Guten Morgen, liebe Folglinge! ☕

Archiv für den 2. August 2011

Guten Morgen

Morgenkaffee

die einen sind im Dunkeln.
Und die andern sind im Licht.
Und man sie­h­et die im Lichte.
Die im Dun­keln sieht man
nicht.

Mir ist eine sol­che Wel­le von Mit­leids­be­kun­dun­gen im deut­schen Inter­net für jeman­den, des­sen Äuße­run­gen im Inter­net so bekannt, die das Inter­net, wie wir es kann­ten, so lesens­wert mach­ten, des­sen Per­son aber ver­gleichs­wei­se so unbe­kannt war, noch nie begegnet:

Stell­ver­tre­tend: Ste­fan Nig­ge­mei­er über Jörg-Olaf Schä­fers.

Wei­ter im Text: Don Dah­l­mann und Anke Grö­ner rücken auch noch ihre Twit­ter­lieb­lin­ge des Juli raus.

Det­lef Kuhl­brodt hat das Mani­fest von Anders Beh­ring Bre­vik gele­sen, dar­in nichts Intel­lek­tu­el­les, son­dern unterm Strich nur Affekt­ar­mut gefun­den.

Und wäh­rend ich mir die Fra­ge stel­le: Soll­te man nicht doch mal über die Wir­kung von Bal­ler­spie­len reden? hole ich mir erst­mal noch einen Kaffee.

Fingerübung

Wie die Springerpresse Guttenberg rückplagiiert

Ich weiß nicht, wie man so arbei­ten kann, wie man bei der Sprin­ger­pres­se arbei­tet, aber es scheint Metho­de zu haben. Tho­mas Vitzt­hum schreibt auf welt.de, Gut­ten­bergs “Dis­ser­ta­ti­on”

setzt sich mit der Ent­wick­lung auch der ame­ri­ka­ni­schen Ver­fas­sung aus­ein­an­der. Schon ganz zu Beginn beschäf­tigt sie sich mit den „Fun­da­men­tal Orders of Con­nec­ti­cut“. Hier hat­ten die Pla­gia­te­jä­ger nichts zu beanstanden. 

Das klingt ja schon mal inter­es­sant für eine Arbeit, bei der die Pla­gia­te­jä­ger auf 94,4% der Sei­ten Pla­gia­te ent­deckt haben. Die Text­stel­le umfasst die Sei­ten 24–27 der “Dis­ser­ta­ti­on” Gut­ten­bergs. Pla­gia­te fin­den sich auf den Sei­ten 24, 25, und 27. Dass auf 3 von 4 Sei­ten Pla­gia­te bean­stan­det wer­den, nennt Vitzt­hum “nichts zu beanstanden”.

Wer so arbei­tet, kann auch wäh­rend eines Gewit­ters nach drau­ßen schau­en und sagen, von Regen kön­ne kei­ne Rede sein.

Schlumpflied des japanischen Frauenfußballteams

Die spin­nen, die Japaner:

Was ich noch sagen wollte zu … Modepolitik

Ich habe ja schon ein­mal gesagt: Auf die CDU haut man im Inter­net noch am liebs­ten ein. Nun hat es Sieg­fried Kau­der getrof­fen mit sei­ner Aus­sa­ge, es sei in letz­ter Zeit Mode gewor­den, Frei­heits­rech­te der Bür­ger in den Vor­der­grund zu stel­len, und Sicher­heits­as­pek­te in den Hintergrund.

Was die Inter­net­ak­ti­ven größ­ten­teils dar­aus mach­ten, war, dass Kau­der gesagt habe, das Ein­tre­ten für Frei­heits­rech­te sei eine Mode­er­schei­nung. Nur: Das hat Kau­der nicht gesagt. Falsch ver­ste­hen kann jeder Depp und das auch noch zu zele­brie­ren, zeugt nicht davon, dass man dem The­ma gewach­sen ist.

Was Kau­der unterm Strich gesagt hat, ist, dass es eine Mode gewor­den sei, Sicher­heits­rech­te der Bür­ger gegen Frei­heits­rech­te der Bür­ger aus­zu­spie­len. Man sol­le aber das eine wie das ande­re verfolgen.

Wenn man dann sowas meint wie:

Natür­lich wäre es nicht schlecht, wenn die Poli­zei genug Per­so­nal hat, um auch im Inter­net mal zu schau­en, wel­che Geis­tes­ge­stör­ten sich an wel­chem Win­kel des Net­zes gera­de austoben. 

merkt man schon gar nicht mehr, dass man wenig ande­res sagt als Kauder. 

Lesezeichen

  • Jörg-Olaf Schä­fers — … wird mir in Erin­ne­rung blei­ben als ein Mensch, der das Web2.0 wirk­lich ernst genom­men hat. Manch­mal konn­te man bei einem beson­ders kon­tro­ver­sen Arti­kel auf Netzpolitik.org die Kom­men­ta­re her­un­ter­scrol­len und stell­te dann fest, dass Jörg-Olaf bei Kom­men­tar 100 immer noch mit den Lesern dis­ku­tier­te oder Trol­le in ihre Schran­ken wies. Er war ein Mann, der viel zu sagen hat­te, und der auch viel gele­sen hat. Bei­des konn­te er gut, und bei­des zusam­men mach­te Jörg-Olaf zu einer der wich­tigs­ten Stim­men im netz­po­li­ti­schen Internet.
  • Wim­mel­bild « klei­ne Mei­se – gro­ßes Herz — Fin­de die zahl­rei­chen Feh­ler im Bild
  • Jörg Olaf Schä­fers – Irgend­was ist ja immer – Rel­oa­ded — Ich hat­te ihn in mei­nem Chat­pro­gramm unter “Freun­de” ein­ge­tra­gen und die Grup­pe steht ganz oben. Sein all­ge­gen­wär­ti­ges Pro­fil­bild war eigent­lich immer oben zu sehen, es war wie eine Insti­tu­ti­on in mei­nen Chat­kon­tak­ten. Wenn man sich auf eins ver­las­sen konn­te, dann war das die Anwe­sen­heit von Jörg. Mir ist in den letz­ten Tagen schon auf­ge­fal­len, dass sein Bild da oben in mei­nem Chat­pro­gramm fehl­te, aber es ist ja Som­mer. Viel­leicht Urlaub, dach­te ich noch. Jetzt hängt er in den Off­line Kon­tak­ten rum – und da hat er doch eigent­lich über­haupt nichts zu suchen.
  • Der unheim­li­che Erfolg der Tea Par­ty — Wut­bür­ger erobern Washing­ton — Poli­tik — sueddeutsche.de
  • Kul­tur­kampf nach Brei­viks Mas­sen­mord — Wehe, Sie sind #imin­ter­net­ge­bo­ren — Digi­tal — sueddeutsche.de
  • hei­se online — “Wir hal­ten uns für unglaub­lich schlaue Leu­te. War­um beneh­men wir uns dann nicht auch so?” – zum Tod von Jörg-Olaf Schä­fers — Jörg-Olaf Schä­fers arbei­te­te meist aus der zwei­ten Rei­he. Als ande­re das Blog­gen zum Brot­er­werb und zum Mar­ken­ar­ti­kel mach­ten, lösch­te er sein eige­nes Blog, das er “yet ano­t­her media blog” getauft hat­te. Statt­des­sen arbei­te­te er bei vie­len ande­ren Pro­jek­ten mit. So war er seit Jah­ren in der Nomi­nie­rungs­kom­mis­si­on des Grimme-Online-Awards, bestück­te eine Kolu­me in der Frank­fur­ter All­ge­mei­nen Sonn­tags­zei­tung und arbei­te­te beim “Elek­tri­schen Repor­ter” mit. Zu öffent­li­chen Auf­trit­ten muss­te er von Freun­den eher genö­tigt wer­den. Trotz gesund­heit­li­cher Pro­ble­me reis­te er aber öfters quer durch Deutsch­land, um einen Dia­log mit Men­schen in Gang zu brin­gen, die – anders als er – das Netz nicht als Lebens­raum ent­deckt hatten.
  • Bro­der und das Breivik-“Manifest”: “Man braucht einen Sün­den­bock” — Pan­ora­ma | STERN.DE — Sie sind immer­hin der neben Thi­lo Sar­ra­zin pro­mi­nen­tes­te Islam-Kritiker Deutsch­lands. — Bro­der: Ich habe in der Islam-Debatte ziem­lich vor­ne mit­ge­wirkt, bis­lang gab es kei­ne Mög­lich­keit, mir was anzu­hän­gen. Jetzt zitiert die­ser irre Atten­tä­ter den nor­we­gi­schen Blog­ger Fjord­man, der sei­ner­seits mich zitiert. Kei­ner der Leu­te, die jetzt über mich her­fal­len, macht sich die Mühe, auch nur einen ein­zi­gen Beleg dafür anzu­füh­ren, dass ich irgend­was gesagt habe, das inhalt­lich mit dem Blog­ger über­ein­stimmt. Ich habe nichts gegen Mosche­en und ich habe nichts gegen glei­che Rech­te für Immi­gran­ten. Ich hät­te in der Schweiz auch gegen das Minarett-Verbot gestimmt. Dass sich jetzt alle an mir aus­to­ben, sind irgend­wel­che kol­lek­ti­ven Psy­cho­sen. Ein Teil der Öffent­lich­keit ist ein­fach aus­ge­ras­tet. Da hat jede Ratio ausgesetzt.
  • jörg-olaf schä­fers ist tot — wirres.net, fach­blog für irrele­vanz — jörg-olaf schwomm nie mit dem strom, son­dern stets mit sei­nen über­zeu­gun­gen. wir waren nicht immer der glei­chen mei­nung, aber ich hat­te stets das gefühl, dass sei­ne über­zeu­gun­gen oder argu­men­te fun­dier­ter als mei­ne waren. er hat­te die sel­te­ne fähig­keit din­ge zu ende zu den­ken — oder zumin­dest wei­ter als ich. auch des­halb wird er nicht nur mir, son­dern der welt fehlen.
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