How to stand a shitstorm

Ich kri­tisiere Sascha Lobo ab und an wegen der Logik­löch­er in seinen vor­ge­tra­ge­nen Ansicht­en, das soll aber nicht heißen, dass ich ihn als argu­men­tierende Per­son ver­w­erfe, ver­nicht­en möchte oder ignoriere. Manch­mal muss man die guten Dinge in ein­er Sache halt auch erst ein­mal find­en.

Zum Beispiel hat er einen Vor­trag gehal­ten, der den Titel How to sur­vive a shit­storm trägt, wobei er gle­ich ein­räumt, dass er die im Titel angedeutete Frage wed­er behan­delt, noch beant­wortet. Was er aber den­noch tut, ist, zwei Dinge her­auszustellen:

  1. Bei The­matiken, die von öffentlichem Inter­esse sind, muss man heutzu­tage jed­erzeit mit der Möglichkeit eines Shit­storms rech­nen.
  2. Mit Leichtigkeit kann man selb­st Teil eines Shit­storms sein.

Man kann sich dem­nach vor­bere­it­en, inner­halb des möglichen Punk­tes 1. nicht unterzuge­hen, und zweit­ens nicht über Punkt 2 zu stolpern.

How to nav­i­gate

Der let­zte Shit­storm, den ich durch­manöverte, fand sich in Face­book statt. Face­book bietet einige Möglichkeit­en, den Sturm abzuschwächen. Man kann Diskus­sio­nen löschen, Leute aus Grup­pen sper­ren, Mit­teilun­gen unsicht­bar machen etc. pp. Das wirk­lich Gute: Man kann mit ein wenig Übung sehr gut analysieren, wer da genau aus welchen Grün­den was postet. So lässt sich geschickt eine ganze Meute lenken.

In diesem speziellen Shit­storm gaben sich etwa 7 Leute ein­er sozialen Gruppe die Klinke in die Hand, holten sich Bei­s­tand bei weit­eren Face­book-Nutzern und liketen die eige­nen Beiträge voll­ständig durch.

Nun sollte man auf Likes auf Face­book nichts geben: Sie bedeuten kaum etwas, mehrere Likes auf das­selbe Post­ing müssen nicht das­selbe aus­drück­en, ein Garant für ein gutes Argu­ment sind sie auch nicht — kurzum: Man ver­passt nichts, wenn man sie ein­fach ignori­ert.

Ich ging nun daran, eini­gen aus dieser Meute Fra­gen zu Behaup­tun­gen zu stellen, die nicht halt­bar waren. Und schon hier kann man darauf acht­en, bes­timmten Leuten nicht zu antworten, so dass diese sich ver­nach­läs­sigt fühlen. Denn so sehr man motzt, man möchte schon wahr genom­men wer­den. Und so ist die Meute schon geteilt: In diejeni­gen, denen geant­wortet wird, und diejeni­gen, denen keine Aufmerk­samkeit geschenkt wird.

Nun war diese Gruppe nur der lunatic fringe1. ein­er Per­son außer­halb dieser Diskus­sion, d.h. es brauchte auf bes­timmte Aspek­te, die dieser Gruppe nicht geläu­fig sind, nicht einge­gan­gen wer­den — dadurch wird das Spielfeld verklein­ert. Ander­er­seits weiß man so, dass der Hor­i­zont der Gruppe beschränkt ist und spielt den Ball besten­falls in die Region, wo die Gruppe nichts zuzuset­zen hat.

Das funk­tion­ierte im konkreten Fall auch wie am Schnürchen: Auf die Hälfte der Gruppe wurde einge­gan­gen, deren Behaup­tun­gen angreif­bar dargestellt und vorge­führt. Bei aller Mob­haftigkeit: Sowas will man auch nicht. Es endete in der Kapit­u­la­tion und unzufrieden und verärg­ert wurde das Feld geräumt. Mitgenom­men wurde nur, dass man die Gruppe unter Beobach­tung nahm.

After the storm

Was ich mitgenom­men habe:

  1. Stürme sind anstren­gend, aber es lohnt sich zu beste­hen.
  2. Man muss den­noch nicht jeden Sturm mit­nehmen.
  3. Leute, die erregt etwas ins Inter­net posten, kann man aus­brem­sen. Oft­mals merken diese gar nicht, dass sie sich in der Diskus­sion ver­heben2.
  4. Man darf schriftliche Äußerun­gen im Netz nicht gle­ich­w­er­tig zu Auseinan­der­set­zun­gen von Angesicht zu Angesicht set­zen.
  5. Das Ertra­gen eines Mobs sollte nicht zu Mob­bing führen.

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1. Danke für die For­mulierung an Flusskiesel.
2. John Cleese on Stu­pid­i­ty

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