Archive für Januar 2009

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Mediale Unabhängigkeit

Verena Friederike Hasel hat im Tagesspiegel einen Patchwork-Artikel über Blogs veröffentlicht. Interessanterweise wurde sich auf den Artikel in der Blogosphäre kaum bezogen. Nur Spreeblick und Coffee&TV rümpften etwas ihr pekiertes Näschen.

Dabei ist der Artikel, wie ich finde, schön geschrieben. Und man sollte ihn auch als Patchwork-Artikel lesen. Sie versucht zwar auch einen generellen Ausblick über die Blogs und was sie noch lernen müssen zu geben, aber das klappt irgendwie nicht. Kann man auch ignorieren. Sie wirft einen sachlichen Blick auf Blogs, durch die Augen einer Leserin, die nun nicht über alle Maßen blogaffin ist. Dazu passt es nicht, die Position im Artikel zu wechseln und irgendwelche Wertigkeiten ins Spiel zu bringen. Hätte man auch nicht müssen. Aber egal.

Hasel kratzt aber an zwei Dingen, die ich ganz interessant finde. Einerseits, die von ihr abgelehnte “Bühne der Freiheit”, die Blogs darstellen – wer immer das auch behaupten mag. Andererseits die Frage, weswegen Blogs in Deutschland sich nicht so durchgesetzt haben.

Über Freiheit hatte ich es ja schon einmal. Hasel lässt ihren Gedanken aber verkümmern. Blogs seien keine “Bühne der Freiheit”, weil der Blog von Pax erst durch den Guardian gehypt werden musste. Und eine weitreichende Verbreitung von Blogs stünde entgegen, dass sie zuviel Information böten, als dass eine größere Anzahl von Lesern die Muße hätten, sie zu durchstöbern.

Es ist völlig unklar, weswegen Blogs nun keine “Bühne der Freiheit”, was immer damit gemeint sein soll, sind und ob beide nachfolgenden Gedanken dagegen sprächen. Damit meint man doch eine publizistische Unabhängigkeit. Gewährt im allergrundlegensten Fall durch kostenlose Bloganbieter. Zeitungen dürfen sich ja viel eher die Frage stellen, ob sie eher eine “Bühne der Freiheit” sind, wenn es sich heutzutage keine einzige Tageszeitung leisten kann, nicht über das Dschungelcamp zu berichten. Blogs können das. Ohne Probleme. Und ohne zu befürchten, dass man deswegen out werden würde. Die Blogs leisten sich genau die journalistische Freiheit, mit denen Zeitungen einst angefangen sind. Vielleicht sind Zeitungsmacher weniger über Blogs, sondern über den Verlust des eigenen früheren Status’ so sauer.

Der zweite interessante Gedanke Hasels dreht sich um die thematische Bedeutungslosigkeit deutscher Blogs. Diese Diskussion gibt es in anderen Ländern eben so. Immer wird der Vergleich mit Amerika angestrebt, dort seien Blogs viel tiefer verankert. Dort spielen aber auch Radiosendungen politisch eine bedeutsamere Rolle als in Deutschland. Niemand beschwert sich um die Bedeutungslosigkeit von WDR 4.

In der Tat sind die bekanntesten deutschen Blogs erschreckend seicht. Hasel unkt, dass könna damit zusammen hängen, dass bisher kein spektakulärer Coup gelandet worden sei, was damit zusammenhängen könnte, dass Deutsche wenig blogaffin seien. Auch kein sonderlich überzeugender Schluss. Blöd für die Zeitungen bleibt weiterhin, dass in Blogs die Gefahr lauert, dass sie an Niveau deutlich zulegen.

Ich denke eher, dass deutsche Zeitungen doch ziemlich gut sind. Was wirklich politisch relevant ist, wird von denen aufgegriffen und durch kluge Köpfe wiedergegeben. Die gegenseitige Konkurrenz spornt da auch an. Das ist doch gut. Deutschlandinterne Themen sind also quasi vergeben an Zeitungen, wenn die schon nicht einmal mehr ihre Pfoten von Popkulturscheiss wie dem Dschungelcamp lassen können.

Derzeit wären deutschlandexterne aber deutschlandrelevante Themen ein Freiplatz. Es gibt viele Krisengebiete, die in deutschen Zeitungen nicht unterkommen, weil die zuständigen Redakteuere meinen, sie hätten keinen Platz dafür.

Es ist schon sonderbar, dass deutsche Zeitungsleser derzeit besser über die Lage im Dschungelcamp informiert sind als über die Lage der Hutus und Tutsis. Und komme mir nun niemand mit, das eine sei doch nun Feuilleton und das andere der Politikteil. Wie zynisch möchten Sie werden? Statt Leuten bei der Zivilisation zu helfen, entzivilisiert man lieber zur Unterhaltung abgehalfterte Ex-Stars. Und die Zeitungen müssen darüber schreiben. Sie müssen es. Verstehen Sie? Sie müssen es:

TAZ, FAZ, Süddeutsche, Tagesspiegel, Welt, NOZ, Die ZEIT, Frankfurter Rundschau, Berliner Morgenpost, Rheinische Post, Hamburger Abendblatt, General Anzeiger Bonn, Neuß-Grevenbroicher Zeitung, Berliner Zeitung, Augsburger Allgemeine, Wetterauer Zeitung, tz, Mitteldeutsche Zeitung, Kölner Express und und und.

Dies scheint aber nur ein Virus zu sein, das deutsche Zeitungen anheimfällt. Die Neue Züricher Zeitung kann auch seit 3 Jahren ganz gut ohne.

Damit fällt aber auch das Argument der Unübersichtlichkeit von diversen Blogs, aus denen der User mühevoll seine Informationen heraussuchen muss. In Zeitungen muss er mittlerweile genauso filtern, um neben Dschungelcamp-artigen Berichten und Werbung das Interessante zu finden.

The warm bed

Couples often have their own rules. My ex-girlfriend had a look that told me to shut up immediately. When we we’re on a party and she started rubbing her arm it meant she wanted to leave. If she was talking to someone and started tousling her hair it ment: “Get me out of this conversation!” And there are some other gestures I not going to reveal here.

So sometimes this sort of couplehood is funny. And there are times I miss that. If you watch other couples it’s different. Sometimes you shouldn’t care what they do. Sometimes you should. But it’s not easy when to ignore things done by a couple. I only think this case is crystal clear:

warmbed

So there’s something new with this tweet. So far we only dealt with tweets telling things that just happened. This is a tmi tweet also with information that deals with something yet to come…

Die Halbwertszeit der New York Times

Irgendwie hat es jeder schon gehört, dass es in diesem Jahr zu deutlichen Veränderungen kommt, aber wie das genau ablaufen soll, ist noch unklar. In Deutschland redet man bisher öffentlich nur von Kurzarbeit, heute kam die Meldung rein, bei SAP stünden 600 Arbeitsplätze durch Nichtwiedereinstellung auf der Kippe. Die Arbeitslosenzahlen sind stärker gestiegen als gedacht, was aber auch auf den Winter zurückgeführt wird. Klingt nicht gut, aber auch nicht so dramatisch wie die 25.000 Arbeitsplätze, die die Niederlande in den vergangenen Monaten schon verloren hat.

Wirtschaftlich krieselt es auch bei den Zeitungen. Außerdem ist dies ein Bereich, der es mit grundsätzlichen Veränderungen zu tun bekommen wird. Viele Leute lesen im Internet, was sie nicht zusätzlich auf Papier kaufen werden. Viele schreiben im Internet, wodurch vielen die Zeit fehlt, sich noch auf eine Zeitung zu konzentrieren.

Besonders hart scheint es da derzeit die New York Times zu treffen.Das Magazin The Atlantic befasst sich in seiner diesmonatigen Ausgabe mit den Fragen, wie lange diese Zeitung noch durchhält. 2007 hatte das Blatt begonnen, seine Artikel vollständig online zu publizieren, um attraktiver für Werbekunden zu werden. Aber der Schuss scheint nach hinten gegangen zu sein.

Das Wallstreet Journal vermeldete in der vergangenen Woche, dass der mexikanische Milliardär Carlos Slimm Retter der Zeitung würde und 250 Mio. in die New York Times pumpt. Kurz danach wurde allerdings bekannt, dass dieses Geld mit 14,5% verzinst ist. Der Zeitung muss es also schon sehr dreckig gehen, wenn man einen derartigen Kredit annehmen muss.

Atlantic-Autor Michar Hirschhorn unkt, dass die New York Times bereits in Kürze durch Google, CBS oder Microsoft übernommen und ausgeschlachtet werden k?nnte. Was ein Albtraum für die Zeitungswirtschaft.

Wer von den deutschen Zeitungen dran glauben wird müssen, das scheint noch offen zu sein. Ausschließen ist da aber nichts. Mich persönlich würde wohl das Ende einer kleineren Zeitung inhaltlich wenig stören. Sicher, sollte die FAZ derart ausgeschlachtet werden, wäre das schon stark gewöhnungsbedürftig. Aber deren neumoderner Hang, die Popkultur zu huldigen, ist auch schon gewöhnungsbedürftig.

9 Jahre lang habe ich früher gerne die Wochenzeitung Die Woche gelesen, bis sie eingestellt wurde. Die Zeitung sollte langfristig Konkurrenz zu Die Zeit werden, was aber nicht geklappt hat. Wie Marcel Reich-Ranicki ihr damals bescheinigte, fehlte ihr einfach die Leserschaft, neben den etablierten Zeitung brauchte man keine weitere. So sehr ich Die Woche auch mochte, das marktregulierende Argument des Literaturpapstes musste ich gelten lassen. Dabei war es die erste größere Zeitung, die bunte Bilder veröffentlicht hat. Am längsten wehrte sich die FAZ dagegen, aber mittlerweile ist dies der Standard. Auch dass man ein kleineres Format verwendete war neu. Aber all das war nicht geschäftstüchtig: Die Woche machte jährlich 500.000€ minus.

Vielleicht ist dies eh ein Erlebnis, dass man künftig nicht mehr haben wird: Eine sich etablierende, neue Zeitung.

Obamas Begriffskorrektur

Der neue Präsident geht auf seine Weise mit überfrachteten Informationen um: In den ersten Tagen ist vor allem die Schließung des Gefangenenlagers Guantanamo als politischem Neuanfang durch Obama gewürdigt worden. Allerdings fanden erste Veränderungen schon bei seiner Antrittsrede statt.

inauguration

Barack Obama bricht mit der Ausdrucksweise der Vorgängerregierung. Man kann sich jetzt natürlich streiten, ob es einfach nicht seine Ausdrucksweise war oder ob eben nur die Vorgängerregierung eine seltsame Ausdrucksweise verwendet hat. Aber damit ist Schluß: Die Begriffe “Achse des Bösen” und die pauschale Einteilung der Welt in “gut und böse”, “wer nicht mit uns ist, ist gegen uns” scheint ein amerikanisches Relikt der turbulenten Anfangsjahre dieses Jahrtausends zu werden.

Gottseidank, kann man da nur sagen. Statt “gut und böse” verwendet “Obama “gut und schlecht”, wenn auch nicht in Beziehung auf Länder, Rassen oder Terrorgruppen, sondern auf Banken. Und da ist noch die Frage, ob es überhaupt möglich gewesen wäre, Banken als böse zu betiteln. Aber ich unterstelle mal, dass Obama “böse” in den Altwörterschrank schmeisst. Wer immer dieses Wort verwendet, akzeptiert, dass beiläufig ausgesagt wird, ein Mensch, eine Volksgruppe sei von Grund auf veranlagt dazu, schlecht zu handeln. Solche Leute kann man natürlich gut von sich selbst unterscheiden. Niemand sagt über sich selbst, man würde grundsätzlich daneben liegen.

Aber was ist das für eine Vorstellung vom Menschen als möglicherweise grundsätzlich böse? Eine mittelalterliche, wie mir scheint. Eine andere Begriffsverwendung drückt daher ein anderes Weltbild aus, ein aufgeklärteres.

Es ist zumindest interessant zu sehen, dass Obamas Politik nicht davon gekennzeichnet ist, sich über negative Begriffe zu profilieren. Bislang waren die starken, gängigen Begriffe durchweg positiver Natur. Vielleicht kommt man eines Tages dazu, dass hier ein geradezu gegensätzliches Verhalten von Obama- und Bush-Regierung zu sehen ist.

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