Andreas Rebers – Sabine aus Hannover

Ich hat­te mal die Gele­gen­heit, als ich bei einem örtlichen Kabaret­tabend an der Theke stand, kurz mit Andreas Rebers zu quatschen. Es passiert sel­ten, aber immer­hin kommt es vor, dass Kabaret­tis­ten nach ein­er Ver­anstal­tung noch zum Quatschen an die Theke kom­men. Ich erin­nere mich ger­ade nur an Urban Pri­ol, der das auch ab und an macht.
Die Auftritte von Rebers sind vielle­icht etwas gewöh­nungs­bedürftig, aber er ist ein richtig net­ter Typ, der sich klar aus­drückt und das Herz am recht­en Fleck zu haben scheint. Man meint gar nicht, wie sel­ten das auch im Kleinkun­st­bere­ich ist.
Hier mal ein dur­chaus witziger Auftritt von Rebers:

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Obamas Begriffskorrektur

Der neue Präsi­dent geht auf seine Weise mit über­frachteten Infor­ma­tio­nen um: In den ersten Tagen ist vor allem die Schließung des Gefan­genen­lagers Guan­tanamo als poli­tis­chem Neuan­fang durch Oba­ma gewürdigt wor­den. Allerd­ings fan­den erste Verän­derun­gen schon bei sein­er Antrittsrede statt.
inauguration
Barack Oba­ma bricht mit der Aus­druck­sweise der Vorgänger­regierung. Man kann sich jet­zt natür­lich stre­it­en, ob es ein­fach nicht seine Aus­druck­sweise war oder ob eben nur die Vorgänger­regierung eine selt­same Aus­druck­sweise ver­wen­det hat. Aber damit ist Schluß: Die Begriffe “Achse des Bösen” und die pauschale Ein­teilung der Welt in “gut und böse”, “wer nicht mit uns ist, ist gegen uns” scheint ein amerikanis­ches Relikt der tur­bu­len­ten Anfangs­jahre dieses Jahrtausends zu wer­den.
Gott­sei­dank, kann man da nur sagen. Statt “gut und böse” ver­wen­det “Oba­ma “gut und schlecht”, wenn auch nicht in Beziehung auf Län­der, Rassen oder Ter­ror­grup­pen, son­dern auf Banken. Und da ist noch die Frage, ob es über­haupt möglich gewe­sen wäre, Banken als böse zu betiteln. Aber ich unter­stelle mal, dass Oba­ma “böse” in den Altwörter­schrank schmeisst. Wer immer dieses Wort ver­wen­det, akzep­tiert, dass beiläu­fig aus­ge­sagt wird, ein Men­sch, eine Volks­gruppe sei von Grund auf ver­an­lagt dazu, schlecht zu han­deln. Solche Leute kann man natür­lich gut von sich selb­st unter­schei­den. Nie­mand sagt über sich selb­st, man würde grund­sät­zlich daneben liegen.
Aber was ist das für eine Vorstel­lung vom Men­schen als möglicher­weise grund­sät­zlich böse? Eine mit­te­lal­ter­liche, wie mir scheint. Eine andere Begriffsver­wen­dung drückt daher ein anderes Welt­bild aus, ein aufgek­lärteres.
Es ist zumin­d­est inter­es­sant zu sehen, dass Oba­mas Poli­tik nicht davon gekennze­ich­net ist, sich über neg­a­tive Begriffe zu pro­fil­ieren. Bis­lang waren die starken, gängi­gen Begriffe durch­weg pos­i­tiv­er Natur. Vielle­icht kommt man eines Tages dazu, dass hier ein ger­adezu gegen­sät­zlich­es Ver­hal­ten von Oba­ma- und Bush-Regierung zu sehen ist.

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Die Halbwertszeit der New York Times

Irgend­wie hat es jed­er schon gehört, dass es in diesem Jahr zu deut­lichen Verän­derun­gen kommt, aber wie das genau ablaufen soll, ist noch unklar. In Deutsch­land redet man bish­er öffentlich nur von Kurzarbeit, heute kam die Mel­dung rein, bei SAP stün­den 600 Arbeit­splätze durch Nichtwiedere­in­stel­lung auf der Kippe. Die Arbeit­slosen­zahlen sind stärk­er gestiegen als gedacht, was aber auch auf den Win­ter zurück­ge­führt wird. Klingt nicht gut, aber auch nicht so drama­tisch wie die 25.000 Arbeit­splätze, die die Nieder­lande in den ver­gan­genen Monat­en schon ver­loren hat.
Wirtschaftlich krieselt es auch bei den Zeitun­gen. Außer­dem ist dies ein Bere­ich, der es mit grund­sät­zlichen Verän­derun­gen zu tun bekom­men wird. Viele Leute lesen im Inter­net, was sie nicht zusät­zlich auf Papi­er kaufen wer­den. Viele schreiben im Inter­net, wodurch vie­len die Zeit fehlt, sich noch auf eine Zeitung zu konzen­tri­eren.
Beson­ders hart scheint es da derzeit die New York Times zu treffen.Das Mag­a­zin The Atlantic befasst sich in sein­er dies­monati­gen Aus­gabe mit den Fra­gen, wie lange diese Zeitung noch durch­hält. 2007 hat­te das Blatt begonnen, seine Artikel voll­ständig online zu pub­lizieren, um attrak­tiv­er für Wer­bekun­den zu wer­den. Aber der Schuss scheint nach hin­ten gegan­gen zu sein.
Das Wall­street Jour­nal ver­meldete in der ver­gan­genen Woche, dass der mexikanis­che Mil­liardär Car­los Slimm Ret­ter der Zeitung würde und 250 Mio. in die New York Times pumpt. Kurz danach wurde allerd­ings bekan­nt, dass dieses Geld mit 14,5% verzinst ist. Der Zeitung muss es also schon sehr dreck­ig gehen, wenn man einen der­ar­ti­gen Kred­it annehmen muss.
Atlantic-Autor Michar Hirschhorn unkt, dass die New York Times bere­its in Kürze durch Google, CBS oder Microsoft über­nom­men und aus­geschlachtet wer­den k?nnte. Was ein Alb­traum für die Zeitungswirtschaft.
Wer von den deutschen Zeitun­gen dran glauben wird müssen, das scheint noch offen zu sein. Auss­chließen ist da aber nichts. Mich per­sön­lich würde wohl das Ende ein­er kleineren Zeitung inhaltlich wenig stören. Sich­er, sollte die FAZ der­art aus­geschlachtet wer­den, wäre das schon stark gewöh­nungs­bedürftig. Aber deren neu­mod­ern­er Hang, die Pop­kul­tur zu huldigen, ist auch schon gewöh­nungs­bedürftig.

9 Jahre lang habe ich früher gerne die Wochen­zeitung Die Woche gele­sen, bis sie eingestellt wurde. Die Zeitung sollte langfristig Konkur­renz zu Die Zeit wer­den, was aber nicht geklappt hat. Wie Mar­cel Reich-Ran­ic­ki ihr damals bescheinigte, fehlte ihr ein­fach die Leser­schaft, neben den etablierten Zeitung brauchte man keine weit­ere. So sehr ich Die Woche auch mochte, das mark­treg­ulierende Argu­ment des Lit­er­atur­pap­stes musste ich gel­ten lassen. Dabei war es die erste größere Zeitung, die bunte Bilder veröf­fentlicht hat. Am läng­sten wehrte sich die FAZ dage­gen, aber mit­tler­weile ist dies der Stan­dard. Auch dass man ein kleineres For­mat ver­wen­dete war neu. Aber all das war nicht geschäft­stüchtig: Die Woche machte jährlich 500.000€ minus.
Vielle­icht ist dies eh ein Erleb­nis, dass man kün­ftig nicht mehr haben wird: Eine sich etablierende, neue Zeitung.

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