Buddyjournalismus

Die IVZ hat ein offenbar Anfang Dezember aufgenommenes, aber erst jetzt gebrachtes Interview mit Jürgen Coße veröffentlichtes und wer gedacht hat, bei so etwas geht es kritisch zu, der ist vielleicht etwas naiv. Nein, der Lokaljournalismus vor Ort ist eben Gefälligkeitsjournalismus, der Journalist duzender Stichwortgeber und fällt, wenn man den Kandidaten persönlich kennt, gleich ganz aus seiner Funktion des kritischen Betrachters. Da wird sich kaum vorbereitet, da wird nicht nachgefragt, da wird dem Befragten kritiklos alles abgenommen. Das Gespräch erreicht keine Tiefe und verkauft die Reputation der IVZ der Wahlkampf-PR.

Es ist offenkundig bei der Wahl des Kandidaten für den Bundestag im Wahlkreis vor Ort mehr vorgefallen, als das ein unterlegener Mitbewerber sauer wegen seiner Niederlage war. So wenig günstig das für die SPD ist, so sehr ist es die Aufgabe eines mündigen Journalisten, hier nachzuhaken, Antworten zu bekommen auf Fragen, die sich aus der Lektüre der Lokalpresse ergeben. Aber offenbar hemmt die Aboverlustangst derartige Grundfähigkeiten. Das ist Journalismus, der sich aufgegeben hat.

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Guten Morgen

Morgenkaffee

Auch nach Weihnachten kann man Geschenke verteilen: Rösler und Altmaier versorgen verdiente Parteikollegen mit Posten.

Beim Fluter schreibt Felix Mahlwinkel unter Pseudonym über die Scham, die eine Kindheit in Armut begleitet.

Friedemann Karig widmet sich der Silvesterparanoia, unbedingt am letzten Tag des Jahres was Bedeutungsvolles vor zu haben.

Anneke Bokern schließt ihr Blog. Danke für den Fisch.

Und während ich mir die Frage stelle: Ist es eigentlich out, sich über diese Politikmauscheleien aufzuregen? hole ich mir erstmal noch einen Kaffee.

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Neu im Bücherschrank(13): Heinz Strunk – Fleisch ist mein Gemüse

Neuerung! Die 13 soll nun mal Glück bringen, es ist das erste Buch, das woanders, und zwar im Bücherschrank am Rheinufer in Düsseldorf, eingestellt wurde.

Um den dortigen Bücherschrank geht es naturgemäß munterer zu, denn er steht an einem vielbesuchtem Ort. Auch die Qualität der Bücher ist eine andere, es sind Bücher inimage – sagen wir mal – gebrauchterem Zustand dort zu besichtigen, aber auch tiefgehendere. Bücher von Theodor Adorno und Horst-Eberhard Richter habe ich in Ibbenbüren noch nicht stehen sehen. Dafür sahen sie aber auch so aus, dass ich sie habe stehen lassen.

Vor mir interessierte sich eine Familie für Gretchen Sackmeier von von Christine Nöstlinger und bekam von gegenüber gleich den Hinweis, dass das Buch ungemein unterhaltsam sei. Gespräche über Literatur gehen demnach dort zeimlich ungezwungen und direkt von statten. Dagegen gäbe es beim Bücherschrank am Friedensplätzchen in Düsseldorf nur Schrott, wie ich von irgendwoher aufschnappte.

Vor mir stellte dann jemand an die 20 Bücher ins Regal, da war ich erstmal baff und dachte, unsereins mit nur einem Buch, könne da nicht gegen anstinken. Aber was immer er da reingestellt hat, es war wohl eher ein Akt des Bücherloswerdens, denn Interessantes war hinterher an der Stelle nicht zu sehen. Erstes Ausstellungsstück unsererseits ist Fleisch ist mein Gemüse von Heinz Struck. Tati war wenig begeistert von dem Buch, ich habe es irgendwann mal angelesen, war aber auch nicht nachhaltig beeindruckt. Möge es in verständnisvollere Hände wandern.

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Schoeps, Julius H. – Leiden an Deutschland

Dieses Buch ist 1990 veröffentlicht worden und ich habe es seit den 90ern irgendwo im Bücherschrank gelassen. Anfangs dachte ich, dem Thema nicht sonderlich gerecht zu sein, was durchaus zutreffend gewesen ist. Inzwischen sehe ich das anders und gottseidank hat dieses Buch nichts an seiner Aussage verloren. Gerade in der heutigen Zeit, in der mit der Beschneidungsdebatte ein Kern der jüdischen Religion zur Disposition steht, ist dieses Büchlein ein ungemein wertvolles Dokument.

Das liegt daran, dass Schoeps einerseits ein sprachlicher Virtuose ist und andererseits keine Scheu vor deutlichen Worten und scharfen Analysen hat. Bei diesen ist man verwundert, dass das Buch schon 22 Jahre alt ist.

Etwas unklar bleibt mir Schoeps Haltung von „Deutschen“ und „Juden“ und der zu seiner Zeit festgestellten Nichtintegrierbarkeit. Mir kommt der Begriff der „Deutschen“ schlicht zu undifferenziert vor. Auch andere Gruppen, auch Deutsche in Teilen Deutschlands, die nicht ihre Heimat sind, können von Integrationsproblematiken ein Lied singen. Es ist fraglich, ob die Referenz „Deutsche“ in dieser Hinsicht nicht schlicht zu pauschal und schwarzmalerisch ist, um das Problem des Fremdseins im eigenen Land zu fassen.

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