Heute mal eine plagiatfreie Morgenbegrüßung aus Duisburg, wo mein Zug gerade steht.
Nessy ist in der Straßenbahn zwei Calmund-Irokesinnen begegnet mit Teilzeithoffnung.
Kiki badet in Fernseherinnerungen rund um Werner Höfer und den kleinen Maulwurf.
Rolf Eden verklickert im Küchenradio, dass er der Frau, die dem schon etwas Betagtem den finalen Orgasmus verpasst, 250.000 Ocken vermacht:
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Und während ich mir die Frage stelle: Darf eine Finalistin Eden denn dann auch nachträglich eine verpassen, damit die Anstrengung nicht ein Halbfinale wird? hole ich mir erstmal noch einen Kaffee.
[ Foto: Luc van Gent ]
Ja, man kann in Deutschland viel über den Öffentlich-rechtlichen Rundfunk meckern. Aber manchmal ist es auch rührend, wie er sich um seine Adressaten kümmert. Zum Beispiel, wie sich das ZDF um sein nachmittagliches Soap-Publikum kümmert. Als Guttenberg nach seiner Pressekonferenz in der letzten Woche nicht zurücktrat, da verklickerte das ZDF das den Soapies so:
Mit hier meinen die wohl Deutschland, wenn ich das richtig verstehe. Na, und nun raten Sie doch mal, wie das ZDF den Soapies heute Guttenbergs metaphorisch verklickert hat.
JAWOHL!
Die CSU fordert gerade zwar, dass man sich zurücknehmen soll, was die Kritik an der Person Karl Theodor Guttenberg anbelangt, aber wie kann man das, wenn der immer wieder nachlegt. Es ist ist schlicht eine inhaltliche Zumutung, was Guttenberg heute als Rücktrittserklärung von sich gegeben hat. Als Ersatz einer Selbstkritik müssen natürlich tote Soldaten herhalten:
Nachdem dieser Tage viel über Anstand diskutiert wurde, war es für mich gerade eine Frage des Anstandes, zunächst die drei gefallenen Soldaten mit Würde zu Grabe zu tragen und nicht erneut ihr Gedenken durch Debatten über meine Person überlagern zu lassen.
Was hat denn das in einer Rücktrittsrede wegen Hochstapelei zu suchen? Es dient nur der Beweihräucherung der eigenen Person.
Ich habe wie jeder andere auch zu meinen Schwächen und Fehlern zu stehen. Zu großen und kleinen im politischen Handeln, bis hin zum Schreiben meiner Doktorarbeit. Und mir war immer wichtig, diese vor der Öffentlichkeit nicht zu verbergen.
Das sagt jemand, der in seiner Doktorarbeit auf 70% der Seiten Plagiate verwendet und so demonstriert, wie man eigene Fehler vor der Öffentlichkeit vertuscht: Die Guttenbergsche Doktorarbeit ist doch der Inbegriff dessen, was man unter einem Plagiat versteht. In der Reueunwilligkeit eines Dandies nimmt Guttenberg eine Kritikbefreiung seines Tuns in Anspruch, nur um im Abgang ein Loblied an seine eigene moralische Verfassung zu singen:
Ich war immer bereit, zu kämpfen, aber ich habe die Grenzen meiner Kräfte erreicht.
Er hat sich heroisch aufgeopfert für die anderen und jetzt kann er nicht mehr. Welch ein Held. Die heisse Luft, die er da von sich gibt, nennt er Kampf. Das ist derselbe Kampf, mit dem er letzte Woche seine Doktorarbeit verteidigt hat. Aber inhaltlich kam nichts. GAR NICHTS. Er hat ja noch nicht einmal erklärt, was er unter einem Fehler in seiner Doktorarbeit versteht. Er hat ja noch nicht einmal selbst im Blick, über wieviele Texte sich sein Plagiat erstreckt, wieviele Texte des wissenschaftlichen Dienstes des Bundestags er verwurstet hat.
Aber dass ANDERE in dieser Angelegenheit Fehler gemacht haben, das weiß er. Das kann er auch genau auslegen und darüber urteilen:
Wenn allerdings, wie in den letzten Wochen geschehen, die öffentliche und mediale Betrachtung fast ausschließlich auf die Person Guttenberg und seine Dissertation statt beispielsweise auf den Tod und die Verwundung von 13 Soldaten abzielt, so findet eine dramatische Verschiebung der Aufmerksamkeit zulasten der mir Anvertrauten statt.
Man vergeht sich an toten, deutschen Soldaten, wenn man Guttenberg in seiner Glaubwürdigkeit und Merkel in ihrem wissenschaftsfeindlichen Festhalten an Guttenberg angreift. Sachkritik ist Instrument derer, die sich menschenverachtend auf diejenigen stürzen, die das Volk liebt. So weit habe ich Guttenberg verstanden.
Diese Großkotzigkeit ist wirklich bodenlos.
- Plagiatsaffäre – Guttenberg und die Erregungsgesellschaft – sueddeutsche.de – Karl-Theodor zu Guttenberg, ganz der Politprofi, hat versucht, sich mit den üblichen Tricks aus der Affäre zu winden. Letztlich ist er darüber gefallen, dass er die Wissenschaft verhöhnt hat. Das hat er verstanden. Aber die andere Ursache, und das ist typisch Guttenberg, hat wieder einmal nichts mit ihm zu tun.
- Klaus Stuttmann Karikaturen – … ich hätte ihn doch als wissenschaftlichen Assistenten einstellen sollen –
- Affäre Guttenberg: Netz besiegt Minister – SPIEGEL ONLINE – Ohne die akribische Dokumentation der Plagiate im GuttenPlag Wiki wäre die Debatte versandet. So aber brachte der Minister Deutschlands Wissenschaftselite gegen sich auf – nicht einmal die "Bild"-Zeitung konnte seinen Job retten.
- Süddeutsche Zeitung Magazin – SZ-Diskothek » Die sieben besten Rücktritts-Songs –
- Stoppt Karl-Theodor! – Klimaretter.info – Ganz bewusst und kalkuliert befeuert der "überforderte Familienvater" Guttenberg die nicht nur in bildungsfernen Milieus gepflegten Vorbehalte gegenüber die studierten "Eierköpfen" und ihre beckmesserische "Fußnotenklauberei". Nicht erst bei seinem ebenso fulminanten wie beklemmenden Auftritt bei einer Wahlkampfveranstaltung in Kelkheim, wo er sich als "fränkische Wettertanne" stilisierte, die der (mediale) Sturm um seine gefälschte Doktorarbeit nicht umwerfen könne, entpuppte sich Guttenberg als Populist, der alle Register zieht, um den Stammtisch zu bedienen. Einschließlich der Hatz auf (linke) Journalisten und der gespenstischen Referenz an den Sozialdarwinisten und Salonrassisten Sarrazin. Dass sich ausgerechnet ein Bilderbuch-Intellektueller wie Guttenberg, der seine Bildung in Form gedrechselter Sätze wie eine Monstranz vor sich herträgt, eines mittlerweile in ganz Europa und in den USA grassierenden anti-aufklärerischen Reflexes bedient, macht sprachlos, passt aber ins Bild.

Rome erklärt sein Faible für Ulrich Tukur.
Bei Facebook gibt es wohl eine weitere Bild-gestützte Guttenberg-Gruppe, die zu Demonstrationen für die Wiedereinsetzung Guttenbergs eintritt. Bei Netzpolitik.org hat man mal ein Best-of der rausgehauenen Tumbheiten zusammengestellt.
Beim Frühstück bei Stefanie denkt man, dass Guttenberg nun wohl den klassischen Weg begeht:
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Und während ich mir die Frage stelle: Und wer schützt jetzt die Union vor Guttenberg? hole ich mir erstmal noch einen Kaffee.
[Foto: Luc van Gent]
Die Union hat gestern gemeint, man solle derzeit im Fall Guttenberg Ruhe einkehren lassen, aber angesichts des Umstands, dass Guttenberg in diesem Schatten gestern eine solche Dolchstoßlegende vom Stapel gelassen hat, ignoriere ich diesen Wunsch einmal.
Guttenberg behandelt in seiner Rücktrittsrede (s.u.) grob vier Oberthemen:
1. Den Schulterschluss zu seinen Verbündeten
(Merkel in [1] und [39], “die Mehrheit der deutschen Bevölkerung”, die vielen Mitgliedern der Union, Seehofer und den Soldatinnen und Soldaten, “die mir bis heute den Rücken stärkten” in [38], letztere auch in [22]),
2. Das Identifizieren und Abkanzeln seiner “Gegner”
([6], [7], [9 "wenn es..." > soll es ja nicht], [30], [31], [32], [35] und [41]),
3. Die Sachlage
([5], [10], [16], [22], [35]),
und alles überstrahlend
4. Die historische und charakterliche Größe der eigenen Person
([2], [4], [5], [7], [8], [11], [12], [13], [14], [18], [19], [20], [22], [23], [24], [25], [27], [28], [29], [32], [33], [34], [36], [42] und [43]).
Abgesehen von der Gewichtung der einzelnen Bereiche fällt auf, dass der Sachlage im Zusammenhang nie mehr als ein Satz gewidmet wird. Und diese Sätze stehen so weit voneinander entfernt, dass sie für einen Zuhörer nicht in einem Zusammenhang stehen.
In der Selbstinszenierung dreht Guttenberg seine Realitätsdarstellung natürlich auch so, als sei sein Handeln eine Reaktion auf die in Rede stehende Sachlage. In [3] sagt er, er gehe nicht allein wegen seines Plagiats. Aber schon in [10] ignoriert er [3] und sagt, er gehe, weil er nicht mehr verantworten könne, dass es [9] auf dem Rücken der Soldaten in den Medien nur noch um seine Person ginge. Unser Held geht [31] als Opfer zerstörerischer medialer und politischer Mechanismen, um andere zu schützen, um sich aufzuopfern, weil er sich [43] eh schon aufgeopfert hat. Wohlgemerkt: Schuld an [7] sind die Medien ([6] und [29]).
Kleiner geht’s nicht.
Zunächst: Guttenberg hat in den letzten Wochen wiederholt abgestritten, ein Plagiat angefertigt zu haben. Insofern ist das in Rede stehende Thema brennend aktuell. Diese Dolchstoßlegende ist aber gerade deswegen so perfide, weil Guttenberg sich selbst so ins Blitzlichtgewitter gestürzt hat. Er ist ja nicht gezwungen worden, eine Kerner-Sendung aus Afghanistan mitzumoderieren oder vor Kameras der Klatschpresse in Pose zu hüpfen. Und er selbst ist es, der mediale und politische Mechanismen betätigt, indem er einerseits bis Montag versucht hat, das Thema auszusitzen ohne die Konsequenzen, aus denen er nach eigener Inszenierung [10] schließlich zurücktritt, ziehen zu müssen, und andererseits indem er auch im Abgang den Schulterschluss zur “Bild”-”Zeitung” ausführt und diese als erstes Medium informiert. So schmierig ist der letzte Akt des Verteidigungsminsters Guttenberg.
Man kann nur hoffen, dass ein paar Leute in der Union dankbar sind, was für ein Kelch da gerade an ihnen vorbei gegangen ist.
Die Rücktrittserklärung Karl-Theodor Guttenbergs als Verteidigungsminister am 01. März 2011
[1] Ich habe in einem sehr freundschaftlichen Gespräch die Frau Bundeskanzlerin informiert, dass ich mich von meinen politischen Ämtern zurückziehen werde und um meine Entlassung gebeten. [2] Es ist der schmerzlichste Schritt meines Lebens. [3] Und ich gehe nicht alleine wegen meiner so fehlerhaften Doktorarbeit, wiewohl ich verstehe, dass dies für große Teile der Wissenschaft ein Anlass wäre. [4] Der Grund liegt im Besonderen in der Frage, ob ich den höchsten Ansprüchen, die ich selbst an meine Verantwortung anlege, noch nachkommen kann.
[5] Ich trage bis zur Stunde Verantwortung in einem fordernden Amt. [6] Verantwortung, die möglichst ungeteilte Konzentration und fehlerfreie Arbeit verlangt – mit Blick auf die größte Bundeswehrreform in der Geschichte, die ich angestoßen habe, und mit Blick auf eine gestärkte Bundeswehr mit großartigen Truppen im Einsatz, die mir engstens ans Herz gewachsen sind. [7] Wenn allerdings, wie in den letzten Wochen geschehen, die öffentliche und mediale Betrachtung fast ausschließlich auf die Person Guttenberg und seine Dissertation statt beispielsweise auf den Tod und die Verwundung von 13 Soldaten abzielt, so findet eine dramatische Verschiebung der Aufmerksamkeit zulasten der mir Anvertrauten statt.
[8] Unter umgekehrten Vorzeichen gilt Gleiches für den Umstand, dass wochenlang meine Maßnahmen bezüglich der “Gorch Fock” die weltbewegenden Ereignisse in Nordafrika zu überlagern schienen. [9] Wenn es auf dem Rücken der Soldaten nur noch um meine Person gehen soll, kann ich dies nicht mehr verantworten. [10] Und deswegen ziehe ich, da das Amt, Bundeswehr, die Wissenschaft und die mich tragenden Parteien Schaden zu nehmen drohen, die Konsequenz, die ich auch von anderen verlangt habe und verlangt hätte.
[11] Ich habe wie jeder andere auch zu meinen Schwächen und Fehlern zu stehen. [12] Zu großen und kleinen im politischen Handeln, bis hin zum Schreiben meiner Doktorarbeit. [13] Und mir war immer wichtig, diese vor der Öffentlichkeit nicht zu verbergen. [14] Deswegen habe ich mich aufrichtig bei all jenen entschuldigt, die ich aufgrund meiner Fehler und Versäumnisse verletzt habe. [15] Und ich wiederhole dies auch ausdrücklich heute. [16] Manche mögen sich fragen, weshalb ich erst heute zurücktrete. [17] Zunächst ein möglicherweise für manche unbefriedigender, aber allzu menschlicher Grund.
[18] Wohl niemand wird leicht, geschweige denn leichtfertig, das Amt aufgeben wollen, an dem das ganze Herzblut hängt. [19] Ein Amt, das Verantwortung für viele Menschen und deren Leben beinhaltet. [20] Hinzu kommt der Umstand, dass ich mir für eine Entscheidung dieser Tragweite jenseits der hohen medialen und oppositionellen Taktfrequenz die gebotene Zeit zu nehmen hatte. [21] Zumal Vorgänge in Rede stehen, die Jahre vor meiner Amtsübernahme lagen.
[22] Nachdem dieser Tage viel über Anstand diskutiert wurde, war es für mich gerade eine Frage des Anstandes, zunächst die drei gefallenen Soldaten mit Würde zu Grabe zu tragen und nicht erneut ihr Gedenken durch Debatten über meine Person überlagern zu lassen. [23] Es war auch ein Gebot der Verantwortung gegenüber diesen, ja gegenüber allen Soldaten. [24] Und es gehört sich, ein weitgehend bestelltes Haus zu hinterlassen. [25] Deshalb letzte Woche noch einmal viel Kraft auf den nächsten entscheidenden Reformschritt verwandt wurde, der nun von meinem Nachfolger bestens vorbereitet verabschiedet werden kann. [26] Das Konzept der Reform steht.
[27] Angesicht massiver Vorwürfe bezüglich meiner Glaubwürdigkeit ist mir auch ein aufrichtiges Anliegen, mich an der Klärung der Fragen hinsichtlich meiner Dissertation zu beteiligen: Zum einen gegenüber der Universität Bayreuth, wo ich mit der Bitte um Rücknahme des Doktortitels bereits Konsequenzen gezogen habe. [28] Zum anderen habe ich zugleich Respekt vor all jenen, die die Vorgänge zudem strafrechtlich überprüft sehen wollen. [29] Es würde daher nach meiner Überzeugung im öffentlichen wie in meinem eigenen Interesse liegen, wenn auch die staatsanwaltlichen Ermittlungen etwa bezüglich urheberrechtlicher Fragen nach Aufhebung der parlamentarischen Immunität, sollte dies noch erforderlich sein, zeitnah geführt werden können.
[30] Die enorme Wucht der medialen Betrachtung meiner Person, zu der ich selbst viel beigetragen habe, aber auch die Qualität der Auseinandersetzung bleiben nicht ohne Wirkung auf mich selbst und meine Familie. [31] Es ist bekannt, dass die Mechanismen im politischen und medialen Geschäft zerstörerisch sein können. [32] Wer sich für die Politik entscheidet, darf, wenn dem so ist, kein Mitleid erwarten. [33] Das würde ich auch nicht in Anspruch nehmen. [34] Ich darf auch nicht den Respekt erwarten, mit dem Rücktrittsentscheidungen so häufig entgegen genommen werden.
[35] Nun wird es vielleicht heißen, der Guttenberg ist den Kräften der Politik nicht gewachsen. [36] Das mag sein oder nicht sein. [37] Wenn ich es aber nur wäre, indem ich meinen Charakter veränderte, dann müsste ich gerade deswegen handeln. [38] Ich danke von ganzem Herzen der großen Mehrheit der deutschen Bevölkerung, den vielen Mitgliedern der Union, meinem Parteivorsitzenden und insbesondere den Soldatinnen und Soldaten, die mir bis heute den Rücken stärkten, als Bundesverteidigungsminister nicht zurückzutreten.
[39] Und ich danke besonders der Frau Bundeskanzlerin, für alle erfahrene Unterstützung und ihr großes Vertrauen und Verständnis. [40] Es ist mir aber nicht mehr möglich, den in mich gesetzten Erwartungen mit dem mir notwendigen Maß an Unabhängigkeit in der Verantwortung gerecht zu werden. [41] Insofern gebe ich meinen Gegnern gerne recht, dass ich tatsächlich nicht zum Selbstverteidigungs-, sondern zum Minister der Verteidigung berufen wurde. [42] Abschließend ein Satz, der für einen Politiker ungewöhnlich klingen mag. [43] Ich war immer bereit, zu kämpfen, aber ich habe die Grenzen meiner Kräfte erreicht. [44] Vielen Dank.
Ich komme gerade aus dem Keller, um meine strategischen Popcorn-Reserven anzubrechen, denn Ex-Doktor Dieter Jasper hat sich wieder zu Wort gemeldet! Zu Guttenbergs Rücktritt hat er gemeint
Karl-Theodor zu Guttenberg hat mit seiner heutigen Rücktrittsentscheidung zwei Dinge deutlich gemacht. In erster Linie will er Schaden von der Bundeswehr abwehren. Zum anderen ist er nach zweiwöchigen persönlichen Attacken mit seiner Kraft am Ende. Dies gilt es zu respektieren. Klar wird aber auch: Jeder, der persönliche Schwächen und Fehler mit politischer Arbeit für unvereinbar hält, kommt konsequenterweise nicht umhin, nun an sich selbst ganz besonders hohe Maßstäbe anzulegen.
Warum soll man das denn respektieren, er hätte ja viel früher zurücktreten können. Und wer hält persönliche Schwächen und Fehler für unvereinbar mit politischer Arbeit? Und was hat das genau mit erkauften und ertäuschten Doktortiteln zu tun?
- Karl-Theodor zu Guttenberg: Eine spaltende Persönlichkeit | ZEIT ONLINE – gescheitert ist nicht nur ein Mann, von dem es hieß, er könne einmal Kanzler werden. Gescheitert ist auch eine Fiktion: der Glaube an das Leichte, Schöne, Gute in der Politik. Binnen zwei Jahren schaffte Karl-Theodor zu Guttenberg den Aufstieg vom einfachen Abgeordneten zum Bundesminister, und genauso schnell, wie er aufstieg, wurde er zur Projektionsfläche für die Hoffnungen und Sehnsüchte vieler Bürger, die sich von der Politik längst abgewandt haben. Auf einmal war da einer, der anders war. Der glaubwürdig schien. Dem niemand etwas anhaben konnte – nicht die Opposition und erst recht nicht die Medien. Und nun hat sich dieser Mann zu Fall gebracht. Wie es kam, dass der Mann, für den nichts unmöglich schien, an die Grenzen seiner Kräfte kam:
- Merkel ernennt einen Anti-Guttenberg | NZZ Online – Einen krasseren Gegenentwurf zum Typ des entzauberten Medien-Selbstdarstellers Guttenberg hätte Kanzlerin Merkel kaum finden können. Verteidigungsminister wird nun Thomas de Maizière, ein 57-jähriger Jurist, der das Rampenlicht nie gesucht hat.
- Eigenwerbung der Bundeswehr: Verträge vorerst nur mit Springer | Politik - Frankfurter Rundschau – Die Springer-Medien sind die einzigen, mit denen die Verantwortlichen des Werbefeldzugs bislang Verträge abgeschlossen haben. Der Gesamtetat für die Kampagne 2011 belaufe sich auf 4,8 Millionen Euro, erklärte das Ministerium in der Vorwoche. In der aktuellen Antwort an die Linkspartei ist nun von exakt 5695448 Euro für „personalwerbliche Anzeigen“ die Rede. Das sei kein Widerspruch, erklärte das Ministerium auf Anfrage. Die 4,8 Millionen seien eine „Teilmenge“ der Gesamtwerbekosten.
- „ekelhaft“ – wirres.net, fachblog für irrelevanz – die gutenbergs haben offenbar eine neigung sich pathetisch und lautstark auf die seite der opfer zu stellen um ihre (fernseh-, polit- oder vereins-) karriere zu befördern, gewicht und totschlagargumente für ihre nicht unumstrittenen politischen forderungen zu generieren und alle andersdenkenden zu diskreditieren. selbst wenn sie der opfer wegen auf der opfer-seite stünden, eklig wirds genau dann wenn sie die opfer auf ein schutzschild heben und das schild dann zur selbstverteidigung nutzen:<br />
<br />
* in afghanistan sterben deutsche soldaten und ihr kritisiert mich wegen lapalien?<br />
* im/durch/wegen des internet werden täglich x kinder missbraucht und ihr redet über die menschenwürde von tätern? - Klimaretter.info – Guttenberg: Freut euch nicht zu früh! – Klimaretter.info – Es war ein Hängen und Würgen, eine hochnotpeinliche Veranstaltung. Bis der "Lügenbaron" Karl-Theodor zu Guttenberg endlich die Konsequenzen zog und am Dienstag von seinen politischen Ämtern zurücktrat. Doch die jubelnde Opposition und alle Menschen, die das pseudo-demütige Gehabe des fränkischen Adeligen und die ungeheure Chuzpe, mit der er einen beispiellosen Wissenschaftsbetrug fast zwei Wochen lang leugnete oder verharmloste, nur mit ungläubigem Kopfschütteln verfolgten, sollten sich nicht zu früh freuen. Denn Guttenberg, der begnadete Populist, könnte schneller als erwartet wieder auf die politische Bühne zurückkehren.
- Zum Rücktritt von Guttenberg – Märtyrer für Soldaten und Volk – sueddeutsche.de – Wenn der Fall Guttenberg die Spaltung zwischen akademischen Eliten und populistischen Stimmungen verstärkt hat, ist das kein Grund für Triumphgeheul. Die deutsche Wissenschaft kann trotzdem ein wenig stolz sein.
- Boulevard unterliegt Internet: Bild nimmt Guttenberg-Rücktritt an – Tagesspiegel – In der Tat hat sich neben den traditionellen Medien mit dem Internet und seinen umtriebigen Nutzern eine mächtige Öffentlichkeit gebildet – die wesentlich zu Guttenbergs Rücktritt beigetragen hat: Sie enthüllte nicht nur im Wiki "GuttenPlag" das Ausmaß des Betrugs, einmal verbissen ließ sie nicht mehr vom Verteidigungsminister ab: Die vermeintliche Verstrickung des Guttenberg-Clans mit der Springer AG hinter "Bild" wurde ebenso genüsslich weiterverbreitet wie der scharfe Angriff des Bayreuther Jura-Professors Oliver Lepsius, der sich sonst wohl versendet hätte. Ebenfalls ohne das Netz so nicht möglich: der offene Brief einer Gruppe Doktoranden, der mit kluger Wortwahl und authentischer Empörung binnen weniger Tage zehntausende Unterzeichner fand und die Debatte neu befeuerte, als sie eigentlich zu verebben drohte. Gegen die Macht des Netzes ist „Bild“ in diesem Fall nicht angekommen.
- 1 million workers. 90 million iPhones. 17 suicides. Who’s to Blame? | Magazine –
Wolfgang Michal bedankt sich bei Guttenberg, dass er dafür gesorgt habe, dass der klassische Journalismus die nichtklassischjournalistischen Internetbenutzer respektiere.
Hoch her ging es gestern im Fernsehen zu Guttenberg bei Hart aber fair und beim wieder etwas überforderten Markus Lanz, was man jeweils dort nachgucken kann. Für Guttenberg wird da gerne dessen angeblich tadellose Leistung als Verteidigungsminister ins Spiel gebracht, auch wenn das Bundeskanzleramt seine Bundeswehrreform am liebsten in die Tonne kloppen würde.
Die Katholische Kirche will Opfern katholischer Geistlicher und Mitarbeiter 5.000€ plus Therapiekosten zahlen.
Friedrich Küppersbusch kümmert sich bei Radio Bremen dieseWoche um den Lügenbaron:
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Und während ich mir die Frage stelle: Wer hat denn nun was vom abgebliche neuen Respekt des untergehenden klassischen Journalismus’? hole ich mir erstmal noch einen Kaffee.
[ Foto: Luc van Gent ]



