsch, 23.01.2012, Düsseldorf

Gestern waren wir bei der zweiten Talkrunde von Staffan Valdemar Holm mit Vom Ritchie (Großbritannien, Schlagzeuger (Die Toten Hosen)), Kyoko Jastram (Japan, Musik-Lehrerin), Fiorella Falero Ramirez de Entner (Peru, Studentin/Garderobenpersonal), Iraj Farzi Kahkash (Iran, Büdchen-Inhaber) darüber, wie man in Düsseldorf strandet und wieso man es inzwischen mag. Das Format ist sowas wie ein Selbstläufer. Man bekommt schwere wie auch lustige Geschichten über die Aufbrüche in die Fremde zu hören. Man lernt lebenslustige Menschen kennen, an denen man sonst vielleicht einfach nur vorbei läuft. Dabei kommt die Frage, was an Düsseldorf so toll sein soll, schon fast zu kurz, aber was will man auch sagen? Aus dem Publikum kam die versuchte Erklärung: “Claudia Schiffer.”, woraufhin Holm meinte: “Das kann es nicht sein.”

Vielleicht gibt es nicht solche Gründe, vielleicht gibt es nur die gelebten Erfahrungen, die alle Gäste vorzuweisen haben. Denn es springt ins Auge, dass alle, die auf der Bühne sind, so höflich wie offen sind, wenn es um die Geschichten der anderen geht. Vom Ritchie erzählt, wie er mit seiner Lockerheit sturen Münchner Polizisten begegnet, die seine abgelaufene Aufenthaltserlaubnis mit “Scheiße, Scheiße, Scheiße” kommentieren. Fiorella Falero Ramirez de Entner beschreibt, wie sie ohne irgendwie deutsch zu können nach Deutschland kommt, und dort ihr erstes Date mit einem Taschenwörterbuch bewältigt. Kyoko Jastram erzählt über die musikalische Größe Deutschlands, die vor Ort doch etwas anders aussieht. Und Iraj Farzi Kahkash berichtet darüber, wie er im Iran die Revolutionsbestrebungen unterstützt hat, Krieg miterlebt hat und schließlich in die DDR kommt, und eines Tages von einen Schleuser in West-Berlin ausgesetzt wird – ohne die Sprache zu können oder irgendjemanden zu kennen.

Also ein ganz großartiges Format, das Holm da aus dem Ärmel geschüttelt hat, und bei dem an diesem Abend auffiel, dass weder der Begriff “Die Toten Hosen”, noch der Begriff “Integration” ein einziges Mal gefallen ist. Wenn er es jetzt noch schafft, dem Düsseldorfer Publikum das Klatschen beizubringen, ist ihm ein Denkmal sicher.

Die Facebookisierung der Gesellschaft

Neulich sprach ich mit einer Mutter. Sie sagte, sie habe eigentlich noch einen guten Draht zu ihrer Tochter. Aber es gäbe da Sachen, die verstünde sie nicht.

Letztens habe ihre Tochter Geburtstag gehabt. Da habe sie alle paar Minuten ihr Handy rausgeholt, etwas drauf rumgewischt und wieder eingesteckt. Den ganzen Tag lang. Wieso? Es kamen dauernd Glückwünsche über Facebook rein. Kein Anruf, aber 27 Einzelkommentare auf ihrem Profil. Sie fand das gut. Abends traf sie sich mit ihren Freundinnen zum Raclette-Essen. Da hatten von 9 Mädchen 7 dauernd ihr Handy in der Hand und kommunizierten – mit jeweils anderen Mädchen am Tisch.

Vielleicht wird der Nichtnerd gerade der Ausnahmefall. Derjenige, der sich von Technik vereinnehmen lässt, hierfür einerseits technisch gut orientiert ist, dafür im zwischenmenschlichen Verhalten gehemmt, zurückhaltend, unsicher und unzugänglich.

Vergangenes Wochenende traf ich auf einer Party eine junge Frau, die sich stark über ihre Schwägerin echauffierte. Alle Informationen über die Familie, Verabredungen, kleinere Neuigkeiten und so würde nämlich größtenteils inzwischen über Facebook laufen. Und die Schwägerin sei nicht bei Facebook angemeldet. Diese könne ja nun nicht erwarten, dass man sie anruft, um ihr die Neuigkeiten, die es auf Facebook zu lesen gibt, extra mitzuteilen.

Das, was eine Mehrheit macht, ist normal, auch wenn die Mehrheit plötzlich das Gegenteil von dem macht, was sie früher gemacht hat. Und plötzlich etwas normal, was der Sache nach völlig beknackt ist.

Wie ist das eigentlich mit… Medienglaubwürdigkeit?

Glaubwürdigkeit ist der zentrale Begriff, über den der amtierende Bundespräsident gerade stolpern kann. Dabei ist es gar nicht wichtig, ob er konkret einen Fehler gemacht hat, sondern es geht darum, ob man ihm glaubt, was er getan hat. Das ist etwas zwieschneidig.

Positiv ausgedrückt, geht es darum, ob der Präsident lügt. Als Tüpfelchen über diesem i spekuliert die Presse darüber, ob er die Pressefreiheit missachtet hätte. Auch hier geht es darum, dass man darauf pocht, jemand sollte in jeder Situation eine völlig offene Aufrichtigkeit an den Tag legen.

Mir ist es als Schüler mal passiert, dass ein Lehrer fragt, ob ich meine Hausaufgaben hätte. Ich sagte, ich wüsste es nicht und wolle erst mal die betreffenden im Übungsheft auszufüllenden Aufgaben ansehen. Ich hatte sie nicht erledigt und bekam einen Extratadel für einen Täuschungsversuch. Man sollte als Schüler wohl für einen angeblich erweckten Eindruck ohne realen Hintergrund haften.

Und so wird auch Bundespräsident Wulff gerade auf die Schippe genommen: Jede unklare Formulierung wird als Tadel der Glaubwürdigkeit genommen. Wulffs Aufklärungsarbeit ist tatsächlich so, dass man eine schnellere und genauere Darlegung der Angelegenheiten wünschenswert gewesen ist.

Aber stellt man an das Amt der höchsten Repräsentation des Staates wirklich den Anspruch, dass jede Frage ohne Abwägung der Folgen der Antwort jederzeit ohne Umschweife beantwortet werden soll? Finden wir es unangemessen, wenn die Person, die dieses Amt versucht auszufüllen, zögerlich ist, wenn die Blödzeitung eine Kampagne startet, für dass sich andere renomierte Zeitungen bereitwillig instrumentalisieren lassen? Oder um es mit Hape Kerkeling zu fragen: Darf ein Präsident auch mal sauer sein?

Unabhängig davon, was in der Kreditaffäre letzten Endes rauskommt, ist die Methode der Presse, unausgegorene Spekulationen als Grundlage für Spekulationen über Glaubwürdigkeit, die man durch fragwürdige Umfragen einholt, zu verwenden, das eigentliche Skandalon dieser Tage. Es kommt ihnen doch eh nur darauf an, wie lange ein derartiges Thema in der Presse ist.

Selbst gestandene Zeitungen unterscheiden kaum noch zwischen Gerüchten in dieser Angelegenheit, völlig harmloser Begleitmusik, handfesten Vorwürfen und klärbaren Fragen. Die Rolle der Medien wird dabei geradezu ausgeklammert, als ob sie tatsächlich, wie oftmals gefordert, keine Rolle spielte. Es wird immer weitergestochert bis das Stochern die eigentliche Meldung ist. Die Glaubwürdigkeit des Bundespräsidenten hängt von der dieses Amt inne habenden Person ab, nicht vom Amt selbst.

Die Glaubwürdigkeit der Medien hängt davon ab, inwiefern sie in der Lage sind, ein Thema fachkundig zu analysieren. Eine Zeitung, die diese Glaubwürdigkeit nicht mehr besitzt, wird auch nicht mehr gekauft. Wieso auch.

Wie die Medien Christian Wulff absägen wollen

Vielleicht hat es die sogenannten Qualitätsmedien gewurmt, dass gen Jahresrückblick der Rücktritt Guttenbergs dem Internet angekreidet wird und die traditionellen Medien dies nur kommentieren durften. Bezüglich der Kreditaffäre von Christian Wulff sind die Blogger etc. deutlich ruhiger. Mit Recht. Denn Christian Wulff hat schlicht recht, wenn er meint, nicht gegen das Ministergesetz des Landes Niedersachsen verstoßen zu haben. Und dies ist nicht bloß juridisch so.

Dies scheint aber nicht all zu leicht eingesehen zu werden, weder bei traditionellen Medien noch bei der Politik:


Altmaier hat wohl nicht ins niedersächsische Ministergesetz geschaut. Sonst würde er nicht sagen, es läge juristisch kein Fehlverhalten vor.
@EvaHoegl
Dr. Eva Högl, MdB

Und so ein Satz von einer Juristin aus Osnabrück. Vielleicht stützt sich diese Aussage auf Hans Herbert von Arnim, der in der taz meinte, Wulff habe gegen das sogenannte Ministergesetz Niedersachsen verstoßen, dass Darlehen, die in Bezug auf ein Amt eines Landtagsabgeordneten stehen, verbietet. Für Arnim ist der Bezug auf ein Amt durch die Begleitungen des Kreditgebers auf Reisen Wulffs gegeben. Dabei darf sich ein Ministerpräsident beraten lassen, von wem er will.

Wulff und sein Kreditgeber kennen sich schon seit vor seiner Zeit als Landtagsabgeordneter. Es besteht demnach keine Vorteilsnahme durch sein Amt als Ministerpräsident. Es besteht auch keine geschäftsmäßige Beziehung, da der Krediet nichts mit Wulffs Beruf als Rechtsanwalt zu tun hat und auch der Kreditgeber nicht hauptberuflich Kredite vergibt. Und somit ist die Sachlage eindeutig: Es gibt keinen juristischen Verstoß.

Wollen die traditionellen Medien nun ernsthaft aus dem nicht-juristischen einen moralischen Verstoß machen, indem sie behaupten, ein Politiker dürfe sich privat kein Geld von Freunden leihen?

Wieso die taz darauf kommt, Wulffs Haus sei dubios finanziert, wieso der SPIEGEL meint, Wulff habe moralisch Kredit verspielt, wieso Heribert Prantl glaubt, das Kreditverhalten Wulffs sei falsch gewesen – das alles bleibt unklar und wirft die Frage auf, ob die traditionellen Medien nichts besseres zu tun haben, als dieses Blabla zu skandalisieren.

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