Thomas Harlan — Wandersplitter

Wer die­sen Film noch nicht gese­hen haben soll­te, der muss das ein­fach mal nach­ho­len: Tho­mas Har­lan, Sohn von NS-Regisseur Veit Har­lan, erzählt über sei­ne Sicht auf die Geschich­te, den Bruch mit dem Vater und was er von der neu­en Gene­ra­ti­on denkt:


[ 9 auf­ein­an­der­fol­gen­de Tei­le ]

Aus Wiki­pe­dia:

Har­lan ist der Sohn des Regis­seurs Veit Har­lan und der Schau­spie­le­rin Hil­de Kör­ber. Er ver­brach­te sei­ne Kind­heit in Ber­lin und lern­te über sei­ne Eltern Goeb­bels ken­nen. Als Acht­jäh­ri­ger wur­de er zu einem Besuch bei Hit­ler mit­ge­nom­men. 1942 wur­de er nach Zakopane/Polen, dann auf dem Land­sitz der Fami­lie von Bonin im Kreis Schla­we eva­ku­iert. 1945 kehr­te er nach Ber­lin zurück.

In Tübin­gen begann Har­lan 1947 ein Phi­lo­so­phie­stu­di­um und traf mit Michel Tour­nier zusam­men.

Als er 1948 ein drei­mo­na­ti­ges Aus­lands­sti­pen­di­um für die Sor­bon­ne erhielt, wan­der­te Har­lan nach Frank­reich aus und setz­te in Paris das Stu­di­um der Phi­lo­so­phie und Mathe­ma­tik fort. Er begann mit Arbei­ten für den fran­zö­si­schen Rund­funk, wohn­te gemein­sam mit Gil­les Deleu­ze bei Michel Tour­nier, spä­ter bei Pierre Bou­lez und begeg­ne­te Armand Gat­ti und Marc Sabathier-Levêque, dem gro­ßen Freund des Lebens.[2] Zusam­men mit Klaus Kin­ski unter­nahm er 1952 eine Rei­se nach Isra­el. Im fol­gen­den Jahr ver­öf­fent­lich­te Har­lan sein ers­tes Thea­ter­stück Blu­ma und bereis­te die Sowjet­uni­on. 1955 folg­ten die ers­ten Gedich­te in deut­scher Spra­che. Har­lan wur­de Mit­au­tor am Dreh­buch von Der Fall Sor­ge (spä­ter: Ver­rat an Deutsch­land, Regie: Veit Har­lan). Die Zusam­men­ar­beit mit sei­nem Vater schei­ter­te, sei­ne Arbeit am Dreh­buch wur­de ent­stellt. Gemein­sam mit Klaus Kin­ski und Jörg Hen­le grün­de­te Har­lan 1958 das Jun­ge Ensem­ble in Ber­lin. Die Urauf­füh­rung sei­nes Thea­ter­stücks Ich selbst und kein Engel – Chro­nik aus dem War­schau­er Ghet­to wur­de zum Skan­dal.

1959 erhielt Har­lan die ers­ten einer gan­zen Rei­he von Ver­leum­dungs­an­kla­gen, unter ande­rem von dem dama­li­gen FDP-Bundestagsabgeordneten Ernst Achen­bach und Franz Alfred Six, dem spä­te­ren Mit­be­grün­der des BND. Har­lan hat­te in Polen, wo er seit 1960 auch leb­te, mit Recher­chen über die Ver­nich­tungs­la­ger Kulm­hof, Sobi­bór, Bełżec und Treb­lin­ka begon­nen. Bis 1964 trug Har­lan mit sei­ner Arbeit in den pol­ni­schen Archi­ven, wo er Tau­sen­de von Doku­men­ten über deut­sche Kriegs­ver­bre­chen zuta­ge för­der­te, zu der Ein­lei­tung von über 2000 Straf­ver­fah­ren gegen Kriegs­ver­bre­cher in der Bun­des­re­pu­blik bei. Seit 1960 wur­de er dabei von dem ita­lie­ni­schen Ver­le­ger Gian­gi­a­co­mo Fel­tri­nel­li unter­stützt. Zu dem hes­si­schen Gene­ral­staats­an­walt Fritz Bau­er ent­wi­ckel­te sich eine Freund­schaft. Gleich­zei­tig arbei­te­te Har­lan beim War­schau­er Rund­funk an Sen­dun­gen in deut­scher Spra­che mit. Auf­grund der Ver­öf­fent­li­chung sei­ner Archiv­re­cher­chen wur­de er 1963 wegen Geheim­nis­ver­rats in Polen für ein Jahr unter Haus­ar­rest gestellt. Auch in der Bun­des­re­pu­blik erhielt er 1964 eine Anzei­ge, erstat­tet von Hans Glob­ke, und ein Ver­fah­ren wegen Lan­des­ver­rats, auf Grund der Benut­zung von Ver­neh­mungs­pro­to­kol­len der deut­schen Jus­tiz in pol­ni­schen Ver­öf­fent­li­chun­gen. Er wur­de nicht ver­ur­teilt, erhielt aber für 10 Jah­re kei­nen deut­schen Rei­se­pass und konn­te sich in die­ser Zeit nicht legal in der BRD auf­hal­ten.

Har­lan brach sei­ne Arbei­ten in War­schau 1964 unver­mit­telt ab. Ein mit Fel­tri­nel­li geplan­tes Buch über die deut­schen Kriegs­ver­bre­cher kam nie zustan­de. Er wur­de zu einer sel­te­nen Spe­zi­es Mensch: einem inter­na­tio­na­len deut­schen Revo­lu­tio­när.[3] Das Ster­ben sei­nes Vaters führ­te Har­lan nach Ita­li­en. Er schloss sich der lin­ken Grup­pie­rung Lot­ta Con­ti­nua an und begann mit lite­ra­ri­schen Arbei­ten, die neben sei­nen Rei­sen und sei­nem Film­schaf­fen die fol­gen­den Jah­re präg­ten. Noch 1974 reis­te Har­lan nach Chi­le, Boli­vi­en und in die USA. Er enga­gier­te sich für die chi­le­ni­sche Wider­stands­be­we­gung gegen den Dik­ta­tor Pino­chet. Wäh­rend der „Nel­ken­re­vo­lu­ti­on“ 1975 in Por­tu­gal begann Har­lan als Mit­glied des Revo­lu­ti­ons­aus­schus­ses mit den Dreh­ar­bei­ten zu Tor­re Bela (Urauf­füh­rung 1977 auf den Inter­na­tio­na­len Film­fest­spie­len in Can­nes). Von 1978 bis 1984 arbei­te­te er an dem Film Wund­ka­nal. Der ame­ri­ka­ni­sche Regis­seur Robert Kra­mer doku­men­tier­te mit dem Film Not­re Nazi die Dreh­ar­bei­ten. Die Urauf­füh­rung von Wund­ka­nal und Not­re Nazi auf den Inter­na­tio­na­len Film­fest­spie­len von Vene­dig 1984 und die Auf­füh­rung auf der Ber­li­na­le 1985 führ­ten zu hef­ti­gen Reak­tio­nen und einem erneu­ten Skan­dal.

1987 folg­ten Rei­sen durch den rus­si­schen fer­nen Osten für die Vor­be­rei­tung des nicht rea­li­sier­ten Film­pro­jek­tes Katha­ri­na XXIII. Neben der Neu­über­set­zung des Buchs Hiob nach Gui­do Cero­net­ti ins Deut­sche begann Har­lan 1988 in Hai­ti mit kreo­li­schen Sprach­stu­di­en und den Arbei­ten an dem Film Sou­ver­an­ce, der 1990 auf dem Inter­na­tio­na­len Film­fes­ti­val in Rot­ter­dam urauf­ge­führt wur­de. Es folg­ten wei­te­re Rei­sen nach Russ­land. Har­lan schrieb das Dreh­buch für den eben­falls nicht rea­li­sier­ten Film Kine­ma­to­graf. Im Jahr 2000 erschien sein ers­ter Roman Rosa.

Seit 2001 lebt Har­lan in einem Lun­gen­sa­na­to­ri­um bei Berch­tes­ga­den. 2003 begann die Zusam­men­ar­beit mit Chris­toph Hüb­ner an dem Film­pro­jekt Wan­der­split­ter, die sich bis 2006 hin­zog. Im glei­chen Jahr ver­öf­fent­lich­te Har­lan auch sei­nen Roman Hel­den­fried­hof. 2007 folg­te der Roman Die Stadt Ys.

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