Spiegel & Süddeutsche Zeitung über den Fall Dieter Jasper
am 17. Februar 2010 um 21:10 Uhr von unter Notizblock abgelegt.

Heute beschäftigen sich der SPIEGEL und die Süddeutsche Zeitung mit dem falschen Doktorgrad von Dieter Jasper. Die Süddeutsche liest dabei die bisherigen Berichte so, dass die Zeitungen sich von Jasper gefoppt fühlen. In den Kommentaren wird Jasper besonders fehlendes Unrechtsbewußtsein nachgesagt:

Falls Sie fragen, “wo der Aufschrei aus der Wissenschaft bleibt, wo doch diese Schmarotzer die aufwendige Arbeit durch den Dreck ziehen”:

Die Doktoranden, die den Dr. tatsächlich mit vollem Recht verdienen, diejenigen haben gar keine Zeit und Energie groß aufzuschreien. Denn die, die nach einem echten Doktor (mit echter wissenschaftlicher Arbeit) streben, die müssen in 60+ -Stunden Wochen völlig unterbezahlt im Labor knechten. Die Forschungsetats werden immer weiter zusammengestrichen, egal ob noch soviele Sonntagsreden gehalten werden.

Während die, die den Doktor als Pseudoadelstitel für den gesellschaftlichen Aufstieg wollen, aufgrund ihres Geldes und ihrer Beziehungen den Dr. ohne große Probleme hinterhergeworfen bekommen. Die Süddeutsche hat im Fall unserer Familienministerin bereits sehr treffend von “Typ 1″ und “Typ 2″-Doktoren gesprochen.

Das ist der Riesenskandal hier.

Ein anderer Leser empfiehlt eine andere Sichtweise des Begriffs “Doktor”:

Auch wenn es viele Leute nicht gerne hören: Ein Doktor ist kein Titel. Punkt. Egal, ob er noch so häufig fälschlicherweise als “Doktortitel” bezeichnet wird. Ein Doktor ist ein “akademischer Grad”, nicht mehr und nicht weniger. Ein Doktor*grad* wird nach einer akademischen Prüfung verliehen, die “die Befähigung zu eigenständiger wissenschaftlicher Arbeit” nachweisen soll. Mit “Titeln” hat das überhaupt nichts zu tun. Es hat auch niemand einen Rechtsanspruch darauf, als Dr. angeredet zu werden.

Damit diese Betrügereien in Zukunft nicht mehr passieren, sollte der Doktor am besten wieder als das angesehen werden, was er wirklich ist: Höchst relevant für eine akademische Karriere, völlig irrelevant für das außerakademische Leben. Leider hat sich nach der Abschaffung des offiziellen Adels die Unsitte eingebürgert, daß der Dr. vor dem Namen irgendwie ‘Elite’ oder ‘Adel’ symbolisieren soll, weshalb gerade solche Alphatiere sich gerne damit schmücken wollen, wofür sie auch gerne das notwendige Kleingeld springen lassen.

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