Sind wir alle SPAM?
am 12. Februar 2010 um 12:43 Uhr von unter Notizblock abgelegt.

Helene Hegemann wird beim Plagiieren ertappt und antwortet, es gebe eh keine Originalität mehr, nur noch Echtheit. Bernard-Henry Lévy wird das unprofessionelle Zitieren einer von ihm nicht erkannten fiktiven Figur nachgewiesen und er meint, sie träfe so sehr den Punkt, dass das wichtiger sei als, dass sie eine fiktive Figur ist. Und in Berlin fliegt ein Bundestagsabgeordneter mit falschem Doktorgrad auf und meint, es sei doch eigentlich nichts gewesen.

Ist das so? Ist das Kopieren von Leistungen oder Leistungstitel anderer heute das, was in früheren Zeiten diese Leistungen ausmachte? Pablo Picasso wird einmal so zitiert, dass er gemeint habe, unter den Menschen gebe es heute mehr Kopien als Originale. Das beinhaltet aber, dass es noch Originale gibt. Aber die Stellungnahme ist ja auch schon alt.

Die oben stehenden Personen müssten aber tatsächlich Originalen ihren Rang absprechen, damit ihrer Position richtig ist. Es dürfte keine Schriftsteller geben, die etwas neues erschaffen, keine Philosophen, die neue Forschungsleistungen hervorbringen, keine Promoventen, denen eine Weiterführung ihrer Wissenschaft gelingt, so daß ein Doktorgrad etwas anderes ist als eine bürgerliche Veradelung.

Das ist so unplausibel wie nachweislich falsch. Aber natürlich gibt es, wie Picasso es formuliert haben soll, Menschen die Kopien sind. Und woran sollten diese Menschen an anderen Menschen Dinge entdecken, die nicht kopiert sind, wenn das das Einzige ist, was sie so kennen?

Der Bundestagsabgeordnete kann eine Briefkastenfirma nicht von einer Universität unterscheiden, Lévy hat es aufgegeben, wissenschaftlich zu forschen, bevor er jemanden zitiert, und Hegemann sind Philosophen, die in ihrem Werk vorkommen, auch gänzlich unbekannt – genauso wie Stellen ihres eigenen Buches.

Es eint sie, dass sie das nicht als Fehler bezeichnen wollen. Und es wird spannend zu beobachten sein, wie man gesellschaftlich auf dieses Verhalten reagiert.

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