Was ich noch sagen wollte zur… Medien-Love-Parade
am 27. Juli 2010 um 20:09 Uhr von unter Aufmacher abgelegt.

Im Fernsehen gibt es Reallebenssendungen zu fast allem: Zu Top-Models, zu verkanten Sängern, zu Dicken, zu Verschuldeten, zu Kochwütigen, zu Verzogenen und Verziehern. Nur zu einer Menschengruppe wird es so schnell nichts geben: Zu den Medienleuten und ihrer Qualität. Dabei wird gerade eine Medien-Love-Parade gefeiert, die nach einer nachfragenden Betrachtung schreit:

Bei die Zeit wundert man sich beispielsweise im Zuge der Berichterstattung zur Loveparade, dass die Helfer des Malteser Kreuz’ nicht mehr mit der Presse sprechen wollen. Man kommt gar nicht mehr auf die Idee, dass Presseleute wohlmöglich immensen Druck auf derartige Stellen ausüben, dem nicht aussagekräftig Rede und Antwort gestanden werden kann. Stattdessen skandalisieren die Autoren der Zeit:

Bei den Maltesern sei niemand mehr zur Loveparade ansprechbar. Ein mehr als ungewöhnlicher Vorgang: Ein rechtlich unabhängiger Verein gibt seine Öffentlichkeitsarbeit an eine staatliche Stelle ab.

Ein dagegen wohl nicht sonderlich ungewöhnlicher Vorgang: Journalisten geben ihren allgemeinen Menschenverstand für skandalisierenden Pseudo-Journalismus ab. Denn saubere journalistische Arbeit ist in diesem Artikel nicht zu verspüren. So schreibt man über die Entlassung des Loveparade kritischen ehemaligen Duisburger Polizeipräsidenten Rolf Cebin:

Der SZ zufolge verlangte der Duisburger CDU-Kreisvorsitzende und Bundestagsabgeordnete Thomas Mahlberg daraufhin die Absetzung Cebins.

Das hat man gar nicht erst nachrecherchiert, wobei es dafür nur eine Google-Anfrage der Form “CDU Duisburg Cebin” bedurft hätte, um auf folgende Seite zu kommen: http://www.cdu-duisburg.de/index.jsp?index=presse&mid=20&content=ja&id=103.

Die Bildzeitung schaffte es innerhalb kürzester Zeit zu 137 Leserbeanstandungen beim Deutschen Presserat.

Bei Die Welt copy&pasted man offenbar ungeprüft den Artikel einer Bloggerin, die in Duisburg vor Ort gewesen sein soll, und rühmt sich auch noch dafür:

Anmerkung der Redaktion: Um die Authentizität dieses Berichtes zu bewahren, wurde er von der Redaktion nicht redigiert und weitgehend in seiner ursprünglichen Formatierung gehalten.

Bei der Rhein Zeitung ist man sich nicht zu blöde, einen anonymen Blogger zu portraitieren, der auf dem Rücken der Opfer der Loveparade unmittelbar eine geschmacklosen Satire vom Stapel lässt.

Hauptsache irgendwas zur Loveparade bringen ist das Credo etablierter Zeitungen. In Zeiten des Internets ist man dabei gerne bereit, hektisch und unüberlegt beim eigenen Handwerk zu schludern.

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