Lesezeichen vom 22.09.2011

Die Nachtgeschichten von heute

  • Why You Should Lis­ten to War­ren, Not Buf­fett — TheStreet — The­re is nobo­dy in this coun­try who got rich on his own. Nobo­dy. You built a fac­to­ry out the­re? Good for you. But I want to be clear: you moved your goods to mar­ket on the roads the rest of us paid for; you hired workers the rest of us paid to edu­ca­te; you were safe in your fac­to­ry becau­se of poli­ce forces and fire forces that the rest of us paid for. You didn’t have to worry that mar­au­ding bands would come and sei­ze ever­y­thing at your fac­to­ry, and hire someo­ne to pro­tect against this, becau­se of the work the rest of us did. Now look, you built a fac­to­ry and it tur­ned into some­thing ter­ri­fic, or a gre­at idea? God bless. Keep a big hunk of it. But part of the under­ly­ing soci­al con­tract is you take a hunk of that and pay for­ward for the next kid who comes along.
  • Wolf­gang Michal über Robin Meyer-Lucht: Er lieb­te die Debat­te | ZEIT ONLINE — Das Inter­net, mahn­te 2007 der Medi­en­theo­re­ti­ker Micha­el Gies­ecke in sei­ner Stu­die Die Ent­de­ckung der kom­mu­ni­ka­ti­ven Welt, besitzt eine ent­schei­den­de Schwach­stel­le: Es fehlt ihm die per­sön­li­che Dimen­si­on. Wäh­rend wir in der rea­len Welt den Sub­text eines Dia­logs am Ver­hal­ten unse­res Gesprächs­part­ners able­sen kön­nen, ist uns das im Inter­net ver­wehrt. Ich könn­te also nicht sagen: Ich habe Robin Meyer-Lucht gut gekannt. Und den­noch hat mich sein frü­her Tod sehr getrof­fen.
  • His­to­rie der Fami­lie Quandt in der NS-Zeit — “Bedin­gungs­lo­se Betei­li­gung am Unrecht” — sueddeutsche.de — Die­ser Schuss ging nach hin­ten los: Weil die Unter­neh­mer­fa­mi­lie Quandt mit einem NDR-Film über ihre Rol­le in der Zeit des Natio­nal­so­zia­lis­mus unzu­frie­den war, beauf­trag­te sie Joa­chim Schol­tyseck eine gründ­li­che neue Geschich­te der Unter­neh­mer­dy­nas­tie zu ver­fas­sen. Nun liegt das Buch vor — doch der His­to­ri­ker kommt dar­in vor allem zu belas­ten­den Ergeb­nis­sen.
  • Internet-Law » Das baye­ri­sche Stuttgart21 — Der Mün­che­ner Flug­ha­fen hat unglaub­li­che 2,23 Mil­li­ar­den Euro Schul­den, Ten­denz deut­lich stei­gend, auch wenn die Flug­ha­fen­ge­sell­schaft (FMG) dies mit neu­en Bilan­zie­rungre­geln zu begrün­den ver­sucht
  • Im Enten­teich — Robin Meyer-Lucht — Robins Erschei­nung konn­te täu­schen. Mit sei­nen schi­cken Anzü­gen und sei­ner moder­nen Haar­tracht sah er aus wie einer, der was mit Medi­en macht, und zwar erfolg­reich. Das stimm­te ja auch. Aber hin­ter der ele­gan­ten Fas­sa­de ver­barg sich kein Kar­rie­rist. Robin war ein Non­kon­for­mist. Er war geschla­gen mit einer blit­zen­den Intel­li­genz, die immer wie­der mit ihm durch­ging. Freund­lich war er, ja, und woll­te es sein. Es konn­te sein, dass er auf einer Podi­ums­dis­kus­si­on kon­zi­li­ant begann, aber am Ende lag bei aller Ver­bind­lich­keit die Wahr­heit glas­klar auf dem Tisch. Wer genau hat den Medi­en­wan­del, der in den alten Medi­en lan­ge kaum the­ma­ti­siert wur­de, in den letz­ten zehn Jah­ren so kri­tisch und begeis­tert beglei­tet?
  • Dümms­te Gra­fik des Jah­res (mit herz­li­chem Dank ans FBI) | zoon poli­ti­kon | ScienceBlogs.de
  • Main-Kinzig-Kreis: Grü­ner wegen Twit­ter aus Amt gedrängt | hr — Kei­ne poli­ti­schen Twitter- und Blog-Einträge mehr oder raus aus dem Frak­ti­ons­vor­stand: Die Grü­nen im Main-Kinzig-Kreis haben ihren Vize-Chef vor die Wahl gestellt. Der trat nun zurück und fühlt sich an die DDR erin­nert.
  • Sagen Sie jetzt nichts, Micha­el Sti­pe -Süd­deut­sche Zei­tung Maga­zin
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The angry fake

One or ano­t­her way there’s some­thing fun­ny going on: Mark David­son used twit­ter to show how com­pe­tent he was with soci­al media. The­re are now updates on his account, in which someo­ne claims to be his ghost­wri­ter:


The ghost­wri­ter says he’s been fired from his poor­ly paid job. But the­re are still 3 other ghost wri­ter. Eit­her this is the truth or it’s a giant mar­ke­ting trick.
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Zwischen Verschwörungstheorie und Überwachungsperfektion: Das Projekt INDECT

Wenn man eine neue Welt­be­herr­schungs­ge­schich­te aus Moti­ven von Orwells 1984, Dicks Mino­ri­ty Report und Dür­ren­matts Die Phy­si­ker schrei­ben woll­te, dann käme wohl so etwas raus wie INDECT. INDECT ist das “Intel­li­gen­te Infor­ma­ti­ons­sys­tem zur Unter­stüt­zung von Über­wa­chung, Suche und Erfas­sung für die Sicher­heit von Bür­gern in städ­ti­scher Umge­bung”. Und über­wacht, gesucht und erfasst wer­den: Bür­ger.

Ob in Fuß­ball­sta­di­en, in der Stra­ßen­bahn, am Bahn­hof, in Ein­kaufs­zen­tren oder beim Demons­tra­tio­nen: In Deutsch­land wer­den Men­schen in der Öffent­lich­keit dau­ernd über­wacht. Das Pro­jekt INDECT sieht vor, die Daten von allen ver­füg­ba­ren Über­wa­chungs­sys­te­men zu sam­meln und in Echt­zeit aus­zu­wer­ten: Vor­rats­da­ten­spei­che­rung, Han­dy­or­tung, Tele­fon­über­wa­chung, fest instal­lier­te und mobi­le Video­ka­me­ras, Gesichts­er­ken­nung, bestehen­de Daten­ban­ken und Inter­net­sei­ten. Damit lie­ße sich eine mobi­le Ziel­ver­fol­gung, wie man sie aus Kriegs­sze­na­ri­en kennt, in Innen­städ­ten durch­füh­ren. Die Pro­jekt­ver­ant­wort­li­chen haben ihre Phan­ta­si­en dazu auch schon ver­filmt. Bis­lang schei­ter­ten der­ar­ti­ge Daten­samm­lungs­pro­jek­te immer am Infor­ma­ti­ons­über­fluss und an zuein­an­der inkom­pa­ti­blen Daten­ban­ken. Die­ses Pro­blem hat man inzwi­schen in den Griff bekom­men.

Weil die Poli­zei mit einem sol­chen Pro­jekt schon per­so­nell über­for­dert wäre, sol­len Com­pu­ter die Arbeit über­neh­men und Video­auf­nah­men nach abnor­ma­lem Ver­hal­ten aus­wer­ten. Unter­sucht wer­den also ent­ge­gen aller Unschulds­ver­mu­tung alle erfass­ten Per­so­nen. Abnor­ma­les Ver­hal­ten besteht nach Vor­ga­be des Pro­jekts u.a. beim Flu­chen in der Öffent­lich­keit, beim Ren­nen am Flug­ha­fen, bei zu lan­gem Auf­ent­hal­ten in Tür­be­rei­chen, aber auch beim Zusam­men­tref­fen zu vie­ler Per­so­nen in Fuß­gän­ger­zo­nen. Hoo­li­gans, Sexu­al­straf­tä­ter und Ter­ro­ris­ten sind die übli­chen Ver­däch­ti­gen, nach denen Aus­schau gehal­ten wer­den soll. Die Ergeb­nis­se der Com­pu­ter­un­ter­su­chun­gen wer­den schließ­lich zu einem auto­ma­ti­schem Benach­rich­ti­gungs­sys­tem wei­ter­ge­lei­tet. Der ers­te ernst­haf­te Ein­satz von INDECT könn­te bei der Fußball-WM 2012 in Polen statt­fin­den. Zwar sagen die Pro­jekt­ver­ant­wort­li­chen, dass nicht geplant sei, INDECT dort ein­zu­set­zen, aber Geneh­mi­gun­gen zu Test­zwe­cken in Sta­di­en wur­den auch für die­sen Zeit­raum ein­ge­holt. Neben der nor­ma­len Über­wa­chung plant man beim Pro­jekt INDECT, Fan­ge­sän­ge live auf eine auf­kei­men­de Bedro­hung abzu­hö­ren. Für die Über­wa­chung an Orten mit zu wenig instal­lier­ten Kame­ras sind Droh­nen vor­ge­se­hen, die mit Kame­ras aus­ge­stat­tet sind. Der­ar­ti­ge Flug­ge­rä­te wer­den in Deutsch­land schon bei Castor-Transporten ein­ge­setzt.

In Deutsch­land ist neben Video­über­wa­chungs­fir­men die Uni­ver­si­tät Wup­per­tal an INDECT betei­ligt. Dort erforscht man für das Pro­jekt, inwie­fern sich aus Bil­dern und Vide­os Anzei­chen von mög­li­cher­wei­se straf­ba­ren Hand­lun­gen erken­nen las­sen. Die zustän­di­gen Wis­sen­schaft­ler in Wup­per­tal sehen sich aller­dings nicht in irgend­ei­ner Ver­ant­wor­tung für die Fol­gen ihrer For­schung. Man lie­fe­re nur die Grund­la­gen­for­schung und sei nicht für die Ver­wen­dung ihrer Ergeb­nis­se zustän­dig. Von Gewis­sens­bis­sen, wie sie Dür­ren­matts Phy­si­ker plag­ten, kei­ne Spur. Eben­so wie die EU-Kommission stellt man es so dar, als ob es sich bei INDECT bis­lang nur um ein auf blo­ße For­schung begrenz­tes Pro­jekt han­delt. Der AStA Wup­per­tal sowie wei­te­re lin­ke Stu­den­ten­grup­pen for­dern seit letz­tem Novem­ber den sofor­ti­gen Aus­stieg der Uni­ver­si­tät aus die­sem Pro­jekt. Das Ver­hal­ten der Wup­per­ta­ler For­scher sei so, meint Kai Not­h­durft, als ob man eine Waf­fe erfin­det, aber nicht mit­ver­ant­wort­lich sei, wenn jemand die­se Waf­fe tat­säch­lich benutzt. Im Kern befin­det sich die Wis­sen­schaft hier in einem Zwie­spalt. Wie kann man sich vehe­ment gegen die Tren­nung von Wis­sen­schaft­ler und Ver­tei­di­gungs­mi­nis­ter weh­ren, wäh­rend man die Auf­tei­lung in For­scher und Ver­ant­wort­li­che hin­nimmt?

Das EU-Projekt ist auch auf poli­ti­scher Ebe­ne höchst umstrit­ten: Zwar gibt es eine Ethik-Kommission für die­ses Pro­jekt, aller­dings durf­ten die Pro­jekt­ver­ant­wort­li­chen die­se Kom­mis­si­on nach eige­nem Ermes­sen beset­zen. Und so ent­schei­det die Ethik-Kommission inzwi­schen neben ihrer eigent­li­chen Auf­ga­be auch dar­über, wel­che Infor­ma­tio­nen über das Pro­jekt her­aus­ge­ge­ben wer­den. Das führt zu so bizar­ren Situa­tio­nen wie der fol­gen­den: Das EU-Parlament hat an das Pro­jekt eine Anfra­ge gestellt, nach wel­chen Kri­te­ri­en die Ethik­kom­mis­si­on besetzt wor­den sei. INDECT ver­wei­ger­te schlicht die Aus­kunft.

Noch ste­hen der Umset­zung der For­schun­gen des Pro­jekts tech­ni­sche und recht­li­che Hür­den im Weg. Aller­dings meint der EU-Abgeordnete Alex­an­der Alva­ro (FDP), die “Men­schen­such­ma­schi­ne” INDECT sei wie “ein Tan­ker, der schwer auf­zu­hal­ten sei, wenn er erst ein­mal auf Kurs ist”. Wer pro­fi­tiert also von die­sem Pro­jekt?

Pro­jekt­be­tei­lig­te erzäh­len ziem­lich offen, dass wirt­schaft­li­che Inter­es­sen durch­aus eine Rol­le spie­len:

Why not com­mer­cia­li­zing it?

Gut, viel­leicht schon des­we­gen nicht, weil die­ses Pro­jekt öffent­li­che Gel­der ver­schlun­gen hat. Aber wer an der­ar­ti­gen Stel­len auf rhe­to­ri­sche Fra­gen zurück­greift, der will über Daten­schutz wohl nicht ernst­haft nach­den­ken.

Es ist der­zeit nicht zu sagen, ob der­ar­ti­ge Pro­jek­te zu mehr Sicher­heit füh­ren oder die Bür­ger durch Dau­er­über­wa­chung zutiefst ver­un­si­chern. Aller­dings könn­te INDECT ein Para­de­bei­spiel sein, wie Innen­po­li­tik durch sekun­dä­re Inter­es­sen aus­län­di­scher Orga­ni­sa­tio­nen und Aus­nut­zung von Schwach­stel­len der EU beein­flusst wird, und natio­na­le Restrik­tio­nen umgan­gen wer­den.

Dann wäre nicht mehr die Fra­ge, ob der Schutz vor kör­per­li­cher Unver­sehrt­heit gegen den Schutz der Pri­vat­sphä­re aus­ge­spielt wird, zen­tral, son­dern ob Maß­nah­men zur phy­si­schen Sicher­heit der Bevöl­ke­rung die Staats­auf­ga­be zur Her­stel­lung von Rechts­si­cher­heit unter­gra­ben.

wei­ter­füh­ren­de Links:
Sei­te des FIfF zu Indect — http://panopticum-europe.eu/

https://secure.wikimedia.org/wikipedia/de/wiki/Indect

Die Pro­jekt­sei­te – http://www.indect-project.eu/
Dom­in­go Con­te – http://nomenom.blogspot.com/2011/01/projekt-indect_15.html, http://nomenom.blogspot.com/2011/01/uberwachungsstaat-20.html
West­deut­sche Zei­tung, 15.02.2011 – http://www.wz-newsline.de/home/panorama/video-ueberwachung-indect-grosser-bruder-aus-wuppertal-1.578701

Pira­ten­par­tei Deutsch­land – www.stopp-indect.info
Alex­an­der Alva­ro im Deutsch­land­funk – http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/thema/1367715/

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Guten Morgen

Morgenkaffee

Trau­ri­ge Zeit: Jens Scholz macht dar­auf auf­merk­sam, dass neben dem Tod von Robin Meyer-Lucht der eines wei­te­ren Blog­gers zu ver­zeich­nen ist.

Der Süd­deut­schen Zei­tung ist die Tren­nung von Ste­fa­nie Her­tel und Ste­fan Mross zu undra­ma­tisch. Man könn­te manch­mal heu­len — über das Niveau die­ser Zei­tung.

Aber blei­ben wir bei die­sem Klatsch­blatt: Pro7 ver­pflich­tet die Teil­neh­mer an Ger­ma­nys Next Top­mo­del für Pro7-Sendungen, in denen die Models in eige­nen Wor­ten, wenn’s hart auf hart kommt, als

Ram­pen­sau auf irgend­ei­ner Alm in der Kuh­schei­ße irgend­was mode­rie­ren

Fried­rich Küp­pers­busch erklärt die­se Woche Pira­ten:

[audio:http://httpmedia.radiobremen.de/mediabase/055852/055852_192283.mp3|artists=Friedrich Küp­pers­busch auf Radio Bremen|titles=Piraten]

Und wäh­rend ich mir die Fra­ge stel­le: Könn­te man Pro7 nicht der Ein­fach­heit hal­ber umbe­nen­nen in ‘In der Kuh­schei­ße’? hole ich mir erst­mal noch einen Kaf­fee.

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