Es tut sich was in Bielefeld. Soviel habe selbst ich mittlerweile mitbekommen. Es sind wohl nicht mehr die Großstädte, die Kultur nachhaltig prägen und befördern, sondern die kleinen Ecken, in denen still und heimlich etwas emporkeimt. Vielleicht sind die Großstädte einfach zu voll, zu überladen an Kulturschaffenden, die sich nur noch gegenseitig auf die Füße treten und sich nur selbst ins Gehege kommen.
Jetzt bevölkert ein weiterer bescheiden Großer die Welt von Twitter: Sacha Brohm hat sich erbarmt, seinen Jüngern in den Mikroblogkosmos zu folgen.
Gerade so als wolle er die Überbewertetheit von Tweeds aufs Korn nehmen, verwendet er, quasi als Abschluss des internationalen Frauentages, nur einen halben Tweet für folgende Geistreichheit:
Ich habe gelacht, ich gebe es zu – und ja, derartige Namen zähle ich auch zu Poesie.
David Schraven Stefan Laurin hat bei den Ruhrbaronen den ganz verständlichen Einwurf gebracht, dass Guido Westerwelle sich in seinen politischen Aktivitäten auf bestimmte Dinge konzentrieren sollte und nicht auf allen Hochzeiten tanzen soll. Guido Westerwelle macht allerdings genau das Gegenteil und nervte am Wochenende auf dem NRW-Parteitag der FDP mit einer seltsamen Ausflucht aus der Kritik an seiner Person, die er an Journalisten und Linksoplitiker richtete:
Die wollen in Nordrhein-Westfalen eine linke Mehrheit schaffen, das ist es, worum es in Wahrheit geht.
Westerwelle selbst wirkt ausgebrannt, wenn er einer sachlichen Kritik mit inhaltslosem Geschwätz kontern will. Mit diesem Zitat befährt er im groben die Schiene, die schon die NRW-CDU fahren wollte: Angstmacherei vor einem angeblich bevorstehendem rot-rot-grünen Bündnis. Der Erfolg dieser Masche belibt aber bisher aus: Die CDU konnte damit nicht punkten. Die FDP ihrerseits konnte ihren Fall in den Umfragen nicht stoppen, hat auch thematisch derzeit nichts anzubieten. Und politisch sieht es in NRW ganz anders aus:
Die erst bei der letzten NRW-Landtagswahl stark abgestrafte SPD hat sich der inhaltlich diffusen Linkspartei kaum angenährt und verfügt mit den Grünen über keine ausreichende Mehrheit. Rot-rot-grün würde also theoretisch erreichbar sein, aber wohl kaum umgesetzt: Die SPD wird sich sowas derzeit in NRW nicht leisten können. CDU und FDP sind so weit von einer eigenen Mehrheit entfernt, dass auch das unwahrscheinlich erscheint.
Wahrscheinlicher wäre es, dass es zu einem schwarz-grünen Bündnis kommt, wenn beide zusammen eine Mehrheit erreichen, und das sieht gut aus. Sollte es dazu nicht kommen, käme als nächstes eine große Koalition unter Betracht, die nicht mal unter Rüttgers, vielleicht auch unter jemandem, der innerhalb der CDU sehr links ist, zustande kommen könnte. Die Optionen der CDU bei der diesjährigen Landtagswahl sollte man nicht unterschätzen.
Verglichen damit hat die FDP es gänzlich versäumt, eine Alternative außer der CDU aufzumachen. Thematisch will derzeit eh keine andere Partei großartig etwas mit der FDP zu tun haben. Die Reha-Bedürftigkeit der FDP erinnert an die schlimmen Krisen der SPD der vergangenen Jahre.
Rouven hat für den Blog der Neuen Westfälischen den Blogger und Geschichtsprofessor Uwe Walter interviewt, der dadurch international bekannt wurde, dass er früher neben mir in der Fakultätskonferenz seiner Fakultät saß. Von diesem Satz ist leider nicht alles wahr und ich habe leider auch nie an seinen berüchtigten Fahrten zu McDonald’s teilgenommen, was aber ebenso unerheblich ist. Viel wesentlicher ist, dass man das Interview mal durchlesen sollte:
Ich schreibe seit 1998 gelegentlich für die Frankfurter Allgemeine Zeitung Rezensionen, Geburtstagsartikel, auch mal etwas bildungspolitisches. Und der Feuilletonchef der F.A.Z., Patrick Bahners, ist irgendwann im vorletzten Jahr, 2008, auf mich zugetreten und hat gefragt, ob ich mir vorstellen könnte, so einen Blog zu machen. Die F.A.Z. wolle sich jetzt diesem neuen Feld widmen und hat also eine ganze Reihe von Blogs bereits eingerichtet. Teilweise von Redakteuren, teilweise auch von Leuten wie diesem Don Alphonso, der hauptsächlich in der Bloggerszene eine gewisse Prominenz besitzt. Ich habe keine Ahnung, wer das ist.
Also, ich kann dort [Anmerk.: in der gedruckten F.A.Z.] keine längeren Rezensionen, Ausstellungsberichte und so weiter mehr unterbringen. Das ist alles weniger geworden, wofür ich auch Verständnis habe. Da ist dann insofern der Blog in gewisserweise auch eine Kompensation, eine Art nicht gedruckte Kolumne. Ich hatte dann eigentlich mal angefangen mit wenig Elan, zunächst, weil ich es mir – wie gesagt – nicht vorstellen konnte und diese Szene auch in keiner Weise verfolgt hatte.
Das Interview ist für eine Blogartikel zwar geradezu episch lang, aber ohne Längen und daher sehr lesenswert.
Uwe Walter gestaltet für die F.A.Z. das Blog Antike und Abendland.
Die Rumpelrocker aus meiner Heimatstadt bringen am 26. März ihr nächstes Album auf den Markt und präsentieren vorab ihre erste Single:
… ist auch nicht jedermanns Sache. Oder aber, sie hat Laura Branigans I lose my self control zu ernst genommen.
[via]
Wie war das noch mit den Leuten, die als Tiger losspringen und als Teppichvorleger landen? Das Wir-in-NRW-Blog, nach eigenen Angaben kurzfristig das wichtigste Politblog Deutschlands, verweist heute auf einen Artikel der Ruhrbarone, in dem stünde,
wie Rüttgers für alle Fälle ein Kaninchen aus dem Hut zaubert.
Der Artikel behandelt ein WAZ-Interview mit Karl-Rudolf Korte, der regelmäßig für die WAZ schreibt. bei den Ruhrbaronen wird daraus die knallige Überschrift
Polit-Prof aus Duisburg diffamiert Enthüllungen von Blogs als Gerüchte
Bei den Ruhrbaronen meint man also, Korte diffamiert den Wir-in-NRW-Blog, die Ruhrbarone selbst haben ja zur Landtagswahl bisher nichts aufgedeckt. Den Inhalt der Überschrift sollen allerdings nur zwei Zitate von Korte belegen, das Interview selbst, dessen Interviewer durchaus voreingenommen wirkt, wird nicht verlinkt. Diese Zitate werden von Autor Schraven aber in einen sinnverfremdenen Kontext gebracht (das erste durch den Zusatz, Korte meine mit die Unkultur des Anonymen die “im Internet” und das zweite durch “Zu den Veröffentlichungen von internen Dokumenten aus der Landesregierung”. Beides stimmt so gar nicht.).
Wenn ich Korte recht verstehe, meint er, dass politische Inhalte in Tageszeitungen intensiver diskutiert werden sollten als bspw., wer wie lange keine Mitgliedsbeiträge gezahlt hat. Diese Stelle kann man auch negativ lesen, muss man aber nicht. Sie ist allerdings weitaus unskandalöser als hier dargestellt. Man kann Korte ankreiden, dass er die tendentiösen Fragen nicht besser behandelt. Dieses Interview aber als das einer Rüttgersschen Marionette darzustellen ohne Quellenangabe, nein, das ist einfach schwach und tendenziös. Für eine Enthüllungsstory über Korte braucht es mehr.



