
Vor kurzem hat man ja bei der Katholischen Kirche rausgegeben, dass bei Missbrauchsfällen sofort die zuständigen staatlichen Stellen zu informieren sind und dass dieses Vorgehen nicht von einer internen Untersuchung verschoben werden darf.
Auch in anderen Dingen steht man nun neuerdings wohl ganz schnell auf der Matte der Gerichte: Offenbar ohne zunächst eine außergerichtliche Einigung mit einem Regensburger Blog zu suchen, ist nun das Regensburger Erzbistum gegen dieses vors Landgericht Hamburg gezogen. Dies bringt die Blogbetreiber gleich in finanzielle Bedrängnis, so dass möglicherweise vor Gericht aus Kostengründen die eigene Position nicht verteidigt werden kann.
Warum Nicht-Hamburger ihre Konflikte mit Nicht-Hamburgern sehr gerne in Hamburg klären lassen, dass erfährt man bei der Wikipedia. Meist wird argumentiert, dass die betroffenen Medien, zu denen eine Klage erhoben wird, eben auch in Hamburg konsumiert werden können. Vielleicht haben Regensburger Hirten tatsächlich Sorge um Hamburger Schafe.
Dennoch denke ich, dass man mit dem Motto des bibelfesten Hennes Rau, Versöhnen statt spalten, eine andere Lösung hätte versuchen sollen. Gerade in Anbetracht der aktuellen Gesamtlage. Was ist da schon ein möglicher juristischer Sieg über einen bislang kaum gelesenen Blogeintrag?

Die Süddeutsche Zeitung nimmt sich heute einer Geschichte des Wir-in-NRW-Blogs an, das eine E-Mail veröffentlicht hatte, die eine merkwürdige Spendendeklaration des Autoreifenherstellers Hella aus Lippstadt offenlegt. Daraufhin hatte sich Hella an das Finanzamt gewendet und um eine Korrektur der Angaben gebeten. In der Eindordnung dieses Falls ist die Süddeutsche allerdings weitaus zurückhaltender als der Wir-in-NRW-Blog, das eine starke Nähe zu rot-grün aufweist.
Zudem schreibt die Süddeutsche über einer seltsam initiierte Arbeitslosenprotestaktion, die die NRW-CDU im Landtagswahlkampf 2005 eingefädelt haben soll:
Aus der SZ vorliegenden Vermerken geht hervor, dass die CDU-Zentrale und ihre damalige PR-Agentur im Landtagswahlkampf auch eine Arbeitslosen-Initiative für Rüttgers initiiert und gesteuert hatten. “In Sachen Aktion ,Arbeitslose vor der Staatskanzlei” , schlug ein damaliger Kampagnen-Planer den Rüttgers-Strategen vor, dass “nicht die CDU als Absender, sondern noch eine exakt zu benennende ‘Wähler-Initiative’ auftreten”. In “mindestens zehn Arbeitsagenturen” seien die Arbeitslosen “für eine Fotostrecke vor der Staatskanzlei zu rekrutieren”.
Das Streetgirl hat sich nach längerer Zeit wieder gemedelt und gleich zwei Artikel veröffentlicht. Es bleibt ja durch das bloße Lesen für den Leser unnachweisbar, ob ihr Blog reale Geschichten oder gut erfindene Fiktionen über das Leben einer Prostituierten enthält. Ich für meinen Teil würde jedenfalls genau solche Geschichten versuchen nieder zu schreiben, wenn ich ein ähnliches, fiktives Blog betreiben wollte.
Und während ich mir die Frage stelle: Ab welchem Zeitpunkt hat man eigentlich zuviel von Geschichtenerzählern, von denen man nicht überprüfen kann, ob ihre Geschichten nicht in wesentlichen Punkten unwahr sind? hole ich mir erstmal noch einen Kaffee.
[Foto: Luc van Gent]
Moo from katie sokoler on Vimeo.
